Tag 76, 11. Juli, Belden, Meile 1292

Um 6 Uhr gehen wir, unser Zeltnachbar schläft, wir haben Lust, mit dem Stock mal kräftig draufzuklopfen. Gestern hat der bis spät in die Nacht telefoniert und wir konnten nicht schlafen. Er hat lauthals seiner Frau gesagt, weit und breit seien nur er und Berge und das seit Tagen. Wir denken «schön wäre es», es hätte ja genügend Weite hier, aber der Angsthase brauchte wohl Nähe. Wir beherrschen uns – er würde sich sowas von erschrecken – und lassen ihn. Mal sehen, ob er auch nach Belden kommt, aus dieser Wildnis heraus.

Bis zum Frühstück geht’s zehn Kilometer hinunter, wir sind schnell unterwegs. Heute gehen wir auf Belden, das ist eine ganz kleine Ortschaft mit nur 22 Einwohnern. Es gibt eine Post, Internet sei sehr schlecht, aber das ist in diesem Gebiet normal. Plötzlich wird’s laut im Hang unter uns, es knackt heftig und Büsche bewegen sich. Ein Bär brummt mehrmals, man sieht ihn nicht, so schnell verschwindet er. Wir staunen, dass der überhaupt in diesem sehr steilen Hang sich bewegen kann. Schwarzbären werden etwa 160 bis 170 kg schwer.

Beim Town Resort, der beim North Fork Feather River ist, gehen wir gleich ins Restaurant fürs Frühstück. Die Bedienung kommt gleich mit Kaffee und der Karte. So nebenbei erklärt sie, dass die Situation in der Küche etwas unglücklich ist, der Koch ist noch nicht da, aber wir können alles auf der Karte haben. Gut, wir bestellen, sie geht und bestimmt die andere Servicedame zum Koch. Nach längerem Warten bekommen wir etwas, das nicht das ist, was wir bestellt haben, und die Portion ist wirklich klein. Als die Hilfsköchin, also die Bedienung, wieder aus der Küche kommt, sieht man, dass der Koch ist jetzt hier ist: ein Teller mit allem, was ein hungriges Hiker-Herz begeistert.

Hier können wir duschen und sowas wie eine Laundry (Waschmaschine und Tumbler) gibt’s auch. Als ich unter der Dusche stehe und das Wasser aufdrehen will, sehe ich eine Nachricht (leider defekt), hätte ja vorher schau können. Also halbwegs wieder anziehen und zu den Männern, dort geht die Dusche. Ein kleiner Laden ist im Restaurant, dort kaufen wir ein für drei Tage. Der Angestellte zählt alle Preise der Produkte im Kopf zusammen: 68 $, wir lachen, das ist sicher ein Stück zu wenig. Bevor wir wieder auf den PCT gehen, essen wir noch einen Burger, die Summe auf der Rechnung ist ebenfalls zu tief. Andy meint, über den ganzen Tag hinweg gehe es für beide Seiten auf.

Der PCT geht gleich von hier über den Fluss und dann alles hoch, immer mit Sicht ins Tal. Wir sind froh, dass es schon 5 ist, die Sonne brennt wie der Wahnsinn runter und alles ist unglaublich aufgeheizt. Die Dusche hätten wir uns sparen können, nach kurzer Distanz ist alles wieder durchgeschwitzt.
Schluss bei Km 2079 oder Meile 1292. 19 Kilometer (12 Meilen) gelaufen

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