Zero Day, 24. Juni

Wir stehen erst um 10 Uhr auf und frühstücken gemütlich. Auf dem Campground hat es einen sehr aktiven Mungg (Murmeltier), der klaut was das Zeug hält. Als ich zum Fluss gehe, um das Geschirr zu waschen, kommt der Mung mit einer Tasche, Kamera oder anderem hinter mir her. Ich probiere, ihm die Sachen wegzunehmen, aber ohne Erfolg, er hätte mich nächstens gebissen. Ich bin sicher nicht die Erste, mit der er um seinen Besitz kämpft.

Heute macht auch ein junger Amerikaner einen Zero Day. Seine beiden Fersen sind fast so dick wie Andys Fuss. Er will eigentlich den Hike abrechen, weil er fürchtet, dass die Bänder nicht mehr halten.  Schmerzmittel nimmt er keins, er raucht nur bis er nichts mehr spürt. Er läuft sicher gut, das sieht man an den geschwollenen Füssen. 

Am Nachmittag gehe ich bei den Parkrangern vorbei, um etwas Benzin für unseren Kocher zu holen. Wir reden über die PCT-Wanderer, die Ranger sind richtig genervt über sie. Seit dem Film über den PCT gibt es einen Run auf den Trail. Dies beschert ihnen viel Arbeit, ihr easy Job ist stressiger geworden.

Grosse Probleme haben sie dieses Jahr vor allem bei den Flussquerungen. Die Wanderer sollten nicht alleine in den Fluss gehen, das Risiko ist zu gross, die Kraft des Wassers ist unglaublich. Die Ranger müssen dann die Hiker suchen oder bergen. In diesem Jahr seien wegen dem vielen Schmelzwasser mehr Leute im Fluss ertrunken oder verunfallt als sonst. Ich hatte bemerkt, dass es für mich knapp machbar ist, wenn das Wasser bis zu den Oberschenkeln kommt, aber höher wird richtig heikel. Zu zweit ist es schon sicherer, denn Andy hat viel mehr Kraft als ich und ich kann mich an ihm festhalten, wenn es kritisch wird.                                                              

Werden Hiker vermisst, muss es nicht zwingend etwas Schlimmes bedeuten. Viele Hiker gehen einfach vom Weg ohne jemanden zu informieren. Oft tauchen sie irgendwo wieder auf. Aber das nervt die Ranger umso mehr, denn sie müssen diese Menschen suchen und dann für nichts. Ich verstehe ihren Frust schon, glaube aber, dass sie vorher einen sehr easy Job hatten und den vermissen sie wohl ein wenig. Sie haben mir die genauen Zahlen gesagt, der Unterschied an Hikern vor und nach dem Film war erheblich. Wir haben aber über so vieles geredet, dass mir leider die Zahlen nicht geblieben sind. Dann will ich zurück zu Andy, sonst meint er noch, ich sei vom Wasser weggeschwemmt worden. Der Ranger kommt mit bis zum Fluss und wartet bis ich drüben bin. Wir winken einander zum Abschied.

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