15. Juni: Salida Monarch Pass – Cottonwood Pass 3696 müM Hwy 306 Am Sonntag wollen wir etwas frühstücken, bevor wir uns an den Hwy stellen um Autostop zu machen, damit wir wieder zurück zum Trail kommen.
Wir laufen von einem Restaurant zum nächsten, aber sonntags ist alles ziemlich überfüllt. Am Schluss hole ich etwas aus einem Einkaufszentrum und wir essen davor. Wir stellen uns an den Hwy, nicht lange und ein Mann will uns mitnehmen, nur leider nicht in die Richtung in die wir wollen. Nach kurzer Zeit nimmt uns eine Frau mit, die eigentlich mit ihrem Vater auch nicht den Pass hochgefahren wäre. Der liebe Vater wollte uns helfen. Also hat sie gewendet und uns hochgefahren, so liebe Menschen.
Der Tag verging so schnell, wir liefen einer nichtvorhanden alten Zuglinie nach. Eigentlich war es eine Tunnelstrecke von Denver auf Gunnison South Park and Pacific Railroad auf einer Höhe von ca 3500 müM, schon beeindruckend.
Am Abend sahen wir noch vier uns unbekannte Hiker, cool endlich wieder Leute unterwegs. Wir steigen noch einen Schneehang hoch und oben über den Sattel und wieder runter in eine sehr schöne Hochebene bis um acht Uhr.
Wir werden gar nicht müde, es ist so eine tolle Landschaft, überall blüht alles und Schmelzwasser kommt die Hänge runter. Als wir im Hang oberhalb eines Tales queren wird unten geschossen. Daran haben wir uns gewöhnt, du läufst einfach weiter und es hört auf als wir wieder tiefer sind. Ganz normal hier. Es wird auf alles geschossen, Schilder scheinen besonders beliebt zu sein oder irgendwelche Sachen die im Wald liegen wie Autos, Maschinen, Büchsen, usw. Einfach nur verrückt.
Wir sehen noch einmal einen Elch in einem Tal, er schaut kurz hoch und frist dann weiter. Wir sind sehr froh, dass jetzt der Sommer angekommen ist. Auch in dieser Höhe gibt es leider Moskitos 🦟, was weniger lustig ist.
16. Juni: Am Montag gehen wir vor sechs los. Wir merken etwas die Höhe, es ist mal über 3700 müM, mal darunter. Das Wetter ist sonnig und es sollte kein Gewitter geben, gegen Abend wird es hoffentlich nur windig. Perfekt um die hohe rote Route zu nehmen. Im Jahr 2022 hatten wir die tiefere gewählt (schlechtes Wetter und zu viel Schnee).
Zuerst müssen wir runter bis wir den Fluss North Fork Chalk Creek über eine Brücke queren und dann wieder hinauf auf 3915 müM. In dieser Höhe (mal tiefer, mal höher) bleiben wir denn ganzen Tag. Oben geht es den ganzen Tag weiter über Schneefelder.
Das Queren ist nicht so schwierig, wir dürfen einfach nicht ausrutschen, denn falls wir doch ausrutschen, wird es streng um wieder auf den Weg zu kommen. Wir essen etwa um vier Uhr Mittag. Das ist nur auf dem Weg möglich der etwas unter der Baumgrenze durchgeht. Steil im Hang quert der Weg Richtung Passtrasse. Eigentlich wollen wir etwa acht Kilometer vorher das Zelt stellen, es windet aber so stark, dass wir noch etwa 6 Kilometer weiterlaufen. Der Weg wechselt auf die andere Seite des Berges. Leider verläuft er wieder im Hang nach vorne. Bei der nächsten Möglichkeit, etwa zwei Kilometer vor der Passtrasse, versuchen wir das Zelt zu stellen.
Wir müssen zuerst Leeroy als Sicherheit ins Zelt tun, danach halte ich es fest und Andy verankert es. Auf jeden Hering einen schweren Stein und so hält es. Bis zum Eindunkeln lässt der Wind nach. Es kommen noch zwei Hiker vorbei und ein anderer stellt sein Zelt etwas entfernt von uns direkt neben eine Schneewand… Sehr sicher 🥶
17. Juni: Pause in Buena Vista
Wir wandern bis um halb acht Uhr. Die restlichen zwei Kilometer zur Passtrasse Cottonwood 3696 müM. es ist sehr wenig Verkehr hier. Heute denken wir beide, dass wir weiter gehen müssen und erst in 48 Kilometer und etlichen Höchenmetern bei Twint Lake einkaufen können.
Zu unserem Glück hält ein Hundfan an. Er macht sofort Platz für Leeroy und ist begeistert von ihm. Wir sind eigentlich total egal und gehören einfach dazu. 🤪 Lieber Kerl, er fährt uns mitten in die Altstadt.
Park in Buena Vista
Beim Aussteigen macht er noch ein Foto von uns, also eigentlich von Leeroy, wir dürfen aber auch mit aufs Bild. Wir rufen Zuhause an und fragen nach wie es meiner Mutter geht. Es soll ihr etwas besser gehen, das freut uns sehr. Immer wenn wir ganz oben in den Bergen sind haben wir etwas Internet, so sind wir etwas informiert. Wir gehen einen Kaffee trinken und danach besorgen wir sehr hochwertiges Hundefutter mit viel Protein. Es kostet etwas, aber Leeroy braucht ziemlich viel Futter und wir hoffen, dass er so sein Gewicht behält.
Das Motel ist etwas baufällig aber es reicht. Die Dusche funktioniert, das ist was zählt. Die Leute nebenan haben so Freude an Leeroy. Wir duschen und gehen noch essen. Wir sind etwas verwundert, es scheint nicht viel los zu sein. Das letzte Mal im 2022 war hier ausgelassene Stimmung in den Restaurants und viel mehr Leute unterwegs, auch Hiker waren hier. Wir verkriechen uns ins Motel, das gleich neben der vierspurigen Strasse liegt. Leider ist das sehr laut.
9. Juni: Creede – Monarch Pass Die Nacht war super, der Sprinkler startet pünktlich um fünf Uhr, das Zelt bleibt trocken. Wir gehen los um zu frühstücken, Leeroy bekommt seine drei Pancakes mit Butter. Wir laden noch alle elektronischen Geräte und Batterien bevor wir gehen. Das ist ganz normal: einfach die nächste Steckdose suchen und laden. Wir haben noch ein Problem mit dem Zelt, der Reisverschluss schliesst nicht mehr. Wir brauchen etwas um den Reissverschluss zusammenzudrücken . Wir gehen los und denken irgendwas oder irgendeinen Handwerker werden wir schon finden. Wir sehen ein kleines Häuschen das Blumen verkauft. Die Floristin ist gerade draussen beschäftigt.
Wir bekommen eine Zange und flicken es gleich vor Ort. Mit den kalten Temperaturen nachts auf einer Höhe von meistens über dreitausend Höhenmeter und den täglichen Gewittern wollen wir ein intaktes Zelt. Der Weg geht raus aus Creede direkt in zehn verschiedene Mienen, sehr interessant.
Teilweise sind die Bauten und Wege noch vorhanden, man kann sich das gut vorstellen wie hier mit Eseln und Pferden gearbeitet wurde.
Erste Mine heute
Natürlich müssen wir auch heute die Regenkleider immer wieder an- und ausziehen. Wir laufen los, nach zehn Metern legt der Regen los, unglaublich nervig.
Wir gehen heute über den San Luis Pass 3600 müM und danach runter und rauf zu einen Sattel auf 3800 müM, dann wieder runter und rauf zum nächsten Sattel 3850 müM. Immer wieder geht es kurz durch Schnee in den Nordhängen. Beim letzten fängt es wieder an zu stürmen. Ich werde langsam hysterisch, so nervig den Poncho wieder anziehen wenn es windet.
Andy lacht mich aus, was die Situation nicht grad entspannt. Als wir oben auf dem Pass sind, habe ich mich wieder beruhigt. Jetzt geht’s nur noch runter bis zu einem Zeltplatz. Dieses rauf und runter ist für heute vorbei. Ich laufe ein Stück hinter Andy und Leeroy, am Abend ist uns meistens der Gesprächsstoff ausgegangen. Andy wird dann meistens etwas langsamer und träumt etwas vor sich hin. Das wird im heute fast zum Verhängnis, ich sehe den Moose (Elch) 🫎 schon ziemlich früh, er ist ja auch gleich neben dem Weg und ziemlich gross. Andy läuft und läuft. Ich sage „Stopp, stopp, Andy gib mir den Hund, näher geht nicht.“ Er hat den Elch gar nicht bemerkt. Andy schnappt sich dann sein Handy und filmt ich gehe mit Leeroy in einem Bogen weiter.
Irgendwann wird er bei einer seiner Filmaktionen auf einem Geweih landen oder sonst irgendwie Schaden erleiden. 🤪 Das Zelt wird natürlich auch nur 200 Meter vom 🫎 entfernten gestellt. Er wird wohl nichts dagegen haben, ist ja mit fressen beschäftigt.
Zeltplatz mit Abendstimmung
10. Juni: Gunison Heute gegen Abend werden wir in etwa 40 Kilometer wieder zur roten Route des CDT treffen. Wir gehen über eine Fläche mit vereinzelten Schotterpisten in verschiedene Richtungen, sonst gibt es hier nichts. Den ganzen Tag durch haben wir nur einen Fischer gesehen und einen Autofahrer, also manchmal ist es schon ein wenig einsam hier. Heute erreichen wir auch die 1000 Meilen, ist mit einer Tafel gekennzeichnet. Es gibt noch keine Party hier, es liegen sicherlich noch 2000 Meilen vor uns. Wir kommen schnell voran, wir machen immer kleinere Pausen und weiter geht’s. Entweder ist es nicht allzu streng oder wir sind fitter geworden.
1000 Meilen
Am Abend hängt hartnäckig eine Gewitterwolke über uns. Wir möchten noch bis zur Kreuzung, vielleicht noch vier Kilometer und dort das Zelt stellen. Wir werden sowas von verregnet und verhagelt, obwohl wir gleich unter unsere Plane sitzen. Natürlich hört das Gewitter erst auf als wir beschliessen weiter zu gehen. Wir geben auf und stellen das Zelt.
Eigentlich haben wir gehofft heute Hiker zu sehen, weil die Wege zusammen kommen. Im Vergleich zum Jahr 2022 ist es extrem ruhig auf dem Trail und auch in den Dörfern sieht man nur wenige Hiker. Wir finden das schade. Vielleicht ändert es sich ja wieder wenn die anderen wieder alle einsteigen in den Trail.
11. Juni: Am Mittwoch stehen wir etwas vor sechs auf. Andy meint man könne es nicht wissen, wie es mit diesen zwei Pässen ist bezüglich Schnee. Ich nerve mich, es wird vielleicht stellenweise noch Restschnee haben. Nützt nichts, wenn Andy sich sorgen macht bleibt er dabei. Dann sind wir früher in Salida, das gefällt mir auch. Zuerst erreichen wir den North Pass schneefrei über die Strasse.
Gleich auf dem Parkplatz trocknen wir alle Sachen. Hier hat es auch Autos, also sind Tageswanderer unterwegs. Das ist auch ein Zeichen dafür, dass es nicht mehr viel Schnee hat. Wir gehen weiter. Ein Ranger fährt im Pickup vom Berg herunter. Ich frage ihn, wie es aussieht bezüglich Schnee. Er sagt der schmelze und es sei fast kein Restschnee mehr vorhanden. Er schaut uns an und überlegt offensichtlich was er anbringen kann, was wir falsch machen, findet aber nichts. Der Hund ist mit der Leine am Rucksack angebunden. Ich hab einen Bärenspray dabei und wir bleiben entspannt und freundlich. Er verabschiedet sich etwas genervt von uns und fährt weiter. Die Aussage vom Ranger beruhigt Andy doch etwas. Ich bin gespannt wie lange es dauert bis wir am Monarch Pass sind. Der Weg geht den ganzen Tag rauf und runter im Wald, der sehr viel Sturmholz hat und von Waldbränden geschädigt ist.
Wir essen um vier Uhr bei einem Bach, somit müssen wir nicht viel Wasser tragen für den Abend. Um sieben machen wir Feierabend mit wandern und übernachten auf einer Höhe von 3500 müM mit einem wunderschönen Blick auf den Sonnenuntergang.
12. Juni: Wir gehen am Donnerstag etwa um sieben los. Es geht über Bergwiesen und durch Wald hinunter zu einem Bächlein. Dort kommen wir um zwölf an. Ein Hiker hat in die Kommentare geschrieben es hätte einen Baumstamm zum queren. Wir lachen, der Fluss ist ein Bächlein mit einem dickeren Ast darüber. Also alles sollte man nicht ernst nehmen. Wir steigen wieder hoch zum Windy Pick 3600 müM. Es ist sehr anstrengend, dafür hat es schöne Aussichten in die Täler und auf die höheren Berge.
Leeroy macht‘s eleganter
Am Abend erreichen wir den Marshallpass 3300 müM völlig schneefrei. Hier treffen wir einen Mann, der uns eine Mitfahrgelegenheit zum Monarch Pass anbietet. Wir lehnen dankend ab, da wir Morgen sowieso zu Fuss dort hingehen. Es sind jetzt nur noch 16 Kilometer bis dort hin, also ein kleiner Spaziergang. Wir werden noch zurechtgewiesen , also sagen wir, dass es morgen für uns nach Salida geht für einen Tag pause. Er sagt wir sollen es amerikanisch aussprechen, es sei amerikanisch. Ich denke er liegt falsch, es ist eindeutig spanischer Einfluss, aber was soll’s. Wir suchen einen Zeltplatz.
13. Juni: Wir gehen um fünf los. Leeroy ist immer motiviert am Morgen.
Schnee 2022
In Salida bekommen wir in einem Motel noch ein Zimmer. Wir haben wieder Glück. Hier ist in der Stadt ein Festival, also ist so ziemlich alles ausgebucht.
Schnee 2025
Dafür bekommen wir nicht so gute Nachricht von zu Hause, meine Mutter ist im Spital. Alle die mich kennen, urteilen und sagen „wieso ist sie weg nach Amerika, wenn es der Mutter so schlecht geht“. Ich habe es auch ganz offen mit meiner Mutter besprochen. Wir hatten uns verabschiedet und für mich war klar, das es eventuell ein Abschied für immer ist. Hoffe das jetzt ein Arzt mit ihr, die Entscheidung trifft, wie es weiter geht und alles nochmals gut gehen wird. Man darf die Hoffnung nie aufgeben, ich werde sie sicher noch sehen im Herbst und ansonsten bin ich in Frieden und Liebe zu ihr gegangen. Das war jetzt etwas sehr privates, aber es ist auch ein Teil des Weges. Wenn man ein halbes Jahr weggeht, geht das Leben zuhause weiter. Wir sind jetzt auch Grosseltern einer sehr süsse Maus auf die wir uns sehr freuen. Vielleicht ist sie auch der Grund für gewisse Entscheidungen, etwa die Streckenauswahl und auch, dass wir vorsichtiger oder vernünftiger geworden sind. Also gehen wir in kleineren Schritten weiter. Wir haben dabei so viel Zeit um gewisse Dinge zu verarbeiten das es Sinn macht weiterzumachen.
Wir wollen im Monarchpass Restaurant frühstücken. Der Weg ist nicht ganz schneefrei, es hat noch ein paar Restschneefelder die wir schnell überqueren können, ein Kinderspiel zum Laufen.
Restschnee
Einen Kilometer vor dem Pass machen wir noch schnell einen Kleiderwechsel, dass wir nicht ganz so unordentlich aussehen. Mit dem Schnee waschen wir uns, wach bist du danach 🤪. Beim Frühstück am Monarch Pass auf 3448 müM sehen wir ein tolles Beispiel für unmotivierte Angestellte. Hier gehen wir schnell wieder raus.
Wir stellen uns an die Passtrasse um nach Salida runter zu kommen. Wir warten etwa eine Viertelstunde. Steve mit einem geschlossenen Pickup hält an. Wir sind begeistert, so ein netter Mensch. Er erzählt uns gleich als erstes, dass der Wagen etwas kaputt ist. Aber das sei kein Problem, es hat nämich Auslaufpisten den Pass hinunter für den Fall, dass die Bremsen nicht funktionieren. Das sei schon einmal passiert. Ziemlich anschaulich zeigt er uns wie das gewesen ist, immer mit einem Lachen im Gesicht.
Er ist ein lebendiger fröhlicher Mensch. Er erzählt, dass er musiziert, ein Alter Country Stil, alles traurig Lieder. Ich sage zu ihm: „Das ist wahrscheinlich deine andere Seite. Du bist so ein fröhlicher Mensch, du brauchst vielleicht die traurige Musik zum Ausgleich.“ Er sagt: „Ja, das ist so.“ Wir hören noch etwas diese Musik und er erklärt uns alles dazu. Wir geniessen diese Fahrt. Er liebt sein Leben, seine Musik und gute Gespräche. Ein toller Mensch! Wir sind sehr glücklich immer wieder auf solche Menschen zu treffen, die auch in solchen Zeiten nur leben und anderen Menschen helfen, einfach um glücklich zu sein.
Motel Woodland in Salida
14. Juni: Pausentag in Salida Ich telefoniere und schreibe, Andy geht noch ins Dorf um alles für die nächsten drei Tage vorzubereiten.
Bewohner von Salida
Wir haben entschieden kleinere Etappen zu gehen bis wir wissen, was zu Hause geschieht. So ist es nicht wirklich ein schönes Erlebnis hier in Salida. Auch hier sind die Leute auf der Strasse, die einen wegen des River Festes, andere um ihre Solidarität gegenüber der Gegenbewegung zur Regierung zu zeigen.
Riverfestival in Salida
Ich stehe vor dem Einkaufszentrum und zwei Gruppen geraten gerade aneinander. Die Frauen in den Gruppen schlichten die Situation. Als Andy raus kommt gehen wir in unser Motel und essen draussen vor dem Motel unser Nachtessen.
5. Juni: Pagosa Springs – Creede; South Fork Am Donnerstag verabschieden wir uns um neun Uhr nach dem Frühstück von unserer Cabin. Wir laufen nochmals durch Pagosa Springs um an der Strasse, welche auf den Wolf Creek Pass hoch geht, Autostop zu machen. Wir stehen etwa eine viertel Stunde und bekommen eine Fahrt hoch zum Pass.
Um 11 Uhr sind wir am Wolf Creek Pass. Die Fahrt hoch wird uns noch lange in Erinnerungen bleiben. Die Geschichte dahinter ist, dass hier die Leute irgendwie bestimmen wollen, wie andere zu leben haben, sie bestimmen über andere aus irgendwelchen Überzeugungen heraus. Sowas von krank. Jeder sollte so leben dürfen wie er möchte. Das ist der Grund, warum wir mit verlogener Religion nichts anfangen können. Andy und ich lieben einfach alle guten Menschen, egal woher sie kommen oder was sie sind, hauptsache sie lassen andere ihr Leben so leben wie sie es wollen.
Wir verabschieden uns und gehen wieder zurück auf den Weg, einfach zurück in die Natur. Wir treffen heute ein Paar aus Finnland, mal überholen wir sie und bei der nächsten Gelegenheit sie uns. Wir sitzen unter einer Tanne wieder das Gewitter aus. In Colorado gibt es jeden Tag ein kleines Gewitter. Sie kämpfen sich bester Laune durch weichen Neuschnee und rufen „happy postholling“ 🤔 wir antworten mit „happy hike“.
Der Weg ist bis zum Abend immer wieder Schneebedeckt, wir laufen mal auf und mal neben dem Weg, so wie es möglich ist. Das Zelt können wir am Abend auf einem grossen, flachen und trockenen Stein stellen. Wir sind etwas geschafft vom Tag, Leeroy überhaupt nicht im gefällt Wasser Schnee, Regen oder schlammiger Weg. Der verrückte Hund.
6. Juni: Am Freitag geht’s möglichst früh raus, um zu laufen in der Hoffnung, dass der Schnee uns trägt.
Total um sonst. Wir sinken bei den ersten Schritten ein, aber es wird im Verlauf des Morgens schneefrei. Wir steigen auf die braune Route ab in ein Tal Richtung Creede. Durch Waldbrand- und Tornadogebiet, vom 10. Oktober 1997 ist noch alles zerstört. Das Tal selbst ist schön grün mit einem Fluss, welchen wir über einen umgefallenen Baum queren können. Den Nachmittag geniessen wir: super weicher Waldboden, der Weg ist immer vorhanden, kein Schnee. Wir machen Strecke, besser geht nicht.
Ein sehr schönes Tal. Von 12 bis 19 Uhr laufen wir von hinten bis zum Ende des Tales. Wenn wir wieder hinaussteigen aus dem Tal ist es extrem beeindruckend. Diese Länge und einfach nichts und niemand hier. Wir stellen das Zelt bei der Schotterpiste. Hier hat es noch ein Trailregister, sechs Wanderer haben sich eingetragen, nicht grad viele.
7. Juni: Am Samstag sind wir um sechs startklar. Heute noch etwa 7 Meilen bis Creede, wir möchten so um die Mittagszeit dort sein.
Zuerst müssen wir auf der Schotterpiste hoch laufen, um danach natürlich wieder runter zu gehen. Als wir von der Schotterpiste abzweigen auf den Wanderweg sehen wir ein Zelt. Normalerweise freuen wir uns, aber dieser Hiker ist ein sehr spezieller, komischer und unfreundlicher Typ. Wir haben schon von einem Hiker gehört, der aktuell unterwegs ist und gefährlich oder sehr launisch ist. Mit Leeroy ist aber auch nicht zu spassen, wenn er merkt dass etwas nicht stimmt.
Der Kerl stellt eine Frage nach der anderen und wir beantworten sie, scheinbar aber nicht zu seiner Zufriedenheit. Er schaut immer wieder auf den Hund. Wir beenden die Situation und gehen weiter. So ein komischer Typ, gibt’s halt auch auf dem Trail. Auch heute ist das Wandern wieder schön. Bei sonnigem Wetter geht es auf einem Waldweg dem Bach nach auf 3000 müM. Gestern waren wir noch im Schnee auf 3800 müM.
Es geht noch etwas weiter auf Schotterstrasse, die dann auf eine asphaltierte Strasse wechselt. Wir staunen. Es hat hat hier ausserhalb der Städte so viel Platz für sehr schöne Häuser mit Umschwung. Wir werden noch etwa vier Kilometer mitgenommen von einem Handwerker, der extra sein Werkzeug wegräumt, sodass wir nicht auf der Strasse laufen müssen. Er fährt uns und gibt uns gleich alle nützlichen Informationen zu Creede.
Rio Grande bei Creede
Hier ist heute ein Event. Ein Eselrennen, das Jährliche stattfindet. Früher wurde hier in den Minen mit Eseln gearbeitet . Da es auch noch eine Hochzeit ist, findet man nichts zum Übernachten. Ich weiss aber aus der CDT-Gruppe, dass man bei einer Kirche übernachten und Duschen kann.
Nach dem Mittagessen gehen wir zu dieser Kirche um zu fragen. Als wir dort sind gehe ich rein. Sie sind gerade im Gemeinschaftsraum beim Essen. Sie organisieren gleich alles und wollen mir alles zeigen. Ich unterbreche sie um zu sagen das noch ein Hund dabei ist. Ein Hund in der Kirche scheint jetzt doch nicht erlaubt zu sein, doch ich erkläre, dass es eigentlich ein CDT-Hiker ist und kein Hund. Alle lachen und wir bekommen den letzten Platz in einer Art Gallery oberhalb des Kirchenraums. Hier können wir Duschen und das WC benutzen . Die Küche dürfen wir auch benutzen. Es sind noch drei weitere Hiker hier, wir müssen einfach Sonntags um neun Uhr die Kirche verlassen wegen des Gottesdienst.
8. Juni: Wir bleiben hier für einen Tag und geniessen Creede, essen im Restaurant und gehen einkaufen für die nächste Etappe. Ich werde noch verrückt. Es ist ein tiefes Schneejahr mit Neuschnee, der sehr mühsam ist zum Laufen, weil er weich ist und in der Nacht nicht gefriert. Ich denke für die nächste Strecke von 95 Meilen, werden wir fünf Tage brauchen. Die zwei Pässe kommen ganz am Ende. Davor geht’s etwas tiefer, damit wird bestimmt schneefrei sein.
Die meisten reden von sechs oder sieben Tagen. Das wäre ziemlich viel Essen für uns drei. Andy kauft für sechs Tage Essen ein. Es beeinflusst einen schon, wenn man überall zuhört oder Kommentare liest. Für die Nacht auf Montag gehen wir zum Basketballfeld und übernachten dort mit der Erlaubnis des Sheriffs.
Zelt als Betreuer
Wir stellen das Zelt in einen Unterstand für die Spieler, dort werden wir nicht nass, weil um fünf Uhr in der Früh der Sprinkler startet.
1. Juni: Heute sind wir etwas angespannt, wir wissen nicht wie es mit dem Abstieg geht, es geht doch einige Höhenmeter hinunter.
Zuerst versuchen wir den Spuren zu folgen, was ziemlich schwierig ist. Nach einer Stunde beschliessen wir einfach dem Bach zu folgen. Wir müssen dann aber doch noch etwa zwei Stunden im Schnee hinunter steigen, überall Schmelzwasser.
Rivercrossing
Wir gehen alles dem Fluss nach, unten müssen wir diesen noch queren, was nicht einfach ist. Es macht aber auch keinen Sinn auf andere Hiker zu warten.
Leeroy schwimmt einfach gegen die Strömung, er hat zum Glück keine Angst im Wasser. Wir haben es etwa um elf geschafft. Jetzt müssen wir alles auf Schotterstrasse laufen bis zu einem Campingplatz oder eher einem Alpendorf Platoro, das nur im Sommer bewohnt ist.
Wir laufen insgesamt ca. 16 Kilometer durch. Oben weicher Schnee, unten harte Strasse. Um zwei Uhr sitzen wir in einem Laden mit Restaurant, trinken Soda und essen Sandwiches. Mehr gibt es hier nicht, dafür sind die aber sehr fein. Wir mieten mit einem Hiker zusammen ein Blockhaus für fünfzig Dollar.
Der Besitzer ist begeistert von Leeroy und er bekocht ihn. Zuerst bekommt Leeroy warmer Haferbrei zum Mittagessen und am Abend kocht er ihm einen Burger. Wir sind froh das wir es nicht bezahlen müssen.
2. Juni: Wir gehen am Montag um sieben los. Heute ist wieder Schotterstrasse laufen angesagt, ca. 50 Kilometer.
Immer wieder mal Spuren von der Vergangenheit, hier wurde Gold abgebaut. Wir machen meistens wenn es regnet unter Bäumen Pause, lange an einem Ort darf man nicht bleiben. Es ist ein Häuschen mit See. Ein Schild mit Privateigentum, dass man hier nicht bleiben darf steht da. Also möglichst schnell durchfahren oder gehen. Auch aus dem Auto aussteigen ist verboten. 😁
Am Abend sind wir etwa 8 Kilometer vor dem Hwy 160 weg. Dort stellen wir das Zelt neben die Strasse. Ein Pickup-Fahrer will uns mitnehmen, er möchte uns einfach etwas fahren, wir lehnen dankend ab. Das versteht er gar nicht, er meint fahren wäre besser als laufen. Wir lachen und richten unsere Behausung ein.
Wolf Creek Pass 40 Meilen
Es würde uns nichts nützen, da wir morgen früh am Hwy 160 über den Wolf Creek Pass nach Pagosa Springs wollen mit Autostop.
3. – 4. Juni: Bagosa Springs Perfekt um zwei Tage Pause zu machen, wir mieten eine kleine Cabine.
Die Küche ist vorhanden aber sehr klein und ohne Backofen, dafür gibt es im Aussenbereich einen Grill. Wir kochen hier und gehen nie auswärts essen.
Nach diesem Hike können wir sicher keine Burger mehr essen. Meistens sind verschiedene Burger oder Tortilia auf der Karte. Leeroy ist völlig entspannt, er geniesst die Ruhe und wir kochen jetzt auch für ihn mit. 🤣 Die Kartoffel zuerst kurz in die Mikrowelle und danach mit Speck und Tomaten auf dem Grill anbraten, sehr lecker. Natürlich holen wir Glace und sehr viele Bananen. Wir kaufen uns noch neue Schuhe, meine alten habe ich mit Panzerklebeband geflickt.
Nicht mal 1000 Meilen
Diese Ortschaft ist schön, in der Mitte durch hat es einen Fluss. Es hat viele heisse Quellen, manche Becken sind zum Bezahlen, vereinzelt sind sie auch gratis.
Am Rand mit heissen Quellen
Es ist sehr schwer zu erkennen, was die Hiker vorhaben. Die Einen machen für zwei Wochen einen Route Trip, die Anderen gehen nach Hause und steigen später wieder ein.
Vereinzelt gehen sie hoch nach Wyoming oder auf andere Abschnitte die tiefer liegen und machen Colorado später, wenn der Schnee geschmolzen ist. Wir gehen wieder hoch auf die rote Strecke, danach auf die braune, die etwas tiefer ist. So sollte es gehen. Wir lieben es einfach durchzuwandern, hoffentlich von der Grenze Mexiko zu der Grenze Kanada .
28. Mai: Am Mittwochmorgen geht’s zum Cumbrespass hinunter. Wir freuen uns auf Chama. Chama ist ein kleiner Ort mit einem Bahnhof mit Dampflok und historischen Wagen.
Wir probieren Autostop zu machen, aber heute nimmt uns niemand mit. Wahrscheinlich wissen die, wie Hiker nach paar Tagen wandern stinken. Andere Hiker haben einen Bus organisiert. Sie nehmen uns mit und so sind wir um zehn Uhr in Chama.
Wir suchen schnell unser historisches Hotel Fosters mit Bar und Restaurant auf. Ich frage ob es ein Zimmer für uns mit Hund hat. Die Dame sagt Ja, wir sollen um ein Uhr wieder kommen und der Barkeeper wird uns eines ausgeben. Sie fragt nach, ob der Hund ein gutes Benehmen hat. Das werden wir immer wieder gefragt. Ob Restaurant, Hotel, oder sonst wo, wir sagen immer ja und Lerroy merkt, das es wichtig ist ruhig und freundlich zu sein, so können wir meistens reingehen.
Am Nachmittag ist der Barkeeper dann anderer Meinung als Andy das Zimmer bezahlen will. Nein mit Hund nicht. Ich gehe und sage dass er zuerst die Dame vom Morgen fragen sollte. Er geht, kommt zurück und wir bekommen das Zimmer. Geht doch. 😎
Die Dame war die Schwester von der Besitzerin und die war begeistert von Leeroy. Ist anscheinend der einzige Hund der den CDT läuft. Mal schauen wie lange noch.
29. Mai: Am Donnerstag essen wir den ganzen Tag durch, telefonieren mit der Familie und am Abend gehen wir in die Bar um Andy’s Geburtstag zu feiern (58 Jahre jung 🤪).
Wir haben schon mehr als genug Bier getrunken und der Barkeeper bringt uns noch eines. Die Besitzerin gibt uns eines aus, wir umarmen sie. So eine nette Frau, das wir mit dem Hund hier sein dürfen. Der Barkeeper sagt unser Hund ist der beste Hund, den er je gesehen hat, man sieht und hört ihn nicht. Er mag Hunde offensichtlich nicht. Alle anderen mit Hund schickt er konsequent hinaus, Leeroy aber darf in der Bar herumlaufen und geht jeden Hiker begrüssen.
Genialer Abschluss von New Mexiko, wenn es so weitergeht ist dieses Jahr unser Wanderjahr. Mit Leeroy sind wir nicht unbedingt gezwungen weniger Kilometer am Tag zu laufen, wir machen aber mehr kleine Pausen über den Tag verteilt. So entspannt waren wir eigentlich noch selten auf einem Trail.
30. Mai: Colorado wir kommen! Wir gehen am Freitag um sieben Uhr aus dem Hotel und holen noch ein Kaffee bevor wir Autostop machen. So ist der Plan. Im Kaffee werden wir direkt von zwei Herren angesprochen, ob wir mit ihnen auf den Pass hochfahren wollen. Also trinken wir den Kaffee beim Hochfahren und schauen noch was sie für die Eisenbahn machen, sie restaurieren ein Häuschen.
Die historischen Gebäude wieder herzustellen machen sie alles freiwillig. Wir gehen um 9 zurück auf den CDT. Als erstes müssen wir ziemlich Höhenmeter machen um auf über 3000 müM zu kommen. Bis um drei laufen wir mehr oder weniger schneefrei, aber dann geht es los, mit Rest- oder auch Neuschnee. Zuerst geraten wir in ein Gewitter mit Hagel und danach regnet es.
Wir kommen in den Schnee, auch das ist kein Spass. Der Schnee ist so weich, du hast manchmal richtig Mühe um deine Beine wieder frei zu bekommen. Die Füsse sind den ganzen Tag kalt und nass. Wir können am Abend das Zelt auf einen grossen flachen Stein stellen, rundherum alles Schnee. Vielleicht ist es vorbei mit easy, haben wir das Gefühl. Irgendwie scheint es recht viel Schnee zu haben.
31. Mai: Am Samstag starten wir erst um halb sieben, weil der Schnee bei diesen Temperaturen auch in der Nacht nicht mehr gefriert. Das Wetter ist am Morgen noch schön bei blauem Himmel, am Nachmittag hat es wieder Gewitter mit Hagel, Regen und es ist kalt. Es geht durch Schneefelder rauf und runter. Immer wieder sinken wir bis zur Hüfte ein.
Am Nachmittag bin ich ziemlich am Ende mit den Nerven, ich spüre meine Füsse nicht mehr und bleibe immer wieder stecken. Also das macht wirklich keinen Sinn so. Du siehst nichts von der Umgebung, hast einen riesigen Krampf und schaffst vielleicht gerade so 20-25 Kilometer am Tag.
Wir machen eine Pause und beraten uns. Eigentlich kommt jetzt noch ein Absteigen in eine Schlucht, auf der anderen Seite wieder hoch, noch einmal runter und dort können wir auf die tiefere Route wechseln. Als wir etwa einen Kilometerweit gelaufen sind, sitzen vier Hiker um ein Feuer. Sie werden von hier absteigen.
Wir entscheiden uns weiterzugehen, weil das doch eine rechte Verlängerung der Route wäre (sicher zwei Tage). Aber nach acht Kilometer kommen uns drei bekannte Hiker entgegen. Sie meinen der Abstieg in die Schlucht ist zu gefährlich. Wir Besserwisser wollen es trotzdem versuchen aber es kommt wieder ein sehr hartnäckiges Gewitter, das wir unter der Blache aussitzen. Wir diskutieren noch etwas und kommen zum Entschluss das es vielleicht vernünftig ist umzukehren. Zuerst haben wir die Idee hier gleich einfach den Hang runter zu steigen wo gar kein Weg ist. 🤪 Man glaubt es nicht: Wir gehen ganz brav alles zurück bis in den Abend hinein. Vielleicht hat uns das Alter schlauer gemacht.
22. Mai: Donnerstags gehen wir um neun zum Frühstücken. Wir laufen einen Kilometer nach vorne zum Essen, nur um danach alles wieder zurück zu gehen.
Entspannte Feuerwarnung
Jetzt machen wir Autostop, um nicht die zwölf Kilometer auf asphaltierter Strasse laufen zu müssen. Wir sehen noch die zwei Schweizer, Schwester und Bruder aus Romanshorn.
Sie gehen auch wieder zurück auf den CDT. Für uns hält ein Anwohner an, der uns acht Kilometer weit mitnimmt. Das ist schon einmal gut für uns und die restlichen vier Kilometer werden Leeroy nicht schaden.
Wir laufen bis um acht immer weiter hoch. Auf 3100 müM ist der erste Schnee oder Restschnee, kein vergleich zum Jahr 2022. Damals sind wir hier alles im Schnee oder im Wasser gelaufen. Wir sind so froh das dieses Jahr ein tiefes Schneejahr ist, so ist es viel einfacher und schneller. Am Abend stellen wir das Zelt zwischen riesigen Tannen, sehr geschützt vor Wind und trockener Boden.
Wir laufen den Rest bis zum Abzweiger auf den CDT. Es ist jetzt doch etwas heiss geworden, sodass wir immer wieder kleine Pausen einlegen. Es geht den Hang hoch bis zum Naciento Lake, dort machen wir eine grosse Pause. Langsam geht die Temperatur zurück, es ist schon vier Uhr.
23. Mai: Wie meistens geht es am Freitag vor sechs Uhr los. Leeroy ist immer noch bestens gelaunt am Morgen. Wir sind etwas erstaunt darüber, denn eigentlich haben wir nicht gedacht, dass wir es bis Ende New Mexiko mit dem Hund schaffen, aber bis jetzt geht es hervorragend.
Heute ist es nicht wahnsinnig interessant. Meistens geht es durch Wald hoch und runter in Richtung Ghost Ranch in der Charma Wilderness, Waldbrandgebiet vom Jahr 2022, das knapp hinter uns war. Jetzt ist es schon etwas anderes, schwarzer staubiger Boden, trostlos zum Wandern.
Waldbrände vom 2022
Eigentlich wollen wir eine längere Mittagspause machen, was uns aber ein Rudel verwilderter Hunde unmöglich macht. Sechs grosse Hunde die wir schnell verjagen aber ein Welpe will einfach nicht gehen, also müssen wir gehen. Wir laufen von Wasser zu Wasser bis um Acht. Das Zelt stellen wir in der Nähe vom Fluss Rio Chama. Wir sind happy. So viele Höhenmeter rauf und runter, die Strecke ist auch genial. Collorado sollte auch gehen.
24. Mai: Am Samstag gehen wir vor halb sechs los. Heute wird es etwas wärmer und die ganze Strecke ist Schotterpiste.
Leeroy bekommt schon nach den ersten drei Kilometer die Socken an die Füsse, damit läuft er besser. Zum Glück können wir noch etwa 8 Kilometer mit einem Camper mitfahren. Als der CDT wieder ab der Schotterpiste abzweigt steigen wir aus, bedanken uns bei dem Paar und laufen weiter. Die restliche Strecke bis zur Ghost Ranch geht querfeldein über Flächen und über den Hwy 84 und dann noch über eine sehr wackelige Hängebrücke. Leeroy ist einfach durch nichts zu erschüttern, was wir machen macht er auch.
Bei der Ranch angekommen essen wir völlig überteuert. Also hier bleiben wir nicht. Eigentlich wollten wir unser Essen noch etwas ergänzen, aber es hat nichts sinnvolles hier. Sobald die Wolken die Sonne verdecken gehen wir aus dieser sehr specktacktulären Schlucht.
Ghoust Ranch
Wir kämpfen uns wieder hoch und bis zum Abend haben wir die sechszehn Kilometer und 800 Höhenmeter bis zum Wasser geschafft. Wir machen noch etwas Distanz zum Wasser wegen den Tieren, die ja auch zum Wasser müssen. Dann machen wir bei einem schönen Zeltplatz hinter Bäumen auf einer Wiese Feierabend und geniessen die Abendsonne.
25 Mai: Wir laufen am Sonntag durch (Jura) Wald. Wunderschön, nur in Amerika richtig zum Geniessen. Wir wissen, dass wir knapp essen dabei haben also wollen wir möglichst viel Distanz zurücklegen.
Am Mittag legen wir die Decke aus und wir wollen Pause machen. Es kommt ein Fahrzeug die Piste runter und hält an. Wir bekommen prompt zwei Dosen Bier. Wir nehmen sie dankend an, sind schliesslich auch Kalorien. 🤪 Am Nachmittag bekommen wir am See noch eine Soda. Dort essen wir gleich noch etwas. Danach müssen wir erst noch einem Bach entlang hoch steigen mit etwas Schnee, aber auch das ist sehr entspannt.
Oben sind Tageswanderer unterwegs, was auch ein Zeichen dafür ist, dass es nicht mehr so viel Schnee hat. Bis um sieben am Abend sind wir alles wieder runtergelaufen bis zu einem Bach. Wir sind schon zwei Superhelden: Wir sehen einen perfekten Zeltplatz zwischen riesigen Tannen und sofort stellen wir das Zelt. Feierabend.
Danach merken wir, dass wir am nächsten Morgen erst mal den Fluss queren müssen um dann noch etwas aufzusteigen bis zu einem Zeltplatz. Wenn wir mal in die Karte geschaut hätten, wären wir am Abend noch gequert und hochgestiegen… so doof. 🤪
26. Mai: Am Montag gehen wir los und müssen zuerst durch den Fluss, ziemlich frisch dafür sind wir gleich hellwach. Danach geht es hoch. Bei der Fläche oben ist ein Hiker noch am schlafen, der war etwas schlauer als wir. Dort sind auch Pferde am Weiden. Dann geht es runter zu einem Campingplatz. 18 Kilometer laufen wir um an einem Tisch zu essen beim See Hopewell Lake vor dem Hwy 64.
Wir sind jetzt etwas geschafft und das Essen wird langsam etwas knapp. Eigentlich wären es noch drei Tage bis zur Grenze Colorado. Also beschliessen wir heute möglichst weit zu laufen, was auch gut möglich ist. Pause machen wir meistens unter der Blache, weil es entweder regnet oder hagelt. Zum Glück dauerte der Hagel nur etwa eine viertel Stunde an.
Rauf, runter, dann wieder rauf über Farmen oder eher verlassene Farmen. Am Abend steigen wir noch hoch zum Campingplatz Upper Lagunitas am See. Wir sind platt. Leeroy der Verrückte möchte noch etwas spielen. Wir haben heute 48 Kilometer geschafft und etliche Höhenmeter rauf und runter, aber er hat noch vorige Energie.
27. Mai: Heute sind es nur noch 32 Kilometer bis zur Grenze zu Colorado und nochmals 6 Kilometer bis zum Hwy 17. Wir bewegen uns jetzt mehrheitlich um die dreitausend Höhenmeter, mal darüber, mal darunter. Wir stehen erst um halb sieben auf. Gestern haben wir abgemacht das wir ausschlafen. Mit Andy ist es etwas schwierig, er schläft nie aus. Bei mir ist ausschlafen so bis neun oder zehn am Morgen.
Stachelschwein
Wir gehen über Flächen immer Richtung Berge von Colorado. Der Schnee ist sicherlich weniger als das letzte Mal. Als wir nach mehreren kleinen Pausen den letzten Anstieg in Angriff nehmen, merkt man dass wir etwas hungrig und müde werden. Andy hat etwas Respekt vor dem letzten Stück, dass den Hang runter geht, alles mit Sturmholz und Schnee.
Es ist wirklich überhaupt kein Problem, der Weg ist immer wieder erstaunlich frei. Nach einer Stunde kommen wir unten ohne grosse Probleme an. Bereits um Sechs sind wir an der Grenze zu Colorado. Also das wäre geschafft. Andy hat sich wieder einmal umsonst Sorgen gemacht.
Wir machen Bilder und möchten eigentlich noch etwas sitzen bleiben, aber es wird dunkel am Himmel. So beschliessen wir vielleicht doch noch heute in das Dörfchen zu gehen. Wir sind glücklich und hungrig. Wir laufen los, aber als wir von oben auf den Hwy runter schauen sehen wir in der ganzen Zeit in der wir gehen vielleicht höchstens zwei Autos runterfahren.
Leeroy schaut nach Colorado
Wir sehen ein, dass es heute keinen Sinn mehr macht. Wir suchen uns einen Zeltplatz und hängen den Abend im Zelt herum. Also Leeroy und ich. Andy isst alles auf was er findet, viel ist es nicht. Ich werde morgen in Chama zuschlagen.
Gratnts bis Cuba wäre eigentlich ein sehr anspruchsvoller Abschnitt, aber nicht für uns. Am ersten Tag fahren wir per Autostop bis zum Trail, das Laufen auf dem Aspahlt etwa 6 Meilen lang lassen wir aus. Ein Mexikaner lässt uns hinten auf seinem Pickup mitfahren. Direkt neben uns stand ein sehr lustiges Strassenschild: „Bitte keine Autostoper mitnehmen in dieser Gegend“ (wegen dem Gefängnis an dem die Strasse vorbeigeht.) Wir gehen alles bergauf Richtung Mount Taylor. Auf der ersten Ebene treffen wir ein sympathisches Pärchen, wir reden und machen eine Pause.
Mount Taylor
Leeroy ist sehr motiviert beim Laufen und es ist von der Temperatur her auch gut möglich über den Tag zu laufen. Wir müssen nur regelmässig den Boden kontrollieren, denn der heizt sich schon ordentlich auf. Am Mittag ziehen wir ihm Kindersocken an und so läuft er gut. Wir gehen bis zu einer Quelle und dort kochen wir uns etwas, eigentlich ist es immer dasselbe was wir auf dem Weg Essen: Reis mit Kartoffelstock und Chinanudeln oder Kartoffelstock mit Reis und Chinanudeln und dazu manchmal noch Käse, was den Namen „Käse“ nicht verdient hat, denn er ist schrecklich. Wir laufen noch bis halb acht und stellen das Zelt mitten in den Wald.
Am 17. Mai laufen wir um fünf Uhr los. Den Aufstieg zum Mount Taylor (3449 MüM) schaffen wir in zwei Stunden, frieren aber ziemlich dabei, denn es ist extrem windig und saukalt.
Oben hat man eine spektakuläre Sicht.Genial, es hat sich gelohnt.
Eigentlich geht der CDT Trail unten durch, aber wir mussten einfach nochmals auf diesen Berg und Leeroy sieht den ersten Schnee auf dem Trail. Er ist hinten am Rucksack mit einer Leine festgemacht. Andy verliert manchmal seine Nerven. Wenn Leeroy vollgas gibt sieht es lustig aus, ist aber schwierig für Andy das Gleichgewicht zu behalten. Leeroy springt seitwärts, vorwärts, in die Beine von Andy. Er hat seine Freude, ich auch, Andy weniger.
Wir gehen den ganzen Tag auf irgendwelchen Schotterpisten den Berg runter bis zum nächsten Wasser. Es scheint etwas grüner zu werden, richtig schön und das Wetter ist so toll frisch, sodass wir ohne zu schwitzen durch New Mexiko laufen. Beim Wasser essen wir Frühstück es ist zwar schon eins, aber Wasser ist halt schon immer Thema.
Du willst nicht mehr tragen als nötig, also essen wir beim Wasser und nehmen nur zu trinken mit. Wir haben unterschätzt was ein Hund trinkt, wenn es warm ist. Leeroy trinkt etwa einen Liter pro 10 Kilometer, das ist schon eine Menge an Gewicht.
Wasserloch, kann man oder kann nicht
Wir wandern Richtung Empedrado Wildernes. Der Weg ist sehr ring: alles geradeaus, zum Teil durch Wald, zum Teil über Weideland ohne Kühe, bis um sieben am Abend.
Am 18. Mai gehen wir wieder sehr früh los. Es ist kalt und wir kommen schon um elf Uhr beim nächsten Wasser an.
Quellwasser ab Leitung ist besser
Der Weg ist das selbe wie gestern, wir fliegen fast schon und sind super glücklich das wir so einfach durch diese Flächen kommen. Irgendwann kommen zwei Leute die am Weg arbeiten, stellen den Rucksack ab und geben uns alles Mögliche zu essen.
Wir freuen uns wie kleine Kinder, diese Nettigkeit von den Leuten hier ist unglaublich. Eigentlich haben wir gedacht, dass wir das alles Nachts gehen wegen der Hitze, aber es ist etwa zehn Grad kälter als üblich. Wir kommen an der Kante an und schauen runter auf die Fläche, die wir heute und morgen überqueren: Elperados Wildernes.
Elperados Wildernes
Der Abstieg ist etwas rutschig und steil, es zieht sich ordentlich. Unten geht es wieder über Schotterpisten bis zu einer Quelle. Wir kommen etwa um fünf Uhr dort an. Trail Magic: Soda, Chips, Sardinen in Tomatensauce usw. der Tag ist sowas von gut gelaufen. Hier reden wir noch mit einem Hiker der gleich hier übernachtet, wir gehen wieder los.
Um sechs Uhr ist Schluss mit laufen, Leeroy scheint genug zu haben, wir stellen das Zelt. Also eines ist sicher: Leeroy hat uns ziemlich im Griff, er ist der Boss. Wir dürfen auch nicht streiten miteinander und wenn doch, dann nur im netten Ton. Er ist sehr auf Harmonie bedacht. Eine neue Erfahrung für uns, denn normalerweise lassen wir schon mal den Frust raus. 🤪
Am 19. Mai laufen wir etwa 16 km durch eine coole Western Kulisse, darauf freuen wir uns. Andy möchte immer wieder ein Bild machen… also ich mache Bilder von ihm mit Leeroy. Er am Stein, er auf der Kante, usw. Wie er das geniessen kann: die Natur und Leeroy.
Mir gefällt es, dies erleben zu dürfen. Es ist nicht der Weg, sondern die Erlebnisse und die Begebungen, die den CDT für mich ausmachen. Auch heute gibt es wieder Trailmagic: ein Ehepaar bekocht uns CDT-Wanderer am Torreon Roud.
Trail-Magic
Wir bleiben bis um zwei Uhr dort. Es tobt ein Unwetter mit Wind, Regen und Kälte. Das ist hier sehr untypisch für diese Jahreszeit. Als es etwas nachlässt geht es weiter für uns, zum Abschied macht sie uns zwei Sandwiches für den Abend. Leeroy scheint jetzt doch etwas müde zu sein von den letzten beiden Tagen das wir um sechs das Zelt stellen. Er schläft sofort ein.
600 Meilen
Am 20. Mai stehen wir etwas nach sechs Uhr auf. Es sind nur 16 Kilometer bis zur nächsten Quelle und die Temperaturen werden auch heute nicht über 25 Grad gehen, also easy. Bis zum Hwy 197 sind es 32 Kilometer. Wir geniessen diese sechzehn Kilometer mit unglaublichen Ausblicken links und rechts. In der steinigen Landschaft geht es immer wieder hoch und runter und immer wieder siehst du diese Weiten.
2022 waren es ca. 10 Hiker 2025 sind wir zu dritt
Um zwölf sind wir bei der Quelle. Wir reden mit dem einzigen Hiker der hier ist. Im Jahr 2022 sassen wir etwa zu zwölft hier, aus allen Nationen hatten wir Leute getroffen. Es ist schon etwas anderes diese Jahr.
Wir beschliessen heute schon bis Cuba zu wandern, noch einmal 16 Kilometer, das geht und wenn nicht, stellen wir das Zelt. Wir machen immer wieder einmal eine viertel Stunde Pause, so sind wir schnell unterwegs. Beim anstrengenden Aufstieg auf die Mesa bekomme ich fast keine Luft mehr.
Leeroy meistert dies ohne Probleme. Zwischen riesigen Felsen geht es steil bergauf, da hoffst du einfach, dass nichts rutscht. Oben müssen wir etwa 5 km nach vorne laufen bevor es wieder nach unten geht. Danach wieder über eine Schotterpiste bis zum Hwy 197. Dort kommen wir etwa um halb fünf Uhr an. Wir sind nun doch etwas erschöpft und auch genervt. Du merkst einfach diese vergangenen Tage, in denen wir 136 Kilometer gelaufen sind. Es dauert nicht lange und ein älterer Herr wendet extra, um uns diese 6,5 Kilometer nach Cuba zu fahren.
Wir steigen anfangs Dorf aus und geben dem Mann 20 Dollar. Er freut sich darüber und wir sind froh hier zu sein. Beim Motel, welches wir eigentlich im Sinn hatten, ist niemand anwesend. Das zweite Hotel, etwa in der Mitte von Cuba, ist uns zu teuer und beim dritte Motel am anderen Ende des Dorfes bekommt die Dame am Empfang zuerst fast einen hysterischen Anfall wegen dem Hund. Nachdem sie sich beruhigt hat und gesehen hat wie brav Leeroy ist und das wir CDT Hiker sind, telefoniert sie mit dem Boss und wir bekommen zwei Nächte.
Die Kreditkarte wollte sie aber vorsichtshalber doch noch, für den Fall das Leeroy das Zimmer zerlegt. 🤪
Es können auch Komentare abgegeben werden. Natürlich nur positive 😇
Wir machen ein paar Tage Pause. Am Dienstag, den 13. Mai probieren wir mit Autostopp zurück zum Trail zu kommen. Leider ist es schwierig aus Reserve rauszukommen.
Erholung für Rosa‘s Füsse
Eine Frau fährt Richtung Pie Town, also entscheiden wir uns mit ihr mitzufahren, weil diese Strecke zwischen Reserve und Pie Town ziemlich heikel ist bezüglich Waldbränden und wir nicht sicher sind, ob es mit meinen Füssen überhaupt geht. Das war eine vernünftige Entscheidung, denn es gibt mehrere kleine Brände wie uns unsere Fahrerin erzählt. Ihr Freund ist in den Wäldern unterwegs als Feuerwehrmann. Es sei leider extrem trocken. Das hatten wir im 2022 schon erlebt: Waldbrände oder auch nur der Rauch in der Luft, sind sehr beängstigend, sowas brauchst du nicht. Wir sind schon um 11 Uhr in Pie Town, natürlich will unsere Fahrerin nichts von uns, immerhin war es eine Stunde Fahrzeit. In Pie Town gehen wir im einzigen kleinen Restaurant oder Bäckerei frühstücken. Es sind sehr herzliche Gastgeber, Leeroy bekommt seine Pancakes mit Butter.
Danach laufen wir zum Toasterhaus, das muss man einfach gesehen haben. Wenn man Lust hat kann man dort sogar übernachten. Wir gehen nur schnell vorbei um es noch einmal gesehen zu haben aber wir wollen heute noch weiter.
Toasterhaus
Wir laufen den ganzen Nachmittag einfach auf einer Schotterpiste gerade aus, links und rechts sind Farmen aber Kühe sehen wir keine, es ist viel zu trocken. Diese Strecke ist gut. Wenn es nicht mehr geht mit laufen, dann bekäme man hier eine Mitfahrgelegenheit, denn es sind immer wieder Autos unterwegs. Die Hilfsbereitschaft ist extrem hier in New Mexiko, die Autos halten an und die Leute fragen ob du etwas brauchst, Wasser oder was auch immer.
Leeroy beim überqueren von WeiderostenVerlorene Ladung
Wir wandern bis um 7 Uhr am Abend bis zur TLC-Ranche. Dort dürfen wir zelten und es hat Wasser und Früchte. Man gibt etwas Geld in ein Kästchen und gut ist’s. Den ganzen Nachmittag hat es gewindet, man ist nach einem Nachmittag wandern wieder völlig verdreckt vom Staub und Sand. Wir wollen nur noch ins Zelt und schlafen.
Am 14. Mai laufen wir vor Sechs los. Auch heute geht alles gerade aus bis zum Mittag, langweiliges laufen aber streng auf dieser Schotterpiste. Am Ende der Fläche hat es etwas abseits des Weges super gutes Wasser in einem riesen Tank für Kühe. Wir müssen genug mitnehmen, dass es bis zum nächsten Tag reicht, dort sollte es wieder eine Kühtränke haben.
Hier könnte man zum Hwy 117 laufen und dann alles auf diesem bis Grants. 32 Meilen Asphalt, das machen wir nicht. Wir laufen die Alternative und auch hier ist es jetzt nicht wirklich schön. Es ist einfach alles am verdörren, es fehlt überall das Wasser. Wir sehen einen Hiker und sonst niemanden. Die andere Strecke am Hwy entlang wäre kürzer gewesen, aber sicher auch strenger. Wir zelten etwa 8 Kilometer vor dem Hwy. Wir sind sehr entspannt durch den Tag gekommen, so geniessen wir noch etwas die Abendstimmung.
Am 15. Mai ist es gegen den Morgen hin richtig kalt geworden, sogar Leroy möchte noch etwas liegen bleiben, also laufen wir erst gegen Acht los. Beim Hwy angekommen stellen wir alles hin und warten auf eine Mittfahrgelegenheit. Mit Leeroy möchten wir nicht am Hwy entlang laufen, das ist viel zu heiss. Dabei kannst du dir wirklich die Füsse wund laufen, das ist was für die ganz harten. Als wir uns eigentlich schon damit abgefunden haben das es schwierig wird oder wir vielleicht doch laufen müssen kommt eine Frau von Grants. Sie ist ein Trailangel und fragt ob wir eine Mitfahrgelegenheit brauchen, genial. Leeroy sitzt schnell im Auto, denn er hat auch keine Lust mehr auf Strassen zu laufen.
Motel auf der Route „66“
Das ist so eine nette Frau, sie fährt die Strecke ab um zu schauen ob Hiker Hilfe benötigt. Es ist schon interessant mit ihr zu reden. Das Leben scheint nicht so einfach zu sein, man muss sich immer wieder neu orientieren. Man merkt schon die Auswirkungen von dieser Regierung, manche Rangerstationen sind geschlossen. Hier in Grants hat es gleich drei Gefängnisse, in denen die meisten Bewohner arbeiten.
Wir gehen gleich essen und danach finden wir einen Laden für Hunde, wir hoffen Schuhe für Leeroy zu finden. Die Angestellten geben uns eine Art Verband für die Füsse und Futter, sie wollen aber nicht das wir bezahlen also versuchen wir ein Trinkgeld zu geben.
Wir bekommen wieder ein tolles Zimmer. Dann heisst es duschen, essen und Kleider waschen. Danach gehen wir Pizza essen für 40 Dollar, das beste Essen das wir in den USA bis jetzt hatten. Wir geben gleich mal zehn Dollar Trinkgeld.
Unser Zimmernachbar scheint das ganze Motel zu kennen. Er sitzt vor unserem Fenster und redet den ganzen Abend mit jedem der vorbei läuft. Hier sind die Häuser sehr hellhörig, eigentlich könnten sie auch bei uns im Zimmer sein, das würde keinen grossen Unterschied machen. 🤪
4. Mai: Das Wetter ist perfekt zum Wandern. Bedeckter Himmel, 20 Grad. So gehen wir um zwölf Uhr zurück auf den CDT Trail. Den Nachmittag steigen wir durch steiniges Gelände auf. Unter uns ist ein Tal das voller Steine ist, die zu Türmen aufgebaut sind, ein riesiger Steingarten, nicht schlecht. Den Zeltplatz teilen wir mit anderen CDT Hikern, ist auch mal toll nicht immer alleine zu Zelten.
5. Mai: Wir gehen um sechs Uhr los, die Gila River Schlucht ist für diesen Tag unser Ziel. Heute haben wir wirklich jedes Wetter: Regen, Schnee, Hagel und Donner und wir frieren den ganzen Tag über.
Bis zum Nachmittag haben wir den Abstieg von 800 Höhenmeter zum Gila River geschafft. Ein Hiker ist extra zurück gelaufen um uns zu informieren, das im zweiten Abschnitt von der Schlucht ein Waldbrand ist.
Leeroy findet diese Flussquerung spannend, wir etwas weniger. Von oben Hagel und unten geht es gefühlt alle fünfzig Mal durch den Fluss. Wir sind am Abend ziemlich fertig, wenn’s nach Leeroy gehen würde, wäre jetzt noch baden angesagt. 🥵
Flussquerungen
6. Mai: Die Nacht war kalt. Wir ziehen unser nassen Socken und Schuhe an und los geht’s mit Flussquerungen. Wir queren den Fluss immer wieder und es geht weiter so, bis wir beim Hwy 15 sind. Dann noch etwa 2 Meilen auf der Strasse bis zu Doc Campbell, ein Laden der für Hiker eine tolle Sache ist. Hier hat es Duschen, WC’s und einen Laden. Man kann sich mit Essen versorgen und einfach ein paar Stunden geniessen oder auch im Zelt übernachten.
Wir gehen um 4 Uhr wieder los in den zweiten Abschnitt von der Gila River Schlucht.
Zuerst wieder auf dem Hwy 15 ca. 3 Meilen bis zur Information vom Park und dann runter in die Schlucht. Wir finden um sieben einen coolen Zeltplatz. In dieser Schlucht zu Campen ist schon sehr speziell und lässig.
7. Mai: Der Morgen ist immer hart, du frierst und musst raus in die nassen Sachen. Da fragen wir uns schon wieso genau wir das machen. Leeroy hingegen möchte möglichst schnell losgehen und ins Wasser. Das ist definitiv sein Ding. 🤣 Also geht es weiter bis zu einer heissen Quelle, wo wir uns aufwärmen.
Tschüss Zehennagel heisse Quelle
Dann kommt die Sonne, so ein schönes Gefühl, einfach nur herrlich. Jetzt gehen wir glücklich weiter. Den ganzen Tag rein in den Fluss und auf der anderen Seite raus aus dem Fluss. Manchmal finden wir einen Biberdamm und laufen über die Behausung, in der Hoffnung es stört ihn nicht.
Biberdamm
Manchmal müssen wir den Weg durch Gebüsch oder Schilf suchen, auch wo der Fluss gequert werden muss, ist nicht immer ersichtlich. Wir stehen am Fluss und wollten hinüber, sehen den Weg auf der anderen Seite aber nicht. Dafür kommt von der anderen Seite ein brummen… ein Bär. Das überzeugt uns beide und wir gehen auf unserer Seite weiter. Auf diesem Abschnitt geht es meinen Füssen immer schlechter, ich muss einen Zehennagel entfernen, ein anderer fällt zum Glück selber ab. Ich sage zu Andy, es könnte noch schlimmer sein, zum Glück habe ich nur zwei Füsse, nicht vier wie Leeroy. Wir wollen möglichst weit kommen aber schaffen es nicht ganz aus der Schlucht.
8. Mai: Heute geht’s aus der Gila River Schlucht. Das ist so ein krasses Gefühl in dieser Schlucht, einerseits wunderschön, andererseits bekommst du so ein Gefühl von , es hört niemals auf, sonder geht immer weiter und weiter…
Als wir bei der Abzweigung ankommen, machen wir erst einmal Frühstück und reden mit einem Hiker. Hier müssen wir das Feuer, das mittlerweile unter Kontrolle ist umlaufen, alles auf Schotterpisten. Meine Füsse haben sehr gelitten in den letzten Tagen und jetzt noch dieser harte Weg. Ich bekomme zweimal von Hikern Pflaster, aber es wird leider immer schlimmer. Am Abend machen wir früher Schluss. Wir stellen das Zelt auf einer riesengrossen Fläche, alles Weideland, aber fast keine Kühe zu sehen.
9. Mai: Wir müssen früh los. Es hat für 20 Meilen kein Wasser, also laufen wir lieber nicht in der Hitze. Ich komme fast nicht in den Schuh mit dem rechten Fuss. Ich fluche ein wenig, was zwar nichts nützt, aber es hört mich ja sonst keiner. Auch heute sind alles Schotterpisten, die meistens geradeaus gehen, das sind einfach unglaubliche Distanzen. Wir laufen bis um zwei Uhr zu einer Quelle. Dort sind Ranger am werken. Ich frage sie ob jetzt Bier fliesst, die lachen nur und meinen sie sind schon froh wenn Wasser fliesst. Wir bekommen ein Soda von ihnen was unsere Stimmung anhebt.
Es ist schon ein krasser Unterschied zum Jahr 2022. Wir sehen jetzt mehrmals am Tag Ranger oder Feuerwehrmänner im Wald. Das Risiko für Waldbrände ist leider extrem gross, trotzdem siehst du weggeworfene Zigarettenstummel oder du hörst Schüsse im Wald und auch erloschene Feuerstellen.
Wir entscheiden bei einer Kreuzung auf Reserve runter zu gehen. Mit meinem Fuss kann ich vielleicht 10 km laufen und dann brauche ich eine Pause. So macht es nicht wirklich Sinn und Spass auf dem Trail zu bleiben. Also warten wir bis uns ein Auto mit hinunter nimmt zum Highway 12. Dort müssen wir noch einmal ca. 20 Minuten warten. Ein netter Typ fährt uns die restlichen 12 Meilen ins Dörfchen Reserve.
Zuerst wollten wir auf den Campingplatz gehen, aber der sieht jetzt wirklich sehr schlecht aus, also ist es eher unwahrscheinlich dort zu entspannen. Wir bekommen ein Zimmer mit allem was dazugehört: Kühlschrank, Kaffeemaschine, Mikrowelle, WC und Dusche. Zehn Minuten von der Unterkunft ist eine Bar mit richtig gutem Essen und Whisky, also perfekt für uns zum entspannen. 💪😎
Am Montag müssen wir das Zimmer erst um zwölf Uhr räumen, so haben wir genügend Zeit alles zu erledigen. Andy geht einkaufen und ich bleibe mit Leeroy im Zimmer, so kann oder sollte er sich erholen.
Leeroy‘s Rucksack
Ich repariere die Schuhe von Leeroy mit einem Klebeband und wickle gleich noch davon um den Stock (als Ersatz). Das wird er sicherlich noch brauchen. Dann leime ich die Sohlen meiner Schuhe wieder mit Sekundenkleber fest. Die Zeit vergeht so schnell mit allem neu ordnen und einräumen. Leeroy meint das ist sein Zimmer und so verteidigt er es erfolgreich gegen die Reinigungsfrau. Er macht schon Eindruck, also kommt sie später wieder. Den Nachmittag verbringen wir in der Lobby und reden mit den anderen Hikern.
Um vier gehen wir los. Zuerst ca. 5 km dem Duncan Hwy 70 entlang und danach über riesengrosse Flächen Weideland. Uns ist es ein Rätsel wie hier die Tiere etwas zu fressen finden.
Es ist hart zu sehen: Kühe verenden hier und der Kadaver bleibt liegen. Überall zeugen Knochen von dem Leid.
Wir wollen hier nicht zelten, also laufen wir in die Nacht hinein bis ausserhalb der Weide.
100 Meilen sind geschafft
Am Dienstag geht es über hügeliges Farmland, auch hier hat es überall Kühe mit Kälbern. Wasser nehmen wir aus der Kuhtränke. Andy steigt auf den Tank hoch für nichts, denn unten hat es einen Schwimmer den man runterdrückt und es fliesst gutes Wasser nach.
Wir füllen alle Flaschen auf (5 Liter). Das nächste Wasser ist ein Wasserdepot von Trailangel (Leute die uns Hikern auf dem Trail helfen).
Wir wandern bis um Elf, dann legen wir uns unter einen Baum und warten bis die Hitze nachlässt. Danach wandern wir weiter über Hügel bis zum Wasser. Alles wieder auffüllen, inklusive einem Bier oder zwei.
Am Joint könnte man auch noch ziehen, das lehnen wir aber dankend ab. Das ist hier ganz normal. Wenn du auf andere Hiker triffst ist meistens auch dieser süssliche Duft in der Luft. Jeder so wie er mag. Wir haben noch etwas Strecke zu machen, mit nur faulenzen und reden geht es nicht.
Am Mittwoch gehen wir pünktlich um Sechs los. Es folgt ein Aufstieg von 500 Höhenmetern auf den Bouro Mountain (2450 müM). Am Morgen ist es sehr frisch, aber sobald die Sonne da ist wird es heiss, also beeilen wir uns. Oben machen wir Frühstück und hängen noch etwas rum. Leeroy schläft immer etwas in den Pausen. Wenn er müde ist läuft er einfach zum nächsten Schatten und da nützt es nichts mit ihm zu diskutieren, er würde sich nicht mehr bewegen. Das gleiche ist mit den Schuhen. Wenn er sie braucht legt er sich hin und wir ziehen ihm die Schuhe an. Er ist sehr selbstbewusst unser Hiker Dog.
Vom Berg geht’s im Wald nach unten. Wir wandern den ganzen Tag mit kleineren Pausen und sehen insgesamt zwei Leute, mehr nicht. Wieder müssen wir ein Wasserdepot erreichen, das Einzige für die nächsten 24 km. Wir sind um halb acht dort. Zum Glück hat es noch genügend, denn wenn es keines mehr gehabt hätte, wäre es schwierig geworden. Es ist unglaublich trocken. Im 2022 war es auch trocken, aber diesmal ist es noch extremer, Büsche und Bäume sind braun, da hat es kein Leben mehr drin.
Donnerstags bleiben wir etwas länger liegen, weil es Kojoten im Wald hat die uns doch etwas zu nahe sind. Die verschwinden sobald es hell wird. Auch heute geht es über hügelige Landschaften mit Wald, wo es immer wieder die Möglichkeit hat eine Pause einzulegen.
Wir müssen noch 29 km laufen bis zum Hwy 180, aber das macht keinen Sinn.
So wären wir am Abend in der Stadt nur um zu schlafen, das können wir auch auf dem Trail. Schlussendlich sind wir 28 km gelaufen, weil in der normalerweise sehr schönen Schlucht, viele Kühe sind, alles zusammengetrampelt ist und überall Hinterlassenschaften liegen.
Es wäre auch gefährlich geworden, denn die Mutterkühe und vor allem der Bulle fanden unseren Hund nicht lässig. Die reagieren immer sehr ängstlich oder angriffig. Die scheinen keine gute Erfahrung gemacht zu haben mit Hunden.
Am Abend können wir das Zelt 1 km vor der Strasse stellen. Ich habe mir leider eine riesige Blase geholt bei dieser Aktion.
Am Freitag schlafen wir bis Sieben, auch hier hat es Kojoten. Den restlichen Weg zum Hwy 180 wollen uns Farmer mitnehmen, aber diesen km schaffen wir jetzt auch noch. Das sind meistens so gute Leute. Wenn du mal auf der Ladefläche bist fahren sie dich überall hin, aber wir haben ja Zeit und sie müssen nicht in die Stadt. Beim Hwy angekommen stellen wir alles hin und machen Autostop. Ich denke mir mit dem Hund wird es dauern, aber bereits das dritte Auto stoppt. Sie findet Leeroy so toll, das sie uns ins Zentrum von Silver City hinein fährt, obwohl sie in Eile ist. Also Leeroy ist fast schon sowas wie ein Joker sehr, freundlich zu fremden Menschen. Er schleimt sich in jedes Herz und wir werden meistens gar nicht mehr beachtet.
Café in Silver City
Wir gehen in ein Kaffe trinken, essen Frühstück und es hat am Freitagmorgen einfach Leute hier, die Musik machen. Gitarre und Trommel, einfach genial. Wir reden mit den Leuten als ob wir sie schon lange kennen würden. Leeroy wird behandelt als wäre er eine Attraktion. Er würde denn ganzen Tag hier bleiben, aber wir müssen dann mal unser Hotelzimmer beziehen, meine Blase versorgen und essen gehen. Ich wasche alles und Andy badet Leeroy. Das gehört zu den freien Wandertagen dazu, ansonst hängen wir im Bett und entspannen. Wir haben beide unglaublich verspannte Waden, es ist sogar schon schmerzhaft ins Badezimmer zu gehen. 🥵