Tag 65, 29. Juni, Meile 1033

Wir stapfen etwa um halb sechs los durch den Schnee, die letzten Meilen bis zur Passstrasse Ebbetts. Als Andy auf die Strasse tritt, ruft uns ein Mann, wir sollen herkommen, es hat ein Schild «Trail Magic» vor einem parkiertem Bus. Erst jetzt sehen wir das Feuer und die Klappstühle, auf Tischen hat es alle möglichen Esswaren: Früchte, Brot, Kuchen, Cookies etc. Mit dem hätten wir nicht im Traum gerechnet, sie lachen, wahrscheinlich haben alle Hiker etwa so wie wir reagiert. Alan macht mit seinen Freunden und der Frau Trailmagic für die Hiker, die aus der High Sierra laufen. Unglaublich, die haben alles dabei: Grills, Kochplatten, sogar frischen Kaffee gibt’s. Einer macht Pancakes mit Bluberries und Nüssen darin, der andere grilliert und einer schaut, dass man genug Kaffee hat.

Wir essen Unmengen, bleiben einfach sitzen und reden mit den anderen Hikern und diesen Engeln. Gestern Abend habe ein Hiker, als er das gesehen hat, gleich angefangen zu weinen, so überrascht sei er gewesen. Wir sind immer wieder platt ab den vielen hilfsbereiten Leuten, die es neben dem Trail gibt, einfach nur herzensgute Menschen. Als wir uns dann verabschieden, wollen sie alle eine Umarmung, das sei für sie das Schönste – und noch ein Bild von uns.

Den Morgen laufen wir durch grüne Flächen, immer wieder mal ein Seelein und dann wieder die Vulkanberge links und rechts. Es ist sehr schön, die Luft ist herrlich frisch, es weht ein leicht kühler Wind und die Sonne scheint, ganz das Gegenteil von gestern. Mittagspause machen bei einem Creek, schon wieder essen, der Tag ist einfach herrlich heute. Einmal noch müssen wir ein riesiges Schneefeld umlaufen, das uns zu steil und zu gefährlich zum queren war.

Am Nachmittag ist die Strecke meistens ohne Schnee, genial, bis zum Feierabend trockene Füsse. Die Landschaft verändert sich zunehmend, Wälder mit Bächlein und öfters kleinere oder grössere Seen zwischen Hügeln mit riesigen Sandsteinen, die aussehen wie wenn ein Riese die Steine aufeinander geschichtet hätte, wunderschön, hier durchzulaufen. Bei einer kleinen Querung rutsche ich aus und mit reflexartigem Wegdrehen, schaffe ich’s, einem Stein auszuweichen. Andy schmunzelnd: «Pass doch auf», ich: «Habe ich ja, bin am Stein vorbei», wir müssen lachen. Seit dem Frühstück haben wir keine weiteren Menschen gesehen, von wegen der Trail sei überlaufen, davon merken wir nichts.

Schluss bei Km 1716 oder 1033 Meile, gelaufen sind wir 32 km (19 Meilen).

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