TAG 60, 19. Juni, Meile 727

Wieder früh gestartet und noch mit Stirnlampe in die Höhe gewandert. Der Weg geht in Schlaufen einen sandigen Hügel hinauf. Oben auf dem Hügel hat man eine gute Sicht auf die Strecke, die wir laufen werden. Die Sonne wärmt uns, so ist es angenehm warm beim frühstücken. Beim Laufen sehen wir mehrmals Zelte im Wald, es sind wieder einige  Hiker unterwegs. 

Vereinzelt hat es kleinere Schneefelder, völlig harmlos. Es sind hier Trampelpfade durch den Schnee. Einmal rutsche ich aus Richtung Wasser, ich finde das ist keine Sache, es ist wirklich nicht steil. Andy sieht es etwas anders, er will mich am Rucksack halten, erwischt schlussendlich nur mein linkes Ohr. Er hält meine Wenigkeit und das ganze Gewicht des Rucksacks an meinem Ohr. Es hat höllisch wehgetan, ich war jetzt ziemlich sauer. Mir wären nasse Füsse lieber gewesen, er entschuldigt sich dafür. Wir hatten wieder mal etwas zum Lachen. Das Ohr ist bis zum Abend immer wärmer geworden und ziemlich angeschwollen.

TAG 59, 18. Juni, High Sierra Meile 707, endlich wieder PCT

Nach 10 Tagen Unterbruch geht es wieder los auf dem PCT, wir freuen uns, ab in die Berge. Zuerst wandern wir eigentlich immer geradeaus, bis es immer grüner wird. Richtig schöne grüne Täler und man braucht auch kein Wasser mehr zu schleppen, es hat überall welches. 

Es ist toll, hier sind wir nicht alleine unterwegs, treffen immer wieder einen Hiker oder Tageswanderer. Drei Schweizer sind unterwegs, junge lustige Kerle, mit denen reden wir relativ viel. Wir sind wieder auf dem Trail, es ist ein super gutes Gefühl.

78 Tage sind wir jetzt in Amerika, es hat Hochs und Tiefs gegeben, auch mal Tränen bei ihm und mir. Aber richtigen Streit hatten wir nie. Sicher ist, wenn du sowas zu zweit machst und du dachtest, du kennst deinen Partner, das kannst du hier vergessen. Es ist einfach so, dieses Hiken ist nicht wie der Alltag. Die Beziehung erreicht nach dieser Zeit eine ganz andere Ebene. Oder du gehst getrennte Wege. Es heisst nicht umsonst im «realen Leben» oder «Hikerleben». 

Wir haben an einem Bach Feierabend gemacht.

17. Juni, Kennedy Meadow, Meile 702

Wir wollen diesen Teil des Trails nachholen und unbedingt in die High Sierra, den Mount Whitney (4’421 m ü. M.) besteigen, den höchsten Berg der kalifornischen Sierra Nevada. Den ganzen Tag mit Hikern geredet. Die Hiker haben sich auf dem ganzen Weg verteilt, viele haben abgebrochen. Die Leute hier sagen, dass es jetzt weniger Schnee hat in der High Sierra, der Berg sollte jetzt gut möglich sein.

Das Pärchen von gestern geht heute in die High Sierra. Er ist richtig unfreundlich zu uns, sie ist wenigstens nicht mehr betrunken. Sie möchte aber immer noch mit uns in die Schweiz, wahrscheinlich wegen dem Geld, Schweizer gleich Geld.  

Dann haben wir pflichtbewusst zuhause angerufen und erzählt was wir so vorhaben. Irgendwie ist das Heimweh noch da. Feine Burger gegessen und den Abend auf der Terrasse verbracht, war super gemütlich. 

16. Juni, Kennedy Meadows, zurück zum PCT

In diesem Nest Mojave kannst du nicht viel machen, es ist zu heiss, 40 Grad und mehr im Schatten. So gehen wir in den Imbiss und warten bis der Bus kommt, so gegen 14 Uhr. Wir essen bis nichts mehr rein geht, denn noch mehr abnehmen wäre nicht gesund. Ein Mann, der in die gleiche Richtung will, nimmt uns mit nachdem er gegessen hat. Nach etwa zwei Stunden Fahrt lässt er uns raus an der Strasse. Wir stehen nicht lange dort und die nächste Mitfahrgelegenheit hält an.  Er müsse nicht so weit, ob wir trotzdem mitwollen, er lebe und arbeite in der Gegend. Wir steigen ein. Dann telefoniert er mit seiner Frau, dass er später komme und fährt uns noch bis zur Tankstelle. Dort sind es noch etwa 4 Kilometer bis zur Passstrasse, die nach Kennedy Meadows führt. 

Nachdem wir in der Tankstelle allerlei eingekauft haben, stellen wir uns draussen in den Schatten und hoffen, dass jemand die Passtrasse hochfährt. Andy steht gemütlich und geniesst sein Glace. Da kommt ein Mann, drückt ihm das Wechselgeld in die Hand und geht wortlos. Der dachte, wir seien Obdachlose. So werden wir nie mitgenommen. Wir beschliessen die 4 Kilometer zu laufen und erst bei der Passstrasse Autostopp zu machen. Dort wird es Leute geben, die den PCT kennen und uns als Hiker erkennen. 

Die Hitze ist unglaublich, diese 4 km sind kein Spass. Wir setzen uns an der Passstrasse unter einen Busch. Es dauert nicht lange und ein Autofahrer, der uns entgegen kommt und einkaufen geht, bietet an, uns beim Retourweg mit hinauf zu nehmen, wenn wir noch hier sind. 

Zwei Autos fahren an uns vorbei, halten und kommen beide zurück. Die zwei Frauen sind ziemlich entsetzt, dass wir bei dieser Hitze hier sitzen und denken zuerst, dass wir obdachlos seien. Als wir sagen dass wir PCT-Hiker sind, steigen wir gleich mal zu Helden auf. Ist mir recht, Hauptsache wir kommen hoch zum Campground. Andy fährt in einen Auto, ich im anderen mit, was uns nicht so gut gefällt. Aber die zwei sehen wirklich harmlos aus, so richtige Hippiegirls. Beide mal mit nichts bekleidet, ist ja zu verstehen bei dieser Hitze. Oben angekommen liegen meine Nerven flach. Die Frau hat mich betatscht. So was hatte ich bis dato noch nie erlebt. Auch beim Aussteigen hat sie nicht aufgehört. Die Frauen müssen jetzt auch noch mit in den Campground. Andy verdrückt ein riesiges Sandwich und ist bester Laune. Mir reicht es, doch Andy versteht mein Problem nicht. Die anderen Hiker hingegen verstehen mich, auch ohne Worte. 

Erst einmal trinke ich ein Bier, es hätte ja schlimmer sein können. Andy lacht darüber und fragt, ob ich ein zweites Bier wolle, jetzt lache ich mit. Extrem einfühlsam, finde ich. Er findet, so schlecht hätten die zwei ja nicht ausgesehen. Am Abend möchten wir etwas feiern mit den anderen Hikern. Zu allem Überfluss werde ich jetzt von einer Frau angemacht, die denkt, dass ich auf Frauen stehe. Bei der wundert es mich nicht, sie ist ziemlich beschwipst. Sie ist aber mit ihrem Mann auf dem Hike, er sitzt daneben und sie lästert über ihn. Sie möchte, dass er bei einer Flussüberquerung einfach verschwindet. Das ist ein gutes Stichwort für mich, ich schnappe mir Andy, um zu verschwinden. Er ist zuerst nicht einverstanden, aber als er den Mann anschaut, sind wir weg.

15. Juni, im Bus von Bakersfield nach Mojave

Als wir in Bakersfield ankommen ist es schon Nacht, unser Anschlussbus fährt erst am Morgen um 8 Uhr. Wir können in einem Warteraum bleiben, der hat Security. Wir versuchen abwechselnd zu schlafen. Zwei stark angetrunkene Männer, die auch warten, reden uns provozierend an. Wir gehen nicht auf sie ein. Es ist besser so zu tun als verständen wir kein Englisch. Der Security ist auch hier, der wird die zwei schon im Griff haben. Der Kerl wird dann später von der Ambulanz abgeholt.

Der Bus kommt pünktlich und bringt uns nach Mojave, in ein ganz kleines Nest. Die Busfahrerin ist sehr unterhaltsam, so vergeht die Fahrt recht schnell. In dem Dörfchen kommen wir um 14 Uhr an, von hier geht der nächste Bus, wieder Richtung Norden. Aber der Bus von heute in diese Richtung ist schon weg, dann halt Autostopp machen. Wir stehen etwa eine Stunde in der Hitze, ohne Erfolg. 

Wir essen, trinken was im Imbiss und fragen dort nach einem Karton, um darauf zu schreiben wohin wir mitfahren möchten. Wir stellen uns wieder an die Strasse, aber nach unzähligen Burger, Glaces, sitzen wir immer noch fest hier.Es geht nicht anders, wir mieten ein Zimmer und werden morgen mit dem Bus weitergehen. 

14. Juni, Santa Cruz

Wir wollen heute nach Santa Cruz kommen, per Autostopp. Es dauert nicht lange bis uns ein Student mitnimmt. Er zeigt uns dann die Universität, die fast so gross ist wie eine Stadt. Er erklärt uns, welche Lehrgänge es gebe und was alles so kostet. Ein Zimmer kostet 1500 Dollar aufwärts und die Studiengebühren sind schwindelerregend. Eines steht fest, für diejenigen die keine reichen Eltern und kein Sportstipendium haben, wird es schwierig zu studieren.

Wir gehen von der Universität zu Fuss ins Städtchen Santa Cruz, einfach durchs Gebüsch und über eine Baustelle. Da haust ein Obdachloser. Er erklärte uns wie man am besten geht. Er würde gerne mitkommen, aber kann nicht, weil er irgendein Problem mit den Füssen hat. Wir geben ihm etwas Geld und gehen weiter. 

Dann wollten wir per Autostopp ins nächste grosse Städtchen kommen. Ein ziemlicher Hippie beobachtet uns dabei und kommt zu uns her. Wir meinen zuerst, er möchte Geld. Ist aber nicht so, er will lediglich nicht, dass wir in diese Richtung trampen. Gemäss seinen Erzählungen ist es dort sehr gefährlich wegen der Drogenmafia. Wir hören wohl besser auf ihn. Dort mal zuerst schauen wäre nicht die beste Idee. 

Wir werden uns einen Bus buchen, der uns wieder in die High Sierra bringt, natürlich im Süden. Vielleicht ist der Schnee jetzt weniger geworden. Im Süden soll es schon besser sein. Wir suchen ein Internet-Café, um herauszufinden wo die Busstation ist. Wir schauen uns um, wo sind wir hier eigentlich, nirgends ist eine Strasse angeschrieben. Da bafft uns so ein Machotyp voll an, der verkauft hier seine Drogen und meint, wir beobachten ihn. Wir erklären ihm, dass wir nur hier sind fürs Internet und er uns eigentlich egal ist. Doch wir halten es für besser zu gehen, mit dem ist nicht gut Kirschen essen. 

Wir buchen uns die Fahrt nach Bakersfield, am Nachmittag um 4 Uhr geht es weiter. Vorher wollen wir noch chinesisch Essen. Das klappt aber nicht, beim Eingang werden wir gleich wieder nach draussen geschickt. Sie halten uns für Obdachlose. Wir sind inzwischen auch ziemlich ausgemergelt. In einer Pizzeria haben wir mehr Glück. Der Boss realisiert, dass wir Touristen sind und lässt uns bestellen. An der Bushaltestelle hat es allerlei komische Typen. Ein Kerl, der eine sehr tiefe Reizbarkeitsgrenze hat, will dass wir uns zu ihm setzen. Lieber machen wir was er sagt. Er redet die ganze Zeit irgendeinen Unsinn. Im Bus werden wir ihn schon los. 

13. Juni, Pacific Coast Trail, TAG 2,

Wir sind schon um 5 Uhr aufgestanden, wollten frühstmöglich raus aus der Private Property. 

Es ist fast nicht möglich hier zu wandern, der Weg ist teilweise in den Ozean gefallen. Also gehen wir mit einem Bus weiter Richtung Süden. Wir lieben Busfahrten. Die öffentlichen Busse sind genial, sie fahren durch alle Seitenstrassen in die hintersten Ecken der Wohngebiete. Dadurch bekommt man Einblicke in Gebiete, die man sonst nicht sehen würde. Mal ein riesiges Areal, dann alles kleine Verschläge oder Häuschen, ganz eng und verschachtelt, vielleicht eine Arbeitersiedlung von Mexikanern. Wenn du Glück hast, was wir meistens haben, ist dein Sitznachbar gesprächig, das ist wie ein Audio Guide. Für wenig Geld erhälst du eine Tour und erfährst viel über Land und Leute.    

Bei einem Einkaufszentrum kaufen wir uns grosse Sandwiches und verputzen sie draussen an einen Tisch sitzend. Ein Mann kommt zu uns und fragt, ob wir hiken. Wir erzählen ihm, dass wir nach Santa Cruz unterwegs sind. Für ihn ist es kein Problem, uns dort hinzubringen. Er geht schnell einkaufen und dann geht`s los. Nils wohnt in dieser Gegend und hält an jedem Spot an. So sehen wir die tollsten Küstenabschnitte, den Leuchtturm, den Redwood Wald und eine Frau, die hier immer wieder die Klippen und das Meer malt.  

Als wir wieder zurückkommen geht es ihm wieder besser, und wir wandern zum Auto zurück. Er fährt uns zu einem staatlichen Campingplatz. Gemeinsam suchen wir mit ihm mit dem Auto einen guten Zeltplatz und fahren danach wieder zum Eingang zurück, um zu zahlen. Danach fährt er uns wieder zum Zeltplatz zurück. Das macht man hier so auf dem grossen Areal. Dann müssen wir auf Wiedersehen sagen, wie üblich gibt’s wieder eine herzliche Umarmung und weg ist Nils. Nach dem Zelt aufstellen spazieren wir noch länger durch den Campingplatz und halten da und dort einen Schwatz. 

Nils fragt uns, ob wir mit ihm noch eine Wanderung machen würden, die er vor Jahren mal gemacht hat. Zum Glück sind wir mitgegangen. Zuerst geht es von der Küste immer hinauf. Leider hat er schon beim Bergauflaufen recht Probleme, er ist von einer Operation am Herzen gesundheitlich angeschlagen. Oben angekommen geht es in ein Tal mit einem Wald voll mit Redwood Bäumen. Wenn es trocken sei, werde dieser Wald mit Helikoptern bewässert, erzählt er. Nils macht dann ein Nickerchen und Andy und ich gehen im Wald spazieren. Für Andy als Zimmermann ist das ganz speziell, er arbeitet viel mit diesem Holz und steht jetzt vor diesen gigantischen Bäumen. 

12. Juni, Pacific Coast Trail, TAG 1, San Francisco Richtung Süden

Wir sagen Sara tschüss und steigen in einen Bus zur Golden Gate Bridge. Dort werden wir auf dem Küstentrail südlich Richtung Mexiko wandern. 

Im Touristencenter bei der Golden Gate Bridge haben wir uns die Karte vom Pacific Coast Trail besorgt und sind dann einfach der Küste nach Richtung Süden gewandert. Zuerst an der Insel mit dem Alcatraz-Gefängnis vorbei. Dann durch ein Villengebiet, vorbei an unglaublich riesigen Prunkhäusern. Völlig übertriebene Bauten, überall ist nur Reichtum zu sehen. Hier lebt wahrscheinlich die Elite des Landes. Der Gegensatz zu gestern ist extrem. 

Am Nachmittag essen wir an einer Strandpromenade zu Mittag. Ich liebe das Meer. Egal wo, ich könnte stundenlang sitzen und einfach nur zuhören wie die Wellen rauschen.

Es ist ein herrlicher Tag, nur um ein Schlafplatz zu finden wird es etwas schwieriger. Am Abend laufen wir einfach in ein privates Areal hinein. Es scheint eine Art Baumschule oder vielleicht auch ein Baugeschäft zu sein und ist riesengross. Wir gehen den Hang hinauf bis wir eine Stelle entdecken, wo wahrscheinlich in der Nacht niemand mehr vorbeikommt. Da zelten wir und hoffen, dass es gut kommt. Mit Privateigentum ist in den USA nicht zu spassen. Vielleicht könnten wir immer noch auf unwissende Touristen machen. Als Schweizer können wir uns vielleicht etwas mehr erlauben.

11. Juni, San Francisco

Morgens um 8 a.m. kommen wir in Sacramento an, in eine riesige Wartehalle. Von hier fahren die Busse in alle Richtungen weiter. Wir stellen uns in die «Line». Einer, auch ein Hiker, geht einfach nach vorne. Wir sagen, sicher ein deutscher Hiker. Er dreht sich um, er ist ein Schweizer. Er heisst Martin, ist aber nicht Medical. Er wird seinen Hike abrechen, Sara leider auch, sie werden beide von San Francisco in die Schweiz zurückfliegen. 

Unser Hostel in SF ist nicht gerade ein Schmuckstück, scheint hier auch nicht in der beste Gegend zu sein. Als Martin das Zimmer sieht, sagt er: nein, hier bleibe er nicht, er werde sich etwas anderes suchen. Wir anderen drei bleiben. Dies ist bis jetzt schon unsere schlechteste Unterkunft, aber was soll’s. Im Zimmer hat es zwei Betten, die Duschen sind im Gang. Die Eingangstüre des Hostels ist gesichert, das ist mal gut. 

Martin treffen wir später, er hat in einer besseren Strasse ein Zimmer gebucht. Wir gehen zusammen zur Kabelstrassenbahn und wollen mit ihr zum Hafen, den Fisherman Wharves, hinunterfahren, um dort etwas zu essen. Mit der historischen Kabelstrassenbahn den steilen Hang hinunter zu fahren finden wir interessant, es wird alles manuell bedient. Abwärts muss der Lokführer die Bremse von Hand betätigen, indem er einen riesigen Hebel umlegt. 

Die zwei Heimkehrer wollen zum Abschluss etwas Spezielles essen. Im Hafen wollen wir in einem bekannten Burgerladen essen gehen. Die Leute stehen in der Line an, das geht uns zu lange. Wir haben dann in einem anderen Restaurant auf der Terrasse mit Sicht aufs Meer supergut gegessen. Die Portionen waren ziemlich klein, dafür der Preis hoch. 

Zurück ins Hostel gingen wir wieder mit der Strassenbahn. Dann mussten wir noch einen Fussmarsch machen. Die vielen Obdachlosen hier sind extrem. Sie durchsuchen Abfallkübel und steigen in die Container, um etwas Essbares zu finden. Unglaublich. Wenn du solche Bilder siehst, kommt dir der Wahlspruch „Make America great again“ wie ein schlechter Witz vor. Es ist aber besser, ihnen nichts zu geben, wir laufen einfach vorbei in unser Hostel. Wenn mich in der Schweiz eine Person nach Münz fragt, überlege ich nicht einmal, sondern gebe einfach etwas. Jetzt bin ich froh, dass wir nicht gestylt daher kommen, so beachtet uns keiner.  Wir gehen gleich rein ins Hostel, in dieser Gegend würde ich am Abend nicht in den Ausgang gehen.

10. Juni, Ashland, Bus ab Medfort

Am Nachmittag haben wir alles eingepackt, wir wollen jetzt weiter. Made hat uns zum Busbahnhof nach Medfort gefahren. Zuerst sind wir noch bei Pia im Restaurant vorbei gegangen, um uns zu verabschieden. 

Am Bahnhof kommt Sara mit uns, um eine Fahrkarte zu lösen. Die Frau hinter dem Schalter war sicher über 80 Jahre alt, es hat unglaublich gedauert. Sie ist allein am Schalter und sooo langsam, egal wie lange die Schlange wird. Sie macht einfach eins ums andere und es nützt nichts, dass Sara ihr immer wieder die Angaben durchgibt, sie wird einfach nicht schneller. Die Tastatur bedient sie im Zeitlupentempo und mit Adlersystem. Zwischendurch muss sie auch noch das Telefon bedienen, dann beginnt sie wieder von vorne. Ich lehne mich an der Theke an, Sara ist am Verzweifeln, bald macht es Sara selber. Irgendwann ist die Dame beim letzten Schritt angelangt, da vertippt sie sich bei der Visanummer, also nochmals. Andy und ich amüsieren uns köstlich, Sara weniger, sie ist jetzt ganz die Schweizerin. Als die Dame hinter dem Schalter merkt, dass es klappt mit der Karte, zeigt sie Sara Daumen hoch. Sara sagt nichts mehr, wir lachen uns kaputt. 

Draussen hat Made gewartet bis wir die Tickets haben. Es fällt ihm nicht leicht, uns weiterziehen zu lassen. Wir müssen dann noch fast vier Stunden warten bis der Bus kommt. Dann geht`s weiter bis nach Sacramento, wo wir umsteigen nach San Francisco. An diesem Ort in der Nacht zu warten macht keinen Spass. Aber das Schlimmste ist dann nur eine Frau, die uns Drogen verkaufen will, sonst werden wir in Ruhe gelassen. Wir sind froh als der Bus kommt und dass er recht pünktlich ist.