CDT 2025 18.-22. Juni

18. Juni: Cottenwood Pass 3696 müM – Cooper Mountain Ski Resort – Berthoud Pass 3460 müM
Winter Park
Collegiate Peaks Wilderness


Wir gehen um acht los und frühstücken in einem Café mit Schweizer Bedienung. Die junge Frau ist hier an der Uni. Nach dem Studium will sie wieder in die Schweiz zurück ziehen. Wir gehen wieder an die Strasse um mit Autostop zurück zum Trail zu kommen. Ein Gartenbauer hält an. Er müsste eigentlich zu einem Kunden, aber er fährt uns trotzdem hoch zum Cottenwoodpass. Wir sind sein erster Job, sagt er. Auf dem Colorado Highway 306 geht es 19 Meilen bergauf. Wir können mit Leeroy hinten auf die Ladefläche mitfahren .


Es ist wieder schönes Wetter zum Wandern, etwas Schnee in den Schattenhängen aber der Sommer ist angekommen. Überall blühen die Blumen und es riecht herrlich.

Blume von Colorado

Wir sehen wieder einen Elch mit Jungtier. Ich gehe mit Leeroy und Andy filmt.
Leeroy benimmt sich makellos. Er hat gelernt sich bei Wildtierbegegnungen ruhig zu verhalten und hinter mir herzugehen, was ihm alles an Beherrschung abverlangt.
Diese Strecke ist uns noch sehr in Erinnerung vom 2022, alles war damals noch im Schnee und wir hatten furchtbares Wetter.

Rivercrossing
Trockene Füsse

Diesmal gehen wir auf die neue rote hohe Route, da das Wetter perfekt dafür ist .
Dieser Streckenabschnitt, eine Berglandschaft vom Feinsten, ist für uns der schönste in Colorado bis jetzt. Wir wandern bis zum Ann Pass hoch auf 3830 müM. Der Abstieg ins Tal ist über Schneefelder teilweise steil.

Annpass

Hier müssen wir aufpassen, denn wir haben absolut keine Ausrüstung für diese Steilhänge dabei. Wir suchen uns die sicherste Stelle um ohne zu rutschen runterzukommen. Das braucht etwas Zeit und Geduld. Wir laufen bis um acht in einem Tall nach vorne. Das ist wieder sehr entspannt gehen.

19. Juni: Andy nervt mich schon am Morgen früh mit seinem Gerede von diesem Aufstieg zu Hopepass 3820 müM. Wir gehen früher als gewöhnlich los, zuerst noch vier Kilometer im Talgrund. Dann kommt die Kreuzung. Der Weg zum Hopepass gerade aufsteigen für 750 Höhenmeter innerhalb von 1,8 Kilometer. Allein beim Gedanken daran da hinauf zu müssen wird mir schon warm.


Wir gehen jeder für sich hoch, etwas mehr als zwei Stunden brauchen wir für diesen Aufstieg. Als ich oben ankomme sag ich zu Andy: „Dieser Pass heisst Hoffnung, weil du hoffst oben überhaupt anzukommen.“
Der Abstieg zu den Twin Lakes ist steil und lang, viele Tageswanderer sind hier unterwegs. Wir gehen zu dem ersten Restaurant in dem kleinen Örtchen Twin Lakes, völlig überteuert und kleine Portionen. Hier treffen wir etwa 10 andere uns teilweise bekannte und unbekannte Hiker.
Als die Pizzeria aufmacht gehen wir nochmals Essen mit den anderen Hikern und danach zurück auf den CTD.


Auf dem Weg hoch treffen wir noch Boris, einen französischen Hiker. Wir reden mit ihm über politische Sachen, was sowieso nichts bringt. Es ist einfach eine völlig kranke Situation in der Welt und wir werden daran nichts ändern können. Somit stellen wir das Zelt und der Tag geht mit einer etwas gedrückten Stimmung zu Ende.

20. Juni: Am Freitag Morgen sehen wir eindrücklich, was die Biber für Nager sind. Sie bauen Dämme mit Holz und fällen massenhaft Bäume dafür.
Wir gehen den Weg etwas hintereinander her durch Wald hoch und runter, nicht anstrengend.

Biber am Werk


Mir geht langsam die Energie aus ich habe sicher 8 Kilo abgenommen, Andy muss die Hose unter dem Rucksackbauchgurt tragen, sonst rutscht sie runter. Mit dem Essen hier ist es etwas schwierig. In den Restaurants sind die Portionen meistens klein. Man merkt den Unterschied zu 2022 richtig, die Preise sind auch gestiegen. Auf dem Weg isst man meistens sowieso zu wenig, also verliert man Gewicht.
Ich hab so schlechte Laune den ganzen Tag, dieses Trail-Essen nervt mich und es wird sich nicht ändern. Andy läuft einfach genug weit voraus, ausserhalb meiner Reichweite.


Meine App schickt mich auch noch in eine andere Richtung, was mich erneut nervt. Heute Abend schlafe ich schnell ein, ich bin fix und fertig.

21. Juni: Wir gehen am Samstag wieder um sechs los in Richtung Tenneseepass. Meine Laune hat sich verbessert, Andy ist zum Glück nicht nachtragend. Wir laufen durch bis zum Tennesee Pass 3177 müM, dort kommen wir schon um neun Uhr an.
Eine Hikerin kommt uns mit leckeren Küchlein entgegen, wir verdrücken die süssen Teile. Sie hat hier mit einem Freund übernachtet, der mit dem Auto hierher gefahren ist. Sie fragt, ob wir runter in die Stadt wollen, die Höchstgelegene Stadt in der USA (Leadville 3094 müM).
Wollen wir eigentlich schon. Sie geht zum Zelt und der Fahrer wird geweckt. Er kommt und wir quetschen uns zwischen all das Zeug, dass er im Wagen hat.

In der Stadt gehen wir Pizza essen, für jeden von uns eine Familien Pizza.
Dann kaufen wir noch im Outdoorgeschäft MELANZANA zwei Pullover. Hiker können hier ohne Voranmeldung einkaufen, andere Kunden müssen einen Termin online buchen um einzukaufen. Online wird gar nicht verkauft. Es ist verrückt: die Leute machen hier Selfies vor dem Laden.


Die zwei kommen zurück mit dem Auto, ich und Leeroy wieder hinten rein und mit vollem Magen zurück zum Trail. Der Nachmittag ist jetzt gerettet, wir sind wieder motiviert um zum Wandern. Es ist sehr heiss, aber der Weg geht meistens im Wald, es hat genügend schattige Abschnitte.


Der Aufstieg zum Kokomo Pass 3670 müM ist jetzt kein Problem mehr, auch hier treffen wir Tageswanderer und führen immer wieder mal ein kurzes Gespräch.
Wir stoppen nach der letzten Wasserquelle vor dem Pass.

Ein genial schöner Platz um zum Zelten. Wir waschen uns am Bach und verdrücken danach die restliche Pizza.

22. Juni: In der Nacht auf Sonntag schlafen wir gut und fühlen uns am Morgen erholt. So gegen sechs laufen wir los. Leeroy scheint etwas müde zu sein, also werden wir über Mittag in Copper Mountain sicher eine längere Pause machen.


Beim runterlaufen ins Tal fliegt ein Helikopter Material in eine Loge. Ich frage mich wie die alles verstauen, sogar einen Gastank fliegt er hoch. Der Lastenhelikopter ist riesig und fliegt sieben mal hoch. In Copper Mountain sind wir vor elf Uhr.
Wir gehen in ein Restaurant und hängen dort auf der Terrasse. Telefonieren ist hier nicht möglich. Auch müssen wir noch etwas zu essen besorgen und Leeroy braucht doch mehr Zeit um sich zu erholen. Wir entscheiden runter auf Frisco zu fahren. Also laufen wir zum Hwy 70, stellen uns direkt nach dem Lichtsignal Richtung Frisco hin und machen wieder Autostop. Zwei Autos halten an, der Eine fährt in eine andere Richtung, der Andere fährt uns bis zum gebuchten Hotel.

Perfekt wie alles klappt. Wir sind um eins im Hotel und dürfen schon um zwei ins Zimmer einchecken, obwohl es eigentlich erst ab vier Uhr gewesen wäre. Wir geben unsere Rucksäcke ab und gehen schnell noch einkaufen für heute und morgen. Als wir zurück sind vom einkaufen können wir aufs Zimmer. Leider hat unser Raum keinen Kühlschrank. Wir haben Speck und Hackfleisch für Leeroy, das muss in einen Kühlschrank. Ich gehe zurück zur Lobby. Dort ist ein Gast der fast ausrastet weil die Klimaanlage nicht funktioniert, das ist extrem wichtig hier in den USA. Sie wird solange hier bleiben bis das Zimmer klimatisiert wird.

Für den kleinen Hunger

Ich könnte ja tauschen mit ihr, ich brauche nur einen Kühlschrank, die Klimaanlage stellen wir immer aus. Unser Raum ist der Raum ohne Kühlschrank und Mikrowelle, es tut der Angestellten leid. Die Angestellte schreibt das Fleisch mit unserer Zimmernummer an, legt es in den Kühlschrank und ist froh dass ich beim Sitzstreik nicht mitmache. Immer wenn Leeroy hungrig ist können wir es verlangen, klappt super über die ganze Zeit.

Hinterlasse einen Kommentar