Zero Day, 17./18. Juni, schlafen, essen, waschen, planen

Am 17. Juni gehen wir zum Sportgeschäft Footloose Sport, es ist super, wir laufen rein und schon werden wir herzlich empfangen von Kevin Hepburn. Auch er kennt die Story von uns und findet uns unglaublich. Wir als Ehepaar auf dem PCT, das könne er nur bewundern. Er ist eindeutig von Füssen begeistert, er vergleicht Andys Art zu gehen mit einem Pferd, ich finde, es sieht eher aus wie eine Ente, die watschelt. Mit den Füssen von Andy ist er eine Zeit lang beschäftigt, genial, er gibt gute Tipps: Kleine Schritte machen, die Füsse gut kühlen und auch die Kompessionsstrümpfe sind wichtig.

Danach gehen wir noch mit Moni ins Info und Forstservice-Center, auch dort bekommen wir einigermassen gute Nachrichten. Nachher natürlich in den Starbucks, um unseren Blog zu verschicken und zu telefonieren.

Am Abend gehen wir noch mit den anderen fein essen, wird ein lustiger Abend. Patrizia ist ziemlich müde, so gehen wir früh zum Hotel zurück.

Am 18. Juni gehen Andy und ich nach dem Frühstück ins Starbucks. Wir besprechen noch, was in den letzten Tagen schief gegangen ist. Es ist sehr wichtig sowas zu analysieren, wieso es passiert ist. Wir sind beide überzeugt, dass mein Sturz nicht passiert wäre, wenn ich von Anfang an meine Bedenken klar kommuniziert hätte. Der Sturz von Andy war schlicht und einfach Pech, man kann nicht immer sehen wie dick der Schnee ist oder was unter dem Schnee ist. Ob ein Stein, oder ein Baumstamm oder ein Hohlraum dazwischen. Bei Schnee auf dem Weg werden wir in Zukunft weniger Meilen machen, das Tempo der Gruppe ist uns zu hoch. Wenn uns im nächsten Streckenabschnitt etwas zu riskant ist, werden wir diese Strecke umlaufen, es gibt immer eine Alternative, die einfacher machbar ist. Wir zwei sind uns einig, so sind auch die letzten Meilen hoffentlich machbar, ansonsten ist die letzte Option für uns das Rausgehen.

Jemand hat uns gesagt, wir sollten die Verantwortung für die anderen drei übernehmen, der hat sicher nicht verstanden, was der PCT bedeutet. Wenn sich jemand entschliesst, ein halbes Jahr auf einem solchen Höhenweg zu laufen, sollte er in der Lage sein, selber zu merken, wann es für ihn zu gefährlich wird. In der Gruppe einander möglichst helfen ist machbar, aber sicherzustellen, dass dem anderen nichts passiert, ist nicht möglich. Natürlich ist immer ein Risiko dabei, wenn es Schnee hat, die Flüsse viel Wasser haben, man müsste auch gesichert gehen oder die entsprechende Ausrüstung dabei haben (was wegen dem Gewicht keiner hat). Das ist einfach so, jeder muss für sich entscheiden, wo seine Grenzen sind.

Gegen den Abend gehen wir zum Hotel zurück, um unsere Überlegungen den anderen mitzuteilen. Auch haben wir entschieden, noch einen Zero-day anzuhängen. Mit den neuen Schuhen und den speziellen Einlagen wird es mit Andys Fuss immer besser. Ich weiss, dass wir jetzt sehr egoistisch scheinen, bin aber überzeugt, dass es notwendig ist, die Strecke in unserem Tempo durchzuziehen, auch Andy ist nicht mehr der Jüngste. Patrizia, Moni und Markus wollen trotzdem weiter mit uns hiken.

Heute sind wir noch für acht Tage einkaufen gegangen, vor dem Center haben wir einen Schokoladekuchen verdrückt mit Unmengen Kalorien. Da kommt ein Hiker auf uns zu, im ersten Moment erkennen wir ihn nicht, Didi aus Wädenswil hat aber sehr abgenommen. Er erzählt, dass er vom Wasser weggespült worden ist und am Sonntag noch ins Gewitter gelaufen ist. Auf den Punkt gebracht, nicht wirklich ein entspanntes Wandern. Er wird heute noch weiter gehen, will einfach raus aus der High Sierra.

Danach machen wir noch unsere obligate Busfahrt, kreuz und quer durch Mammoth Lakes, der Ort ist riesig und recht auf Touristen ausgelegt. Der Bus ist übrigens gratis und der Fahrer ist wahrscheinlich gleich alt wie der Bus.
Anmerkung Andy:
Moni hat meinen Fuss super getaped 👍, dankeschön!
Und auch ein Danke nach Altendorf in die Physiotherapie.

16. Juni, Mammoth Lakes

Um 6 Uhr ziehen wir los. In der Nacht ist die Temperatur runter gegangen. Mir ist es recht, zügig hinunter zu gehen, die Schlechtwetterfront scheint zu kommen. Wir freuen uns auf gutes Essen, auf duschen und ein Bett. Wir brauchen auch eine Pause, mir tut das linke Bein weh, das ich im Fluss an einem Stein angeschlagen habe, Andy ist der Fuss angeschwollen. Dann wollen wir in aller Ruhe den Film der unglücklichen Querung anschauen, den Markus aufgenommen hat, und das weitere Vorgehen besprechen.

Bis zum Parkplatz sind es noch sechs Meilen, Andy muss für seinen Fuss eine Schmerztablette nehmen. Ich laufe vor ihm, damit falls der Schnee nicht hält, ich die Rolle (postholing) mache und nicht er. Es geht durch den Wald im Schnee, alles den Spuren nach. Heute begegnen uns viele Hiker.

Vom Parkplatz müssen wir noch 4,5 Meilen auf der Teerstrasse bis zu Mammoth Lakes laufen. Auf den letzten zwei Meilen kommt uns Moni entgegen mit Trailmagic, super lieb von ihr. Wir laufen bis zu einem Restaurant, um ausgiebig zu essen. Danach will ich nur noch ins Hotel.

Nach einem Nickerchen müssen wir für neue Schuhen für mich schauen. Mit dem Bus fahren wir zum Sportgeschäft. Als ich mit den zwei verschiedenen Schuhe hineinkomme, schauen sie, dann sagt ein Angestellter: «die Schweizerin, die einen Schuh im Fluss verloren hat». Er findet das eine super Story, und uns nur toll, wir verstehen das nicht ganz, aber werden genial beraten. Für Andy verabreden wir auf den nächsten Tag, dann wird jemand, seinen Fuss anschauen, der viel davon verstehen soll.

Zurück im Hotel geht es gleich weiter. Daniel, der mir die Schuhe ausgeliehen hat, ist auch im Dorf angekommen. So treffen wir uns im Restaurant, um ihm die Schuhe zurückzugeben. Wir essen zusammen, und haben einen netten Abend. Am Nachbartisch isst ein Pärchen Käse-Fondue. Ich kann nicht glauben, was die alles ins Fondue rühren, am liebsten würde ich’s ihnen wegnehmen, einfach gruslig.

Heute sind wir total müde, ich schlafe schon im Bus ein, gehen im Hotel gleich ins Bett.
Wir sind 10 Meilen vom Trail ins Dorf gelaufen.

Tag 55, 15. Juni, Silver Pass

Die Nacht war nicht besonders erholsam, wir haben beide nicht so gut geschlafen. Mir ist klar geworden, dass ich gestern einfach vor der Querung hätte meine Bedenken mitteilen müssen statt einfach zu hoffen, dass es gut geht, nur weil es schon x-mal gut gegangen ist. Andy und ich wollen in Zukunft mehr Zeit aufwenden, um solche Flussquerungen sicherer zu machen und wenn nötig, sie sogar zu umlaufen oder Alternativen zu nehmen. Markus und Patricia sehen es auch so.

Um 5 Uhr laufen wir los. Heute sollten nur kleinere Bäche, bzw. zwei mit Brücken kommen, das sollte gut machbar sein. Trotzdem kostet mich das Loslaufen zuerst Überwindung, geht aber nicht anders, wenn ich zu Mammoth Lakes kommen will. Also stapfe ich los und mit der Zeit überwiegt die Freude hier zu sein und ich geniesse jeden Augenblick. Es hat hier immer wieder Hiker unterwegs, alleine und in Gruppen. Als wir auf dem Silver Pass sind, ist es einfach traumhaft, Andy macht Kaffee und super Bilder.

Danach geht es hinunter, alles durch Schnee und Wald, es hat viele Spuren, teilweise ist der Schnee auf dem Weg schon weggeschmolzen. Andy geht voraus, plötzlich bricht der Schnee ein, er macht einen Abflug nach vorne. Der linke Fuss schlägt auf, es sieht schmerzhaft aus. Ich helfe ihm auf und sage: «Das ist, glaube ich, nicht unser Streckenabschnitt».

Ab nun geht Markus voraus, bis zu einem Zeltplatz, der ist super, hat sogar Internet. Markus reserviert für die nächsten zwei Nächte ein Apartment. Andy und ich sind ziemlich fertig, die letzten Tage waren einfach zu viel für uns, auch zu viel Höhenmeter. 180 Kilometer in neun Tagen bis hierher, mit einer Nacht und einem halben Tag Pause im Schnee unterwegs, dazu die Höhe und die schwierige Strecke (zusätzlich bei Schneeschmelze). In der Zeit bei diesen Verhältnissen diese Strecke zu meistern, ist nicht ohne.
Andy und ich beschliessen, mehr auf unser Tempo zu achten und mehr Pausen einzulegen, wir sind ja keine 20 mehr.
Übernachtung bei PCT-km 1454 (Meile 904) nach 34 km also 21 Meilen.

Tag 54, 14. Juni, Meile 883

Wir schlafen bis 8 Uhr, freuen uns aufs Frühstück. Die Menükarten bieten verschiedene Frühstück-Varianten an, super, aber leider gibt’s keine Kartoffeln, der Kaffee ist auch leer, also wirklich im Griff haben sie’s hier nicht. Der Tag fängt ja gut an. Andy ohne Kaffee, das ist nicht wirklich lustig, er ist richtig genervt. Ich auch, sollte ja nicht so schwer sein, Kartoffeln oder was ähnliches zu organisieren. Die letzten Tage waren sehr streng für uns, eigentlich haben wir uns auf einen ruhigen Tag eingestellt mit viel essen.

Nach dem Frühstück geht es im gleichen Stil weiter. Abgemacht war, dass wir um halb fünf mit dem Fährboot auf dem Stausee Lake Thomas A Edison zurück zum Weg fahren. Als wir die Tickets lösen, sagen sie uns, dass die Fähre schon um halb drei fahre. Schlussendlich sollen wir um ein Uhr beim Boot sein. Das nervt uns, aber die Überfahrt war dafür sehr schön. Der Wasserpegel ist tief, in einem Monat sei der See voll vom des Schmelzwasser.

So um 16 Uhr laufen wir auf dem PCT weiter und haben natürlich gleich wieder nasse Füsse. Der Weg geht zum Silver Pass, immer den Hang hoch durchs Cascade Valley, wir überqueren einige Bäche, mal kleinere und grössere. Patrizia fragt, warum wir jetzt nicht hier campieren. Ich vermute, Andy möchte hoch bis zur Schneegrenze, weil wir dann in der Früh im harten Schnee gehen können.

Wir treffen auf einen Wasserfall, der über den Weg geht. Das Wasser rauscht in einem Tempo über den Weg, man sieht den Boden nicht. Die Anderen gehen ohne grössere Probleme darüber, ich bin die letzte zum queren. Ich habe kein gutes Gefühl dabei und bleibe stehen, um zu schauen, ob Andy es realisiert, dass ich vielleicht Hilfe brauche (der Wasserfall macht einen gewaltigen Lärm, dass wir uns nicht hören). Andy ist wie immer schon bereit und deutet mir, wo es am besten geht. Als ich fast drüben bin, drückt mich die Flut weg, spült mich ein Stück mit, ich klammere mich am nächsten Stein fest. Unmöglich, mich selber zu befreien. Andy ist sofort zur Stelle und zieht mich aus dem eiskalten Wasser, Markus kommt ihm zu Hilfe. Nachher fehlt mir ein Schuh, ein Stock ist verbogen, ich bin völlig durchnässt und durchfroren, bin einfach mit dem Schrecken davon gekommen. Auch die anderen hat die Situation ziemlich erschreckt.

Wir suchen uns einen schneefreien Platz – finden nach einer Weile ein trockenes Plätzchen – um zu überlegen, was wir jetzt machen sollen. Ich ziehe alles aus, um mich trocken anzuziehen, mit Andys Kleidern und den Regenhosen wird es mir langsam wieder warm. Aber mir fehlt ja ein Schuh. Wir überlegen, woraus wir einen Schuh basteln können. Mit einem Stück von einer Matte und viel Klebeband, könnte es gehen, aber wird etwas dauern.

So fangen wir an, unsere Zelte aufzustellen. Es kommen weitere Hiker den Hang hoch, einer hat doch tatsächlich Schuhe am Rucksack befestigt, wir erzählen ihm was mir passiert ist und er gibt mir die Schuhe. Was für ein Glück, ich umarme ihn, so erleichtert bin ich.

Dieser Tag war nicht der beste auf dem PCT, aber wenn du sowas machst, bringt es Risiko mit. Darum bin ich so dankbar, dass Andy immer für mich da ist, wenn ich ihn brauche.
Ende bei km 1420 (Meile 883), heute sind 13 km oder 8.5 Meilen weit gekommen.

Tag 53, 13. Juni, VVR

Tag verfasst von den Mithikern Patrizia und Markus:
Nach rund sechs Tagen seit der letzten Stadt war dieser Tag geprägt von Gelüsten und Fantasien nach feinem Essen. Das Gesprächsthema Nr. 1 ist Essen, es wird heiss diskutiert, was man in der nächsten Stadt so alles essen könnte.

Nach einer erholsamen Nacht starteten wir um 5 Uhr Richtung Selden Pass. Um diese Zeit ist der Schnee noch angenehm hart und die Landschaft ist wiederum einmalig. Plötzlich bleibt Andy stehen, als er ein Wildhuhn entdeckt, es verwandelt sich sofort in unseren Fantasien in ein feines Poulet im Körbchen, in Chicken Nuggets etc. Leider blieb es Fantasie.
Nach einem vierstündigen Aufstieg geniessen wir unter strahlend blauem Himmel endlich unser Frühstück auf dem Pass.

Beim Abstieg sind wir alle gespannt auf die nächste Flussquerung, den Bear Creek, da diese als sehr anspruchsvoll beschrieben wurde. Beim Fluss bestätigt es sich, dass es sich hierbei um ein wildes Gewässer handelt. Wir suchen nach einer passenden Stelle, um den Fluss sicher zu queren. Der unerschrockene Andy stürzte sich wie immer als Erster in die kalten Fluten. Als ihm das Wasser jedoch bis zum Hals steht, kehrt er wieder an unser Ufer zurück. An einer neuen Stelle wagt sich Markus als erstes an die Querung, er schafft es. Andy und Markus deponieren den Rucksack auf der anderen Flussseite. Mit einer 4er-Menschenkette kämpfen wir uns sicher durch die Fluten.
Durchnässt und durchfroren erreichen wir das andere Ufer, wo uns ein Hiker aus dem Land der Schnecken- und Froschschenkel-Liebhaber mitteilte, dass rund 200 m weiter oben eine Brücke («sär is ä briiiidsch») vorhanden sei. Auf einen Stein trockneten wir unsere Kleider und wärmten uns wieder auf.

Die Pause darf aber nicht zu lange dauern, wenn wir heute noch das Vermillion Valley Resort (VVR) erreichen wollen. So geht es mit ständig nassen Füssen weiter. 15 Kilometer vor dem Ziel übernimmt Rosa die Führung. Von Gelüsten und Hunger getrieben treibt sie die Gruppe in hohem Tempo voran, denn das Abendessen in VVR ruft. Die ganze Gruppe gerät ausser Atem, sogar Andy kommt kaum noch hinterher. In VVR bestellen wir sofort das Essen. Leider waren die Portionen so klein, dass wir anschliessend noch unseren Kocher anschmeissen mussten, um satt zu werden.
Einigermassen satt und müde kriechen wir bald ins Zelt und schlafen nach einem strengen Tag wie Murmeltiere.
Wir sind heute 16.4 PCT Meilen (26.4 km), zusätzlich 8 Meilen Off-Trail (13 km) zum VVR gelaufen.

Tag 52, 12. Juni, Meile 858

Das war nicht unsere beste Nacht. Wir schlafen auf dem Boden des Häuschens, um elf Uhr hör ich draussen Schritte im Schnee. Dann geht die Türe auf und die Silhouette eines Mannes mit Eisaxt steht in der Türe. Er sieht uns, dreht ab und geht wieder nach draussen, war schon ein bisschen unheimlich im ersten Moment.
Zacharias ist PCT-Hiker und unserer Spur gefolgt, er ist nur später als wir gestartet.
Jetzt erst bemerken wir, wie es in der Hütte stinkt. Es brennt dermassen in den Augen, dass Andy und ich Cowboycamping machen gleich neben der Hütte. Es ist zum Glück nicht zu kalt und der Himmel ist voller Sterne.

Muir Pass Hut

Um halb sechs stehen wir auf, leider ist der Himmel zugezogen, nichts mit Sonnenaufgang fotografieren. Der Abstieg vom Muir Pass ist über eine Hochebene mit fünf Seen. Danach steigen wir im Wald hinab, alles im Schnee, der immer weicher wird. Zacharias läuft bis zum Fluss mit uns. Super, er ist professioneller Fotograf und macht Bilder von uns, die wir dann später bekommen.

Unten müssen wir den Fluss Evolution Creek queren, mitten durchs ziemlich tiefe, reissende Wasser, ist nicht ganz einfach. Nach dem Queren machen wir auf einem Stein Pause, um alles zu trocknen.

Der Nachmittag war sehr imposant immer am Fluss S Fork San Joaquín River entlang zum nächsten Pass (Selden Pass, 3326 m). Unglaublich, wie sich diese Menge von Wasser mit einer Geschwindigkeit und Wucht durch die Schlucht stürzt. Das Rauschen ist gewaltig laut. Am Nachmittag können wir auf schneefreiem Weg wandern, herrlich, das geht viel einfacher. Ausser Zacharias sehen wir keinen einzigen Hiker.

Andy schmerzt ein Fuss, er sagt nichts und läuft einfach weiter. Ich beschliesse, dass wir Feierabend machen. Wir müssen noch Wasser fürs Kochen holen, dafür gehen wir an den Fluss hinunter, Andy bleibt oben sitzen. Es dauert etwas länger bis wir wieder bei ihm sind, dafür hat er Besuch von einer Deer-Dame.
Schluss bei km 1381 (Meile 858), wir sind 32 km (20 Meilen) gelaufen.

Anmerkung Markus:
Die Flussquerung vom Evolution Creek war wirklich nicht ohne. Nach 2/3 der Querung stiessen wir auf eine tiefere Rinne. Wir blieben stehen, die Beine wurden immer kälter, nur Rosa stürzte sich mutig in die Fluten. Das Wasser reichte ihr je nach Ausführung vom Bauchnabel bis zum Hals. Jedenfalls wurde geklärt, dass Rosas Rucksack absolut wasserdicht ist – mit Ausnahme der Seitentaschen, wo die Merinopullover verstaut waren.


Tag 51, 11. Juni, Muir Pass, Meile 835

Um 6 Uhr starten wir, für einmal ist der Weg zu sehen, aber meistens ist er unter Wasser. Überall läuft Wasser den Hang hinunter. Keiner von uns will schon am Morgen früh nasse Füsse. Andy denkt, er sei ein Seiltänzer und will über den Bach über einen schmalen Ast und dazu noch mit Eis überzogen. Andy rutscht aus und landet mit beiden Füssen im eiskalten Wasser. Wir lachen ihn aus, so ein Angeber, daneben hätte es einen breiten Baumstamm gehabt.

Wir laufen am Fluss Palisaden Creek entlang Richtung Muir Pass, immer ansteigend, links und rechts beeindruckende Berge. Heute sehen wir viele Wildtiere und hören mehrmals Bären. Wir überlegen uns, was man Feines aus so einem Tier machen könnte, jedem Vegetarier würden die Haare zu Berge stehen. Markus würde es mit den Stöcken von vier Seiten einkreisen, den Rest darf ich nicht beschreiben. Klar ist, wir müssen wiedermal etwas Feines zu essen haben, bei der nächsten Gelegenheit wir wollen grillieren.

Den ganzen Tag über sehen wir keine anderen Hiker in dieser atemberaubenden Berglandschaft, es ist unbeschreiblich schön. Andy stampft wie ein Roboter durch die riesigen Schneefelder, egal, ob es steil wird, einfach Schritt um Schritt. Wir hinter ihm, etwas angeschlagen. Ich habe zu kämpfen in dieser Höhe. Patrizia sorgt für Unterhaltung, aber nur bis Andy stehenbleibt.

Um 4 Uhr kommen wir beim Steinhäuschen auf dem Muir Pass (3648 m ü. M.) an, hier wird heute übernachtet. Der Sonnenuntergang ist unbeschreiblich schön, du siehst einfach diese Wahnsinnsweite mit absolut nichts im Licht der untergehenden Sonne. Um so etwas zu sehen, leben wir. Wir sind alle nur glücklich, miteinander hier zu sein.

Schluss bei km 1 349,5 (Meile 835), gelaufen sind wir 25 km oder 15 Meilen.