CDT 23, 7. – 10. Juli, Steamboat Springs – Riverside (Wyoming)

7 Juli:
Früh morgens hatte ich in der Lobby Kaffee geholt, um im Zimmer zu frühstücken. Danach sind wir noch auf die Post gegangen, um die warmen Kleider nach Hause zu schicken. An Kleidern haben wir nur noch 13 Sachen dabei:

Regenjacke, Poncho, Regenhose, Daunenjacke, kurze Hosen, lange Hosen, Hemd, Shirt, 2 Paar Socken, Mütze, Handschuhe, Tächlikappe

Auf die langen Hosen verzichten die meisten Langstreckenwanderer und auch der Poncho ist natürlich Luxus. Aber jeder so, wie es für ihn gut ist. Wenn wir dann in Montana ankommen – hoffentlich – werden wir uns dort wieder Kleider besorgen für die Kälte.

Mit dem Bus waren wir bis zur Endstation gefahren, um von dort mit Autostopp zum Pass zu trampen. Swiss Monkey war mit seiner Zeltbekanntschaft im Auto unterwegs und sah uns am Strassenrand. Wir konnten mit ihnen den Pass hoch fahren. Den ersten Tag wanderten wir zusammen mit Swiss Monkey und stellten unser Zelt an dem Grat.

Andy und ich genossen den wunderbarem Sonnenuntergang im Zelt liegend und ohne Mücken. Swiss Monkeys Zelt stand mit bester Baumsicht. Er hätte einfach sein Zelt drehen und die Abendsonne geniessen können. Wir lachten, er machte das doch nicht grad zum ersten Mal.

8. & 9. Juli:
Die nächsten zwei Tage wanderten wir durch kahle Ex-Wälder, teils Waldbrandgebiet, teils vom Borkenkäfer befallen. Soweit wir sahen nur Tannenstämme, stehende und liegende, bis zur Grenze Colorado-Wyoming. Es war erschreckend dieses Ausmass an kranken Tannen zu sehen. Am Boden war zum Glück alles grün, teilweise Birkenwald.

Wir liefen möglichst durch bis zur Grenze, irgendwann möchtest du einfach mit Wyoming anfangen und etwas Neues erleben. In Wyoming hat’s sehr viele Nationalparks, unter anderem den weltweit ersten Nationalpark (Yellowstone) und den ersten National Forest (Shoshone). 

Die Temperaturen waren jedenfalls schon höher. Tagsüber schwitzten wir ziemlich und nachts war’s angenehm warm. Aber die Mücken waren richtig nervig, überall wo es sumpfig war, hatte es zu viele Mücken.

Super cool fanden wir unser Grenze-Erlebnis im Wald. Dieser CDT verlangte ja von uns bis jetzt einiges ab an Durchhalten, Geduld und vor allem mussten wir lernen, etwas mehr Ernsthaftigkeit in die Sache zu legen.

Grenze Colorado – Wyoming

10. Juli:
Der dritte Tag verlief wieder durch superschönes Waldgebiet mit grossen Wiesen oder Sumpfflächen. Wir standen früh auf und zogen durch bis zum Hwy 70. Dort übten wir uns wieder in Geduld. Sonntagmorgen, 9 Uhr = Null Verkehr, wir warteten zwei Stunden auf eine Mitfahrgelegenheit. Ein Hiker wurde dann von seiner Mutter abgeholt und winkte uns heran.

Wir waren superhappy, endlich in das kleine Dörfchen Riverside zu kommen. Dort wollten wir eigentlich fein und viel essen gehen. Wir gingen also gleich in das einzige Restaurant, das eher eine Bar war, eine richtige Wildwestbar, cool.

Die Besitzer waren voll im Stress, weil eine Biker-Gruppe mit ihren fetten Harleys angekommen war. Die Einheimischen wollten auch bedient werden, und natürlich Hiker und wir zwei. Wir setzen uns an die Bar, warteten und beobachteten. Ein Hiker wollte das Wifi-Passwort und ein Glas Wasser, umsonst natürlich. Für ihn hatte die Besitzerin die passende Antwort. Aus dem Grund warteten wir einfach geduldig bis sie uns bediente. Ein anderer Hiker wollte bestellen, dem wurde dann gesagt, was es noch gibt: Burger mit Chips. Er: „Nicht mit Pommes?“ Sie: „Nein! Pommes hat es keine mehr, mit Chips oder lass es!“

Wir nahmen den Burger mit Pepsi und einen Whisky auf den Abschluss der Colorado-Strecke. Musste sein, in diesem coolen Western-Salon einen Whisky zu trinken. Hier gibt’s ja viel „Refill“, dass sie dir das leere Glas Kaffee oder Pepsi einfach nachfüllen (du bezahlst nur das erste Getränk und die Bedienung füllt immer wieder auf). „Refill?“ fragte ich die Dame und hielt das leere Whisky 🥃 Glas über die Theke. Andy: „Nein Rosa, spinnst du!“, ich lachte und die Dame musste dann auch lachen.

Wir bezahlten und gingen auf der gegenüberliegenden Strassenseite einkaufen für die nächsten vier Tage. Der Laden sah sicher vor 50 Jahren schon gleich aus, die Auswahl an Lebensmittel war begrenzt. Wir nahmen einfach was es gab: Reis, Tortilla, Senf, Käse und alles Mögliche an Schokoriegeln, Chips und vier Bananen.

Vor dem Laden verstauten wir die Lebensmittel im Rucksack, setzen uns auf eine Bank und genossen eine grosse Packung Eiscreme bevor’s mit Autostopp wieder zurück auf den Bottle-Pass ging, um weiterzuwandern.

2 Kommentare zu „CDT 23, 7. – 10. Juli, Steamboat Springs – Riverside (Wyoming)

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