Tag 51, 11. Juni, Muir Pass, Meile 835

Um 6 Uhr starten wir, für einmal ist der Weg zu sehen, aber meistens ist er unter Wasser. Überall läuft Wasser den Hang hinunter. Keiner von uns will schon am Morgen früh nasse Füsse. Andy denkt, er sei ein Seiltänzer und will über den Bach über einen schmalen Ast und dazu noch mit Eis überzogen. Andy rutscht aus und landet mit beiden Füssen im eiskalten Wasser. Wir lachen ihn aus, so ein Angeber, daneben hätte es einen breiten Baumstamm gehabt.

Wir laufen am Fluss Palisaden Creek entlang Richtung Muir Pass, immer ansteigend, links und rechts beeindruckende Berge. Heute sehen wir viele Wildtiere und hören mehrmals Bären. Wir überlegen uns, was man Feines aus so einem Tier machen könnte, jedem Vegetarier würden die Haare zu Berge stehen. Markus würde es mit den Stöcken von vier Seiten einkreisen, den Rest darf ich nicht beschreiben. Klar ist, wir müssen wiedermal etwas Feines zu essen haben, bei der nächsten Gelegenheit wir wollen grillieren.

Den ganzen Tag über sehen wir keine anderen Hiker in dieser atemberaubenden Berglandschaft, es ist unbeschreiblich schön. Andy stampft wie ein Roboter durch die riesigen Schneefelder, egal, ob es steil wird, einfach Schritt um Schritt. Wir hinter ihm, etwas angeschlagen. Ich habe zu kämpfen in dieser Höhe. Patrizia sorgt für Unterhaltung, aber nur bis Andy stehenbleibt.

Um 4 Uhr kommen wir beim Steinhäuschen auf dem Muir Pass (3648 m ü. M.) an, hier wird heute übernachtet. Der Sonnenuntergang ist unbeschreiblich schön, du siehst einfach diese Wahnsinnsweite mit absolut nichts im Licht der untergehenden Sonne. Um so etwas zu sehen, leben wir. Wir sind alle nur glücklich, miteinander hier zu sein.

Abendstimmung mit Muir Hütte

Schluss bei km 1 349,5 (Meile 835), gelaufen sind wir 25 km oder 15 Meilen.

Tag 50, 10. Juni, Pinchot Pass und Mather Pass

Um halb fünf gehen wir weiter, im Schnee wieder zum Pinchot Pass 🤗 auf 3750 m.ü.M. hoch. Der Schnee ist für mich sehr streng und die Luft wird dünner, mir ist klar, dass ich es in diesem Tempo nicht schaffe. Ohne Schnee komme ich gut mit, aber leider sind diese Wegstecken selten geworden.

Nach einer Stunde laufen bin ich fix und fertig, für Andy ist das ein Spaziergang. Ich verstehe nicht, wieso er diesen Teil des Trails nicht mit jemandem läuft, der die gleiche Kondition hat. Dann sage ich ihm bestimmt, dass ich jetzt etwas anderes mache, er solle doch weiter gehen. Für ihn kommt das nicht in Frage, er sagt, er komme mit. Es hat kein Sinn, mit ihm zu diskutieren, darum versuche ich schneller zu werden. Das wird sehr anstrengend, bis wir auf dem Pinchot Pass sind ist 9 Uhr.

Auf dem Pass haben wir eine geniale Bergsicht über zwei Täler, aber es ist zu kalt, um eine Pause zu einzulegen. Wieder hinunter ist jetzt relativ einfach, wir steigen in einer gefrorenen Spur hinab. Nach einer Pause geht es weiter auf den nächsten Pass, den Mather Pass 🤗 auf 3532 m, zuerst müssen wir über riesige Schneefelder bis zum Fuss. Dann sieht es heikler aus, wir müssen zuerst fast senkrecht im Schnee hochsteigen und teilweise über Steinfelder klettern bis wir im oberen Teil queren können zum Passübergang. Es kommen noch andere Hiker hinauf. †Oben machen wir eine grosse Pause, etwa eine Stunde.

Der Abstieg nachher im weichen Schnee ist relativ einfach, riesige Strecken rutschen wir auf dem Hosenboden hinunter. Im Tal unten ist eine geniale wilde Landschaft mit Fluss und Felsen.

Mit spuren hatte es Andy heute wirklich streng und den Tritten, die er für uns gemacht hat. Einmal ist er mit dem Fuss in einem Loch steckengeblieben, ich musste ihm aus dieser Lage helfen. Wir haben viel zu viele Höhenmeter und zu viel Strecke im Schnee zurückgelegt, Patrizia kam ziemlich an den Anschlag, ich natürlich auch.

Schluss bei km 1324,5 (Meile 823), wir sind 33,5 km (20,5 Meilen) im Schnee und viele Höhenmeter gelaufen.

Tag 49, 9. Juni, Meile 802,5

Heute Nacht hatten wir richtig kalt. Wir haben alles angezogen, ich sogar die Regenhose und trotzdem war mir noch kalt. Die Schuhe sind auch im Zelt gefroren, müssen halt an den Füssen wieder auftauen. Wir kriechen sehr früh aus dem Zelt, Viertel nach Vier.

Patrizia brauchte Hilfe von Markus, ihre Heringe sind an die Steine angefroren. So nach 5 Uhr ziehen wir los und steigen hoch zum Glen Pass (11’980 ft oder 3’642 m.ü.M). Der Schnee ist gefroren, der Aufstieg ist sehr steil und streng.

Oben angekommen sehen wir ins nächste Tal mit vielen kleinen Seen, die zugefroren sind, das ist sind sehr schön. Der Abstieg im schrägen Hang nach unten ist nicht ganz ‚ohne‘, besser nicht ausrutschen hier. Wir laufen bis 12 Uhr durch das Tal, hier müssen wir immer wieder mal ein kleinen Fluss queren. Überall hat es Wasser, die Sonne bringt den Schnee zum Schmelzen.

Bei der Woods Creek Bridge, einer Hängebrücke, machen wir die grosse Pause. Wir legen unsere Schlafsäcke und das Zelt in die Sonne, dass beides trocknet.

Am Nachmittag laufen wir noch halb Richtung Pinchot Pass hoch. Der Woods Creek (eigentlich ein kleiner Fluss), der daneben hinunter fliesst, hat eine imposante Wassermenge. Zweimal müssen wir ein zufliessendes Gewässer queren, was gar nicht so einfach ist, wir müssen zuerst eine Stelle finden, wo es machbar ist. Man muss dann gut aufpassen, dass man nicht hineinfällt, denn bei dieser Menge Wasser und der hohen Fliessgeschwindigkeit wäre es nicht ungefährlich.

Heute machen wir früh Feierabend und stellen die Zelte am Rande eines Waldes mit Sicht in das Tal. Es ist auch mal schön, den Abend bei Sonne zu geniessen. Solche Momente in der Natur sind unbezahlbar. Das ist unsere Hauptmotivation diesen Weg zu gehen, die Zeit, die wir an wunderschönen Plätzen verbringen.

Wir kochen auf einem grossen Stein. Markus möchte einen Schwingbesen für seine Schokoladecrème, ich sage:«Möchtest du den mit Akku? Den habe ich im Rucksack.» Wir haben immer viel zu lachen.
Schluss bei km 1291 (Meile 802,5), gelaufen sind wir 20,5 km, also 13 Meilen.

Tag 48, 8. Juni, unterhalb Glen Pass

Wir stehen um 6 Uhr auf, gehen frühstücken und stellen uns dann für Autostopp an die Strasse. Aber es hält etwa zwei Stunden kein Auto, endlich nimmt uns ein Mann in einem uralten Saab mit bis Big Pine.

Irgendwie ist der Wurm drin, dort bei einer Tankstelle stehen wir ebenfalls zwei Stunden bis uns eine Frau mitnimmt. Sie hat einen Campingbus, wir setzen uns aufs Bett, Markus legt sich gleich rein. Mit unserem Gepäck und ihren eigenen Sachen ist der Bus mehr als voll. Sie lässt uns in Independent bei der Passstrasse raus. Dort nützt dann alles nichts, schliesslich fährt uns ein Inder hoch, dem wir 40 Dollar geben müssen. Er lässt uns nur hinten auf die Ladebrücke einsteigen, die Fahrt ist sehr rasant, nichts für schwache Nerven.

Bei der Park Lodge sind wir erst um eins. Danach wird es eine richtige Schinderei zum Kearsage Pass hoch mit dem Gewicht im Rucksack. Andy macht zweimal einen Stopp, auch er kommt richtig ins Schnaufen, kein Wunder, denn er stapft voraus, wir hinterher. Oben machen wir nochmals eine Pause, Andy hat Bauchweh. Markus meint: «Kann es daran liegen, dass er eine ganzen Sack Chips gegessen hat (Salz&Essig-Chips)?» Ich: «Nein, sicher nicht wegen ein wenig Chips.» Es ist für uns amüsant, Andy findet es weniger lustig.

Nachher geht er mit viel Tempo den Pass runter, das ist mir viel zu schnell mit dem schweren Rucksack, das sag ich dann auch. Andy möchte nicht, dass ich alleine hinten laufe, denn ich bin wahrscheinlich die Einzige, die sich auf dem PCT verlaufen würde. Ich sehe immer etwas, das interessanter ist als weiterlaufen und schon ist’s passiert. Andy läuft jetzt langsamer, damit ich nicht mehr so ausser Atem komme.
In dem weichen Schnee ist es anstrengend, eine echte Kraxlerei.

Es wird 19:30 Uhr bis wir, etwa eine Meile unterhalb dem Glen Pass, die Zelte im Schnee aufstellen.
Km 1271, 2 km auf dem PCT und 15 km zum Trail.

6. und 7. Juni, Zero Days in Bishop

6. Juni: Wir fahren von Independence mit dem Bus nach Bishop, die Felder links und rechts von der Strasse sind sehr grün. Die Häuser und die Gegend vor Bishop sehen teilweise verwahrlost aus, einfach alles in die Landschaft gestellt, was man nicht mehr braucht: Autos, Baumaterial, Haushaltsgeräte ect.

Der Busfahrer fährt uns zum Mc Donald’s, der ist gleich neben unserem Motel, das wirklich sehr schön ist. Zuerst essen wir in einer holländischen Bäckerei, ich hätte den ganzen Tag hier verbracht, immer wieder etwas essen wäre super. Andy ist nicht der gleichen Meinung, also wird nichts mit faulenzen. Wir gehen in die Wäscherei und machen die Wäsche und die Blogbeiträge fertig.

Es wird Abend bis wir fertig sind, die anderen drei warten beim Motel auf uns um gemeinsam essen zu gehen. Danach gehen wir noch in eine Bar, hier ist für einen Donnerstagabend recht Betrieb in der Bar und es wird etwas später. Leider treffen wir jedoch keine anderen Hiker, schade.

7. Juni: Heute ist wie jedesmal einkaufen für die nächsten sieben Tage auf dem Programm. Der Topf und die Gaspatronen müssen noch ersetzt werden, so vergeht der Tag schnell.
Bishop ist eine sehr gepflegte und hübsche Stadt, mit vielen Restaurants und allerlei Geschäften. Scheint sehr belebt zu sein, überall sieht man, dass die Häuser in Schuss gehalten werden. Andy und ich schlendern gerne durch die Häuser und schauen wie die Leute so wohnen.

Am Abend gehen wir superfein chinesisch essen, ich glaube heute habe ich sicher viel mehr als 6000 Kalorien gegessen. Ich probiere an den Zero Days möglichst viel zu essen und zu trinken, auf dem Weg haben wir eigentlich immer Hunger.

Morgen gehen wir wieder über den gleichen Seitentrail zurück auf den PCT.
Leider kommt Monika die nächsten sieben Tagen nicht mit. Sie hat keine Lust, immer durch den Schnee zu stapfen und nasse Füsse zu haben, schade, werde sie vermissen. In einer Woche schliesst sie sich wieder unserem Hike an.

Tag 47, 5. Juni, Forester Pass

Geschrieben von Patrizia (aus Burgdorf i. Emmental) und Markus (aus Hinwil) mit Anhang von Monika (aus Nürnberg D) im Basecamp Forester Pass: 
Nach einer sternenklaren Nacht klingelt um 3:30 Uhr der Wecker und alle steigen vergnügt in die nassen und teilweise gefrorenen Schuhe. Nach dem Abbauen der Zelte geht es um 4:30 Uhr los Richtung Passhöhe. Andy schlägt wie immer ein hohes Tempo an, so dass allen schnell wohlig warm wird.

Aufgrund von Schneerutschungen muss Andy bereits nach 20 Minuten Stufen schlagen, damit alle sicher nach oben kommen. Leider verabschiedeten sich bei der aufopferungsvollen Arbeit der schlecht gesicherte Topf und die Gaskartusche aus seinem Rucksack in die Tiefe. Dem Zelt von Patrizia gefiel es auch nicht in dem kriminell gepackten Rucksack, weshalb es sich ebenfalls in die Tiefe stürzte. Glücklicherweise blieb es aber auf einem Felsvorsprung liegen, wo es Andy dank seiner Klettererfahrung und seinem Mut wieder zurückbringen konnte. Hoffentlich hat Patrizia, unser Lumpensammler und Nuschi der Gruppe, ihre Lektion gelernt.

Nach einem schwierigen und abenteuerlichem Aufstieg geniessen wir den schönen Sonnenaufgang auf dem 13200 Fuss hohen (4023 m.ü.M) Forester Pass. Danach geht es auf dem noch gefrorenen Schnee wieder runter. Abenteuerlich wie Andy ist, rutscht er ein steiles, gefrorenes Teilstück auf dem Hosenboden hinunter. Der ganzen Gruppe verschlug es die Sprache, als Andy immer unkontrollierter umhergeschleudert wurde. Nur Rosa konnte sich köstlich über den wilden Ritt von ihrem Andy amüsieren. Trotzdem wählte nun auch sie den Abstieg zu Fuss.

Bei wunderbarem Wetter geht es weiter durch herrliche Berglandschaften. Die Mittagspause, welche an einem schönen Plätzchen an einem zugefrorenen See stattfindet, kann glücklicherweise auch Andy sitzend geniessen. Die wilde Abfahrt hat bei ihm absolut keine Spuren hinterlassen.
Über den Kearsage Pass (11709 Fuss, 3569 m.ü.M.) geht es am Nachmittag Richtung Independence. Dank dem Einsatz von Andy und seiner Spurführung kommen wir früher als erwartet am Trailhead an. Am Parkplatz werden unsere PCT-Permits zum ersten Mal von Rangern kontrolliert.

Leider dürfen sie uns nicht mit ins Dorf hinunter fahren, weshalb wir längere Zeit auf eine Mitfahrgelegenheit warten müssen. Die Wartezeit nutzt Markus, um der ganzen Gruppe ein Motelzimmer in Independence zu organisieren.
Schlussendlich nimmt uns ein Trailangel mit, welcher uns zusätzlich mit Donuts versorgt.

Den Abend lassen wir bei einem feinem mexikanischem Abendessen und einer Glace ausklingen. Müde, glücklich und geduscht fallen wir nach einem langen, anstrengenden Tag in das warme, bequeme Bett.
Schluss bei PCT Km 1269 (Meile 788.5), gelaufen 16 PCT km (10 Meilen) zusätzlich 14 km (9 Meilen) über den Kearsage Pass Richtung Trailhead

Anmerkung von Monika (aus Nürnberg): Herzlichen Dank Rosa und Andy, dass Ihr mich diese Woche mitgenommen habt. So viele tolle Erlebnisse, die ich ohne Eure Erfahrung sicher nicht gemacht hätte. Mein „Schwitzerdütsch“ ist leider zu schlecht, als dass ich an der Konversation verlässlich teilnehmen kann.
Basecamp 3: sensationell!!
Forester-Pass: ohne Andy wahrscheinlich nicht möglich oder zumindest nicht zum Sonnenaufgang! 

Tag 46, 4. Juni, Basecamp Forester Pass, Meile 763

Unser Wecker klingelt um 3 Uhr, Andy schaut aus dem Zelt, es ist nicht wirklich klarer Himmel. Es hat niemand Lust bei schlechtem Wetter auf den Whitney zu gehen, also gehen wir alle wieder schlafen.

Am Morgen ist der Berg immer noch Wolken verhangen, so ärgert es uns nicht, dass wir es abgesagt zu haben. Um halb acht ziehen wir los Richtung Forester Pass, durch eine unglaubliche spektakuläre Berglandschaft, über riesige Schneefelder bis zum Fuss vom Pass. Andy läuft voraus in kleinen Schritten, wir treten immer rein in seine Spuren. Herrlich, du stapfst vor dich hin und hörst nur den Schnee unter den Füssen (ausnahmsweise ist sogar Markus ruhig).

Heute ist es streng, die Höhe und dann wird der Schnee und wir sinken bei jedem Schritt ein. Den ganzen Tag haben wir nasse Füsse vom sehr weichen Schnee oder den Bächen. Aber man glaubt es nicht: den ganzen Tag herrliche Sonne.

Um 5 Uhr nachmittags erreichen wir das Basecamp, es sind schon andere Hiker hier, wir stellen im Schnee unsere Zelte auf. In dieser Kulisse das Zelt zu stellen macht den PCT-Trip auch wunderschön.

Den Pass nehmen wir morgen sehr früh in Angriff, damit wir bei Sonnenaufgang oben sind. Der Forester Pass ist 13,200 Fuss hoch (das sind gute 4000 m.ü.M.), er liegt an der Grenze zwischen Sequoia National Park und Kings Canyon National Park
Übernachtung bei km 1253 (Meile 763), gelaufen sind wir 21 km (13 Meilen), aber streng.

Tag 45, 3. Juni, Whitney Creek, Meile 767

Als wir um 5 Uhr aufstehen bewundern wir zuerst mal den Sonnenaufgang von unserem Zeltplatz aus, es ist genial schön. Um 6 Uhr wandern wir zu fünft los, der harte Schnee trägt uns. Wir gehen durch eine wunderschöne Landschaft, mit alles diesen verdrehten Bäumen recht weit auseinander (der Stamm ist eingedreht, sehen sehr wild aus).

Wir laufen über den zugefroren See, am Rand macht Markus mit seinem Pickel ein Loch ins Eis, um Wasser zu nehmen. Danach laufen und rutschen wir weiter, wenn es geht rutschen wir auf dem Hosenboden hinunter, macht mega Spass, mit kurzen Hosen etwas weniger.

Nach dem Fluss Whitney Creek frühstücken wir und ziehen danach Richtung Mount Whitney weiter. Dreimal überqueren wir Bäche über einen Baumstamm, das kann auch ich hier, die Wassermenge ist harmlos. Die anderen wollen vor dem Regen beim Zeltplatz sein, mich interessiert der Regen nicht, ich habe keine Lust immer dem Wetter davon zu rennen.

Natürlich bleibt auch heute die Dusche von oben nicht aus, Wir kriegen ein wenig Wasser oder Schnee gegen Abend, harmlos, aber mal einen ganzen Tag ohne Poncho wäre schon nett. Mir kommt es vor wie «Tenuefigg»: morgens die langen Wanderhosen, danach kurze Hosen, dann Regenponcho an, wieder ab, und wenn’s übel kommt, auch noch die Regenhose anziehen.

Wenn es geht, wollen wir morgen alle auf den Mount Whitney. Die meisten Hiker lassen ihn aus, wegen dem Schnee zur Zeit.
Schluss bei 1234 km (Meile 767), wir sind 27 Kilometer, also 17 PCT-Meilen gelaufen.

Tag 44, 2. Juni, Meile 750

Um 7 Uhr gehen wir los bei einigermassen blauem Himmel. Wir laufen etwa 150 m und die Telefone haben Empfang. Natürlich bin ich wieder Schuld, weil ich gestern den Zeltplatz oben gesehen habe, wir lachen, es ist ja sowieso besser jetzt Empfang zu haben, denn zu Hause ist jetzt Nachmittag, es wird erst mal telefoniert.

Zuerst ist der Weg noch schneefrei, aber dann nehmen die Schneefelder zu bis überall Schnee ist. Als wir um 10 Uhr Pause machen fängt es an zu schneien, alles wieder versorgen und Regenkleider anziehen. Wir sind im Wald im Schnee in California – wir nehmen es mit Humor. Aus dem Morgenessen wird ein Mittagessen.

Danach geht es im Schnee weiter und auch von oben kommt immer wieder mal Schnee. Uns ist es egal, das Wetter wird sich schon noch von der sonnigen Seite zeigen. Sehen aber nicht alle Hiker so, einigen vergeht der Hike, die gehen morgen auf einem Seitentrail ins Tal nach Lone Pine.


Um halb fünf machen wir Feierabend, das Wetter ist zu scheußlich. Den Abend verbringen wir mit essen und reden, später taucht sogar noch die Sonne auf, sehr schön in dieser Landschaft. Unsere Zeltplätze sind eh immer wieder traumhaft, wenn man einfach dort wo man Lust hat das Zelt stellen kann.
Übernachtung bei km 1207 (Meile 750), heute sind wir 25 km oder 15.5 Meilen gelaufen.

Tag 43, 1. Juni, Meile 734,5

Wir stehen um die fünf auf, um sechs laufen alle los. Es ist sehr schön, immer im Tal vorwärts bis zum Fluss Fork Kern River, unterwegs sehen wir immer wieder Zelte oder andere Hiker. Der Fluss fliesst durch ein wunderschönes Tal. Beim Fluss wollen unsere Mithiker eine Pause machen, wir frühstücken bei Sonnenschein. Hier unter der Brücke hat es viele Schwalbennester und die Schwalben müssen gerade ihre Jungen füttern, es herrscht aufgeregtes Treiben. Markus verteilt so lustig Sonnencreme auf seinem Gesicht, zuhause macht das wahrscheinlich seine Frau für ihn.

Ich gehe mal los, die anderen werden mich dann wieder einholen. Wir steigen in sehr harten Schnee hoch. Es ist noch eine Gruppe Hiker unterwegs, die haben schlechte Laune, der Schnee ist nichts für sie.

Oben angekommen essen wir zu Mittag, es ziehen wiedermal Wolken auf, aber wir bleiben trocken bis zum Abend (trocken von aussen, denn wir schwitzen und sind deswegen auch nass).

Weil Markus Internet braucht laufen wir noch den Hang hoch, der einzige der noch gute Laune hat ist Markus. Er ist unglaublich, plötzlich soll ich schuld sein!!! «Jetzt müssen wir noch diesen doofen Hang hoch, nur weil Rosa immer im Internet hängt». Was er noch alles aufgezählt hat, würde diesen Text sprengen. Manchmal lacht man sich schlapp und manchmal möchte man sich in den…

Gelohnt hat es sich, weil der Zeltplatz wirklich der Hammer ist und die Stimmung ist wieder sehr lustig. Leider gibt es aber kein Internet, trotz der Vorhersage unseres Gruppenkaspers Markus, dass es hier Internet habe.
Schluss bei km 1182, Meile 734,5, wir sind 35 km (22 Meilen) weiter gekommen.