CDT 2025 9.-14. Juni

9. Juni: Creede – Monarch Pass
Die Nacht war super, der Sprinkler startet pünktlich um fünf Uhr, das Zelt bleibt trocken. Wir gehen los um zu frühstücken, Leeroy bekommt seine drei Pancakes mit Butter. Wir laden noch alle elektronischen Geräte und Batterien bevor wir gehen. Das ist ganz normal: einfach die nächste Steckdose suchen und laden.
Wir haben noch ein Problem mit dem Zelt, der Reisverschluss schliesst nicht mehr. Wir brauchen etwas um den Reissverschluss zusammenzudrücken .
Wir gehen los und denken irgendwas oder irgendeinen Handwerker werden wir schon finden. Wir sehen ein kleines Häuschen das Blumen verkauft. Die Floristin ist gerade draussen beschäftigt.

Wir bekommen eine Zange und flicken es gleich vor Ort. Mit den kalten Temperaturen nachts auf einer Höhe von meistens über dreitausend Höhenmeter und den täglichen Gewittern wollen wir ein intaktes Zelt.
Der Weg geht raus aus Creede direkt in zehn verschiedene Mienen, sehr interessant.

Teilweise sind die Bauten und Wege noch vorhanden, man kann sich das gut vorstellen wie hier mit Eseln und Pferden gearbeitet wurde.

Erste Mine heute

Natürlich müssen wir auch heute die Regenkleider immer wieder an- und ausziehen. Wir laufen los, nach zehn Metern legt der Regen los, unglaublich nervig.


Wir gehen heute über den San Luis Pass 3600 müM und danach runter und rauf zu einen Sattel auf 3800 müM, dann wieder runter und rauf zum nächsten Sattel 3850 müM. Immer wieder geht es kurz durch Schnee in den Nordhängen.
Beim letzten fängt es wieder an zu stürmen. Ich werde langsam hysterisch, so nervig den Poncho wieder anziehen wenn es windet.

Andy lacht mich aus, was die Situation nicht grad entspannt. Als wir oben auf dem Pass sind, habe ich mich wieder beruhigt. Jetzt geht’s nur noch runter bis zu einem Zeltplatz. Dieses rauf und runter ist für heute vorbei. Ich laufe ein Stück hinter Andy und Leeroy, am Abend ist uns meistens der Gesprächsstoff ausgegangen. Andy wird dann meistens etwas langsamer und träumt etwas vor sich hin. Das wird im heute fast zum Verhängnis, ich sehe den Moose (Elch) 🫎 schon ziemlich früh, er ist ja auch gleich neben dem Weg und ziemlich gross. Andy läuft und läuft. Ich sage „Stopp, stopp, Andy gib mir den Hund, näher geht nicht.“ Er hat den Elch gar nicht bemerkt. Andy schnappt sich dann sein Handy und filmt ich gehe mit Leeroy in einem Bogen weiter.

Irgendwann wird er bei einer seiner Filmaktionen auf einem Geweih landen oder sonst irgendwie Schaden erleiden. 🤪 Das Zelt wird natürlich auch nur 200 Meter vom 🫎 entfernten gestellt. Er wird wohl nichts dagegen haben, ist ja mit fressen beschäftigt.

Zeltplatz mit Abendstimmung

10. Juni: Gunison
Heute gegen Abend werden wir in etwa 40 Kilometer wieder zur roten Route des CDT treffen. Wir gehen über eine Fläche mit vereinzelten Schotterpisten in verschiedene Richtungen, sonst gibt es hier nichts. Den ganzen Tag durch haben wir nur einen Fischer gesehen und einen Autofahrer, also manchmal ist es schon ein wenig einsam hier. Heute erreichen wir auch die 1000 Meilen, ist mit einer Tafel gekennzeichnet. Es gibt noch keine Party hier, es liegen sicherlich noch 2000 Meilen vor uns. Wir kommen schnell voran, wir machen immer kleinere Pausen und weiter geht’s. Entweder ist es nicht allzu streng oder wir sind fitter geworden.

1000 Meilen

Am Abend hängt hartnäckig eine Gewitterwolke über uns. Wir möchten noch bis zur Kreuzung, vielleicht noch vier Kilometer und dort das Zelt stellen. Wir werden sowas von verregnet und verhagelt, obwohl wir gleich unter unsere Plane sitzen. Natürlich hört das Gewitter erst auf als wir beschliessen weiter zu gehen. Wir geben auf und stellen das Zelt.

Eigentlich haben wir gehofft heute Hiker zu sehen, weil die Wege zusammen kommen. Im Vergleich zum Jahr 2022 ist es extrem ruhig auf dem Trail und auch in den Dörfern sieht man nur wenige Hiker. Wir finden das schade. Vielleicht ändert es sich ja wieder wenn die anderen wieder alle einsteigen in den Trail.

11. Juni: Am Mittwoch stehen wir etwas vor sechs auf. Andy meint man könne es nicht wissen, wie es mit diesen zwei Pässen ist bezüglich Schnee.
Ich nerve mich, es wird vielleicht stellenweise noch Restschnee haben. Nützt nichts, wenn Andy sich sorgen macht bleibt er dabei. Dann sind wir früher in Salida, das gefällt mir auch.
Zuerst erreichen wir den North Pass schneefrei über die Strasse.


Gleich auf dem Parkplatz trocknen wir alle Sachen. Hier hat es auch Autos, also sind Tageswanderer unterwegs. Das ist auch ein Zeichen dafür, dass es nicht mehr viel Schnee hat. Wir gehen weiter. Ein Ranger fährt im Pickup vom Berg herunter. Ich frage ihn, wie es aussieht bezüglich Schnee. Er sagt der schmelze und es sei fast kein Restschnee mehr vorhanden. Er schaut uns an und überlegt offensichtlich was er anbringen kann, was wir falsch machen, findet aber nichts. Der Hund ist mit der Leine am Rucksack angebunden. Ich hab einen Bärenspray dabei und wir bleiben entspannt und freundlich. Er verabschiedet sich etwas genervt von uns und fährt weiter. Die Aussage vom Ranger beruhigt Andy doch etwas. Ich bin gespannt wie lange es dauert bis wir am Monarch Pass sind. Der Weg geht den ganzen Tag rauf und runter im Wald, der sehr viel Sturmholz hat und von Waldbränden geschädigt ist.

Wir essen um vier Uhr bei einem Bach, somit müssen wir nicht viel Wasser tragen für den Abend. Um sieben machen wir Feierabend mit wandern und übernachten auf einer Höhe von 3500 müM mit einem wunderschönen Blick auf den Sonnenuntergang.

12. Juni: Wir gehen am Donnerstag etwa um sieben los. Es geht über Bergwiesen und durch Wald hinunter zu einem Bächlein. Dort kommen wir um zwölf an. Ein Hiker hat in die Kommentare geschrieben es hätte einen Baumstamm zum queren. Wir lachen, der Fluss ist ein Bächlein mit einem dickeren Ast darüber. Also alles sollte man nicht ernst nehmen. Wir steigen wieder hoch zum Windy Pick 3600 müM. Es ist sehr anstrengend, dafür hat es schöne Aussichten in die Täler und auf die höheren Berge.

Leeroy macht‘s eleganter


Am Abend erreichen wir den Marshallpass 3300 müM völlig schneefrei. Hier treffen wir einen Mann, der uns eine Mitfahrgelegenheit zum Monarch Pass anbietet. Wir lehnen dankend ab, da wir Morgen sowieso zu Fuss dort hingehen. Es sind jetzt nur noch 16 Kilometer bis dort hin, also ein kleiner Spaziergang. Wir werden noch zurechtgewiesen , also sagen wir, dass es morgen für uns nach Salida geht für einen Tag pause. Er sagt wir sollen es amerikanisch aussprechen, es sei amerikanisch. Ich denke er liegt falsch, es ist eindeutig spanischer Einfluss, aber was soll’s. Wir suchen einen Zeltplatz.

13. Juni: Wir gehen um fünf los. Leeroy ist immer motiviert am Morgen.

Schnee 2022


In Salida bekommen wir in einem Motel noch ein Zimmer. Wir haben wieder Glück. Hier ist in der Stadt ein Festival, also ist so ziemlich alles ausgebucht.

Schnee 2025


Dafür bekommen wir nicht so gute Nachricht von zu Hause, meine Mutter ist im Spital.
Alle die mich kennen, urteilen und sagen „wieso ist sie weg nach Amerika, wenn es der Mutter so schlecht geht“. Ich habe es auch ganz offen mit meiner Mutter besprochen. Wir hatten uns verabschiedet und für mich war klar, das es eventuell ein Abschied für immer ist.
Hoffe das jetzt ein Arzt mit ihr, die Entscheidung trifft, wie es weiter geht und alles nochmals gut gehen wird. Man darf die Hoffnung nie aufgeben, ich werde sie sicher noch sehen im Herbst und ansonsten bin ich in Frieden und Liebe zu ihr gegangen.
Das war jetzt etwas sehr privates, aber es ist auch ein Teil des Weges. Wenn man ein halbes Jahr weggeht, geht das Leben zuhause weiter. Wir sind jetzt auch Grosseltern einer sehr süsse Maus auf die wir uns sehr freuen. Vielleicht ist sie auch der Grund für gewisse Entscheidungen, etwa die Streckenauswahl und auch, dass wir vorsichtiger oder vernünftiger geworden sind.
Also gehen wir in kleineren Schritten weiter. Wir haben dabei so viel Zeit um gewisse Dinge zu verarbeiten das es Sinn macht weiterzumachen.

Wir wollen im Monarchpass Restaurant frühstücken. Der Weg ist nicht ganz schneefrei, es hat noch ein paar Restschneefelder die wir schnell überqueren können, ein Kinderspiel zum Laufen.

Restschnee

Einen Kilometer vor dem Pass machen wir noch schnell einen Kleiderwechsel, dass wir nicht ganz so unordentlich aussehen. Mit dem Schnee waschen wir uns, wach bist du danach 🤪.
Beim Frühstück am Monarch Pass auf 3448 müM sehen wir ein tolles Beispiel für unmotivierte Angestellte. Hier gehen wir schnell wieder raus.


Wir stellen uns an die Passtrasse um nach Salida runter zu kommen.
Wir warten etwa eine Viertelstunde. Steve mit einem geschlossenen Pickup hält an. Wir sind begeistert, so ein netter Mensch. Er erzählt uns gleich als erstes, dass der Wagen etwas kaputt ist. Aber das sei kein Problem, es hat nämich Auslaufpisten den Pass hinunter für den Fall, dass die Bremsen nicht funktionieren. Das sei schon einmal passiert. Ziemlich anschaulich zeigt er uns wie das gewesen ist, immer mit einem Lachen im Gesicht.

Er ist ein lebendiger fröhlicher Mensch. Er erzählt, dass er musiziert, ein Alter Country Stil, alles traurig Lieder. Ich sage zu ihm: „Das ist wahrscheinlich deine andere Seite. Du bist so ein fröhlicher Mensch, du brauchst vielleicht die traurige Musik zum Ausgleich.“ Er sagt: „Ja, das ist so.“ Wir hören noch etwas diese Musik und er erklärt uns alles dazu. Wir geniessen diese Fahrt. Er liebt sein Leben, seine Musik und gute Gespräche. Ein toller Mensch! Wir sind sehr glücklich immer wieder auf solche Menschen zu treffen, die auch in solchen Zeiten nur leben und anderen Menschen helfen, einfach um glücklich zu sein.

Motel Woodland in Salida

14. Juni: Pausentag in Salida
Ich telefoniere und schreibe, Andy geht noch ins Dorf um alles für die nächsten drei Tage vorzubereiten.

Bewohner von Salida


Wir haben entschieden kleinere Etappen zu gehen bis wir wissen, was zu Hause geschieht.
So ist es nicht wirklich ein schönes Erlebnis hier in Salida. Auch hier sind die Leute auf der Strasse, die einen wegen des River Festes, andere um ihre Solidarität gegenüber der Gegenbewegung zur Regierung zu zeigen.

Riverfestival in Salida

Ich stehe vor dem Einkaufszentrum und zwei Gruppen geraten gerade aneinander. Die Frauen in den Gruppen schlichten die Situation. Als Andy raus kommt gehen wir in unser Motel und essen draussen vor dem Motel unser Nachtessen.

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