CDT 2025 – 30. Juli – 3. August

30. Juli: Wir haben gut geschlafen, sind bestens erholt und freuen uns aufs Wandern. Heute wird es nicht allzu streng werden. Hier nehmen wir genügend Wasser mit für die nächsten 15 Kilometer.


Wir laufen oberhalb des Tales Island Park, unten hat es immer wieder mal Häuser und eine Autostrasse. Wir begegnen Hikern die von Norden nach Süden laufen, auch eine Schweizerin ist darunter. So reden wir sicher etwas mehr als eine Stunde mit den Hikern. Wir geniessen es immer, wenn wir jemanden treffen zum Reden, vor allem wenn es Schweizer sind. Etwas Heimweh kommt jetzt schon auf, aber zum Glück haben wir nicht zu viel Zeit dafür.

Wir müssen doch immer gut über 30 Kilometer laufen pro Tag, eher 40 sind optimal. So machen wir die nächste Pause erst am Nachmittag bei einer Quelle, die etwas vom Weg entfernt ist. Dafür hat es super frisches Wasser mitten in einer Wiese.

Man staunt immer wieder mal, wo man überall Wasser findet. Der Nachmittag verläuft recht entspannt, flache Strecken zum Wandern, kein strenger Tag heute. Das Wetter ist richtig angenehm, nicht zu heiss, so braucht es auch nicht allzu viel Wasser. Wir gehen am Abend noch hoch auf einen Berg. Dort oben hat es überall Spuren von Schafen. Das stresst uns jetzt doch etwas, wo es Schafe hat gibt’s auch Herdenschutzhunde.

Mal schauen ob wir solchen begegnen. Das Zelt stellen wir etwas unter dem Gipfel, es kommt ein Sturm auf und so werden wir etwas geschützt sein in der Nacht.

31. Juli: Wir gehen am Donnerstag um halb sieben los, rauf auf den Berg. Besser gesagt Andy geht rauf um zu filmen.

Ich laufe unterhalb nach vorne auf einer Piste für Vierradfahrzeuge. Er ist sehr interessiert jede Gelegenheit zu nutzen um noch ein paar Höhenmeter zu machen. Wir essen bei der ersten Wasserstelle, ein kleines Seelein. Für Kühe werden solche Wasserteiche gemacht, bis im Herbst sind sie dann meistens ausgetrocknet. Leeroy nimmt noch ein Bad, was die Wasserqualität jetzt sicherlich nicht verschlechtert. Es ist einfach so, das Wasser hier wird auf dem ganzen Trail immer ein Thema bleiben.

Bärenkanister

Auch das Wasser in den Städtchen ist keine gutes Wasser, meistens ist es behandelt und schmeckt nicht gut. Nach der Pause treffen wir wieder eine Hikerin die in die andere Richtung läuft.
Sie sagt wir sollen vorsichtig sein bei der nächsten Wasserstelle Rock Spring, dort ist der Schäfer mit etwa fünf Hunden gleich neben der Wasserstelle. Super, wir müssen dort Wasser nehmen sonst haben wir keine andere Möglichkeit, jetzt sind wir doch etwas nervös. Wir gehen weiter mit einem unguten Gefühl. Herdenschutzhunde sind sehr beeindruckend.


Big Table Mountain 2646 müM ist ein toller steiler Berg mit einer super Aussicht oben. Jetzt geht’s auf dieser Hochebene zur Wasserquelle. Wir kommen bei der Quelle an. Vorher haben wir keine Schaffe gesehen und hier sitzt eine Hikerin, isst gemütlich etwas und erzählt sie hätte nur Hunde bellen gehört aber keine Schafe gesehen.
Wir trauen der Situation nicht so ganz, füllen unser Wasser auf, essen schnell etwas und gehen weiter. Wir laufen und sind erleichtert, dass wir den Hunden nicht begegnet sind, wir reden was wir wieder für ein Glück hatten. Plötzlich sind nur etwa 20 Meter neben uns im Wald Schafe die uns nicht bemerken. Wir schleichen uns vorbe, kein Hund in Sicht. Noch einmal gut gegangen, keine Ahnung was mit den Hunden los war, vielleicht hatten sie gerade Mittagspause.


Wir gehen noch bis zu einem kleinen See und dort machen wir Feierabend. Wir verstauen unser Essen in einem Bärenschrank. Heute wollen wir nichts mehr riskieren. Das war genug Aufregung für einen Tag. Als wir die Schafe gesehen haben, hatten wir mal richtig Angst bekommen.

1. August: Wir sind super entspannt heute. Die Hunde sind definitiv hinter uns. Es könnte nur noch ein Bär auftauchen, der würde uns stressen, aber sonst nichts.
So machen wir uns erst um sieben auf zum Wandern.

Das Zelt müssen wir später noch einmal aufbauen um es zu trocknen. Der Weg geht auch heute nochmals durch ein Gebiet, dass nicht viel gute Wasserstellen hat. Bei der Ersten werden wir kochen und alles Wasser auffüllen, so haben wir sicher genug bis zum Abend. Wir wandern durch teilweise sehr schöne Landschaft und dann wieder durch ehemalige Waldbrandgebiete.

Es sind unglaubliche Flächen die erst vom Borkenkäfer zerstört wurden und dann durch Waldbrände. Wenn alles so trocken ist, braucht es nicht viel und es brennt.
Bis jetzt sind wir froh, noch keine Strecke wurde vor uns gesperrt auf dem CTD Trail. Wir werden aber zügig weiter wandern, weil irgendwann beginnt es mit den Bränden, ein Blitzeinschlag und es wird brennen. Wir sehen heute keine Hiker, so kommen wir ziemlich weit, bis 8 Kilometer vor der Strasse Interstate 15 die nach Lima runter geht.

Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu weit gehen, es gibt hier noch ziemlich grosse Kuhherden. So werden wir vor der Weide zelten.
Wir freuen uns auf Lima, dort werden wir zwei Nächte verbringen und ein Steak Haus gibt es dort auch. Da werden wir sicherlich etwas Feines essen können.

2. August: Wir haben nur noch 8 Kilometer bis zur Interstate 15. Um 6 Uhr gehen wir los und vor neun steht Andy auf der Interstate 15 um Autostopp zu machen.

Ziemlich erfolglos, die Autos fahren schnell und ich kann mir nicht vorstellen das jemand hält. Ich sitze mit Leeroy etwas abseits und lese die Kommentare im App zum Weg.
Als ich lese, dass es verboten ist Autostop zu machen in dieser Region und man dafür verhaftet werden können, ruf ich Andy und wir gehen runter von der Strasse. Erlaubt ist zu sitzen neben der Interstate oder sogar zu laufen, aber kein Autostop. Im sitzen Autostop ist erlaubt. 🤨
Wir werden schlussendlich vom Motelbetreiber mitgenommen, der Hiker hochgefahren hat, die zurück auf den Trail gehen. 40 Dollar fürs Hochfahren und 40 Dollar fürs Runterfahren. Scheint ein Geschäft zu sein, nicht schlecht. Ihm gehört auch das Motel im Dörfchen.


Wir sind etwas enttäuscht von diesem Örtchen. Eine Tankstelle, Steak Restaurant, ein Kaffee und Motel. Ins Café geht nicht mit Hund aber wir können es mitnehmen und essen beim Motel, es hat Tische draussen. Das Zimmer bekommen wir erst um 2 Uhr, also warten wir von elf an, bis wir unser Zimmer bekommen. Dann duschen und essen holen bei der Tankstelle, den Kaffee hole ich beim Empfang. Die Angestellte ist nicht nur mit der Kaffeemaschine überfordert, sondern auch mit allem anderen. Ich helfe etwas aus, sie haben Computermässig alles auf dem neuesten Stand, das ganze Buchungssystem vom Feinsten. Was man vom restlichen Motel nicht behaupten kann, alles ziemlich in einem desolaten Zustand, die Tür zu unserem Zimmer können wir nicht mal abschliessen.

Kleines Eis


Schlussendlich mache ich nach einer Stunde warten den Kaffee selber, bezahlen muss ich dafür nur einen. Hier lauft einfach alles etwas anders als in der Schweiz. Es nützt überhaupt nichts, wenn man sich aufregt, einfach nur warten. Die Wäsche von uns hat sie mit anderen Sachen in den Trockner geworfen. Zum Glück hat es nicht alles geschrumpft, der Trockner war viel zu heiss eingestellt.

Für den Abend hole ich etwas von der Tankstelle. Eigentlich wollten wir im Steakhouse essen gehen. Daraus wurde aber leider nichts.

Die Bedienung sagt mit Hund geht nicht. Ich frage ob es auf der Terrasse geht, da meint sie nein, draussen würden sie nicht bedienen. Dann frage ich, ob wir vielleicht bestellen und mitnehmen können. Andy ist längst draussen mit dem Hund und sie im vollen ernst: „Nein, wenn das jemand sieht.“ Also verstehen muss ich das nicht, es wird mir zu blöd.

Heute ist noch eine Meldung auf der CTD Gruppe, von einer Sperrung in den Wäldern um Anacondo. Es ist ein Mann flüchtig in Anaconda, der in einer Bar vier Menschen erschossen hat. Wir sind etwas verunsichert, ob es eine gute Idee ist weiterzuwandern. Eigentlich gibt es sehr wenige Möglichkeiten hier wegzukommen und unser Weg geht nicht in die Sperrung. Wir sind überzeugt, dass sie den Mann schnell finden werden, in den Wäldern kennen sie sich aus.

Lima

3. August: Wir essen am Sonntag noch Frühstück im Zimmer. Das Essen ist Eiscreme und zwei Sandwichs von der Tankstelle.
Draussen sind andere Hiker, die mit einem Auto die nächste Strecke umfahren aufgrund der Höhenmeter. Es ist auch bei einigen zu sehen, dass es anfängt zu genügen mit Wandern, es hören auch einige auf.

Wir haben in den Städchen manchmal auch ein Tief, wenn es heisst das darf man nicht oder es zu viele Regeln hat.
Auf dem Weg ist es dann wieder pures Vergnügen und einfach, wir hoffen das es in den nächsten Dörfchen wieder lockerer zugeht. Sonst wird’s schwierig diese Wanderung fertig zu machen. Wir müssen ja schliesslich irgendwie von Weg weg und wieder zum Weg zurück kommen um essen zu holen. Die Distanzen können wir nicht auch noch wandern, die Zeit würde nie reichen.
Wir wandern von hier raus auf einer Schotterpiste zu einem Wanderweg, der zum CDT zurück geht. Wieder 40 Dollar an den Motelbesitzer bezahlen fürs rauffahren. Er hat uns noch als Obdachlose bezeichnet (im negativen Sinne). Ich finde es etwas absurd Menschen abzuwerten, nur weil sie kein Dach über dem Kopf habe.


Der Weg zum Trail ist nicht einfach. Es geht etwas durch den Wald hoch ohne einen Weg zu haben. Um drei am Nachmittag sind wir bei einer Kuhtränke auf dem CDT Trail zurück. Dort Essen wir mit vier anderen Hikern.

SOBO, das sind Wanderer die später 🤨von Norden in den Süden wandern.
Wir sind NOBO, wir wandern vom Süden in den Norden und starten früher im Jahr (ca. Mitte April). Es macht einfach Spass immer wieder Hiker zu treffen und sich auszutauschen, was man so erlebt auf der Wanderung. Wir wandern noch bis zum Deadman Lake. Es ist schon am eindunkeln. Beim Absteigen sehen wir auf der anderen Seite im Hang ein Auto. Etwas misstrauisch macht Andy mit der Kamera mit Zoom ein Foto. Wir vergleichen das mit der Meldung von der Polizei.

Es ist aber nicht die richtige Farbe des Autos. Wir stellen das Zelt und irgendwann entdeckt Andy zwei Männer die Fischen. Irgendwann fahren sie wieder ab. Ich sag die werden einen langen Heimweg haben, es hat ja nichts in der Nähe.

CDT 2025 – 26.-29. Juli

26. Juli: Wir schlafen am Samstag aus, gehen zum Frühstück und danach wieder zurück ins Zimmer.

Die nächste Strecke geht durch den Yellowstones National Park, mit Hund dürfen wir nicht auf dem Trail wandern. Irgendwie müssen wir entweder um den Park kommen oder eventuell mit einem Besucher im Auto durch den Park fahren.
Keine Ahnung wie lange und wie gut es funktioniert, ich gehe mal für fünf Tage essen einkaufen.
Dann verstauen wir alles in den Rucksäcken und sind mal gespannt wie es dann kommt. Gegenüber des Motel’s gehen wir noch eine Pizza essen. Den Besitzer interessiert die Regel mit dem Hundeverbot nicht, im Gegenteil, er bringt extra einen Futternapf für Leeroy.
Ich werde es nie verstehen was genau jetzt die Regel ist, man fragt und jeder hat seine eigenen Regeln. Das betrifft sehr viele Sachen: Autostop ja oder nein, mit Hund ja oder nein, Alkohol trinken wo genau und ja oder nein, … 🤪 Ein Hiker sitz bei einem geschlossenen Café draussen auf einer Mauer. Er muss aufstehen, denn das sei nicht erlaubt. Ein anderer sitzt bei einem Motel auf der Rasenfläche und lehnt sich am Rucksack an, auch er muss aufstehen. Also für ein Land, dass mit Freiheit wirbt sind es doch etwas unübersichtliche Regeln oder kompliziert zu verstehen.

Alte Miene in Dubois


Es ist etwas anderes als in den Jahren zuvor, in denen wir hier waren. Alles scheint etwas komplizierter geworden zu sein. Wir lassen uns nicht beeinflussen und probieren einfach nicht allzu oft anzuecken. Zuerst fragen und dann umsetzen ist die beste Lösung, so klappt es gut und meistens wird es dann entspannter.

27. Juli: Dubois – Teton Range -Yellowstone – Grant Village
Denn Yellowstone können wir nicht machen, da es nicht erlaubt ist mit Hund im Park zu wandern. Also umfahren wir den Park und machen in Montana- ldaho weiter. So der Plan.
Wir gehen los um Autostop zu machen. Wir rechnen bereits damit, dass es schwierig wird eine Mitfahrgelegenheit zu finden. Ein Auto hält nach einer halben Stunde an, leider fährt er nicht so weit.
Wir fragen ob er drei andere Hiker hochfährt. Er wartet und nimmt die anderen mit.
Wir stehen ewig hier, es ist Sonntag und alle, die in unsere Richtung fahren haben keinen Platz oder keine Lust uns mitzunehmen. Ein ehemaliger Polizist hält an und fragt, was wir vorhaben. Wir erzählen ihm alles und er recherchiert im Internet. Er denkt die Lösung sei, dass wir durch den Park auf der Strasse laufen und teilweise wahrscheinlich mitgenommen werden. Das scheint uns jetzt auch die beste Lösung zu sein, wird wahrscheinlich nicht ganz einfach aber wir versuchen es. Er lebt hier, also weiss er auch wo wir die beste Möglichkeit haben um Autostopp zu machen. Er fährt uns eine Stunde bis zu einer Tankstelle, dort bedanken wir uns und er wünscht uns viel Glück.

Tankstelle im Nirgendwo

Wir nehmen drei Brötchen und laufen los in Richtung Rangerstation vor dem Yellowstone. Irgendwann hält ein Auto an. Ein etwas lustiger aber lieber Typ. Das Auto ist eigentlich schon voll mit all seinen Sachen, ich frage mich wo genau er uns dazu stopfen will. Er entschuldigt sich und räumt den Vordersitz frei und hinten gibt’s auch noch ein Eck für Leeroy und mich. Dann geht es los. Er versteht sofort unser Anliegen und fährt zur Rangerstation.

Die ist geschlossen, also beschliesst er uns zum National Park Titon Ranger zu fahren, um dort beim Eingang zu fragen. Er ist unglaublich, wir können mit ihm in den Park und dort dürfen wir auf der Strasse weiter wandern Richtung Yellowstones.

Aber zuerst zeigt er uns noch seine Lieblingsplätze, so einen Menschen findest du nicht alle Tage. Wenn wir nach dem Aussehen des Autos geschaut hätten, wären wir nie eingestiegen. Irgendwie haben wir jetzt ein Gefühl entwickelt was gute Mitfahrgelegenheit sind und wo wir dankend ablehnen. Wir laufen los, machen immer wieder Pausen damit sich Leeroy erholen kann. Dann machen wir eine Pause bei einer Tankstelle, um einen Kaffee zu trinken. Dort nimmt uns ein Ehepaar etwa 10 Kilometer mit, sie gehen an den Jackson-Lake. Wir steigen aus und laufen in den Abend hinein. Wir finden neben der Strasse sauberes Wasser. Leeroy füttern wir gleich, denn er braucht fast einen Liter Wasser auf das Futter. Danach gehen wir noch etwa zwei Stunden weiter. Ein Auto fährt an uns vorbei und wendet dann. Er hat uns am Nachmittag schon gesehen, hatte aber keine Zeit. Dafür fährt er uns jetzt zum Eingang des Parks.


Wir sitzen etwas geschafft beim Eingang. Es ist sieben Uhr und wir überlegen ob wir hier übernachten oder noch weiter gehen. Wir gehen noch weiter, weil es jetzt kühler wird und es für Leeroy einfacher ist auf der Strasse, der Verkehr ist auch nicht ohne.
Als wir bereits überlegen, wo wir hier neben der Strasse das Zelt stellen, fährt ein riesiges Fahrzeug an uns vorbei ich sage zu Andy, dieses Haus auf Rädern nimmt uns mit und fährt uns.
Wir staunen nicht schlecht als er wendet, zurückkommt und sagt: „Ich gehe zurück um etwas Platz freizuräumen und dann nehme ich euch mit.“ Wir sind platt, das gibt’s doch nicht wie viel Glück wir haben. Wir kommen heute noch auf den Campingplatz bei Grant Village.
Er hat früher hier gearbeitet und von daher weiss er, warum wir auf der Strasse unterwegs sind.
Ist mega cool, beim Camping bekommen wir einen Platz der extra für CDT Hiker ist. Wir treffen eine sehr nette Schweizer Familie aus Bern und können endlich wieder einmal Schweizerdeutsch reden.

28. Juli: Grant Village-Yellowstones West
Wir haben super geschlafen hier auf dem Campingplatz. Zuerst gehen wir zurück zum Eingang des Campingplatzes. Wir bedanken uns für den schönen Platz, sie wünschen uns viel Glück für den weiteren Weg und weiter geht’s. Zuerst noch schnell einen Kaffee bei der Tankstelle trinken und dann laufen wir los. Diese Strecke ist nicht lässig, die Besucher des Parks fahren in hohem Tempo an uns vorbei von einer Ausweichstelle zur nächsten, nur um dort meist erwas aus dem Fenster raus zu fotografieren. Wir wandern bis Leeroy eine Pause braucht und gehen dafür auf eine Ausweichstelle. Es kommt ein Auto und der Mann nimmt uns mit.

Grand Prismatic Spring

Die Rucksäcke kommen in den Kofferraum, Leeroy hinten bei mir und Andy vorne. Wir bekommen eine super Fahrt durch den Yellowstones, er geht mit Andy zu den Gaysiren und einen Byson sehen wir gleich neben der Strasse. Wir sind froh, dass wir im Auto sitzen dürfen und nicht auf der Strasse laufen müssen. Hier sind nicht ganz ungefährlich Tier unterwegs und der Verkehr im Park ist nur mit absolut verrückt und gefährlich zu benennen. Der Mann bietet an, den Hund zu nehmen, damit wir die Gysier anschauen gehen können, der Hund ist nicht erlaubt auf dem Walk.


Es wäre sehr verlockend es anzunehmen, aber ich bleibe mit dem Hund beim Auto. Vorsicht ist besser als Nachsicht. Wenn dann die Rucksäcke und der Hund weg sind, was dann? Es ist nicht das erste Mal das sowas Hikern passiert, den Rucksack rein ins Auto und der Fahrer drückt aufs Gas und weg ist dein doch nicht ganz so billiges Material, Pässe, Handy, … Ich setze mich immer zuerst mit dem Hund hinten ins Auto und Andy übernimmt die Rucksäcke. Beim Aussteigen genau umgekehrt. Ich sitze hinten mit dem Hund, denn Leeroy würde völlig ausrasten, wenn das Auto ohne Andy losfährt. Der würde dann ziemlich schnell anhalten und uns rauslassen, da bin ich mir sicher.


Je näher wir West Yellowstones kommen, desto mehr Verkehr kommt auf. Das ist völlig verrückt, wobei es dieses Jahr nicht viele Touristen seien.
In der Stadt angekommen wird’s noch schlimmer. Die Fahrzeuge stehen an, Motorräder Harleys mit Musik, riesen Camper, … einfach alles was fährt drängt sich durch den Einlass des Parks.

Unser Fahrer beschliesst, um den Park herum zurück zu fahren. Wir haben ein schlechtes Gewissen. Warum hat er uns nicht gesagt, dass er im Park bleibt und umdreht, wir hätten auch den Rest rauslaufen können. Es scheint ihm jedoch nichts auszumachen.
Denn Abend verbringen wir in dem sehr touristischen West Yellowstones und laufen etwas durch das Städtchen. Wir treffen wieder eine Schweizer Familie und reden mit ihnen. Die Schweizer sind anscheinend doch gut vertreten in den USA.
Wir haben jetzt noch etwa 1600 Kilometer vor uns bis zur Kanadischen Grenze, mal schauen was noch alles passiert in Idaho – Montana. Zum Feiern ist uns ehrlich nicht. Wir sind froh, dass alles bis jetzt so toll gelaufen ist, aber dieser Hike ist etwas anderes als die, die wir bisher gemacht haben.
Es sind einfach zu wenig Menschen unterwegs auf dem Trail, die Dörfer wirken meistens etwas leer, auch die Touristen fehlen.

Leeroy mit Wolf

29. Juli: West Yellowstones
Wir frühstücken noch im Hotel und dann gehen wir los um Autostop zu machen. Das ist hier nicht ganz einfach. Zuerst fährt ein Pickup vorbei und zeigt uns den Daumen nach unten, nette Geste. Dann nach längerer Zeit halten zwei junge Frauen an, nur um dann doch weiterzufahren, das finden sie lustig. Das geht dann so weiter, bis uns ein sehr netter Mann mitnimmt der im Yellowstone arbeitet. Er sagt uns, dass hier Autostopp nicht gern gesehen wird, aber für uns Hiker geht’s nur mit Autostop zurück zum Trail. Die Strecken von den Bergen zu den Einkaufsmöglichkeiten in den Dörfern ist viel zu weit um zu laufen.

Idaho – Montana

Wir laufen vom Pass alles rauf, bis um fünf haben wir einen Gipfel erreicht. Andy filmt die Rundumsicht. Ich möchte runter, über uns kommen Gewitterwolken und es stürmt ziemlich. Wir sind hier ausgesetzt, wenn es anfängt zu Blitzen. Wir gehen runter ins Tal, durchqueren es und wieder hoch auf den nächsten Berg.

Schöner Wanderweg, alles in Schlaufen hoch und auf der anderen Seite in Schlaufen runter. Wir kommen viel weiter als wir geplant hatten, es ist dunkel als wir unser Zelt unter den Tannen stellen. Das Essen hängen wir ziemlich weit vom Zelt in einen Baum auf. Heute haben wir wieder einmal Fussabdrücke von Bären gesehen, so bleibt man vorsichtig. Heute war der erste Tag, an dem wir Hiker gesehen haben, die von Norden nach Süden, also von Kanada nach Mexiko laufen.
Das war so lässig. Sie geben uns Informationen vom Trail und wir ihnen. So ist es total schön finden wir.
Etwas Leben auf dem Trail, immer wieder mal einen kleinen Schwatz mit anderen Hikern, so gefällt es uns.

CDT 2025 – 21.-25. Juli

21. Juli: Pinedale- Dubois
Wir laufen zur Strasse, welche hochgeht zum Elkhart Park Trailhead.

Nach kurzer Zeit nimmt uns ein Lehrer mit. Danach laufen wir über den Seiten-Trail zurück zum CDT. Beim hochgehen kommen uns noch zwei Schweizerinnen entgegen. Die eine kennen wir, es ist tinkle. Sie bricht den Trail ab und wird nach Hawaii fliegen. Die Andere hat oben an der kanadischen Grenze begonnen und läuft runter zur mexikanischen Grenze. Den halben Tag brauchen wir um wieder auf den CDT zurück zu kommen.

Hier auf dem Weg ist es wieder sehr schön, Berglandschaft mit kleinen und grossen Seen und Bächen und steilen felsigen Bergen. Abstiege in die Täler, Aufstiege auf die Pässe, einer cooler als der andere.

Hier könnte man laufen ohne überhaupt müde zu werden, es ist so eine wilde und schöne Landschaft. Jedes Mal, wenn du auf einen Sattel hochsteigst, bist du gespannt wie es auf der anderen Seite aussieht. Es ist genau das was wir lieben: Bergrauf darf ein wenig klettern dabei sein, ausgestellte Wege mit Aussicht, wild und ein bisschen Risiko.

Das Gefühl du hast jetzt etwas geschafft und bist etwas über die Grenzen gegangen ist schon etwas, das wir beide mögen. Ich möchte nicht unser Schutzengel sein. 🤔

22. Juli: Wir gehen vor sechs los auch heute immer noch genial diese Wind River Landschaft. Der Abstieg von der Wind River machen wir über einen Seiten-Trail.

Talwärts im Geröll

Über Felsen und Geröll runter steigen, nicht ganz ungefährlich. Sehr vorsichtig suchen wir den Weg über die Felsen. Unten noch durch Wald weiter absteigen bis zum Talboten, dort erst mal eine grosse Pause. Diese Höhenunterschiede in einem Tag auf dem Trail sind schon extrem: 1000 oder 2000 hoch und runter ist normal. Wir haben mit dem Essen etwas umgestellt. Wir kochen zwei Beutel Knorr Reis und Käse am Mittag. Zum Loslaufen für jeden einen Proteinrigel, dann mache ich einen Drink den wir nach einer Stunde trinken. Zwei Beutel Swiss Milk etwas löslicher Kaffe und jede Menge Proteinpulver. Es mischt sich von alleine beim Gehen, das trinken wir und dann geht’s ab.

Fast in jeder Pause mische ich wieder einen Drink, das gibt die meiste Energie zum Wandern. Auch essen wir mit dem Löffel Nutella und Erdnussbutter, sehr fettig und viele Kallorien. Das ist unsere Ernährung auf dem Trail.

Squaretop Mountain


Jetzt führt uns der Weg an den ersten See Upper Green River Lake.
Der Weg ist einfach und flach, bis wir um sieben am Abend unseren Zeltplatz erreichen, mit Ausblick auf den Berg Squaretop Mountain,. Wir finden der sieht aus wie ein riesiger Hut.


Schon toll einfach das Zelt stellen in so einer Kulisse, See dahinter dieser spezielle markante Berg, nicht schlecht.

23. Juli: Wir ziehen wieder vor sechs los, weiter zum zweiten See im Hang hoch und nach vorne. Dort gehen wir zum Campingplatz, es gibt hier Trailmagic. Ein Ehepaar gibt Hikern alles mögliche zu Essen.

Leeroy bekommt sogar Katzenfutter, ihm schmeckt alles was irgendwie ins Maul passt. Wir müssen nach einer Weile wieder zurück auf den Trail und können noch zwei Dosen Bier mitnehmen für den Abend. Das Bier haben wir bereits in einer Pause getrunken beim Aufsteigen auf den Gunsight Pass, war jetzt auch nicht die beste Idee. Bei der Hitze 4 Stunden hochgehen mit Alkohol, aber was soll’s, die Dosen hätten ja auch kaputt gehen können…


Der Nachmittag ist nicht sehr anspruchsvoll mit runterlaufen im Wald und Wasser ist überall vorhanden, sehr relaxtes wandern. Wir kommen super vorwärts, es geht über grosse Weideflächen nur ohne Kühe. Es scheint einfach zu wenig Futter zu haben. Dafür sehen wir Fussabdrücke von Bären die hier unterwegs sind, das bestätigt uns sehr vorsichtig zu sein. Wir hängen unser Essen jeden Abend in einen Baum weit entfernt vom Zelt und essen nie beim Zelt. auch Leeroy füttern wir mehr als eine Stunde vorher. Heute Abend gehen wir hoch auf einen Berghang zum Zelten, es ist absolut keine Gewitterwolke zu sehen. Es gibt einen schönen Sonnenuntergang und Morgen früh wird’s sicher ebenfalls so ein schöner Sonnenaufgang werden. ☺

24. Juli: Wir warten bis die Sonne das Zelt getrocknet hat, es ist halb acht als wir loswanderen. Nach etwa vier Kilometern kommt ein Gatter, dort steht es ist nicht erlaubt hier durchzulaufen, wir seien auf dem falschen Weg. Wir entscheiden dennoch durchzulaufen. Alles wieder zurück um dann durch Waldbränd-Gebiet zu wandern haben wir keine Lust. Es sind etwas mehr als zehn Kilometer, die wir auf diesem Weg unterwegs sind. Wir beeilen uns das wir möglichst niemandem begegnen. Es ist offensichtlich Farmland und so einem erzürnten Farmer zu begegnen ist kein Spass.


Bei der ersten Quelle Kochen wir etwa um elf, es wird nachher länger kein Wasser mehr kommen. Es wird durch Waldbrand-Gebiet gehen bis zum Abend. In diesem Gebiet wird das Wasser nicht gut sein, erst wieder bei einer Quelle kann man wieder Wasser auffüllen.
Der restliche Tag ist schon beeindruckend, hier ist alles verbrannt, der ganze Wald besteht aus liegenden schwarzen Überreste von Baumstämmen, teilweise ragen sie noch wie schwarze Pfeiler in den Himmel. Der Waldboden ist dafür voll mit violetten Blumen und Asche.

Es sieht irgendwie schön und zugleich traurig aus. Auch heute kommen wir weiter als gedacht, wir sind etwa sechs Kilometer von der Passtrasse zu Dubois entfernt. Auch heute sehen wir Abdrücke von Bärentatzen im Matsch. Wir hoffen es bleibt so und wir müssen keinen live sehen. Das Zelt müssen wir auf einer Ausweichstelle für Maschinen stellen, es kommt ein stürmisches Wetter auf. Wenn es stürmt oder gewittert ist man froh, wenn der Zeltplatz etwas geschützt ist durch starke Bäume oder erhöhtes Gelände, so schläft es sich besser.

25. Juli: Wir starten am Freitag gemütlich um acht Uhr Richtung Togwotee Pass. Die Schotterpiste wird gebraucht um Holz abzutransportieren und jedes Mal wenn so ein Lastwagen hochfährt, bist du in einer Staubwolke. Das ist uns jetzt ziemlich egal, denn heute wird es eine Dusche geben und noch etwas mehr oder weniger schmutzig zu sein interessiert uns nicht. Beim Hwy 278 machen wir Autostop und werden von einem Ehepaar in einem Campingbus mitgenommen. Dort sitzen schon zwei Hiker drin. Von dem einen haben wir immer wieder in den Trailregistern gelesen Maschine, er kennt uns wegen dem Hund.
Wir werden gleich Mitte Dubois abgesetzt. Zuerst schauen wir wegen einem Zimmer für zwei Nächte. Das erste Mottel ist nicht begeistert von Hikern. Die Besitzerin sagt, für Hiker hätte sie keine Zimmer und schon gar nicht mit Hund. Mal eine klare Ansage, wir Hiker sind halt etwas dreckiger nach ein paar Tagen im Wald und manchmal stinken wir so, das es sogar unangenehm ist bloss neben dem Anderen zu laufen.


Das nächste Motel möchte achtzig Dollar für den Hund und erklärt im gleichen Atemzug was alles defekt ist im Zimmer. Wir gehen ins nächsten Motel. Hier wären Hunde nicht erlaubt, aber wir bekommen ein sehr tolles Zimmer. Für den Hund Zahlen wir für zwei Nächte 50 Dollar, voll in Ordnung. Die Besitzerin erzählt, dass sie und ihre Familie zurück nach Indien gehen und das Motel einen neuen Besitzer bekommt. Sie ist sehr angetan von Leeroy, lobt sein Benehmen und wie schön er ist. Leeroy weiss einfach wie er sich einschleimt.
Wir gehen zum Frühstücken in ein Café und danach noch in eine Bar. Dort müssen wir draussen sitzen wegen des Hundes und draussen dürfen wir kein Bier trinken. Also diese Regeln sind etwas doof manchmal blickt man nicht mehr durch. Wir bekommen nur eine Dosen Bier, kein offenes Bier. 🍺


Den ganzen Nachmittag reden wir mit einem Hiker Hungry jak aus Deutschland. Sehr netter lustiger Typ. Er reitet immer auf unserem Alter rum, aber wir nehmen es mit Humor. Ist halt so, die Jüngsten sind wir nicht mehr.

CDT 2025 – 15.-20. Juli

15. Juli: Ich gehe am Dienstag um acht in den Früstücksraum um Essen zu holen, wir essen im Zimmer. Moca, ein anderer Hiker aus England, kommt rein. Wir haben ihn zuletzt Ende New Mexiko gesehen.

Mocca mit Sandalen


Wir freuen uns einander wiederzusehen. Er gib mir eine Umarmung, die Leute schauen etwas irritiert, aber unter Hikern ist es normal. Als ich später wieder in den Frühstücksraum gehe, fragt so ein älterer Moralapostel, ob es mein Sohn war. Ich stimme ihm zu.
Könnte ja sein, wir sind jetzt nicht die jüngsten auf dem Trail. Nach dem Frühstück geht es ab an die Strasse und wir sitzen nach einer Viertelstunde im Auto und werden hoch gefahren zum Pass Sout Pass City.


Das Wandern im Wald und über diese Flächen über die Distanzen und meistens alleine ist manchmal gut und manchmal ist es nur anstrengend. Heute ist es anstrengend und langweilig. Mal mit, mal ohne Regen.
Eine Hikerin kommt uns entgegen, sie geht zurück. Sie haben wir auch schon einmal gesehen, sie hat keine Lust mehr, fühlt sich krank und überhaupt…


Wir laufen bis am Abend zu einem Campingplatz . Dort hat es bärensichere Schränke um das Essen zu verstauen. Schlussendlich verstauen wir dass Essen oder beziehungsweise den Ganzen Rucksack im WC, dort ist es auch sicher. Bei dem Schrank steht ein Auto mit Anhänger und wir sehen niemanden. Ohne zu fragen werden wir den Schrank nicht benutzen.

16. Juli: Wir stehen am Mittwoch vor sechs Uhr auf und gehen weiter, es sollte heute wieder durch Sturmholz gehen. Als wir im Laufe des Morgens im Hang hinunter steigen ist der Weg frei.

Jemand hat hier vor kurzem all die Bäume durchgesägt. Links und rechts ein Schnitt und das Mittelstück neben den Weg geräumt. Wir sehen den Mann in einem Tal, er ist dabei die rumliegenden Äste vom Weg zu schaffen.

Die Handschrift der Freiwilligen

Er freut sich uns zu sehen, gibt uns ein Bier und wir setzen uns in den Schatten. Er macht diese riesige Arbeit für uns Wanderer. Er erzählt uns wie viel Freude er daran hat, hier draussen zu sein und etwas Gutes zu tun. Wir geben im 50 Dollar für seinen guten Job den er macht, schliesslich trägt er extra für Hiker Bier hier raus. Am Nachmittag sind wir in den Windriverrange unterwegs, wunderschöner Gebirgszug, unten in den Tälern viele kleine und grosser Seen.


Immer wieder Pässe hoch, ins nächste Tal runter und wieder hoch. Die Landschaft ist so schön, du wirst gar nicht müde hier zu wandern, einfach cool. Am Abend hängen wir das Essen hoch in einen Baum und gehen ins Zelt, die Mücken sind echt kein Spass hier.

17. Juli: Morgens holen wir immer als Erstes den Rucksack vom Baum. Wir fühlen uns so sicher, wenn mal ein Bär vorbei kommen würde, wäre es unwahrscheinlich dass er den Rucksack bemerkt so weit oben im Baum. Voll motiviert geht’s weiter in dieser super schönen Gegend.

Windriverrange

Wir filmen und machen Bilder, wir sind gut unterwegs. Leeroy geniesst das Wasser am Sandy Lake, geht er schwimmen und nutzt jeden Bach oder Fluss zum planschen.

Der Tag vergeht wie im Flug, wir haben super Wetter und können überall kleine Pausen in Schatten einlegen. Zum Mittagessen kochen wir Reis mit Käse, wir essen immer das Gleiche und trotzdem reden wir darüber. Heute hat’s irgendwie besser geschmeckt als gestern, ich glaube es hängt von der Stimmung ab ob es besser oder schlechter schmeckt 😁. Das Zelt wollen wir bei einem See stellen, als wir dort ankommen steht leider schon eines dort. Also gehen wir bis zum Ende des Sees und finden einen guten Platz, um zu stellen.

18. Juli: Wir müssen Heute zu einem Seiten-Trail wandern, der 16 Kilometer zu einem Parkplatz runter geht, um dort mit Autostopp nach Pinedale zu kommen. Wir wollen dort Essen holen und einen Tag Pause machen.

Kneippkur am Morgen um 6 Uhr

Dreissig Kilometer für Essen ist ein grosser Aufwand, etwas nervig. Fünf Tage essen für uns und Leeroy ist gut machbar Gewichtsmässig. Etwa 7 Kilo gesamthaft, 2,5 Kilo nur für Leeroy 🤨.
Wir sind den ganzen Tag damit beschäftigt diese Strecke runter zum Parkplatz zu bewältigen.

Wasser von. Überall

Es regnet teilweise und die Strecke ist leider nicht schön zu gehen. Wir fragen uns bei einigen Strecken die durch Sturmholz- oder Waldbrandgebiet geht, was genau so schön daran sein soll. Die Leute hier sagen immer „ist es nicht ein hübscher Platz oder schöner Weg“, wenn sie uns begegnen. Sie finden einfach alles schön, das verstehen wir nicht.


Heute trinken wir uns den Weg schön mit Whisky bei regnerischem Wetter sitzend unter einem Baum. 🤪


Gegen fünf am Abend kommen wir beim Parkplatz an, runter in die Stadt zu gehen schliessen wir aus.
Erstens, jetzt noch jemanden zu finden der runter fährt und uns mitnimmt ist unwahrscheinlich. Zweitens, können wir hier für 12 Dollar einen Zeltplatz nehmen mit einem bärensicheren Schrank und einem Tisch. Wir werden morgen in die Stadt gehen und dann zwei Nächte im Hotel sein. Heute Abend kochen wir wieder unseren Reis mit Käse, natürlich bei Regen. Leeroy stört dieses Wetter überhaupt nicht, er frisst im Zelt und danach schläft er.

Wir stehen im Regen und essen, es gibt bessere Tage auf dem Trail als diesen.

19. Juli: Pinedale
Am Samstag sind wir schon vor sieben beim Parkplatz um jemanden zu finden, der runter fährt nach Pinedale. Nach zwei Stunden sagt uns ein Mann, dass wir etwa in einem Kilometer Empfang hätten mit dem Natel.

Also laufen wir los und bei einer Ausweichstelle hat das Natel Empfang. Wir wollten jemanden erreichen der uns abholt und genau dann kommt von unten ein Trailangel der einen Hiker abholt vom Parkplatz. Sie nimmt uns auch mit nach Pinedale. Aber bevor wir einsteigen dürfen fragt sie, ob sich unser Hund benimmt. Leeroy sitzt sehr brav und wir sagen, dass er extrem freundlich ist und ein einwandfreies Benehmen hat. Wir bekommen Sodas und die Fahrt hinunter. Unten in der Stadt erklärt sie uns alles, wo es das beste Essen gibt, wo wir gute Informationen bekommen, usw.
Erst gehen wir frühstücken und dann suchen wir ein gutes Hotel. Wir buchen zwei Nächte mit Frühstück in einem Hotel, das mitten in dem Städtchen liegt. Um zwei bekommen wir das Zimmer, ich gehe noch bei einem Imbiss Essen holen, danach ist Feierabend für heute.

20. Juli: Am Sonntag frühstücken wir im Zimmer. Ich gehe los um Kaffee und Essen zu holen. Wie meistens lauft der Fernseher und die Leute sind am diskutieren, sehr angespannte Situation im Früstücksraum. Ich beeile mich. Ich habe keine Lust in einen Streit zu geraten, Fox News ist der Auslöser der Diskussion. Normalerweise stimmen wir einfach dem Gegenüber zu, sind seiner Meinung und gut ist’s. Politische Themen vermeiden wir so gut wie immer, da kann man ziemlich schnell Ärger bekommen.

Veteranenpark in Pinedale


Das Frühstück ist sehr gut, es gibt sogar frisch gemachtes Omelett mit Gemüse, sehr lecker. Wir gehen am Nachmittag noch spazieren mit Leeroy, danach wollten wir eigentlich in einem Restaurant ein Steak essen. Dieses ist leider nicht möglich. Das Restaurant ist leer und die Bedienung fragte ob es ein Service-Hund ist. Sie wollte, dass wir es bejahen doch wir sagen nein, es ist keine gute Idee sich gegen die Regeln zu verhalten. Die Bussen hier sind extrem hoch. Tausende Dollars für harmlose Vergehen oder sogar Haft.

Unser Motto ist besser nicht gegen ein Gesetzt zu verstossen. Dann essen wir einen Burger auf einer Terrasse, das ist auch gut.
Wir gehen noch zu einer Tankstelle um eine kleine Flasche Whisky zu kaufen. Ich gehe rein und frage nach dem Whisky. Der Angestellte sagt er habe hinten im Lager, er gehe ihn holen, doch erst will er den Ausweis sehen. Ich frage, ob er es ernst meint. Er stellt fest dass er mir sowieso kein alkoholisches Getränk verkaufen darf, weil er die Lizenz noch nicht hat. Manchmal muss man es nicht verstehen. Ich gehe den Whisky wo anders kaufen. Und das ohne den Ausweis zu zeigen. 😂


Die Inhaberin hofft auf den Herbst, sie erzählt das nicht allzu viele Touristen hier durchfahren. Andy und ich finden auch, dass es in den Städten und Dörfern leer wirkt. Es drückt etwas auf unsere Stimmung, etwas mehr Touristen aus aller Welt wären schon toll.

CDT 2025 11.-14. Juli

11. Juli: Heute um vier Uhr geht es weiter in das Basin, es ist unser Ziel vor zehn Uhr bei der einzigen und guten Wasserquelle zu sein. Das gelingt uns, wir haben es vor neun geschafft und essen hier mit T-Bon einem deutschen Hiker Frühstück. Wir nehmen 9 Liter Wasser mit für die Strecke bis zur Sage Creek/Road, die in die Stadt Rawlings geht.


Bis zum Nachmittag laufen wir immer auf einer Schotterpiste im Basin. Es wird immer heisser. Bei einem Tor beschliessen wir Pause zu machen.

Leeroy mit Socken


Wir spannen die Blache und legen uns darunter, für Leeroy wird’s zu heiss. So hängen wir etwa drei Stunden rum. Ein einziges Auto sehen wir und sonst nichts. Als die Sonne etwas nachlässt machen wir noch einmal 6 Kilometer, um unter einer Brücke noch eine Stunde Pause zu machen.

Unter der Brücke

Um fünf ist es erträglich und wir gehen weiter. Nicht lange und neben mir rasselt es, sofort anhalten und langsam zurückgehen.

Eine wunderschöne Klapperschlange droht uns, Andy macht Bilder mit der Kamera mit Zoomfunktion, das ist sicherer als mit dem Handy. Leeroy schaut die Schlange aus sicherer Entfernung an, er hat kapiert, dass mit Schlangen nicht zu spassen ist.
Wir gehen wieder in den Abend hinein. Hier hat es so viele Kühe und Jungvieh, dass wir ausserhalb des Weidezauns zelten wollen.


Wir stellen das Zelt gleich neben den Zaun etwas abseits der Schotterpiste. Die Herde Jungtiere sieht uns und kommt, es interessiert sie, was wir machen. Rinder sind neugierig und frech. Es war eine gute Entscheidung das Zelt ausserhalb des Weidezauns aufzubauen.

Ein neuer Tag

12. Juli: Am Samstag laufen wir vor Sonnenaufgang los, wir müssen zur Strasse kommen, bevor es zu heiss wird. Wir haben jetzt noch einen Liter Wasser und Leeroy trinkt locker einen halben Liter auf einmal. Es ist so schön mit der Morgenstimmung in diesem Basin, echt etwas besonderes.


Als wir bei der Strasse ankommen ist die Sonne schon am wärmen, Leeroy legt sich unter einen Busch, mehr Schatten ist nicht vorhanden.
Zwei Hiker kommen auf der Strasse hoch, sie sind die ganze Strecke auf der Strasse gewandert, welche ausserhalb hoch geht und nicht durch das Basin. Sie hatten zweimal Trailmagic mit Wasser und Sodas. Nach etwas mehr als einer Stunde kommt ein Mann. Er gehört zu einer Gruppe von Anwohnern, die hier Hikern helfen.


Er ist unglaublich hilfsbereit, fährt uns in die Stadt und gibt uns seine Telefonnummer für den Fall, dass wir noch etwas benötigen. Diese doch etwas heikle Strecke hätten wir hinter uns gebracht (zu wenig Wasser). Jetzt erst einmal einen Tag ausruhen und dann werden wir mit Autostopp den nächsten Teil überspringen. Es gäbe dort zwar genügend Wasser, aber leider keine Möglichkeiten Pausen zu machen im Schatten. Das werden wir nicht riskieren mit Leeroy, die Hitze ist zu viel für ihn. In der Nacht zu wandern wagen wir auch nicht, die Schlangen sind bei der Hitze nachts am aktivsten. Das Gelände kennen wir ja vom ersten Mal und so ist es eine vernünftige Entscheidung. Also buchen wir zwei Nächte in Rawlings in einem Motel.

13.Juli: Sonntags essen und nochmals essen, ausruhen und Wäsche machen. In die Stadt gehen wir gar nicht. Das Motel ist gleich neben Allem, was ein Hiker braucht. Es hat grosse Einkaufszentren, Mac Donald, Pizzeria, Mexikanische Restaurants, Burger King. Letzteres ist geschlossen, haben wir auch noch nicht gesehen in den USA. Überhaupt wirkt es sehr leer hier, es sind so wenige Leute unterwegs, auch in den Restaurants. Wir hängen etwas am Empfang und nerven die Dame die lieber Film schauen möchte als mit uns zu reden. Auch kommen noch vier andere Hiker zum Essen und Reden aus ihren Zimmern raus. Wir fragen nach einem Karton, wir müssen noch ein Schild machen für morgen, dass nur die Autos anhalten die bis Landers fahren für den Autostop. Andy fragt die Dame, ob sie es lesen kann. Sie sagt genervt ja und (etwas gemein) dort wohne sie. Aber mitnehmen würde sie uns nicht, ich denke wir haben ihre Geduld etwas überstrapaziert. 🤨 So vergeht der Tag ziemlich gemütlich und unspektakulär.

14. Juli: Wir essen das Frühstück im Zimmer und gehen dann zur Strasse, die nach Landers geht. Es hält ein Auto nach etwa einer halben Stunde an, ein Trailangel. Sie wird uns heute morgen rausfahren, unglaublich … der Kofferraum war leergeräumt für Leeroy. Sie hörte von uns oder eher von Leeroy und dachte sich schon, dass sie uns sehen wird.

Warten im Park

Zuerst fährt sie noch schnell zurück, um zu schauen ob mit den Hikern hinter uns alles gut ist, vor allem ob sie genügend Wasser haben. Vorher fährt sie uns in den Ort zurück in den Park. Dort werden wir auf Sie warten.

Trail Angel Grace


Nach einer Stunde kommt sie zurück und wir können losfahren nach Landers, 195 Kilometer hin. Danach muss sie wieder alles zurück fahren. Also diese Trailangel sind so nett. Wir sind sehr dankbar, dass wir diese Strecke nicht durchlaufen mussten. Es ist sehr beeindruckend diese Weite zu sehen, wir haben eine gute Entscheidung getroffen.

In Landers gehen wir zuerst auf die Rangerstation, um zu fragen, ob es ein Problem mit den Grislibären gibt auf der nächsten Strecke. Sie sagt, es sei absolut kein Problem bekannt. Einfach die Regeln einhalten, essen aufhängen etwa 20 Meter weg vom Zeltplatz und auch mindestens 5 Kilometer vor dem Zeltplatz essen. Das machen wir konsequent, weil wir keine Lust haben so einen Grislibären zu begegnen.

Motel in Lander


Auch reden wir auf dem Weg viel oder rufen „hey Bär“, dass er uns hört und hoffentlich verschwindet. Danach geht’s zum Outdoor Geschäft, ich brauche neue Schuhe. Dort ist noch ein anderer Hiker. Er ist selbst ein Bär von einem Mann, aber er hat richtig Angst vor den Grislibären.
Er will schauen, dass er mit jemandem wandern kann, dieses Jahr sind viele Hiker alleine unterwegs. Es sind auch nicht viele unterwegs, etwa 320 auf die ganze Strecke schätzen wir.
Wir werden hier eine Nacht bleiben und Morgen früh gehen wir zurück auf den Trail.

CDT 2025 6.-10. Juli

Steamboot Springs-Rabbit Ears Pass 2873 müM – Grenze Colorado / Wyoming – Battle Pass Encampment

6. Juli: Am Nachmittag gehen wir zurück auf den CDT.

Rabbit-Ears-Pass

Es sind viele Tageswanderer unterwegs, doch es werden schnell weniger. Die Meisten laufen nicht längere Strecken, nach fünf Kilometern ist häufig genug. Wir haben wieder ziemlich Strecke gemacht, da es einfaches Laufen ist bis um halb neun am Sonntagabend zu dem Zeltplatz.

Gleicher Zeltplatz wie im 2022


7. Juli:Der Montag ist sehr schön, die Sonne scheint, es ist aber trotzdem angenehm kühl zum Laufen. Wir sehen über den ganzen Tag verteilt zwei Hiker und sonst niemanden. Die Landschaft ist grün und überall hat es immer wieder Wasser, sehr schönes wandern auf flachem Gelände.

Wir machen heute ohne grosse Anstrengung über 40 Kilometer. Wir sind jetzt ziemlich fit und hoffen dass es so weitergeht, auch Leeroy ist völlig entspannt unterwegs.

8. Juli: Am Dienstag stehen wir wieder vor fünf Uhr auf. Wir wollen am Nachmittag zur Grenze Colorado – Wyoming kommen und haben etwa noch 25 Kilometer bis dorthin. Aber der Weg geht auf Offroud-Pisten bergauf und bergab, was extrem mühsam ist, man rutscht schnell aus auf dem losen Gestein. Hier wird Töff und Vierradfahrzeugen durch den Wald gefahren, es scheint den Leuten Spass zu machen. Der Wald ist in einem schlechten Zustand, Sturmholz überall, irgendwann hast du diese Strecken gesehen. Auch Waldbrände gab es hier, was ebenfalls nicht wirklich schön ist.

Wir kommen um zwei Uhr Nachmittags völlig durchgeschwitzt und genervt von diesen ganzen Pisten an der Grenze an.
Es ist sehr heiss geworden und wir feiern unsere Leistung mit Whisky. 🥃 Ein deutscher Hiker kommt auch noch, ich gebe ihm auch vom Whisky, Andy ist nicht begeistert. Er meint, dass der andere Hiker auch nicht teilte, also schnappt sich Andy die Flasche und verstaut sie im Rucksack. Irgendwann geht der andere Hiker und wir oder besser gesagt Andy trinkt den restlichen Whisky aus 🤨 (bei Whisky hört der Spass bei Andy auf).


Danach wandern wir doch noch etwas mehr als 20 Kilometer in Wyoming weiter, der Wald und Weg wurde wieder angenehmer zum Laufen. Wieder etwas geschafft: New Mexiko und Colorado liegen hinter uns. Jetzt haben wir noch Wyoming Idaho und Montana vor uns. Cool, mal sehen ob es diesmal klappt.

9. Juli: Um sechs wachen wir auf, packen alles zusammen und laufen los Richtung Passstrasse Wy Highway 70 am Battle Pass.
Durch Wald runter und über sumpfiges Land. Zwischen den Wäldern mit vielen Mücken laufen wir in einem durch bis zum Ende des Wanderweges.

Trailmagic

Dort ist ein Ehepaar und Andy bietet gleich an von ihnen Fotos zu machen. Er hofft wahrscheinlich auf eine Mitfahrgelegenheit in die Stadt Riverside.
Wir gehen noch etwas mehr als drei Kilometer bis zur Passtrasse.

Von halb acht bis neun Uhr versuchen wir ohne Erfolg Autostop zu machen, aber es hat hier leider fast keinen Verkehr. Das Ehepaar kommt zurück von der Wanderung und wir bekommen unsere Fahrt in die Stadt.


Hier hat es ein kleines Geschäft, in dem wir alles bekommen für die nächste Strecke. Wir gehen über die Strasse in ein Restaurant um zu essen. Mit dem Hund sitzen wir draussen, da Leeroy nicht hinein darf. Ich frage die Bedingung ob ich bestellen kann. Sie meint, bestellen kann ich, aber holen muss ich es dann selbst. Die Köchin bringt uns dann das Essen, die bedienen uns doch noch mehr oder weniger.


Wir gehen danach zu einem Motel und bekommen ein Zimmer. Die Eigentümerin schenkt uns noch zwei Kaffedrinks.
Die Waschküche lässt sie offen, so können wir unsere Wäsche noch am Abend erledigen. Ich frage ob ich abschliessen soll. Sie lacht nur und sagt, dass sei nicht nötig. Wyoming ist der Staat, in dem immer noch sein Eigentum mit Schusswaffen geschützt werden darf, scheint zu funktionieren.

10. Juli: Wir wollen am Donnerstag noch im Restaurant frühstücken, also gehen wir zu Fuss los und lassen die Rucksäcke noch im Zimmer. Hätten im Nachhinein lieber Leeroy im Zimmer gelassen. Die Bedienung erkennt uns als Hiker und sagt Hunde sind nicht erlaubt, aber sie gehe mal fragen. Die Eigentümerin kommt und entschuldigt sich, leider sind Hunde auch im Aussenbereich nicht erlaubt. Sie macht uns zwei leckere Frühstücks-Boxen zum Mitnehmen.

Während dem Warten erzählen uns zwei Gäste, das es zwei Leute im Dorf hat, die jeden Verstosse melden. Auch sie lassen die Hunde zu Hause, was sie extrem schade finden. Auch die Schliessungen werden eingehalten, was sie auch aufregt. Der wilde Westen scheint etwas geordnet oder gezähmt zu sein.

Schade, genau das hat uns gefallen, dieses verrückte Amerika ungezähmt und wild. Nach dem Essen geht es zurück auf den CDT, wir bekommen eine Mittfahrgelegenheit mit einem Truck, der Pferde auf den Pass fährt. Die zwei Frauen räumen den Rücksitz frei. Zwei Hunde bleiben hinten und einer, der wildestee sitzt vorne. Hier ist der Hund etwas anderes als in der Schweiz, es ist ein Arbeitshund, der gehorcht ohne zu diskutieren.

Auch Leeroy muss ohne wenn und aber genau so gut gehorchen, sonst fliegen wir raus aus dem Truck.
Oben angekommen laden sie die Pferde aus und die Hunde sind aufgeregt denn es geht in den Wald. Leeroy ist ebenfalls aufgeregt und wir gehen wieder zurück auf dem CDT. Wir sind den ganzen Tag alleine unterwegs, mal regnet es, mal donnert es.

wandern bei Mondschein

Auch in Wyoming ist wechselhaftes Wetter. Wir laufen bis um halb Zehn, 44 Kilometer Richtung Red Basin bis zum North Fork Savery Creek.

CDT 2025 2.-6. Juli

Grand Lake- Steamboat Springs
2. Juli: Wir Frühstücken im Zimmer und machen danach alles bereit für die nächste Strecke bis nach Steamboot Springs.

Grand Lake

Wir müssen noch das Päckchen aufgeben bei der Post, was über eine Stunde dauert. Die Frau die uns bedient, hat grosse Probleme mit dem Eingeben der tatsächlichen Waren, die im Paket sind. Wir üben uns in Geduld. Ich bin erstaunt in welch hohem Alter hier manche Menschen immer noch arbeiten, bei uns wäre sowas undenkbar. Danach gehen wir zum Community Center und warten dort auf unsere Mitfahrgelegenheit.

Der Dorf-Chef höchstpersönlich kommt um drei Uhr mit einem riesigen Truck. Leeroy wird hinten in den Kofferraum verstaut, oder besser gesagt versteckt. 🤪
Bei der Fahrt erklärt er uns, was sie alles unternehmen um die Gegend wieder aufzubauen. Die Lösung sei einfach neue Häuser und Infrastruktur aufzubauen. Ein sehr netter Mann, sehr optimistisch was die Zukunft betrifft, er freut sich das er uns helfen kann. Er fährt an das Ranger Häuschen, gibt dem Mann den Passierschein und das war’s, wir fahren rein in den Nationalen Park. Beim Aussteigen sagt er, wir sollen uns beeilen. Hier steht ein Ranger-Fahrzeug, super Timing. Wir laufen sofort los und wer kommt uns nach zweihundert Metern entgegen, … zwei Rangerinnen. Wir rennen fast schon an den zweien vorbei. Sie lachen nur. Anscheinend sind sie zufrieden, dass der Hund an der kurzen Leine ist und das Fahrzeug von unserem Fahrer haben sie auch gesehen. Nachdem wir aus dem Rocky Mountains National Park raus sind, gehen wir doch erleichtert weiter und freuen uns wieder legal unterwegs zu sein auf dem CDT.


Wir kommen noch auf den Bowen Pass 3400 müM hoch und steigen etwas ab, um das Zelt bei strahlendem Sonnenschein aufzubauen. Also wenn wir nicht immer wieder auf so hilfsbereite und nette Leute treffen würden auf dieser Wanderung, hätten wir schon längst aufgegeben. Manchmal denken wir, so viel Glück wie wir haben gibt es gar nicht oder unser Schutzengel macht einen ziemlich guten Job. 👍

Bowenpass

3. Juli: Leeroy ist schon um halb fünf munter und bereit loszulegen, Andy braucht all seine Geduld auf der ersten Strecke. Leeroy schnappt sich immer wieder ein Holzstück und springt in der Leine um Andy herum, aber ablösen geht auch nicht, er muss heute ja noch ein paar Kilometer machen. Der Morgen ist nicht allzu streng, aber auch nicht schön.

Ein Waldbrand-Tal und Borkenkäfer-Tannen soweit man sieht in alle Richtungen. Am Nachmittag besteigen wir den Berg Parkview Mountain 3748 müM, heute insgesamt etwa 1800 Höhenmeter hoch.

Alles geht auf dem Grat entlang hoch und runter, immer mit Gewitterwolken über uns. Entspannt ist anders.
Wir sind heute etwas mehr als 40 Kilometer gewandert ohne nass zu werden. Um sieben können wir noch das Zelt aufbauen und dann geht’s los: Regen, Gewitter, Blitze.
Wir essen im Zelt und Leeroy schläft. Etwas ungemütlich ist es schon hier draussen mitten im Wald.
Es ist die ganze Nacht regnerisch, doch das Gewitter lässt irgendwann nach und wir können gut schlafen diese Nacht.

4. Juli: Wir müssen am Morgen alles Nass verstauen, es regnet immer noch ein wenig. Leeroy ist das egal, er hat gute Laune und wir hoffen auf Sonne im Laufe vom Tag, um alles zu trocknen.


Der Wanderweg ist etwas langweilig, immer in der Höhe den Berghängen nach vorne, nur um dann abzusteigen und danach wieder hochzugehen, dann erneut nach vorne und so weiter…
Alles ohne grosse Sicht. Es ist nebelig, die Sonne zeigt sich nur kurz, was gerade so reicht um das Zelt zu trocknen, das war’s dann auch schon. So machen wir recht Strecke bis zum Nachmittag. Um drei bessert sich das Wetter zum Glück. Wir laufen jetzt auf einer Forstrasse in einem sehr schönen Laubwald.

Hier soll es viele Elche geben, wir sehen allerdings keine. Wir wissen, dass es hier einen Trailangel gibt, der in seinem Wohnwagen im Tal unten den Sommer verbringt, um Hiker seine Hilfe anzubieten.
Wir laufen bis um Sieben alles runter bis zu dem Platz, wo der Wohnwagen 2022 stand. Leider ist er nicht mehr hier. Etwas enttäuscht stellen wir das Zelt und machen uns einen gemütlichen Abend bei sonnigem Wetter.


Wir können jetzt nicht weitergehen, da auf der Strasse in Richtung Hwy 14 alles Farmland ist und auf privatem Land mit Kühen zu zelten ist nicht möglich.

5. Juli: Am Samstag gehen wir vor sechs los, schnell kommen jede Menge Kühe mit Kälbern. Die machen einen Lärm. Alle müssen noch schnell über den Weg auf die andere Seite, egal wie weit sie es haben. Auch als wir uns entfernen, beruhigen sie sich nicht und die nächste Herde macht genau das Gleiche.
Am Ausgang des Farmlandes sehen wir den Campingplatz des Trailangels, der ist dank des Lärms der Kühe auch schon wach. Wir können bei ihm unser Wasser auffüllen und bekommen Cookies. Er hat auch ein Trailregister.

Trailangels

Er sagt, was zur Hölle auch mit uns Hikern los ist. Gestern sei einer um halb zehn vorbei gegangen und heute Morgen wir um diese Uhrzeit. Er fährt jeden Tag die Strecke hoch, um zu schauen ob wir Hiker Hilfe brauchen. Auch gestern Abend hat er unser Zelt gesehen und wusste, dass wir kommen. Er war sehr enttäuscht vom Hiker gestern, der einfach vorbei gelaufen ist, ohne sich ins Register einzuschreiben.
Man sollte sich schon bewusst werden, dass ohne diese Menschen die freiwillige Arbeiten auf sich nehmen, dieser Weg nicht existieren könnte.
Nach einem kurzen Gespräch gehen wir weiter zum Hwy 14.
Dort angekommen entscheiden wir, diese fünfzehn Kilometer auf der Strasse zu laufen.

Die Autos, Lastwagen usw. fahren mit hoher Geschwindigkeit an uns vorbei. Auch hier muss und darf Leeroy nicht einfach machen was er will, für gut drei Stunden gilt links laufen neben Andy am Rand.
Bei der Kreuzung angekommen machen wir Autostop um runter in die Stadt Steamboot Springs zu kommen.

6. Juli: Steamboot Springs
Wir haben ein Hotel inklusive Frühstück etwas ausserhalb der Stadt gebucht, nahe bei den grossen Einkaufszentren. Der Hund wird im Frühstücksraum geduldet. Die Leute essen und der Fernseher läuft. Es ist hier ganz normal in den Restaurants, dass die Leute Fernsehe schauen. Es geht nicht ohne. Wir wissen nicht wann wir zuletzt etwas im Fernsehen geschaut haben. Zuhause schauen wir nie Fern. Hier schaut man sogar manchmal auf dem WC, völlig verblödet. Sorry, aber das verstehe ich nicht.
Ich mache Wäsche auf dem Zimmer und Andy geht schnell einkaufen. So haben wir danach Zeit und können ziemlich lange im Bett hängen.


Unsere Füsse erholen sich für die nächste Strecke und wir essen alles, was Kalorien hat. Leeroy isst über den Tag 500 Gramm Speck und 500 Gramm Hackfleisch mit Bananen, so klappt es gut, dass er nicht zufiel Gewicht verliert. Wir hingegen haben jetzt eine Figur wie mit zwanzig, nur mehr Muskeln 💪. Und das egal wie viel wir auch essen.

CDT 2025 28. Juni – 1. Juli

Berthoud Pass – Grand Lake


28. Juni: Am Samstag machen wir einen Pausentag in Winterpark. Wir haben zwei Nächte in der Mountain Loge gebucht, das ist ein sehr schönes altes Skihostel oder das war es jedenfalls. Auch hier sind die Preise eher hoch, dafür darf man die Wäsche gratis machen in der hauseigenen Waschküche. Der Aufenthalt hier war etwas teurer als gewohnt, wir staunen auch beim auswärts Essen. Die Preise sind fast mit den Preisen in der Schweiz zu vergleichen.


So essen wir möglichst im Zimmer oder auf unserer Terrasse. Die Eigentümerin hat uns extra einen Tisch und zwei Stühle hingestellt, so ist es sehr gemütlich hier.


29. Juni: Sonntags um acht gehen wir mit Autostopp hoch zum Trail. Die junge Frau fährt für eine Tageswanderung hoch. Von diesen hat es viele unterwegs bis zum ersten Gipfel dem Mount Flora.

Danach sind wir wieder alleine unterwegs, ausser im Tal unten, fahren Verrückte mit allem was einen Motor hat auf Pisten umher.
Wir kommen heute ziemlich vorwärts und steigen in einem Zug zum nächsten Gipfel auf den James Peak. Beide sind über 4000 müM und dann schnell wieder etwas tiefer. Das Wetter schlägt um von sonnig zu windig und regnerisch, typisch Colorado. Wir gehen auf einer ehemaligen Eisenbahnschiene dem Hang entlang nach vorne. Wir stellen das Zelt gleich neben einer noch teilweise erhaltenen Eisenbahnbrücke.

Dort kochen wir und schauen dem Treiben bei der Brücke zu. Es kommen immer wieder Leute mit dem Auto, um Fotos zu machen. Zwei Frauen und ein Mann kommen und setzen sich auf die Brücke. Die eine fesselt die andere Frau, Andy und ich schauen uns an. Wir fragen uns, was das soll. Etwas komisch ist es schon, aber wir sind zu geschafft um zu fragen. Wir essen und danach ab ins Zelt. Es wird gelacht bei der Brücke, also alles in Ordnung.

30. Juni: Wie üblich packen wir vor Sonnenaufgang alles zusammen und gehen los. Jetzt müssen wir erst wieder raufsteigen zum Rollings Pass.

Dort hoch ist die Bahn vor 120 Jahren auch gefahren.
Der Nebel nimmt einem die Sicht und wir laufen mit Daunenjacke und Handschuhe, es ist richtig kalt.


Oben auf dem Pass geht der Weg natürlich noch einmal hoch. Den ganzen Morgen gehen wir im Nebel im Hang Richtung Grand Lake. Mit dem Nebel, der über den Hang drückt sehen die blühenden Blumen und Sträucher sehr schön aus.

Nach einem Abstieg kommt der erste See Monarch Lake. Wir gehen ohne gross zu überlegen weiter. Nach kurzer Strecke sind wir beim ersten Campingplatz, alles voll und viel zu laut für uns. Es wird auch bei den nächsten Campingplätzen nicht besser. Wir gehen einfach am See entlang und stellen das Zelt ein bisschen in den Wald hinein, hier wird heute sicher niemand mehr vorbeikommen.

1. Juli: Am Dienstag sind wir schon um fünf in der Früh unterwegs, jetzt sind es noch etwa 20 Kilometer bis Grand Lake. Ungefähr die letzte 6 Kilometer sind schon im Rocky Mountains National Park.

Der Hund ist nicht erlaubt im National Park, wir laufen ganz schnell raus. Ein Ehepaar begleitet uns noch das letzte Stück bis zum Parkplatz, wir sind froh das keine Ranger gekommen sind. Es hat uns doch ein wenig gestresst, denn wir möchten keinen Ärger mit den Leuten hier. Das freundliche Paar fährt uns zum Einkaufen bis nach Grand Lake. Wir sind so dankbar immer wieder so nette hilfsbereite Menschen zu treffen.
Um 10 Uhr sind wir in Grand Lake, buchen schnell ein Zimmer und können beim Motel schon um 12 rein. Danach gehen wir beim Communiti Center vorbei, um zu fragen, wie es ist mit dem Hund im National Park.

Die zuständige Frau für CDT Hiker meint wir sollen die 8 Meilen auslassen. Sie wird für morgen eine Person organisieren, die uns mit dem Hund durch den Park fährt und uns beim letzten Parkplatz rauslässt. Dann sind es nur noch zwei Meilen raus aus dem Park, das wird schon klappen. Super Lösung finden wir und gehen wieder zurück um zu essen. Beim Restaurant dürfte Leeroy auch nicht rein, eine Frau erkennt uns aber als CDT Hiker und schon darf Leeroy mit rein ins Restaurant.
Noch alles einkaufen und schnell bei der Post vorbei, um ein Paket zu holen für das Material das wir nach Hause schicken . Der Tag vergeht viel zu schnell mit allem was zu erledigen ist, auch Leeroy wird gewaschen. Für ihn haben wir noch ein Medikament dabei, das gegen Mücken ist, die irgendeine Krankheit auslösen. Das Medikament wird einmal im Monat auf die Haut aufgetragen. Sonst hat er noch überhaupt keine Medikamente gebraucht, ausser ein paar Kohlentabletten. Wir hingegen haben schon allerlei an Medikamente gebraucht, Schmerzmittel, Entzündungshemer, Etwas gegen Durchfall, …

CDT 2025 23.-27. Juni

23. Juni: Frisco – Winterpark
Grays Peak 4352 müM
Pausentag in Frisco
Wir sind soweit zufrieden mit unserem Thru-hike , es klappt alles sehr gut und Leeroy ist für uns fast übermotiviert. Er schläft wenn wir im Hotel sind tief und fest, dafür ist er energiegeladen wenn es zurück auf den Trail geht. Das brauchen wir auch, denn jetzt kommen die hohen Berge in den Rockys 🏔, auf die wir uns als Schweizer freuen.
Wir essen möglichst viel und hängen im Hotel herum. Frisco ist ein typischer Skiort, riesengrosse Hotelanlagen, wir finden das alles andere als schön.

24. Juni: Frisco Breckenridge – Winterpark Berthoud Pass 3450 müM
Erster Gipfel Mount Edwarts 4218 müM, Grays Peak 4352 müM
Das wird unser Highlight werden auf diesem Abschnitt. Heute geht’s mit Uber zurück auf den Trail, Autostop dauert uns zu lange. Wir laufen möglichst viel, das Wetter wird oder sollte zwei Tage gut bleiben.


Der Weg geht durch Wald, teilweise sehr schön und dann wieder diese Skigebiete. Von Weitem siehst du die Pisten wie Adern in den Hängen. Diese Landschaften ist etwas, was uns nicht zusagt, wir lassen es hinter uns.
In diesem Land wird es nicht viel ausmachen, es hat noch soviel Fläche wo einfach nicht’s ist ausser Berge, Täler und Wald. Heute sehen wir viele Mountainbiker, die wie Wilde den Berg hinunter rasen. Du kannst nur den Weg schnellstmöglich freigeben, dafür bedanken sie sich. 🤪

25. Juni: Wir starten wieder um sechs. Das Wetter ist bewölkt, also werden wir möglichst lange in der Höhe wandern. Beim ersten Berg, dem Glacier Peak 3920 müM haben wir noch eine klare Sicht.

Beim zweiten, dem Whale Peak 3979 müM ebenfalls.
Das Wetter wird immer schlechter die Gewitterwolken holen uns langsam ein. Wir sind in einer Höhe zwischen 3500 und 4000 müM, mal drüber mal drunter, das ist nicht ganz ohne. Ich denke es wäre besser hier auf einer Piste hinunter zu gehen, um im Tal Richtung Grays Peak zu laufen. Wir diskutieren und überlegen. In fünf Kilometern kommt die nächste Möglichkeit und wenn es nicht besser wird gehen wir runter.

Dieses Wetter ist nicht leicht einzuschätzen, zum Teil werden wir verhagelt und verregnet und mit dem Wind wird es kalt. Als wir im Tal unten bei sonnigem Wetter essen, bereuen wir es abgestiegen zu sein.

Alte Goldmine

Wir wandern weiter im Tal und am Abend beschliessen wir noch die zwei Kilometer hoch zum Argentine Pass 4025 müM zu wandern, in der Hoffnung das Wetter kläre auf.
Wir steigen über die Baumgrenze, im steilen Hang queren wir auf zwei kleinen Schneefeldern. Natürlich fängt es wieder mit Schneegestöber und Wind an. Wären wir doch besser unten geblieben.


Oben hat es zum Glück eine windgeschützte Stelle um das Zelt zu stellen, wieder einmal mehr Glück als Verstand gehabt.

26. Juni: Am Donnerstag gehen wir vor fünf los. Die Nacht war kalt und wir ziehen alles an, was warm gibt. Es sind noch 4 Kilometer bis zum Gipfel Grays Peak, dem dritthöchsten Berg in den USA.
Mit Leeroy über den Grat vom ersten Gipfel Mount Edwards 4218 müM zu Grays Peak geht gut.

Leeroy weiss einfach wann es besser ist sich zurück zu nehmen. Wir ziehen ihm sein Rucksack an. Der ist super, wir können ihn damit halten, wenn es nötig wird. Er meistert diese Kletterei über und zwischen den felsigen Gelände ohne Mühe, er merkt das Andy kein Überaktivität duldet. Wenn ich von hinten sehe, dass Leeroy die Geduld verliert, sage ich „langsam Leeroy“. Bis jetzt hörte er immer. Auf dem Gipfel angekommen sind wir richtig stolz auf Leeroy und auch auf uns.

Grays Peak


Ich merke mit meinen 57 Jahren genau, wann es anstrengend ist oder wenn es genug war. Andy hingegen würde manchem jüngeren Hiker stehen lassen, zumindest wenn’s in die Höhe geht, unglaublich wie viel Energie er hat.
Der Abstieg geht in Schlaufen einfach runter bis zum Parkplatz. Wir haben gestern dazu gelernt, heute Abend ginge es eigentlich wieder rauf auf etwa 4000 Meter, aber wir stellten das Zelt im Tal zwischen Tannen auf. So werden wir nicht wieder frieren.

27. Juni: Um halb fünf Uhr morgens lässt Andy die Luft raus bei meiner Luftmatratze. Ich denke es stimmt was nicht mit ihm… Leeroy geht frisch und munter aus dem Zelt raus. Ich bin gespannt was jetzt kommt, er sagt nur: „Ich will früh in Winterpark sein.“ Also wandern wir vor Sonnenaufgang los in die Höhe.


Auf der Bergspitze Summit 4020 müM dort haben wir eine super Rundumsicht in die Berge von Colorado, hier will ich frühstücken. Es gibt Swiss Milk mit Protein- pulver und Haferflocken, plus Haferflocken Riegel, lecker ist es nicht, aber Hauptsache genügend Proteine.


Dann geht es weiter in der Höhe. Wir umrunden einen Berg. Dort wird irgendwas abgebaut, es ist laut von den Maschinen unten im Tal bei den Industriegebäuden. Wir steigen auf einer Seite runter, um auf der anderen Seite wieder hoch zu steigen. Das wäre nicht weiter schlimm, aber ein Mann steht neben dem Weg. Er scheint ein Jäger zu sein und beobachtet den Aufstieg von Hikern auf der anderen Seite des Tales mit dem Fernglas. Ich gehe schnell zu Andy, der Kerl hat den Rucksack geöffnet mit allerlei Material drin zum Jagen, am helllichten Tag. Wir sehen ihn von Weitem. Jetzt beobachtet er die andere Seite, also nicht unsere Richtung. Wir gehen schnell hoch. Oben angekommen müssen wir noch bis zum Pass Berthoud 3450 müM gehen, etwa um drei Uhr sind wir dort.

Wir stehen keine fünf Minuten und schon kommt ein Mann, der hier oben war um zu Wandern und fährt uns bis zu unserem Hostel. Er wird den CDT mit dem Velo fahren von Kanada zu mexikanischen Grenze. Vielleicht sehen wir uns noch einmal.

CDT 2025 18.-22. Juni

18. Juni: Cottenwood Pass 3696 müM – Cooper Mountain Ski Resort – Berthoud Pass 3460 müM
Winter Park
Collegiate Peaks Wilderness


Wir gehen um acht los und frühstücken in einem Café mit Schweizer Bedienung. Die junge Frau ist hier an der Uni. Nach dem Studium will sie wieder in die Schweiz zurück ziehen. Wir gehen wieder an die Strasse um mit Autostop zurück zum Trail zu kommen. Ein Gartenbauer hält an. Er müsste eigentlich zu einem Kunden, aber er fährt uns trotzdem hoch zum Cottenwoodpass. Wir sind sein erster Job, sagt er. Auf dem Colorado Highway 306 geht es 19 Meilen bergauf. Wir können mit Leeroy hinten auf die Ladefläche mitfahren .


Es ist wieder schönes Wetter zum Wandern, etwas Schnee in den Schattenhängen aber der Sommer ist angekommen. Überall blühen die Blumen und es riecht herrlich.

Blume von Colorado

Wir sehen wieder einen Elch mit Jungtier. Ich gehe mit Leeroy und Andy filmt.
Leeroy benimmt sich makellos. Er hat gelernt sich bei Wildtierbegegnungen ruhig zu verhalten und hinter mir herzugehen, was ihm alles an Beherrschung abverlangt.
Diese Strecke ist uns noch sehr in Erinnerung vom 2022, alles war damals noch im Schnee und wir hatten furchtbares Wetter.

Rivercrossing
Trockene Füsse

Diesmal gehen wir auf die neue rote hohe Route, da das Wetter perfekt dafür ist .
Dieser Streckenabschnitt, eine Berglandschaft vom Feinsten, ist für uns der schönste in Colorado bis jetzt. Wir wandern bis zum Ann Pass hoch auf 3830 müM. Der Abstieg ins Tal ist über Schneefelder teilweise steil.

Annpass

Hier müssen wir aufpassen, denn wir haben absolut keine Ausrüstung für diese Steilhänge dabei. Wir suchen uns die sicherste Stelle um ohne zu rutschen runterzukommen. Das braucht etwas Zeit und Geduld. Wir laufen bis um acht in einem Tall nach vorne. Das ist wieder sehr entspannt gehen.

19. Juni: Andy nervt mich schon am Morgen früh mit seinem Gerede von diesem Aufstieg zu Hopepass 3820 müM. Wir gehen früher als gewöhnlich los, zuerst noch vier Kilometer im Talgrund. Dann kommt die Kreuzung. Der Weg zum Hopepass gerade aufsteigen für 750 Höhenmeter innerhalb von 1,8 Kilometer. Allein beim Gedanken daran da hinauf zu müssen wird mir schon warm.


Wir gehen jeder für sich hoch, etwas mehr als zwei Stunden brauchen wir für diesen Aufstieg. Als ich oben ankomme sag ich zu Andy: „Dieser Pass heisst Hoffnung, weil du hoffst oben überhaupt anzukommen.“
Der Abstieg zu den Twin Lakes ist steil und lang, viele Tageswanderer sind hier unterwegs. Wir gehen zu dem ersten Restaurant in dem kleinen Örtchen Twin Lakes, völlig überteuert und kleine Portionen. Hier treffen wir etwa 10 andere uns teilweise bekannte und unbekannte Hiker.
Als die Pizzeria aufmacht gehen wir nochmals Essen mit den anderen Hikern und danach zurück auf den CTD.


Auf dem Weg hoch treffen wir noch Boris, einen französischen Hiker. Wir reden mit ihm über politische Sachen, was sowieso nichts bringt. Es ist einfach eine völlig kranke Situation in der Welt und wir werden daran nichts ändern können. Somit stellen wir das Zelt und der Tag geht mit einer etwas gedrückten Stimmung zu Ende.

20. Juni: Am Freitag Morgen sehen wir eindrücklich, was die Biber für Nager sind. Sie bauen Dämme mit Holz und fällen massenhaft Bäume dafür.
Wir gehen den Weg etwas hintereinander her durch Wald hoch und runter, nicht anstrengend.

Biber am Werk


Mir geht langsam die Energie aus ich habe sicher 8 Kilo abgenommen, Andy muss die Hose unter dem Rucksackbauchgurt tragen, sonst rutscht sie runter. Mit dem Essen hier ist es etwas schwierig. In den Restaurants sind die Portionen meistens klein. Man merkt den Unterschied zu 2022 richtig, die Preise sind auch gestiegen. Auf dem Weg isst man meistens sowieso zu wenig, also verliert man Gewicht.
Ich hab so schlechte Laune den ganzen Tag, dieses Trail-Essen nervt mich und es wird sich nicht ändern. Andy läuft einfach genug weit voraus, ausserhalb meiner Reichweite.


Meine App schickt mich auch noch in eine andere Richtung, was mich erneut nervt. Heute Abend schlafe ich schnell ein, ich bin fix und fertig.

21. Juni: Wir gehen am Samstag wieder um sechs los in Richtung Tenneseepass. Meine Laune hat sich verbessert, Andy ist zum Glück nicht nachtragend. Wir laufen durch bis zum Tennesee Pass 3177 müM, dort kommen wir schon um neun Uhr an.
Eine Hikerin kommt uns mit leckeren Küchlein entgegen, wir verdrücken die süssen Teile. Sie hat hier mit einem Freund übernachtet, der mit dem Auto hierher gefahren ist. Sie fragt, ob wir runter in die Stadt wollen, die Höchstgelegene Stadt in der USA (Leadville 3094 müM).
Wollen wir eigentlich schon. Sie geht zum Zelt und der Fahrer wird geweckt. Er kommt und wir quetschen uns zwischen all das Zeug, dass er im Wagen hat.

In der Stadt gehen wir Pizza essen, für jeden von uns eine Familien Pizza.
Dann kaufen wir noch im Outdoorgeschäft MELANZANA zwei Pullover. Hiker können hier ohne Voranmeldung einkaufen, andere Kunden müssen einen Termin online buchen um einzukaufen. Online wird gar nicht verkauft. Es ist verrückt: die Leute machen hier Selfies vor dem Laden.


Die zwei kommen zurück mit dem Auto, ich und Leeroy wieder hinten rein und mit vollem Magen zurück zum Trail. Der Nachmittag ist jetzt gerettet, wir sind wieder motiviert um zum Wandern. Es ist sehr heiss, aber der Weg geht meistens im Wald, es hat genügend schattige Abschnitte.


Der Aufstieg zum Kokomo Pass 3670 müM ist jetzt kein Problem mehr, auch hier treffen wir Tageswanderer und führen immer wieder mal ein kurzes Gespräch.
Wir stoppen nach der letzten Wasserquelle vor dem Pass.

Ein genial schöner Platz um zum Zelten. Wir waschen uns am Bach und verdrücken danach die restliche Pizza.

22. Juni: In der Nacht auf Sonntag schlafen wir gut und fühlen uns am Morgen erholt. So gegen sechs laufen wir los. Leeroy scheint etwas müde zu sein, also werden wir über Mittag in Copper Mountain sicher eine längere Pause machen.


Beim runterlaufen ins Tal fliegt ein Helikopter Material in eine Loge. Ich frage mich wie die alles verstauen, sogar einen Gastank fliegt er hoch. Der Lastenhelikopter ist riesig und fliegt sieben mal hoch. In Copper Mountain sind wir vor elf Uhr.
Wir gehen in ein Restaurant und hängen dort auf der Terrasse. Telefonieren ist hier nicht möglich. Auch müssen wir noch etwas zu essen besorgen und Leeroy braucht doch mehr Zeit um sich zu erholen. Wir entscheiden runter auf Frisco zu fahren. Also laufen wir zum Hwy 70, stellen uns direkt nach dem Lichtsignal Richtung Frisco hin und machen wieder Autostop. Zwei Autos halten an, der Eine fährt in eine andere Richtung, der Andere fährt uns bis zum gebuchten Hotel.

Perfekt wie alles klappt. Wir sind um eins im Hotel und dürfen schon um zwei ins Zimmer einchecken, obwohl es eigentlich erst ab vier Uhr gewesen wäre. Wir geben unsere Rucksäcke ab und gehen schnell noch einkaufen für heute und morgen. Als wir zurück sind vom einkaufen können wir aufs Zimmer. Leider hat unser Raum keinen Kühlschrank. Wir haben Speck und Hackfleisch für Leeroy, das muss in einen Kühlschrank. Ich gehe zurück zur Lobby. Dort ist ein Gast der fast ausrastet weil die Klimaanlage nicht funktioniert, das ist extrem wichtig hier in den USA. Sie wird solange hier bleiben bis das Zimmer klimatisiert wird.

Für den kleinen Hunger

Ich könnte ja tauschen mit ihr, ich brauche nur einen Kühlschrank, die Klimaanlage stellen wir immer aus. Unser Raum ist der Raum ohne Kühlschrank und Mikrowelle, es tut der Angestellten leid. Die Angestellte schreibt das Fleisch mit unserer Zimmernummer an, legt es in den Kühlschrank und ist froh dass ich beim Sitzstreik nicht mitmache. Immer wenn Leeroy hungrig ist können wir es verlangen, klappt super über die ganze Zeit.