15. Juli: Ich gehe am Dienstag um acht in den Früstücksraum um Essen zu holen, wir essen im Zimmer. Moca, ein anderer Hiker aus England, kommt rein. Wir haben ihn zuletzt Ende New Mexiko gesehen.

Wir freuen uns einander wiederzusehen. Er gib mir eine Umarmung, die Leute schauen etwas irritiert, aber unter Hikern ist es normal. Als ich später wieder in den Frühstücksraum gehe, fragt so ein älterer Moralapostel, ob es mein Sohn war. Ich stimme ihm zu.
Könnte ja sein, wir sind jetzt nicht die jüngsten auf dem Trail. Nach dem Frühstück geht es ab an die Strasse und wir sitzen nach einer Viertelstunde im Auto und werden hoch gefahren zum Pass Sout Pass City.

Das Wandern im Wald und über diese Flächen über die Distanzen und meistens alleine ist manchmal gut und manchmal ist es nur anstrengend. Heute ist es anstrengend und langweilig. Mal mit, mal ohne Regen.
Eine Hikerin kommt uns entgegen, sie geht zurück. Sie haben wir auch schon einmal gesehen, sie hat keine Lust mehr, fühlt sich krank und überhaupt…

Wir laufen bis am Abend zu einem Campingplatz . Dort hat es bärensichere Schränke um das Essen zu verstauen. Schlussendlich verstauen wir dass Essen oder beziehungsweise den Ganzen Rucksack im WC, dort ist es auch sicher. Bei dem Schrank steht ein Auto mit Anhänger und wir sehen niemanden. Ohne zu fragen werden wir den Schrank nicht benutzen.
16. Juli: Wir stehen am Mittwoch vor sechs Uhr auf und gehen weiter, es sollte heute wieder durch Sturmholz gehen. Als wir im Laufe des Morgens im Hang hinunter steigen ist der Weg frei.


Jemand hat hier vor kurzem all die Bäume durchgesägt. Links und rechts ein Schnitt und das Mittelstück neben den Weg geräumt. Wir sehen den Mann in einem Tal, er ist dabei die rumliegenden Äste vom Weg zu schaffen.

Er freut sich uns zu sehen, gibt uns ein Bier und wir setzen uns in den Schatten. Er macht diese riesige Arbeit für uns Wanderer. Er erzählt uns wie viel Freude er daran hat, hier draussen zu sein und etwas Gutes zu tun. Wir geben im 50 Dollar für seinen guten Job den er macht, schliesslich trägt er extra für Hiker Bier hier raus. Am Nachmittag sind wir in den Windriverrange unterwegs, wunderschöner Gebirgszug, unten in den Tälern viele kleine und grosser Seen.

Immer wieder Pässe hoch, ins nächste Tal runter und wieder hoch. Die Landschaft ist so schön, du wirst gar nicht müde hier zu wandern, einfach cool. Am Abend hängen wir das Essen hoch in einen Baum und gehen ins Zelt, die Mücken sind echt kein Spass hier.

17. Juli: Morgens holen wir immer als Erstes den Rucksack vom Baum. Wir fühlen uns so sicher, wenn mal ein Bär vorbei kommen würde, wäre es unwahrscheinlich dass er den Rucksack bemerkt so weit oben im Baum. Voll motiviert geht’s weiter in dieser super schönen Gegend.

Wir filmen und machen Bilder, wir sind gut unterwegs. Leeroy geniesst das Wasser am Sandy Lake, geht er schwimmen und nutzt jeden Bach oder Fluss zum planschen.

Der Tag vergeht wie im Flug, wir haben super Wetter und können überall kleine Pausen in Schatten einlegen. Zum Mittagessen kochen wir Reis mit Käse, wir essen immer das Gleiche und trotzdem reden wir darüber. Heute hat’s irgendwie besser geschmeckt als gestern, ich glaube es hängt von der Stimmung ab ob es besser oder schlechter schmeckt 😁. Das Zelt wollen wir bei einem See stellen, als wir dort ankommen steht leider schon eines dort. Also gehen wir bis zum Ende des Sees und finden einen guten Platz, um zu stellen.

18. Juli: Wir müssen Heute zu einem Seiten-Trail wandern, der 16 Kilometer zu einem Parkplatz runter geht, um dort mit Autostopp nach Pinedale zu kommen. Wir wollen dort Essen holen und einen Tag Pause machen.

Dreissig Kilometer für Essen ist ein grosser Aufwand, etwas nervig. Fünf Tage essen für uns und Leeroy ist gut machbar Gewichtsmässig. Etwa 7 Kilo gesamthaft, 2,5 Kilo nur für Leeroy 🤨.
Wir sind den ganzen Tag damit beschäftigt diese Strecke runter zum Parkplatz zu bewältigen.
Es regnet teilweise und die Strecke ist leider nicht schön zu gehen. Wir fragen uns bei einigen Strecken die durch Sturmholz- oder Waldbrandgebiet geht, was genau so schön daran sein soll. Die Leute hier sagen immer „ist es nicht ein hübscher Platz oder schöner Weg“, wenn sie uns begegnen. Sie finden einfach alles schön, das verstehen wir nicht.

Heute trinken wir uns den Weg schön mit Whisky bei regnerischem Wetter sitzend unter einem Baum. 🤪
Gegen fünf am Abend kommen wir beim Parkplatz an, runter in die Stadt zu gehen schliessen wir aus.
Erstens, jetzt noch jemanden zu finden der runter fährt und uns mitnimmt ist unwahrscheinlich. Zweitens, können wir hier für 12 Dollar einen Zeltplatz nehmen mit einem bärensicheren Schrank und einem Tisch. Wir werden morgen in die Stadt gehen und dann zwei Nächte im Hotel sein. Heute Abend kochen wir wieder unseren Reis mit Käse, natürlich bei Regen. Leeroy stört dieses Wetter überhaupt nicht, er frisst im Zelt und danach schläft er.

Wir stehen im Regen und essen, es gibt bessere Tage auf dem Trail als diesen.
19. Juli: Pinedale
Am Samstag sind wir schon vor sieben beim Parkplatz um jemanden zu finden, der runter fährt nach Pinedale. Nach zwei Stunden sagt uns ein Mann, dass wir etwa in einem Kilometer Empfang hätten mit dem Natel.

Also laufen wir los und bei einer Ausweichstelle hat das Natel Empfang. Wir wollten jemanden erreichen der uns abholt und genau dann kommt von unten ein Trailangel der einen Hiker abholt vom Parkplatz. Sie nimmt uns auch mit nach Pinedale. Aber bevor wir einsteigen dürfen fragt sie, ob sich unser Hund benimmt. Leeroy sitzt sehr brav und wir sagen, dass er extrem freundlich ist und ein einwandfreies Benehmen hat. Wir bekommen Sodas und die Fahrt hinunter. Unten in der Stadt erklärt sie uns alles, wo es das beste Essen gibt, wo wir gute Informationen bekommen, usw.
Erst gehen wir frühstücken und dann suchen wir ein gutes Hotel. Wir buchen zwei Nächte mit Frühstück in einem Hotel, das mitten in dem Städtchen liegt. Um zwei bekommen wir das Zimmer, ich gehe noch bei einem Imbiss Essen holen, danach ist Feierabend für heute.

20. Juli: Am Sonntag frühstücken wir im Zimmer. Ich gehe los um Kaffee und Essen zu holen. Wie meistens lauft der Fernseher und die Leute sind am diskutieren, sehr angespannte Situation im Früstücksraum. Ich beeile mich. Ich habe keine Lust in einen Streit zu geraten, Fox News ist der Auslöser der Diskussion. Normalerweise stimmen wir einfach dem Gegenüber zu, sind seiner Meinung und gut ist’s. Politische Themen vermeiden wir so gut wie immer, da kann man ziemlich schnell Ärger bekommen.

Das Frühstück ist sehr gut, es gibt sogar frisch gemachtes Omelett mit Gemüse, sehr lecker. Wir gehen am Nachmittag noch spazieren mit Leeroy, danach wollten wir eigentlich in einem Restaurant ein Steak essen. Dieses ist leider nicht möglich. Das Restaurant ist leer und die Bedienung fragte ob es ein Service-Hund ist. Sie wollte, dass wir es bejahen doch wir sagen nein, es ist keine gute Idee sich gegen die Regeln zu verhalten. Die Bussen hier sind extrem hoch. Tausende Dollars für harmlose Vergehen oder sogar Haft.

Unser Motto ist besser nicht gegen ein Gesetzt zu verstossen. Dann essen wir einen Burger auf einer Terrasse, das ist auch gut.
Wir gehen noch zu einer Tankstelle um eine kleine Flasche Whisky zu kaufen. Ich gehe rein und frage nach dem Whisky. Der Angestellte sagt er habe hinten im Lager, er gehe ihn holen, doch erst will er den Ausweis sehen. Ich frage, ob er es ernst meint. Er stellt fest dass er mir sowieso kein alkoholisches Getränk verkaufen darf, weil er die Lizenz noch nicht hat. Manchmal muss man es nicht verstehen. Ich gehe den Whisky wo anders kaufen. Und das ohne den Ausweis zu zeigen. 😂

Die Inhaberin hofft auf den Herbst, sie erzählt das nicht allzu viele Touristen hier durchfahren. Andy und ich finden auch, dass es in den Städten und Dörfern leer wirkt. Es drückt etwas auf unsere Stimmung, etwas mehr Touristen aus aller Welt wären schon toll.
sehr gute Whisky Wahl 😉
LG, Ent
LikeLike
Hallo ja der ist nicht schlecht 🤪
LikeLike