Vorbereitung zum PCT 2017

Nach längerer, intensiver Internetsuche stiess ich auf den Pacific Crest Trail (PCT): 4265 km oder 2650 Meilen, ca. 5 bis 6 Monate unterwegs mit Zelt. Von der mexikanischen Grenze rauf zur kanadischen Grenze. Als Belohnung? Ich musste mich doch noch vergewissern, ob das wirklich eine gute Idee ist, bevor ich sie Andy unterbreite.

Wir wohnen mit unserem Sohn in einer selbst umgebauten Scheune, in der einige Pferdeboxen waren, die wir vermieten. Deshalb sind immer verschiedene Mieter auf unserem Grundstück. Also einfach mal aus dem Fenster schauen, den vernünftigsten Mieter aussuchen und ihn fragen. Zum Glück war genau so jemand da. Mit einem Bier ging ich zu ihm auf einen Schwatz und erzählte ihm von meiner Idee. Er dachte sich, die zwei machen das sowieso nicht. Zu alt, zu weit und überhaupt vergessen die das sowieso wieder. Seine Antwort aber war: „Finde ich eine super Idee.“ Diese Antwort hatte ich echt nicht erwartet. Vielleicht sollte ich das nächste Mal das Bier sein lassen.

Am Abend schlug ich diesen Weitwanderweg mal so beiläufig meinem Mann vor, ohne Bier diesmal. Nach doch etwas längerem Nachdenken und einigem Stöbern im Internet, fand er es eine recht gute Idee. Wir schauten uns dann einige Filme über den PCT auf YouTube an. Da kam uns ein junger Mann bekannt vor. Sein Name war Rolf Waser, ein Nachbar von uns. Er hatte auch Lust, uns von seinem Erlebnis zu erzählen und danach waren wir definitiv überzeugt. Die Landschaftsbilder waren einfach spektakulär!

Es blieb noch die Frage, ob es für uns von der Fitness her überhaupt möglich ist. Rolf ist etwa so alt wie unser Sohn und optisch fit wie ein Turnschuh. Unser Sport war Reiten gewesen, Kondition und Ausdauer also nicht unsere Stärke. Und das gemütliche Essen hat auch seine Spuren hinterlassen. Aber probieren geht über studieren.

So fingen wir mit längeren und intensiveren Wanderungen an und schauten darauf, dass wir möglichst viele Höhenmeter an einem Tag schafften. In der Regel aber hatten wir nach jeder Wanderung starken Muskelkater. Wir forderten uns sehr, aber gaben nicht auf.

Der PCT ist ein Höhenweg und führt über die High Sierra. Auf dem höchsten Punkt, dem Forester Pass auf 4017 m.ü.M, wird es sicher auch Schnee haben. Unser Plan war auch den Mount Whitney, mit 4419 m der höchste Berg in den USA, zu besteigen. Die meisten Hiker, die „John Muir Trail“ (ausgehend vom Yosemite-Nationalpark) machen, steigen auf den Mount Whitney.

Dann unternahmen wir geführte Touren mit einem Bergführer und einen Einsteigerkurs ins Klettern und das Verhalten im Schnee. Der Kurs dauerte 4 Tage und mit einem Profi am Berg war eine super Erfahrung für uns. Weil wir ihn nur für uns zwei hatten, konnten wir ihn richtig mit Fragen löchern. Dabei lernten wir die Handhabung von Seil, Pickel und Steigeisen. Recht interessant war auch die Routenfindung mittels GPS. Dies wird uns eine gewisse Sicherheit für den Fernwanderweg geben.

Also ging es richtig zur Planung und wir mussten auch unsere Ausrüstung optimieren.

Da wir beide in einem festen Arbeitsverhältnis angestellt sind, also mussten wir erst abklären, ob und wie wir einen sechsmonatigen Urlaub bekommen. Andy arbeitete 100% in den Monaten Januar – März und Oktober – Dezember (bei 50% Lohn über das ganze Jahr) und ich 60 %. Beide hatten wir viel Überzeit angesammelt, das war unser Pluspunkt zum Verhandeln. Durch den Bezug meiner Überzeit, ergaben sich nicht sechs Monate unbezahlt, sondern nur vier Monate.

Wir hatten ein riesiges Glück, dass beide Arbeitgeber einverstanden waren, die längere Auszeit bei ungekündigtem Arbeitsverhältnis zu bewilligen. Dadurch hatten wir die Gewissheit nach dem Urlaub wieder angestellt zu sein. Mit Andys 50%-Lohnzahlungen und unseren Mieteinnahmen konnten wir den PCT für uns finanzieren.

Da wir unsere laufenden Kosten möglichst klein halten, ist dies möglich. Mit unserem Garten und Obstbäumen, sind wir fast Selbstversorger.

Für uns lag aber auch der Reiz darin, mit möglichst wenig Geld, Kleidern und Ausrüstung auszukommen. Wir rechneten für unterwegs mit etwa CHF 1000.- im Monat pro Person. Das Essen auf dem Trail wird nicht teuer, dafür waren bei der Ausrüstung die Anschaffungskosten erheblich, insgesamt kamen wir auf ca. CHF 6000.-. Bächli Sport und Transa haben uns gut beraten. Unter anderem kauften wir neue Trailschuhe (zwei Nummern grösser), bessere Schlafsäcke und ein 4-Saison-Zelt, alles viel leichter, auch die Matten (NeoAir von Transa) mit isolierender Alufolie sind nur 340 Gramm. Als Regenschutz nahmen wir einen Regenponcho Exped (auch von Transa) Grössen M, 240 Gramm, die den Rucksack auch abdecken. Gutes und leichtes Material ist recht kostspielig, aber es lohnt sich. Das Gewicht war für uns der wichtigste Punkt, es ist wahrscheinlich Match entscheidend für das Bewältigen des langen Trails. Du trägst es immer mit dir herum, ein halbes Jahr lang. Beim Loslaufen wird der Rucksack allein durch all das Essen und das Wasser schwer sein.

Für die Anmeldung im Internet mussten wir uns am 13. Februar 2017 um genau 10:30 Uhr kalifornischer Ortszeit auf der Internetseite vom PCT einloggen und den Tag auswählen, an dem man starten möchten. Der Run ist gross und wir zwei wollten zusammen starten.

Deshalb hat uns Sven, ein Bekannter, mit zwei Laptops zeitgleich angemeldet. Es hat super geklappt: Wir besassen jetzt zwei Startplätze am 4. April 2017 beim Southern Terminus in Campo, California.

Sven durften wir auch alle wichtigen Daten und Unterlagen wie Passkopien, Visa, Bankkarten, Bewilligungen und so angeben. Sollte etwas schief gehen, haben wir jemanden, der englisch spricht und uns helfen kann, allfällige Probleme zu lösen. Danke dir Sven!

Kurz darauf beantragten wir das B-2-Visum und buchten den Flug und ein Hotel für die ersten Tage in Kalifornien. Ab dann war unsere Vorfreude durch ein untrügliches Grinsen im Gesicht nicht mehr zu übersehen.

Packliste 2017 (pdf)

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