8. April 2019, Zürich-San Diego

Tagwach um halb vier zuhause. Claudia fährt uns zum Flughafen Zürich-Kloten, dort essen wir noch etwas Kleines mit ihr und verabschieden uns danach. Auf dem Weg zum Gate sehen wir ein Strassenschild «Highway 1 California», super, noch schnell ein Foto und natürlich verschicken wir es gleich, sie werden sich fragen wie das möglich ist. Dann geht es ab zum Gate A, durch die Kontrolle und dort warten wir bis das Boarding beginnt, der Abflug ist ca. um 6 Uhr. Mit 20 Minuten Verspätung fliegen wir nach Lissabon, 2 Std. 40 Minuten, ich habe den ganzen Flug verschlafen. Andy hat wie meistens den Fensterplatz. Er ist wie jedesmal ein geniales Kissen.

Bei der Ankunft in Portugal braucht Andy schon eine Schmerztablette wegen der Achillessehne. Nicht an dem Fuss, der verletzt war, nein, am anderen. Ich glaube wir werden langsam gebrechlich. Mal schauen wie das kommt. Dafür haben meine ersten Englischversuche funktioniert. In Lissabon müssen wir nur umsteigen, auch dieser Flug hat fast eine Stunde Verspätung. Wieder super Fensterplatz, wie gehabt, Andy schaut und ich schlafe.

In Boston sind wir spät dran für den Anschlussflug und müssen unser Gepäck (die Rucksäcke) auschecken und theoretisch für den Weiterflug wieder einchecken. Für die USA-Immigration ziehen sich die Schlangen des Sicherheitschecks ewig dahin. Langsam könnte es knapp werden. Bei der Passkontrolle wird Andy gefragt wieviel Geld wir dabei haben, er «one million». Jetzt schaut der Mann mich an, ich verneine natürlich. Der Beamte fragt nochmals, Andy wieder «eine Million». Andy ist ziemlich durch den Wind. Der Beamte scheint alarmiert und jetzt werde ich doch auch nervös. Dann fragt der Beamte Andy nach dem Geburtstag, das stimmt dann auch nicht. Er schaut mich an, ich sage es ihm auf Englisch. Andy sehe ich an, dass er nervös ist. Ich sage jetzt nichts mehr und hoffe. Der Mann fixiert Andy, aber lässt uns dann gehen. Fürs Boarding und Gepäck einchecken ist es jetzt zu spät, drum gehen wir damit auf gut Glück zum Gate.

Beim Gate strecke ich einfach alle Angaben und die Pässe hin. Super, die Dame macht uns schnell die Tickets. Aber hier wird natürlich unser grosses Handgepäck (die zwei Rücksäcke mit allem) kontrolliert. Die Gasflasche behalten sie, sonst lassen sie uns zum Glück alles drin, sogar die Medikamente und Stöcke. Sie schreiben unser Gepäck an und behalten es beim Personal in einem Kasten oder Raum. Danach rennen wir zum Flugzeug, dort werden wir erwartet. Als wir auf unseren Plätzen sitzen, startet die Maschine.

Um 19 Uhr landen wir in San Diego nach einem unruhigen Flug. Im Ganzen waren wir also 26 Stunden unterwegs.
Mit dem Taxi fahren wir zum Hostel und bringen alles aufs Zimmer. Nach diesen vielen Aufregungen sind wir noch Tacos essen gegangen, danach gleich zurück und schlafen gegangen.

Gedanken zum Pacific Crest Trail

Der PCT ist ein sehr guter Fernwanderweg. Es ist der Wahnsinn, was die PCT-Organisation an Aufwand in den Weg steckt, an Arbeit, Wegräumen von Bäumen und Steinen, Sicherheit etc. einfach den ganzen Unterhalt.

Die Hilfe von all den Menschen auf dem Weg, neben dem Weg und in den Ortschaften war unglaublich.

Was für uns am Anfang schwierig war, war das Essen (Fastfood). Zuhause essen wir sehr viel aus dem Garten und wissen mehrheitlich, was wir essen. Auf dem Weg musst du nehmen, was es gibt und das ist alles andere als gesund oder moralisch vertretbar. Wenn du richtig Hunger hast, vergisst du das jedoch schnell, denn du brauchst einfach sehr viele Kalorien. 

Wir wollten von Anfang an diesen Weg ohne jemanden laufen, der zweisprachig ist. So mussten wir selber Englisch reden. Das Lösen von Problemen macht dich gelassener und belastbarer. Es heisst, der Weg wird es richten, in unserem Fall war das so. Lass die Dinge einfach auf dich zukommen.  

Ich glaube, es ist extrem wichtig auf seine innere Stimme zu hören. Und nicht darauf, was irgendwelche Leute auf Facebook oder sonst wo schreiben. 

Wieder zuhause ist man verändert. Wir haben auf dem Weg einige Kilos abgenommen und unser Material aufs Allernötigste reduziert. Zurück in der Schweiz bekamen wir Mühe mit gewohnten und alltäglichen Sachen. All dieser Überfluss, es erdrückte uns fast. Wir machten für uns verschiedene Veränderungen und reduzierten, was wir besitzen. Wir sind auch fokussierter, bei dem was wir machen. 

Am extremsten ist die Veränderung beim Konsum. Ohne dass wir es bewusst machen, verbrauchen wir viel weniger Geld. Früher hatte ich ein Auto für mich, nach dieser Reise habe ich es so selten gebraucht, dass wir es verkauft haben. Sachen, die für uns einmal wichtig waren, ergeben irgendwie keinen Sinn mehr. Das ist ein grosser Gewinn, wir haben jetzt mehr Zeit für einander und für das, was wichtig ist. 

Wir finden, es war ein rundum gutes Abenteuer und werden bestimmt wieder sowas machen. Wir haben im 2017 zwar nur rund 2’600 des 4’300 Kilometer langen Trails geschafft, aber wissen jetzt, dass er machbar ist.