Tag 9, 20. April, Meile 135

Um 04:30 läutet der Wecker, Andy ist noch müde. Ich fange an, mich bereit zu machen, weil es nochmals ziemlich hinauf geht. Von 1100 m auf ungefähr 1850 m in der Hitze zu gehen wäre eine Plagerei, da sind wir ziemlich sicher.
Es hat immer mal einer von uns den Durchhänger, dann muss halt der andere ein wenig Motivation verbreiten. So um 10 nach 5 gehen wir im Dunkeln los. Als es heller wird, ist es neblig und feucht, dabei geht das Laufen ring und zügig vonstatten.

Um 9 Uhr kommen wir oben an, toll diese Rundumsicht, eine wilde Gegend, wir sehen sogar den Schnee in der Entfernung. Wir suchen uns einen guten Aussichtsplatz zum Frühstücken, Haferflocken mit irgendwelchen Trockenfrüchten aus der Hiker-Box. Andy gibt mir den Topf rüber, ich habe schon genug von Haferflocken. Er sagt: «Stell dich nicht so an, die sind gut.» Waren sie wirklich, mit den Früchten drin richtig lecker. Um 10 ist Schluss mit faulenzen, es geht weiter auf dem Weg. Eine super Gegend, eine riesige Steinlandschaft. Andy und ich sehen immer wieder Steine, die aussehen wie Tiere, einer wie ein Hai mit aufgesperrtem Maul. Wir müssen natürlich wieder etwas rumalbern, so vergeht die Zeit recht schnell.

Wir sind erst um ein Uhr bei Mike’s Place. Dort werden Hiker verköstigt mit Hot-dogs, Pfannkuchen und am Abend gibt es Pizzas. Das muss ein PCT-Hiker einfach gesehen haben, ist wahrscheinlich nicht jedermanns Sache. Es ist recht schmuddelig und chaotisch, die Küche ist teilweise im Freien, eher ein Unterstand, aber Mike und seine Gehilfen sind herzensgute Kerle. Wir genehmigen uns zwei Sodas und Pfannkuchen. Auf dem Tisch steht auch eine Büchse mit Grass, für jedermann der Lust hat, wir lehnen dankend ab. Die WCs sind Freiluft, zwei nebeneinander, habe nicht recht begriffen wozu. Wir werden sicher nicht nebeneinander auf den WCs sitzen und diskutieren. Sachen gibt es.

Nach etwa zwei Stunden wollen wir zurück zum Weg. Als wir gerade weg von Mike’s Place gehen, ruft Yves unsere Namen. Wir können nicht lange reden, Andy und ich müssen jetzt dringend aufs WC. Panik kommt auf, wir rennen einfach zur nächsten Möglichkeit ins Gebüsch, und den Rest lass‘ ich weg. Die Situation war zum totlachen, Andy meint, jetzt wären unser Mägen feinjustiert. So zarte Schweizer Mägen sind wohl ein wenig empfindlicher, so kann man es auch sehen. Danach steigen wir noch eine gute Stunde in die Höhe mit einer atemberaubenden Aussicht auf …(? wie es heisst finden wir gerade nicht, schade). Was es rauf geht, geht’s auch wieder runter. So kommen wir erst um halb acht bei einem Zeltplatz an, bei Meile 135 (Km 217). Dort noch schnell etwas gegessen und gleich ins Zelt.

2 Kommentare zu „Tag 9, 20. April, Meile 135

  1. Liebe Rosa, lieber Andy

    Sensationelle Geschichte, dass Ihr gerade den Yves aus Freiburg (eigentlich Bürgeln!) in Amerika trifft.
    Bitte fragt ihn bei der nächsten Begegnung, warum er sich für den Trail nicht wieder seine alte Seifenkiste namens „Hippie 3000“ gebaut hat.

    Beste Grüsse von Yves‘ Sandkastenfreund David Wolf

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