Tag 5, 16. April, Julian

Der Wecker klingelt um 4 Uhr, abmarschiert sind wir gegen halb fünf. Rosa findet, dass ich ihr eine halbe Stunde Schlaf gestohlen habe. Wir ziehen trotzdem los und stapfen gemächlich den Hang hoch. Heute ist der Himmel ziemlich bedeckt und die Temperatur kühler als sonst. Es ist aber auch noch früh am Morgen und sehr windig. Wir schiessen immer wieder Fotos von der gewaltigen Stimmung mit den Wolken und der aufsteigender Sonne.

Danach kommen wir in eine trockenere Gegend, mit vermehrt Kakteen. Plötzlich sehe ich ein sehr schönes, spezielles Exemplar, das muss ich sofort Annerös mitteilen: «Hey Rosa schau, da ist ein stark verwirrter Kaktus.» Sie schaut mich nur verdutzt an, es dauert bis sie mein Wortspiel durchschaut und merkt, dass ich ’stark verzweigter Kaktus‘ meine. Wir lachen uns fast schlapp, Rosa sagt: «Du bist ein wenig crazy.»

Der Trail zieht sich in langen Schlaufen ewig im Hang dahin, nicht so angenehm zum Laufen wegen dem vielen Geröll im Weg. Ewig auch, weil wir alles bestaunen und fotografieren müssen. Wie gewohnt lässt Rosa fast keine Möglichkeit aus, ihre Zehen zu ramponieren, ich frag mich, wieso sie nicht besser auf den Weg schaut. Wenn’s in dem Tempo weitergeht, ist es nach Kanada 🇨🇦 eine sehr lange Reise. Wir gehen den Hang langsam hinunter und dann quer durch ein Tal zur Scissors Crossing (Highway-Kreuzung). Dort machen wir Autostopp ins Dorf Julian. Der Fahrer hat den PCT im Jahr 2014 gehikt, mit dem Trailnamen «Professor». Er erklärt uns noch, was wir wo in Julian finden, sehr netter Mann.

Um 12 sind wir bei einem Hostel und ich möchte möglichst schnell ein Zimmer mit Internetzugang, um alle Infos zum Trail zu bekommen. Rosa will nur eins – duschen. Zu meinem Leidwesen dürfen wir erst um 3 Uhr das Zimmer beziehen. Das werden drei lange Stunden, Rosa nervt, sie jammert, so geht es sicher schneller. Als wir endlich auf dem Zimmer sind, duscht Rosa und dann schläft sie, es geht ihr also gut. Ich nutze die Gelegenheit und schreibe den Blog, sie wird staunen. Ich brauche ewig dafür, bei Rosa geht das viel schneller mit dem Schreiben. Als sie wach wird, gehen wir essen. Das Hostel ist zwar etwas teuer, dafür sauber und mit Dusche und WC im Zimmer.
Jetzt mal Anmerkung von Rosa: Mein Mann, der Verrückte, rennt los mit den Worten: «Oh, oh, schau, der erste blühende Kaktus!», kniet vor ihn hin und hält seine Hände schützend darum. Ich frage: «Darf ich von deinem persönlichen Kaktus 🌵 trotzdem ein Foto machen?»

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