Tag 21, 4. Mai, Meile 328,78, Silverwood Lake

Wir gehen erst um halb sieben los, weil in drei Kilometern die warmen Quellen kommen. Hätten auch gestern noch bis zu den Deep Creek Hot Springs gehen können, die meisten Hiker machen das. Wie wir schon vom 2017 wissen, baden sie dort abends nackt, ist nicht so unser Ding.
Wir laufen die drei Kilometer richtig schnell und steigen dann in der Unterwäsche gleich ins erste Becken. Das Baden war herrlich, schön warmes Wasser und ein super Ausblick in die Natur. Wir hätten vielleicht zuerst schauen sollen, am Beckenrand hat es diverse Kleidungsstücke, wir sind die einzigen mit Kleidung im Wasser. Irgendwann kommen immer mehr Hiker, wir gehen dann mal.

Danach geht es im Tal weiter bis zum Mojave River Forsk Reservoir Trocken-Staudamm (der das Flutrisiko auffängt). Hier essen wir Frühstück, heute wieder mal Haferflocken, es ist aber schon 11 Uhr.

Wir laufen weiter, jetzt wird es sehr heiss, beim Highway 178 haben wir Handy-Empfang, wir setzen uns unter den nächsten Busch, um die E-Mails zu beantworten.
Danach geht’s den Hang hinauf, es ist der Wahnsinn, wie alles blüht und dann dazwischen die schwarzen Äste (verbrannte Sträucher), dieses Farbenspiel mit dem rötlichen Gras ist einfach genial. Einmal müssen wir durch einen Schwarm Bienen oder Wespen laufen, war nicht so gemütlich. Aber zum Glück hat uns ein Mann gewarnt, der uns entgegen kam, dadurch hatten wir vorher unser Netzteil über den Kopf gestülpt, alles schön abgedeckt und sind so durchgelaufen.

Oben geht es auf dem Kamm weiter, wir sehen aufs grüne Summit Valley hinunter mit dem sehr vollen Fluss. Es gibt riesige Weiden mit Rindern, würde gerne zählen wie viele, aber Andy würde mir den Vogel zeigen, ich lasse es. Das Wasser ist vom Stausee Silverwood Lake, dorthin wollen wir heute noch laufen.

Als wir im Tal sind geht’s ein Stück aufwärts zum Stausee, dann laufen wir noch in der Abendsonne oberhalb des Sees bis zu einem Zeltplatz, sehr schön. Feierabend um 8 Uhr, noch schnell Tunfisch gegessen und gleich in Zelt. Schluss bei Trail-km 529 (Meile 328,78), gelaufen sind wir 37 km (23 Meilen).
Anmerkung Andy: Jetzt kommen wir besser voran und wir machen auch mehr Meilen. Wenn es zu langsam geht, wird der Hilfsmotor eingeschaltet.

Tag 20, 3. Mai, Meile 306

Heute haben wir den Wecker auf 5 Uhr gestellt, gleich alles zusammen geräumt und sind los, mit Jacke und Kappe an, es ist kalt. Zuerst geht’s eine Weile durch sehr kahles Gebiet, dann wird es grüner und hat auch wieder Bäume und riesige Sandsteine. Bis 10 Uhr verläuft der Weg meistens am Fluss Holcomb Creek entlang, sehr schön, nicht zu heiss. Danach geht es durch sehr trockenes Gelände und es wird immer wärmer.

Wenn wir eine Tafel sehen, die angibt wie der nächste Abschnitt heisst und wie viele Meilen es sind, mache ich ein Foto, so müssen wir nicht lange im App suchen auf dem Handy. Ich mache ein Foto mit den Meilen bis zum nächsten Fluss, dem Deep Creek, kaum sind wir losgelaufen fragt mich Andy, wieviele Meilen es bis zum Fluss seien. Ich hab’s schon vergessen, er meint, schau doch auf dem Foto nach, aber das Handy habe ich eingesteckt und es stinkt mir, es wieder hervorzuholen, ich sage: «Du bist drei Meter vom Schild, willst bis Kanada laufen, aber keine drei Meter zurück, um nachzusehen». Wir müssen lachen, es tut nicht gut so viel in der Sonne zu sein.

Um 1 sind wir beim Fluss, wir gehen gleich schwimmen, super Sache. Es ist sehr kalt, dafür sehr erfrischend. Nach einer längeren Pause (bis halb drei) laufen wir weiter, den ganzen Nachmittag zieht sich der Trail oben in der Schlucht nach vorne, immer mit Sicht auf den Deep Creek. Der Weg ist richtig gut angelegt zwischen den grossen Steinen, super schön.

Heute hatten wir etwas Diskussionen wegen den Tagesdistanzen, Andy ist besorgt, dass wir zu wenig Kilometer machen. Ich – wie immer – mache mir da keine Sorgen und bin der Meinung, dass es mit der Zeit von alleine mehr werden. Ist halt auch schwierig, er ist richtig fit und ich sosolala. Dafür sorge ich für die Unterhaltung, bringt ja auch was.
Schluss gemacht haben wir am Wasser bei Meile 306 (km 492), wir sind heute 34 km (oder 21,5 Meilen) gelaufen. Wir essen und reden noch etwas, gehen dann sehr früh schlafen.

1. Mai, Big Bear City

Herrlich lange geschlafen, also diese Hausregeln sind genial. Das Hostel ist voll mit Hikern, man hört die Zimmernachbarn schnarchen, aber sonst ist es absolut ruhig. Die Atmosphäre ist sehr familiär, die Bäder und die Küche werden geteilt.

Big Bear City kommt uns vor wie in ein Schweizer Skiort, nur dass die Häuser viel mehr Umschwung haben und rund um den See verteilt sind. Laufen wollen wir heute nur das nötigste, unsere Füsse schmerzen ein wenig. Wir erkunden die Gegend zu Fuss und mit dem Bus, haben viel geredet während der Fahrt, wenn man sich hier im Bus nach vorne setzt, geniesst man eine super Unterhaltung.

Danach müssen wir wieder das Übliche erledigen, Wäsche machen, schreiben, telefonieren und einkaufen für die nächsten fünf Tage. Andy muss noch etwas für seinen Rucksack holen, ich warte draussen mit dem Essen. Die Einkaufscenter sind gross, also kann das dauern. Kaum setze ich mich hin, kommt eine Frau und fragt, ob ich einen Ride (Mitfahrgelegenheit) möchte. Ich: «Nein, danke», sie: «Bist du sicher?», ich: «Ja, danke». Nach fünf Minuten dasselbe: «Ich fahre dich», ich: «Nein danke, ich warte auf meinen Mann». Das geht dann so weiter bis Andy kommt, du musst dich fast wehren, sonst fährt dich jemand. Als wir richtig Hostel laufen, hält die Angestellte vom Hostel und bringt uns zurück.

Im Hostel machen wir alles bereit für morgen früh, dann geht’s zurück auf den Trail. Mein Rucksack wiegt mit 2 Liter Wasser 11 Kilos, Andys mit 2 Liter Wasser und 2 Liter Coke (für mich) 14,5 Kilos, also sind wir recht leicht unterwegs. Wir reden noch mit anderen Hikern, so bekommt man den einen oder anderen Tipp.

Den Abend verbringen wir in so einer coolen, typisch amerikanischen Bar, so oft wir können, gehen wir Musik hören. Ein Hiker ist dabei, er wohnt in Alaska auf einem grossen Grundstück. Ich frage ihn, ob er auch so einen Truck besitzt. Er erklärt, so einen Truck zu haben das sei wie Jagen und Fischen, in den Staaten einfach ein Muss. Um 9 machen wir Schluss, es ist wichtig, dass wir genug schlafen für morgen.

Tag 15, 27. April, Meile 220

Um 6 Uhr laufen wir los, wir wollen von diesem Berg, es sind nur noch 7 km hinunter. Der Weg geht in riesigen Schlaufen weiter, Höhe scheint man keine zu verlieren, es gibt auch immer wieder Gegensteigungen. Ich verliere langsam die Geduld und schreie mal den Frust raus, Andy meint, das bringe auch nichts. Ich stapfe zügig voraus, damit ich meinen Frust nicht an ihm auslasse, alleine kann ich vor mich hin motzen. Doch aufpassen wäre auch gut, denn nur ein Meter vor mir liegt eine wirklich schöne, ziemlich lange Schlange im Weg. Ich gehe zurück und warte bis Andy kommt, er macht zuerst einen Film und ein Foto von der Schlange.

Danach gehen wir wieder zusammen den Berg runter. Unten sind wir um halb neun, und trinken zuerst zwei Liter Wasser, es hat einen Wasserhahn. Jetzt geht es durch das Tal zur Interstate 10. Eine Schlange liegt auf der Strasse, wir dachten sie sei tot. Wir wollten schauen, wo sie ihren Kopf hat, den hat sie uns dann gezeigt, sie war nicht tot.

Über die Ebene des Cherry Valleys gewandert, hier ist eigentlich nichts ausser Sand und Büsche. Es ist unglaublich wie stark der Wind hier ist, beim Gehen müssen wir uns richtig gegen den Wind stemmen. Der Wind ist so laut, dass wir schreien müssen. Andy sieht wieder dieses kleine Echsentierchen und muss es wieder auf die Hand nehmen und wir schauen es von allen Seiten an. Als er es wieder auf den Boden legen will, bleibt es erstmal auf der Hand, recht herzig dieses Teufelchen.

Bei der Interstate 10 hat es Trailmagic, Wasser und allerlei in der Biker-Box. Andy bekommt von einer Hikerin frisches Gemüse und ich habe ein Sack Chips gefunden. Um 11 Uhr gehen wir weiter, das ist nicht die beste Idee, es gibt fast keinen Schatten und ist sowas von heiss. Wir stossen auf die erste Windfarm, sie gibt immer denselben monotonen Ton – wie riesige Segel im Wind – von sich.

Es geht wieder etwas hoch, wir kommen an die Bedienstelle der Windfarm, sie haben sich auf den nahe gelegenen PCT eingestellt. Heute ist Samstag und es ist trotzdem ein Angestellter dort, super. Hier kann man duschen, es hat sehr günstiges Essen für die Hiker, von Burgern oder Beefsandwiches (einfach im Micro warm machen, schmeckt genial) bis Glacés und Süssem. Als Kasse steht einfach eine Dose auf dem Tisch, die Preisliste hängt als Zettel am Gefrierschrank.
Gegen 14 Uhr steigen wir weiter zum Sattel hoch, aber diese Hitze macht mich richtig fertig. Andy schiebt mich von hinten wie ein Hilfsmotor, er hat unglaublich viel Kraft. Oben auf dem Sattel sind wir geschafft, ins Tal hinunter rennen wir fast. Andy bleibt mal stehen zu fotografieren, ich gehe weiter. Immer in Schlaufen hinunter, der Weg ist steil und voll in der Sonne. Unten suche ich den nächsten Schatten und blicke den Hang hoch, wo Andy ist. Ich sehe den ganzen Weg, aber es kommen nur zwei Hikerinnen. Wir verstehen nicht, wo Andy hingekommen ist. Als wir beschlossen haben wieder hinaufzugehen, um zu schauen, was mit Andy los ist, kommt er von unten hoch. Der Verrückte ist den ganzen Hang einfach gerade hinunter gestiegen. Wir müssen alle lachen, so schnell wie er da runtergesaust ist, haben das die Tiere im Hang wahrscheinlich gar nicht mitbekommen. Wir machen noch eine kleine Pause, da kommt Stefan (der Schweizer), wir gehen jedoch gleich weiter.

Es windet erbarmungslos weiter bis wir ins Whitewater River-Tal kommen. Sieht beeindruckend aus, ein grosser Fluss, herrlich. Schnell eine Stelle suchen, um uns zu waschen, wir Campen aber etwas abseits vom Fluss. Zum Abendessen gibt’s Chinanudeln mit Kartoffelstock mit viel Öl, fein wäre anders. Hier sind wir in der San Gorgonio Wilderness, wir sind heute 30 km (19 Meilen) gelaufen, Schluss bei Meile 220 (km 353).
Andy: Immer mit demselben Koch 👨‍🍳 wird das Essen nicht besser 😉


Tag 9, 20. April, Meile 135

Um 04:30 läutet der Wecker, Andy ist noch müde. Ich fange an, mich bereit zu machen, weil es nochmals ziemlich hinauf geht. Von 1100 m auf ungefähr 1850 m in der Hitze zu gehen wäre eine Plagerei, da sind wir ziemlich sicher.
Es hat immer mal einer von uns den Durchhänger, dann muss halt der andere ein wenig Motivation verbreiten. So um 10 nach 5 gehen wir im Dunkeln los. Als es heller wird, ist es neblig und feucht, dabei geht das Laufen ring und zügig vonstatten.

Um 9 Uhr kommen wir oben an, toll diese Rundumsicht, eine wilde Gegend, wir sehen sogar den Schnee in der Entfernung. Wir suchen uns einen guten Aussichtsplatz zum Frühstücken, Haferflocken mit irgendwelchen Trockenfrüchten aus der Hiker-Box. Andy gibt mir den Topf rüber, ich habe schon genug von Haferflocken. Er sagt: «Stell dich nicht so an, die sind gut.» Waren sie wirklich, mit den Früchten drin richtig lecker. Um 10 ist Schluss mit faulenzen, es geht weiter auf dem Weg. Eine super Gegend, eine riesige Steinlandschaft. Andy und ich sehen immer wieder Steine, die aussehen wie Tiere, einer wie ein Hai mit aufgesperrtem Maul. Wir müssen natürlich wieder etwas rumalbern, so vergeht die Zeit recht schnell.

Wir sind erst um ein Uhr bei Mike’s Place. Dort werden Hiker verköstigt mit Hot-dogs, Pfannkuchen und am Abend gibt es Pizzas. Das muss ein PCT-Hiker einfach gesehen haben, ist wahrscheinlich nicht jedermanns Sache. Es ist recht schmuddelig und chaotisch, die Küche ist teilweise im Freien, eher ein Unterstand, aber Mike und seine Gehilfen sind herzensgute Kerle. Wir genehmigen uns zwei Sodas und Pfannkuchen. Auf dem Tisch steht auch eine Büchse mit Grass, für jedermann der Lust hat, wir lehnen dankend ab. Die WCs sind Freiluft, zwei nebeneinander, habe nicht recht begriffen wozu. Wir werden sicher nicht nebeneinander auf den WCs sitzen und diskutieren. Sachen gibt es.

Nach etwa zwei Stunden wollen wir zurück zum Weg. Als wir gerade weg von Mike’s Place gehen, ruft Yves unsere Namen. Wir können nicht lange reden, Andy und ich müssen jetzt dringend aufs WC. Panik kommt auf, wir rennen einfach zur nächsten Möglichkeit ins Gebüsch, und den Rest lass‘ ich weg. Die Situation war zum totlachen, Andy meint, jetzt wären unser Mägen feinjustiert. So zarte Schweizer Mägen sind wohl ein wenig empfindlicher, so kann man es auch sehen. Danach steigen wir noch eine gute Stunde in die Höhe mit einer atemberaubenden Aussicht auf …(? wie es heisst finden wir gerade nicht, schade). Was es rauf geht, geht’s auch wieder runter. So kommen wir erst um halb acht bei einem Zeltplatz an, bei Meile 135 (Km 217). Dort noch schnell etwas gegessen und gleich ins Zelt.

Tag 7, 18. April, Meile 101, Barrel Spring

In der Nacht hat uns der Vollmond direkt ins Zelt geleuchtet, eine herrliche Nacht ohne Wind. Wir haben super geschlafen, nur einmal haben wir etwas rascheln gehört, hörte sich nach einem kleinen Tier an, darum schliefen wir weiter. Wir sind um 04:50 Uhr aufgestanden und eine halbe Stunde später losmarschiert. Heute wird es sicher sehr heiss, keine Wolke am Himmel. Heute wollen wir mal weniger rumstehen und alles bestaunen, sondern ein wenig Meilen machen.

Der Weg steigt immer leicht an (San Felipe Hills), am Morgen ist dies sehr schön zu wandern. Die Morgenfrische, die aufgehende Sonne, all die Vögel und extrem viele Schmetterlinge, die immer vom Weg wegfliegen, alles recht hübsch. Der Hang ist mit allen Farben verziert, viele Kakteen blühen. Auch heute klappt es nicht wirklich mit zügig Laufen, ein verzweifelter Kaktus mit Blüten und viele andere müssen wir einfach fotografieren. So laufen wir etwa drei Stunden und dann setzen wir uns einfach auf den Weg, schauen ins Tal, Andy macht Kaffee und wir frühstücken. Ich beginne zu schreiben, als Andy was von mir möchte sage ich: «He, bitte nicht den Künstler bei der Arbeit stören».

Um 9 Uhr ist es schon sehr heiss. Wir ziehen bei dieser Hitze immer das ‚Merinoschaf‘ an unter das Hemd. «T-Shorts» nennen wir alles aus Merinowolle und «Gäg-gäg» ist die Daunenjacke. Wir machen sehr gerne Wortspiele, gibt immer etwas zu lachen. Unsere langen Hosen sind mit UV Schutz versehen, so macht uns die Hitze weniger aus. Bis jetzt hatten wir noch keinen Sonnenbrand. Es geht leider nur eine leichter Wind, so ab halb elf werden wir richtig gedämpft von der Hitze. Andy zeigt nach oben, ein Adler zeigt uns seine Flugkünste. Ich bleibe stehen, um dem Tier zuzuschauen, sieht toll aus. Das tue ich nur noch, wenn Andy auch stehen bleibt, Andy will die Meilen durchziehen. Ich sehe es etwas lockerer, es gibt immer wieder etwas zum bewundern. Ich lache ihn an und laufe wieder.

Nachdem wir uns beim Water Cache ins Trailregister eingeschrieben haben, holen wir uns noch 6 Liter Wasser im Ganzen. Um 12 machen wir Mittagspause, legen uns unter einen Busch bis etwa 3 Uhr, eine Siesta wie Cowboys. Danach ist es immer noch heiss, es geht vorerst rauf, nicht zu steil und in Schlaufen, zum Glück hat es nun etwas höhere Büsche. So ab 5 Uhr lässt die Hitze nach. Wir sehen ein herziges Tierchen, Andy nimmt es auf die Hand, damit wir es genauer anschauen können, ein schuppiges Echslein, wollen es unbedingt fotografieren. Wie zwei kleine Kinder benehmen wir uns. Wir beschliessen, jetzt ist Schluss, wir lassen uns nicht mehr ablenken.

Wir laufen und laufen, wir wollen zum Zeltplatz beim Barrel Spring. Dort haben wir bei Km 162,8 (Meile 101) Feierabend gemacht, also sind wir 35 Kilometer gewandert, es geht doch, wir können auch vorwärtsmachen. Die ersten 100 Meilen erwandert!

Beim Zeltplatz war die erste Trail Magic: ein Mann hat Sodas, Chips und Mandarinen für die Hiker dabei. Danach waren wir satt und platt, dass wir ohne zu Kochen gleich schlafen gingen, um 8.

Tag 2, 13. April, Lake Morena – Kitchen Creek

Erst um 6 aufgestanden, zuerst Kaffee und dann einpacken. Zwei andere Hiker verstehen nicht, wie wir mit so wenig Gepäck den Hike machen, sie finden es recht unvernünftig. Sie sind das erste Mal auf einem Langstreckenhike unterwegs, finden es total easy. Wenn die wüssten! Dieser Teil ist der leichteste, es wird dann schon noch strenger und wärmer. Wir lassen es, ihnen zu sagen, dass wir das zweite Mal unterwegs sind.

Zuerst müssen wir hinauf, was wir gestern auf der anderen Seite runter sind. Die nächsten Tage geht’s immer auf und ab, immer in Schlaufen. Es ist unbeschreiblich schön, alles ist noch feucht vom Regen und sieht so noch grüner aus. Oben weht jeweils ein leichter kühler Wind. Ich singe irgendetwas und Andy macht mit, unsere Stimmung könnte nicht besser sein.

Etwa nach drei Stunden erreichen wir den Lake Morena Campground. Sofort zum Imbiss und einen super leckeren Burger verdrückt. Immer mehr Hiker kommen an, Andy möchte ein Gruppenfoto machen. Alle mal schön Aufstellung beziehen, doch dann fehlt natürlich der Fotograf. Ich gehe schnell im Imbiss einen holen. Ein netter Typ unterbricht sein Essen und kommt mit, um Fotos zu machen. Es sind hoffentlich alle Thru-Hiker auf dem Bild. Uns alle Namen zu merken probieren wir erst gar nicht, es sind einfach zu viele. Nach dem Essen laufen wir in einem Tal, alles so grün, ich fasse es nicht, erwarte bald noch Kühe auf der Weide zu sehen. Als es zu heiss wird legen wir uns unter einen Baum. Ich schreibe etwas und als ich zu Andy schaue, verdrückt er den zweiten Snicker. Ob er mich nicht fragen wollte, ob ich einen möchte? Er meint, nein, sonst hättest ich ja «ja» sagen können. Unglaublich, das merke ich mir!

Als wir nach dem baden im Cottonwood Creek etwas wieder eine Stunde unterwegs sind, treffen wir Mike, der hier campt. Er lädt uns ein, etwas zu trinken. Mike ist ein richtiger Geschichtenerzähler, er erzählt von Schlangen, Skorpionen und Vögeln, also Adlern mit einer Spannweite wie ein kleiner Gleitschirm. Am beeindruckendsten finden wir die Story vom Berglöwen mit einem Gewicht von 400 Kilo. Aber leider kommt dann ein schlimmes Ende. Er erzählte von einer Frau, die vom Berglöwen angegriffen wurde, den Rest lasse ich aus.

Ich habe für mich beschlossen, Andy vorne gehen zu lassen. Wir gehen im Hang nach hinten, unten im Tal fliesst eine kleiner Fluss, der Kitchen Creek. Dort machen Hiker Feierabend. Sie rufen uns zu, wir sollen auch hier zum campen kommen. Wir rufen zurück, dass wir noch in den Abend laufen. Also wünschen wir uns gegenseitig eine gute Nacht. Der Weg ist so schön mit all diesen Blumen, man könnte meinen, wir seien in den Schweiz Alpen im Frühjahr unterwegs. Wir finden einen super Platz zum übernachten, Schluss ist bei km 49,38 mit super Aussicht, und essen eine riesige Portion Haferflocken mit Erdnussbutter, lecker. Wir kämpfen um unser Gewicht, die angefutterten Kilos geben wir nicht so schnell wieder ab!