TAG 6, 10. April, Meile 90

Tagwach um 5 Uhr. Wir ziehen sofort los, denn es wird heute sicher sehr heiss. Wir laufen immer zwei bis drei Stunden und machen dazwischen etwas längere Pausen. Wir müssen noch die Steigung machen, aber das ist zum Glück ring gegangen. Mit diesen Füssen war es kein Vergnügen mehr, die Beine machen so auch nicht gut mit. Ich hoffe, es kommt besser.

Um 16 Uhr kamen wir beim Campground an. Andy musste jetzt alles machen, mir war es hundeelend. Andy ist super geduldig, er sagt: «Wir gehen einfach so wie es für dich geht. Du sagst, wenn du eine Pause brauchst und dann parken wir.“ Dadurch war für mich jeglicher Druck weg, und langsam geht es mir wieder besser. Vielleicht war mir auch wegen dem süsslichen Rauch, der sich jetzt auf dem Campground verteilte, so schlecht. Hiker scheinen gerne etwas zu rauchen.

Zero Day, 9. April, 25. Hochzeitstag

Diesen Morgen schlafen wir aus und frühstücken besonders gemütlich. Wir hatten in Julian recht feine Sachen gekauft für diesen Tag: eine Papaya, etwas Käse, Salami, Nüsse und frisches Gemüse. Hier nehmen wir uns die Zeit die letzten fünf Tage zu besprechen und die Blasen an meinen Füssen zu versorgen. Der Zehennagel vom grossen Zeh ist jetzt endgültig weg.

Uns war klar, dass wir zu viel Gewicht haben. Also, ein tiefes Loch graben und alles rein was nichts bringt: Reserve T-Shirts, Trainerhosen, Schal, Sonnenhut, Kamm und Schreibmaterial und so weiter. Möchte nicht wissen, wie viele solche Löcher es auf diesem Weg gibt. Den Rest vom Tag verbringen wir sehr gemütlich mit essen, reden und lachen. Nur die Füsse schmerzen. An so einem aussergewöhnlichen Ort, in dieser wunderschönen Landschaft den Hochzeitstag zu verbringen, ist ein Geschenk für uns.

Am Abend schaffte ich es mir meinen kleinen Zeh noch komplett zu ruinieren. Beim ins Zelt gehen, rammte ich den Zeh in den Stein, den Andy auf den Hering gelegt hatte. Hier war es nicht windig, deshalb habe ich nicht mit Steinen gerechnet und leider auch nicht aufgepasst. Bis dahin hatte der Zeh eine Blase, aber jetzt konnte Andy die Haut im vorderen Teil samt Nagel wegnehmen. Es schmerzte recht. Andy meinte, wieso ich nicht auf den Stein geachtet habe und ich meinte, wieso er überhaupt einen draufgelegt habe. Dann kugelten wir  uns vor Lachen. Ideal ist dieser Zeh ohne Nagel jetzt nicht gerade. Andy nimmt solange bis ich neue Schuhe habe möglichst viel von meinem Gewicht. Rechts trage ich nun meinen Schuh und links nehme ich den von Andy, denn er hat zwei Paar dabei. Ansonsten, eigentlich ein super Tag.

TAG 5, 8. April, Julian, Meile 77

Tagwach um 7 Uhr. Wir wollen heute bis zur Ortschaft Julian gehen um dort am 9. April unseren 25. Hochzeitstag zu feiern. Wir wandern bis zum Highway und machen dort Autostopp. Das war ein sehr lustiges Erlebnis. Ein Kombi hält an und deutet, nichts wie rein in den Wagen. Der Mann sieht recht unfreundlich aus und die Frau sagt kein Wort. Im Auto hat es jede Menge Werkzeug, eine Axt, Motorsägen und Gewehre. Sie sind wahrscheinlich Farmer.

Er trank Bier beim Fahren; eine schräge Situation. Irgendwann fragte er, was wir in Julian wollen. Ich zeigte ihm meine Schuhe und da war das Eis gebrochen. Sie zeigten uns alles in der kleinen Westernstadt, jedes Geschäft, das es gab. John und Berta waren extrem hilfsbereit und super-freundlich. Sie fuhren uns direkt vor ein Geschäft, das allerlei Waren für Hiker verkaufte und vor dem eine Hiker- Box stand. Dann verabschiedeten wir uns von dem Paar. Das Geschäft führte dann nur Arbeitsschuhe, ich muss also weiter mit diesen Schuhen. 

Leider fanden wir in Julian keine Möglichkeit zum Übernachten – alles belegt, schade! Die kleine Westernstadt scheint sehr beliebt. Wir wollen bevor wir wieder auf den Weg gehen, vorher noch in einem Restaurant etwas essen. Beim Eingang fingen sie uns gleich ab und verfrachteten uns in den hinteren Teil. Ok, gerade gepflegt sahen wir nicht aus. Wir assen und tranken sehr viel, es war sehr lecker. Viel Coke, nach so viel Wasser kann man nicht genug davon trinken.

Back on the way. Um Autostopp zu machen mussten wir erst einen guten Ort finden. Ein Auto hielt an und der Fahrer erklärte uns, wo es besser sei und meistens die Hiker und Tramper stehen. Wir wechselten den Standort, da klappt es. Ein Uber-Fahrer nahm uns mit, aber wollte für die Fahrt nichts nehmen. Er deckte uns sogar noch mit Energydrinks ein. Bis jetzt läuft es wirklich gut.

Vom Highway geht es direkt unter eine Brücke mit «Trail Magic». Trail Angels haben hier jede Menge Essen, Wasser und auch Süssgetränke deponiert. Wir reden noch ein wenig mit einem Ehepaar, deren Trailname «Red Dog» ist. Trailnamen bekommt man von anderen Hikern. Eigentlich kennt man sich unterwegs besser mit den Trailnamen. Die Red Dogs sind etwa gleich alt wie wir und auch als Ehepaar miteinander unterwegs.

Wir planen noch ein ziemliches Stück den Hang hinaufzulaufen und uns einen schönen Platz zu suchen. Morgen wird unser erster „Zero Day” sein, also Null Meilen laufen.

Mitten im Hang hat es ein kleines Tal nach hinten, das gut windgeschützt ist. Zweimal um die Kurve kann kein Wind nach hinten pfeifen. Links und rechts geht’s steil hinauf, alles mit blühenden Kakteen gesäumt – perfekt für unseren Zero Day.

Als wir uns eingerichtet hatten, kam eine Gruppe amerikanischer Hiker, die meinten, wir hätten ihren Platz gestohlen. Andy sagte: „Swiss First“. Die Amerikaner sahen zuerst recht geschockt aus, aber dann haben alle gelacht. Nach einer Pause zogen sie dann weiter und wir gingen irgendwann schlafen.

TAG 4, 7. April, Meile 60

Tagwach wieder um 6 Uhr. Heute werden wir öfters Pausen machen müssen. Die Blasen sind so gut es geht abgeklebt, vom grossen Zeh ist der Nagel Blut unterlaufen. Meine Schuhe schneiden wir vorne bei den Zehen mit dem Taschenmesser auf. Naja besser, aber ich bräuchte grössere Schuhe.

Wir wandern los in dieser rauen, aber schönen Landschaft. Es scheint, als wären wir alleine auf dem Trail, wir treffen nichts und niemanden. Wir finden wieder einen guten Platz mit Aussicht und im Windschatten eines Busches zum Übernachten.

TAG 3, 6. April, Mount Laguna, Meile 42

Als wir so um 5 Uhr aufstehen sind die Zwei schon weg. Wir haben es nicht so eilig und ich die ersten Blasen. Andy natürlich keine. Drum ist mir recht, nicht zu ehrgeizig zu sein, die Blasen sind kein Spass.

Dieser Tag ist sensationell, die Aussichten sind überwältigend. Wir steigen etwa auf 2000 m  hoch, haben da eine 360-Grad-Rundumsicht. Unter uns sehen wir jetzt die gebirgige Wüste, wir fotografieren wie blöd. Wir kommen der Desert mit dem langen Namen (Anza-Borrego) immer näher.

Bei der Strasse zur Ortschaft Mount Laguna sind wir in die falsche Richtung gelaufen. Der Ladenbesitzer des Outdoor Shops hat uns aufgegabelt und gleich mitgenommen – praktisch. Super, da können wir einige Kleinigkeiten kaufen und die Hiker-Box durchstöbern. Eine Hiker-Box ist eine Kiste, in welche Hiker nicht benötigte Sachen reinlegen, beziehungsweise rausnehmen können. Es erstaunt uns, vor dem Laden eine Hiker-Box zu sehen. Wir nehmen ziemlich viel Essen raus.

Andy wollte im Shop neue Unterhosen kaufen. Als ich den Verkäufer frage, wo diese sind, fragt er zurück, ob wir schon in der Hiker-Box nachgeschaut hätten. Das war jetzt ein Scherz, oder? Wir sind uns nicht ganz sicher und Andy kauft sich neue und auch noch Socken. Im nahen Restaurant (ca. 10 Minuten vom Outdoor Shop) essen wir noch etwas und machen uns um 12 Uhr auf den Weg zurück zum Trail. Diese Landschaft ist für uns sehr spannend, mit nirgends in der Schweiz zu vergleichen. Kaum finden wir einen schönen Platz, beenden wir diesen herrlichen Tag. Meine Füsse schmerzen und hier möchten wir es geniessen.

TAG 2, 5. April, Morena, Meile 22

Tagwach um 6 Uhr. Wir haben recht gut geschlafen, packen gleich alles zusammen und laufen ohne Frühstück los. Es sind fünf Meilen bis zum Campground, aber der Weg geht wieder rauf. Auf der Höhe haben wir eine super Aussicht auf einen See. Das finden wir ideal für unser Frühstück: Haferflocken, Süssigkeiten und natürlich Kaffee.

Weiter geht’s. Am Wegrand staunen wir über die vielen Blumen und Büsche. So nahe an der Desert hatten wir uns die Landschaft karger vorgestellt.

Den Campground erreichen wir etwa um halb zehn. Einer der Hiker sagt uns, dass man bei den Toiletten Wasser filtern könne. Bei den Lavabos sind schon einige Hiker am Wasser filtern. Es gäbe leider keine andere Möglichkeit, da roch es grässlich. Fürs Filtern brauchen wir sehr lange, alles Wasser muss durchgepumpt werden. Als wir den Filter gekauft haben, sah das viel relaxter aus. So viele Liter am Tag sind dann etwas anderes.

Der Weg schlängelt sich mehr oder weniger im flachen Gelände dahin. Wir werden wieder einmal überholt. Wir mühen uns zuerst mit Englisch ab und der junge Mann gibt uns auf Deutsch Antwort. Vielleicht sollten wir in Zukunft besser zuerst fragen, wo er lebt. Er sagte, dass er uns bewundere, dass wir in unserem Alter dieses Abenteuer wagen. Er war uns gleich sympathisch, das mit dem Alter hatten wir auch oft zuhause gehört.

Gegen Mittag haben wir eine tolle Überraschung: ein Trail Angel. Trail Angel sind Leute, die den Hikers helfen. Dieser hatte sogar Starbucks für uns, Melone, Chips, Süssigkeiten, Cola, etc. Jan, unser erster Trail Angel macht das einfach für die Hiker, in seiner Freizeit so zum Spass. Er will auf gar keinen Fall etwas dafür haben. Er sagt, wir werden so in drei, vier Tagen noch auf einen Trail Angel-Frau treffen, die es mehr gebrauchen könne, wir sollten ihr doch etwas geben. Jan findet die Schweiz ein wunderbares Land, wir bedanken uns bei ihm.

Hier ist auch noch der junge Deutsche von vorhin, grad kurz vor Abmarsch als wir eintreffen. Er scheint erstaunt, dass wir ankommen und fragt nach, wie alt wir genau seien. Jetzt kann er es kaum mehr fassen, dass wir in unserem  Alter so was machen. Mal schauen, wie oft wir ihn noch treffen, er scheint recht ehrgeizig zu sein.

Als wir wieder auf dem Weg sind, diskutieren wir über die Situation. Ist doch einfach genial, du wanderst im Nirgendwo und plötzlich steht einer mit seinem Pickup voller Essen, Leckereien und Wasser da und bewirtet dich, sogar kostenlos.

Der Tag ist einfach genial und vergeht recht schnell. Laufen, Pause, essen, laufen, Fotos machen und die Landschaft geniessen. Für die Übernachtung sind wir bis an einen Bach gewandert. Dort sind bereits zwei Hiker, den ersten kennen wir vom Start, der andere ist wieder der junge Deutsche. Er sagt natürlich wieder was zu unserem Alter, da müssen wir jetzt durch. Egal, ist sonst ein netter Typ.

Zwischen den Bäumen bauen wir schnell das Zelt auf, daneben fliesst ein kleiner Bach. Beim Essen reden wir mit den anderen über den Trail, ihre Pläne und Erlebnisse. Man will so viel wie möglich erfahren. Aber für uns ist die Verständigung schwierig, wir können beide nicht so gut Englisch. Mit Händen und Füssen hilft, mit etwas Fantasie und kombinieren wird’s langsam besser. Wir gehen wieder sehr früh schlafen, um 20:30 Uhr.

TAG 1, 4. April, Campo, Meile 0

«Southern Terminus, Mexico to Canada, 2650 miles». Es war aufregend an dem Startpunkt unseres Abenteuers zu stehen, das ausserdem über mehrere Monate gehen wird – hoffentlich. Für uns etwas ganz Neues, noch nie Erlebtes. Das wird eine Herausforderung sein in jeder Beziehung, das Wandern, jeden Tag im Zelt übernachten und auch 24-Stunden zusammen sein. An dem Punkt fragte ich mich, ob es wirklich machbar ist. Andy, mein Mann, schien keine Zweifel zu haben, für ihn war dies nur eine weitere Aufgabe zu sein, die es zu meistern gibt. Nervös sei er ja die ganze Zeit vorher gewesen, habe sich alles gut überlegt, genügend gesorgt und jetzt freue er sich aufs Wandern. Ich bin selten bis nie vorher nervös, ich löse Probleme, wenn sie da sind. Halt der spontane Typ, was nicht immer gut kommt, aber wir ergänzen uns super.

Ausser uns war nur noch ein Mann hier, der alleine loszog. Wir trugen uns ins Startbuch ein, kletterten auf das Monument, um einige Bilder zu schiessen, und los ging’s.

Etwa um 6 Uhr wandern wir los auf dem sandigen Weg. Ausgerüstet mit Hüten, Trail-Schuhen und Jacken. Unsere 68 Liter Rucksäcke sind schwer: meiner war 17 kg, Andys 19 kg. Aber die werden ja von Tag zu Tag leichter. Es ist bereits ziemlich heiss, wir haben 8 Liter Wasser dabei. Bis zur nächsten Wasserquelle sind es 15 Meilen (eine Meile ist 1,6 km).

Nach etwa vier Meilen machen wir die erste Trinkpause bei einem Bahngleis. Zwei junge Frauen, die auf dem Trail etwas flotter unterwegs sind als wir, ziehen an uns vorbei.

Das Wandern auf dem schmalen Pfad im recht flachen Gelände zwischen Gebüschen und Steinen, ist nicht so anstrengend. Mitten auf dem Weg sehen wir die erste Schlange – am ersten Tag. Am Mittag wurde es uns zu heiss. Für eine grosse Pause hockten wir unter ein dorniges Gebüsch, tranken Wasser und assen einen Snikers und einige Nüsse.

Nach einer Weile kam noch ein Hiker vorbei, der auch gleich eine Pause machte. Er ass  Tortillas, die er mit Erdnussbutter bestrich, sehr fett. Er erzählte, dass es nicht sein erster Hike sei, wir werden wahrscheinlich irgendwann auch so essen. Pro Wandertag soll man bis zu 4000 Kalorien verbrauchen, da musst du schon jede Menge essen.

Wir mussten weiter, auch wenn es heiss war, wir wollten bis zur Wasserstelle. Als wir beim Bächlein ankamen, waren verschiedene Hiker da, die alle ihr Wasser filterten. Erst beim nächsten Campingplatz, bei Meile 20, gibt es wieder Wasser. Weil es unter den Bäumen beim Bach so gemütlich war, zogen wir noch die Schuhe aus, wuschen unsere Füsse und relaxten ein bisschen.

Danach ging der Weg einen steilen Anstieg hinauf, der nun voll in der Sonne war. Als wir diese Steigung geschafft hatten, beschlossen wir, dass es für heute genug ist. Also suchten wir einen Platz um unser Zelt aufzustellen. Dann richten wir alles ein zum Schlafen, bliesen die Matten auf und hängten unsere Schlafsäcke noch in die Abendsonne. Noch etwas essen, ein wenig über unseren ersten Tag reden bevor wir sehr früh schlafen gehen werden. Andy machte die Hitze zu schaffen und mir das lange Laufen, also meine Beine. Manchmal werden sie geschwollen, entzünden sich und dann habe ich keine Kraft. Ich bin überzeugt, dass es besser wird durchs tägliche Laufen. Wir nehmen an, dass sicher jeder von uns auf dem Fernweg irgendwas haben wird, entweder körperlich oder mental.

4. April 2017, San Diego – Campo (CA)

Frühmorgens um 4 Uhr holte uns ein Taxi beim Suites Hotel in San Diego ab, um uns in die Nähe des Monuments, des südlichen Startpunktes vom PCT zu bringen. Der Fahrer bemühte sich unglaublich, uns in möglichst kurzer Zeit nach Campo zu fahren. Ihm war es wichtig, uns möglichst günstig ans Ziel zu bringen – sehr hilfsbereit. Er wäre glatt als Rennfahrer durchgegangen und sicher nicht als Verlierer!

Weder er noch wir wussten genau, wo dieses Monument „near Campo“ steht. Für den netten Rennfahrer war es selbstverständlich, bei einer Polizeistation nachzufragen, aber leider war um diese Zeit niemand da. Doch er half uns weiter bis wir in der Nähe des Startes waren. Wir wünschten einander gegenzeitig eine gute Zeit und gingen in der Dämmerung zum Monument in der Wüstengegend.

Gedanken zum Pacific Crest Trail

Der PCT ist ein sehr guter Fernwanderweg. Es ist der Wahnsinn, was die PCT-Organisation an Aufwand in den Weg steckt, an Arbeit, Wegräumen von Bäumen und Steinen, Sicherheit etc. einfach den ganzen Unterhalt.

Die Hilfe von all den Menschen auf dem Weg, neben dem Weg und in den Ortschaften war unglaublich.

Was für uns am Anfang schwierig war, war das Essen (Fastfood). Zuhause essen wir sehr viel aus dem Garten und wissen mehrheitlich, was wir essen. Auf dem Weg musst du nehmen, was es gibt und das ist alles andere als gesund oder moralisch vertretbar. Wenn du richtig Hunger hast, vergisst du das jedoch schnell, denn du brauchst einfach sehr viele Kalorien. 

Wir wollten von Anfang an diesen Weg ohne jemanden laufen, der zweisprachig ist. So mussten wir selber Englisch reden. Das Lösen von Problemen macht dich gelassener und belastbarer. Es heisst, der Weg wird es richten, in unserem Fall war das so. Lass die Dinge einfach auf dich zukommen.  

Ich glaube, es ist extrem wichtig auf seine innere Stimme zu hören. Und nicht darauf, was irgendwelche Leute auf Facebook oder sonst wo schreiben. 

Wieder zuhause ist man verändert. Wir haben auf dem Weg einige Kilos abgenommen und unser Material aufs Allernötigste reduziert. Zurück in der Schweiz bekamen wir Mühe mit gewohnten und alltäglichen Sachen. All dieser Überfluss, es erdrückte uns fast. Wir machten für uns verschiedene Veränderungen und reduzierten, was wir besitzen. Wir sind auch fokussierter, bei dem was wir machen. 

Am extremsten ist die Veränderung beim Konsum. Ohne dass wir es bewusst machen, verbrauchen wir viel weniger Geld. Früher hatte ich ein Auto für mich, nach dieser Reise habe ich es so selten gebraucht, dass wir es verkauft haben. Sachen, die für uns einmal wichtig waren, ergeben irgendwie keinen Sinn mehr. Das ist ein grosser Gewinn, wir haben jetzt mehr Zeit für einander und für das, was wichtig ist. 

Wir finden, es war ein rundum gutes Abenteuer und werden bestimmt wieder sowas machen. Wir haben im 2017 zwar nur rund 2’600 des 4’300 Kilometer langen Trails geschafft, aber wissen jetzt, dass er machbar ist.

Wer wir sind

Andy Frei (Jahrgang 1967) und ich, Annerös Frei-Schroth (Jahrgang 1968) Spitzname «Rosa» sind seit 27 Jahren verheiratet und haben zwei erwachsene Kinder. Tochter Jasmin ist 23-jährig, Sohn Fabian ist 26-jährig.

Wir wohnen im Kanton Zürich auf einem landwirtschaftlichen Betrieb, den wir von meinen Eltern erwerben konnten. Nach privaten und beruflichen Veränderungen haben wir auch mehr Freizeit und für uns Schweizer lag es nahe mit Wandern zu beginnen und unsere schöne Bergwelt zu entdecken.

Andy ist Zimmermann und angestellt im Saunabau, ich mache einen auf Selbstversorgung mit unserem grossen Garten und schaue zu den Tieren, den Weiden und den Obstbäumen. So habe ich immer etwas zu tun.

Es war immer unser Ziel, viel reisen zu können, daher schauten wir früh wie wir unser Leben gestalten.

Kontakt: anners.frei@bluewin.ch