Tag 16, 28. April, Meile 239

Wir stehen vor 5 Uhr auf, es wird sicher wieder sehr heiss. Was es gestern hinunter ging, geht es heute wieder hinauf. Ohne Sonne geht es jedoch viel leichter. Den Fluss haben wir schon gestern überquert, so laufen wir mit trockenen Füssen. Am Morgen unterwegs zu sein geniessen wir, auch weil mehr Tiere zu sehen sind. Man hört überall Vögel, Schmetterlinge fliegen auf und vorbei und auf blühenden Pflanzen hat es fliegende Insekten wie wild. Manchmal duftet es so intensiv, Imker hätten ihre Freude, hier ihre Kästen zu stellen.

Zuerst laufen wir im Tal nach hinten, dann geht es auf einen Kamm hinauf und oben laufen wir alles wieder retour. Auf dem Weg hat es Spuren von einem Berglöwen, oder hat sich ein Hiker einen Spass erlaubt? Andy übernimmt die Spitze, ich frage ihn: «Wieso gehst du vorne?», er: «Ist ja klar, weil der Löwe immer von hinten kommt.» Wieder sehr charmant, aber diese kleinen Neckereien müssen halt sein, sie bringen uns zum lachen.
Wieder ins Tal hinunter, diesmal an einen anderen Fluss, den Mission Creek. Dort machen wir unter einem Baum Pause. Bald setzt sich ein Hiker zu uns. Ihm schmeckt das Wasser nicht, uns reicht es schon lange mit dem Wasser! Dann kommt noch Yves mit seiner Mit-Hikerin, wir albern noch etwas rum.

Andy und ich gehen dann weiter, lange Zeit am Fluss entlang, wir müssen ihn zigmal überqueren. Es lohnt sich nicht, die Schuhe auszuziehen, wir laufen mit nassen Füssen. Über Mittag machen wir am Wasser Pause, ein gutes Mittagsnickerchen, und wir sind wieder fit. Heute ist sowas von Wanderwetter, der Himmel zieht sich immer mehr zu, wir laufen ring. Manchmal müssen wir den Weg suchen, irgendwann zweigt der Weg vom Fluss weg. Andy geht hinter mir, denn bei kühleren Temperaturen sind ja selten Schlangen da. Als ich um einen Busch biege, klappert es. In einem solchen Moment staune ich selber über meinen Reflex, Fuss nicht abstellen, sondern direkt Retourgang einlegen, nachher durchschnaufen. Wir warten darauf, dass sie wegzieht, aber sie schleicht nur zum Busch, dort liegt eine zweite. Wir bleiben stehen, weil gleich noch drei Hiker kommen, um sie zu warnen. Danach gehen wir einen Sicherheitsabstand weiter, dann brauche ich einen Kaffee über den Schrecken.

Bei diesem perfekten Wanderwetter wollen wir möglichst weit gehen. Wir kommen in die Gegend, welche vor Jahren schwere Waldbrände hatte, überall stehen noch schwarze Stämme. Weiter geht’s bergauf, bergab bis unsere (also meine) Beine nicht mehr können. Bis halb sieben gelaufen, unser Zeltplatz ist nicht berauschend, steht inmitten verkohlten Bäumen, dafür fliesst der Bach gleich nebenan. Cool, es ist sonst niemand hier, also waschen wir uns, sieht ja keiner. Danach fühlst du dich einfach nur gut. Ich koche noch ein leckeres Reisgericht und dann ab ins Zelt.
Schluss bei Meile 239 (km 384), heute 31 km gemacht.

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