Als wir am Morgen noch im Bett
lagen, gab es plötzlich einen Knall und es wackelte alles. Wir stürmten raus
auf die Veranda, aber uns war nicht klar, woher das kam. Wir frühstücken drum erst
mal vorne im Dorf.
Kaum waren wir auf den Weg fragte
uns ein älterer Herr, ob er uns zum
Parkplatz fahren kann, der gleich neben dem Weg ist, was wir selbstverständlich
mit «Ja» beantworteten.
Dieser Tag ging es recht gut mit Trampen.
Morgens sind wir immer in der Höhe gelaufen mit schöner Aussicht auf Big Bear
Lake. Es kam uns noch ein Paar entgegen, das in dieser Gegend wohnt, die uns fragten
ob, wir das Erdbeben heute Morgen auch gespürt hätten. Also doch!
Hier verlaufen ja diese zwei Platten
die pazifische Platte und die nordamerikanisch Platte, das nennt sich die
San-Andreas-Verwerfung.
Wir
sind denn ganzen Tag nur mit kleineren Pausen gelaufen. Nach einem Zero Day ist
man wieder sehr motiviert zum Laufen. Übernachtung im Zelt.
Richtig lange geschlafen, nach dem Duschen sind wir ins Dorf gelaufen, um ausgiebig zu frühstücken.
Wir werden immer wieder erstaunt
gefragt, ob wir den PCT hiken. Für die Amerikaner ist es schwer verständlich,
dass wir als Schweizer nach Amerika kommen, um zu hiken. Wir probieren es gar
nicht zu erklären, das wäre zu schwierig mit unseren Englischkenntnissen. Nach
dem Essen schlenderten wir zurück ins Hostel, um noch schnell die Kleider zu waschen
und überlegten, wie viel Proviant es für die nächsten Tage braucht. Auch wollen
wir einen leichteren Wasserfilter kaufen und unseren werden wir in der
Hiker-Box deponieren, er ist einfach zu schwer und das ewige Wasserpumpen ist viel
zu mühsam.
Mit Autostopp ins nächst gelegen Einkaufscenter gekommen. In Big Bear City hat es richtig gute Einkaufsmöglichkeiten. Es ist ja ein Skigebiet, im Winter wird es hier richtig viele Leute haben. Als wir auf der Strasse zum nächsten Geschäft liefen, kam der junge deutsche Hiker auf uns zu, er war völlig perplex uns hier zu sehen. Natürlich musste er wieder auf unserem Alter herumreiten, jetzt nervt es aber wirklich. Er meinte, wenn er so alt wie wir sei, fände er es super, wenn er noch so fit sei wie wir, unsere Kinder könnten stolz sein. Ich dachte, mir werde es gleich schlecht und Andy war auch ziemlich genervt. Also wirklich «warm» werden wir nicht mit ihm. Wir sind bei weitem nicht die Einzigen mit 50 Jahren, es hat nämlich noch weitere Leute in unserem Alter auf dem Trail.
Nachdem wir noch Besorgungen erledigt haben, fuhren wir mit dem Bus wieder zurück ins Hostel. Bus fahren ist wie eine Stadtrundfahrt, du siehst die ganze Gegend für zwei Dollar – gar nicht schlecht. Meist ist da auch jemand, der dir alles über die Gegend erzählt, die Leute sind recht offen.
Im Hostel alles vorbereitet für den
morgigen Tag und schnell noch nach Hause telefonieren, auch mal den Eltern. Es
ist erstaunlich wie alle sich über ein Telefonat freuen, wahrscheinlich fürchten
sie, wir würden hier in Amerika bleiben. Für uns geht hier die Zeit schnell
vorbei – jeden Tag ist etwas los. Das ist für uns einfacher als für sie.
Vielleicht machen sie sich auch Sorgen, wieso auch? Wir sind ja recht
vernünftig, finden wir. Was wohl unsere Tochter und unser Sohn dazu sagen
würden? Naja, ist ja auch schön, wenn sich jemand um dich sorgt.
Auf
der Veranda noch etwas getrunken und mit den Leuten vom Hostel geredet. In
unserem Zimmer war vor drei Tagen schon ein Schweizer, Trailname «Medical».
Hoffentlich werden wir ihn einmal auf dem Weg treffen. Er sei eher gemütlich
unterwegs, sagen sie.
Früh am Morgen aufgestanden und ohne Frühstück losgelaufen. Den Kaffee
haben wir am Vorabend schon gekocht. So können wir unterwegs kalten Kaffee
trinken, denn immer nur Wasser verleidet uns, Kaffee bringt etwas Abwechslung.
Nach etwa sechs Stunden Marsch gehen uns das Wasser und der Kaffee aus. An der Stelle, wo der Wasserrapport angibt, es sollte Wasser haben, ist alles leer. Nicht gut, wir hoffen, dass wir noch Wasser finden. Das wenige Wasser muss sonst reichen bis zur nächsten Wasserstelle.
Wir wandern und stossen plötzlich im Wald auf eine alte Polstergruppe
und einen Container, eine sehr grosse Hiker-Box. Ich traktiere die
Polstergruppe erst mal prophylaktisch mit dem Stock, man weiss ja nie, welche
Tiere darin hausen. Spring nichts raus, aber Vorsicht ist besser als Nachsicht.
Wir setzen uns aufs Sofa und trinken jede Menge Sodas und hauen Chips und Oreo-Kekse in uns rein. Wasser hatte es leider nicht in der Box. Nach einer längeren Pause müssen wir weiter.
So gegen 17 Uhr kommen wir an einen Parkplatz. Ein Mann mit Auto ist da und wir fragen ihn, ob er uns vielleicht nach Big Bear City fahren würde. Er war gleich einverstanden und wusste ein gutes Hostel, in dem Hiker willkommen sind. Hiker sind das nicht immer, weil sie dreckig sind, oft stinken und die Kleider im Zimmer waschen.
Der Mann lebt in seinem Auto, hinten hat er einfach eine Matratze
reingelegt, das Auto war seine Wohnung. Es war aber kein Wohnmobil nur ein
Jeep. Er brachte uns zum Hostel und wir versuchten erfolglos ihm etwas für die
Fahrt zu zahlen.
Das Hostel gab uns das Waschbären-Zimmer, die Deko waren
Waschbärenbilder. 18 Waschbärbilder in einem Raum, das ist sehr speziell, aber
herzig. Dafür stand auf der Veranda eine komplette Grillausrüstung mit allem
Drum und Dran zum grillieren. Wir zogen gleich los, um uns im Village ein Riesenstück
Fleisch, Bier und Gemüse zu holen – heute gibt’s Barbecue. Das wäre super
gewesen, aber als wir das Gas aufdrehen wollten, war da keine Flasche. Dann
haben wir das Fleisch mit unserem Benzinkocher gebraten, hat auch funktioniert,
sah aber bestimmt komisch aus.
Wir tranken noch gemütlich
ein Bier auf der Veranda und gingen dann ins Bett. Leider übernachtete neben
uns eine Familie mit Baby, man hörte einfach alles. Privatsphäre gleich null.
Tagwach um 5 Uhr, das wären wir uns ja mittlerweile gewohnt, aber wir haben
nicht so gut geschlafen. In der Nacht windete es heftig und irgendwann spät
sind noch Hiker vorbeigegangen.
Der Weg ist viel durch den Wald, aber schlecht und ein ständiges Auf und
Ab. Einmal verlieren wir den Weg, weil er abgerutscht ist, und müssen durchs
Dickicht gehen, was uns gar nicht gefällt. Mit dem GPS finden wir den Weg wieder
und da sehen wir auf dem Weg vor uns eine Schlange, die wir noch nicht kennen. Wir
filmen und fotografieren sie, damit wir nachfragen können. Nicht viel weiter
treffen wir noch auf eine schöne Klapperschlange. Ich finde, für heute reicht es
jetzt mit Schlangen.
Während einer Pause kam ein Hiker vorbei, «Sweet Carolian» war sein
Trailname. Er sagte, jene Schlange wäre überhaupt nicht gefährlich, er hätte
sie in den Rucksack getan. Wofür auch immer, wollte ich gar nicht wissen.
Dann gingen wir noch weiter bis wir durch ein Waldbrandgebiet kamen, der
San Bernardino-Nationalpark sah nicht schön aus. Im Tal unten ist es recht
feucht und es hat stehendes Wasser auf dem Waldboden, also schnell da noch etwas
kochen und essen. Hier können wir auch zelten, denn zwischen den Bäumen hat es genug
Platz.
Am späten Abend treffen wir noch drei Hiker, eine Schwester und ihr Bruder mit dessen Tochter, die auch zum Zelten bleiben. Sie
werden nur einen Teil des PCT-Trails gehen, es sei zu anstrengend für sie. Alle
drei haben einen riesigen Rucksack dabei. Mit diesem Gewicht hätten wir schon
lange aufgegeben, unsere Füsse schmerzen schon mit weniger Gewicht auf dem
Rücken.
Am anderen Morgen laufen
wir langsam los bis alles ein wenig warmgelaufen ist. Die Blasen an meinen Füssen sind mal besser und
wieder schlechter, aber ich habe langsam das Gefühl die gehen nicht weg. Andy
hat immer noch keine Blasen, er sagt „Für was brauche ich Blasen, die tun doch
nur weh.“
Erst etwa um 6 Uhr aufgestanden. Die 14 Stunden Marsch vom gestrigen Tag
hatten uns geschafft und die Füsse schmerzen. Heute laufen wir quer durch ein trockenes
Tal, kein Wölkchen am Himmel. Bei der Interstate 10 gibt es eine Hiker-Box
unter der Brücke, hier hat es Riegel, Früchte, Getränke und natürlich Wasser. Da
machen wir eine grössere Pause, essen, trinken und füllen noch unsere Wasserbehälter
auf.
Circa um 10 Uhr kommen wir aus dem Schatten der Brücke hervor und ziehen
weiter. Es ist schon recht heiss, aber zum Glück nicht wirklich anstrengend.
Der erste Windpark kommt und danach geht der Weg wieder auf den Berg, richtig streng
hinauf. Oben angekommen setzen wir uns erst einmal hin und gucken ins karge Tal
hinunter und natürlich wo unser Weg weiter geht. Wir müssen jetzt wieder runter
und dann lange im Tal nach vorne. Wir sehen von Weitem einen Fluss im Talboden.
Schnell nach unten, um zu baden und eine ausgiebige Pause machen.
So gegen 16 Uhr laufen wir wieder los, immer leicht ansteigend bis in
den Abend. Als es anfängt zu dämmern stellen wir mit einiger Mühe das Zelt auf.
Der Wind hier oben bläst so stark, dass wir die Heringe mit Steinen beschweren,
damit es hält. Normalerweise gehen wir eher runter vom Bergkamm zum zelten. Wir
gehen gleich ins Zelt um zu schlafen.
Wieder stehen wir um 5 Uhr auf und frühstücken zuerst. Wir überholen in
der Frühe die anderen Hiker, die noch am Schlafen sind. Nach einer Weile den Hang
hinunter, können wir erkennen, wo der Weg über die Fläche zum nächsten Tal
führt. Von hier aus können wir die Autos sehen, die im Tal unterwegs sind, sie wirken
extrem klein. Doch der Trail schlängelt sich unendlich im Hang hin und her und
wir verlieren nur sehr langsam an Höhe.
Um 8 Uhr schätzte Andy, dass wir um 10 Uhr unten sein werden. Ich dachte,
so lange werden wir nicht brauchen. Um 10 Uhr dachten wir, wir werden noch
verrückt, aber spätestens um 12 Uhr sind wir unten. Um 12 Uhr fand ich, dass es
sich jetzt nicht lohne etwas zu essen, weil wir sicher in spätestens zwei
Stunden unten sein werden und dort wird es auch Wasser haben, um zu kochen. Wir
liefen dann den ganzen Nachmittag weiter am Hang hin und her. Unten angekommen
sind wir um 19:30 Uhr, der pure Wahnsinn.
An einer Stelle dachten wir, wir könnten einfach gerade hinunter durch
Gras und Gebüsche gehen, das etwa kniehoch war. Das liessen wir aber schnell
bleiben. Andy ging voraus, ich war etwa 1 Meter dahinter. Als er um einen Stein
bog, war da nämlich eine Klapperschlange zuhause. Ein recht schöne, aber die
war nicht gut drauf. Die Schlange bäumte sich auf und klapperte wie wild. So
erschrocken bin ich noch nie, da merkt man seinen Herzschlag noch eine Weile
und ist froh, dass nichts passiert ist. Wir konnten grad noch so an ihr vorbei.
Wir hätten gerne ein Foto gemacht, aber wegen ihrer miesen Laune hat es Andy
bleiben lassen.
Lieber keine Abkürzung, jetzt wieder immer schön dem Weg nach. Unsere Füsse
schmerzen, die Nerven lagen blank und wir mussten das eine und andere Mal Dampf
ablassen.
Am Abend kamen auch die
anderen Hiker an, alle waren völlig fertig. Die einen gingen ins nächste Dorf
und Sebastian telefonierte seiner Frau, er hatte genug vom hiken. Wir waren so fertig,
dass wir gleich beim Wasser übernachten.
Am Morgen sind wir noch einmal duschen, und dann ins Dorf richtig fein frühstücken gegangen. Ab jetzt können wir wieder auf dem Trail gehen. Das heutige Ziel ist der Gipfel von Mount San Jacinto, auf 3’302 Meter Höhe. Das Wetter ist sonnig, der Weg mehrheitlich im Nadelwald.
Der Summit Trail steigt ziemlich an und wir stossen auf ersten Schnee. Wir
finden es toll, endlich Schnee zu haben.
Sebastian, ein Hiker aus New York, aber aufgewachsen in Deutschland, machte
Fotos von uns. Es geht immer steiler bergauf, und da hat’s richtig viel Schnee.
Zum Glück haben wir die Mikro-Spikes gekauft, denn die Steigung ist recht
streng. Sebastian hat keine dabei. Er bleibt zurück und überlegt sich, ob er
umkehren soll.
Wir kämpfen uns weiter und überholen sogar jemand. Ein Ehepaar aus Malta, die rutschen arg auf dem Schnee. Nur mit Trail-Schuhen ist das kein Vergnügen. Mit den Mikro-Spikes geht es besser, obwohl sie weniger griffig sind als Steigeisen. Wir fragen uns, ob wir den Gipfel schaffen. Zum Glück haben wir ein GPS, denn der Weg ist jetzt komplett unter dem Schnee. Wir müssen ihn ständig suchen, aber so geht es einigermassen. Mit dem Gipfel aber wird’s nichts. Es wird natürlich etwas später bis wir einen guten Platz gefunden haben zum Übernachten. Wir sind auf dem Weg, der vom Berg runter geht, ringsum geht’s steil bergab, wir sind glücklich über den Platz.
Als wir uns eingerichtet haben kommt Sebastian mit einem anderen Hiker vorbei. Der Platz ist leider sehr klein, sonst hätten wir hier alle zusammen zelten können. Sebastian meinte lakonisch „Swiss First“ und wir lachten. Dieser Spruch ist bei den Hikern gut angekommen. Wir hoffen, dass das Paar aus Malta auch noch vorbeikommt. Erst als wir schon im Zelt sind kommen sie erschöpft und genervt bei uns vorbei. Ohne Navi muss man einfach den Spuren folgen, aber man weiss nicht, welches die richtige Spur ist. Sie suchen sich auch schnell einen Platz und wir gehen endgültig schlafen. Mit unseren Schlafsäcken frieren wir nicht.
Am Morgen sind wir früh aufgestanden, haben schnell einen Kaffee getrunken und sind losgezogen. Heute werden wir bis Idyllwild gehen. An diesem Weg liegt das Paradise Cafe, aber bis dahin wird es noch dauern.
Neben Büschen hat es immer mehr Kakteen, verschiedene und grosse Arten. Um 14 Uhr sind wir beim Café Paradise angekommen, es hatte richtig viele Leute, auch einige Hiker. Wir bestellten einen riesigen Burger und tranken Coke bis zum Abwinken. Zum Glück sassen wir mit zwei anderen Hikern zusammen, die schlugen auch ordentlich zu.
Wir erfahren, dass die Strecke nach Idyllwild wegen Waldbrand
geschlossen ist. Entweder man geht zu Fuss auf der Strasse weiter oder – vielleicht
haben wir Glück – und es nimmt uns jemand mit. Auf der Strasse zu gehen ist für
uns keine Option. Das ist zu gefährlich und wäre auch für die Füsse nicht gut. Es
ist ein erheblicher Unterschied, ob man auf Asphalt oder Sandboden läuft.
Wir konnten mit zwei anderen Hikern in einen geschlossenen Pickup steigen,
hinten auf die Ladebrücke. Der Fahrer hatte einen fürchterlichen Fahrstil und ist
wirklich gefahren wie ein Verrückter. Also Autofahren ist echt gefährlicher als
hiken. Die anderen zwei wollten dann in ein Hotel, wir auf den örtlichen
Zeltplatz.
Beim Aussteigen kam gleich ein Ranger zu uns. Er war nicht begeistert, als er sah mit wem wir ankamen. Der Fahrer war wohl dem Ranger bekannt. Wir waren auch schlecht drauf, nach dem üppigen Essen war diese Fahrt nicht das Wahre für unseren Magen. Ab jetzt werden wir beim Autostopp zuerst genauer hinschauen und nicht gleich einsteigen, egal wie nett wir gefragt werden, ob wir eine Mitfahrgelegenheit brauchen.
Der Campground hat alles was man braucht: eine geniale WC-Anlage mit warmer Dusche, Waschmaschine zum Kleider waschen und einkaufen kann man im Dörfchen. Schnell unser Zelt aufstellen und dann richtig lange duschen. Das ist das Beste nach mehreren Tagen wandern: eine warme Dusche.
Frisch geduscht gehen wir noch ins Dörfchen, wo es ein Geschäft für Outdoor hat. Nichts wie los, mal schauen, ob wir neue Trail-Schuhe finden. Im Outdoor-Laden wurden wir sehr gut beraten. Der Verkäufer wusste genau, welche Trail-Schuhe ich brauche und hat uns gleich noch Mikro-Spikes verkauft. Das sind eine Art Gummiketten, die man über die Sohlen streift. Damit ist es einfacher auf hartem Schnee zu gehen, der angeblich noch nicht weggetaut ist.
Dann essen wir noch etwas und telefonieren wieder nach Hause. Auf dem Campingplatz sitzen wir noch mit anderen Hikern zusammen und trinken etwas Wein mit ihnen. Irgendwann sind alle schlafen gegangen.
Tagwach um 5 Uhr. Wegen der drohenden Hitze sind wir gleich mit der Stirnlampe losgelaufen. Zuerst ging’s immer hinauf, San Felipe Hills, zum Glück nicht zu steil. Oben dann eine super Landschaft mit riesigen Steinen. Es sieht aus wie in einem Westernfilm. Jetzt noch ein Cowboy auf einem Mustang, das wäre perfekt.
Wir machten uns das Frühstück und sogen die Landschaft in uns auf. Den ganzen Tag haben wir niemanden gesehen. Hier scheint auch nichts zu sein, alles einfach eine riesige Weite. Eine sehr trockene Gegend und es war richtig heiss. Wieder einmal entdecken wir eine Schlange gleich neben dem Weg. Man erschrickt jedes Mal, wenn es rasselt neben dem Weg. Etwa um 18 Uhr haben wir Feierabend gemacht und unser Lager aufgebaut.
Tagwach wieder
um 5 Uhr. Heute sind wir nicht so motiviert aufgestanden, der gestrige Tag
beschäftigt uns schon noch. Wir glauben nicht mehr so recht, dass es möglich
ist diese Strecke zu meistern. Schlechte Stimmung, so wandern wir heute recht
schweigsam hintereinander her bis zur Steinformation Eagle Rock.
Andy will
weiterlaufen. Wir haben dann ein wenig diskutiert, dann läuft er einfach weiter.
Das ist mir jetzt egal, ich biege ab zu den Felsen, die aussehen wie ein Adler.
Nach einer Weile kommt auch Andy, er ist etwas sauer, weil ich einfach
weglaufen bin. Darauf sage ich, er soll mal schauen was wir verpasst hätten. Als
er den Adler sieht, ist er begeistert und alles wieder Ok.
Wir lassen
unsere schlechte Laune hinter uns, wollen schnell zum Campground Warner Springs.
Dort soll es eine warme Dusche haben, das ist genug Motivation. Wir gehen über
eine riesige Wiese, dann geht es in ein Tal hinunter, immer am Bach entlang bis
Warner Springs.
Bei der Strasse
zum Campground steht ein Polizist mit seinem schwarzen fetten Fahrzeug auf dem
Parkplatz. Er fragt uns, ob wir nach vorne ins Restaurant oder auf die Post
müssen. Der Polizist war an Freundlichkeit nicht zu übertreffen. Die Rucksäcke deponieren wir beim Camping-Empfang
und lassen uns gerne zum Essen fahren. Als wir auf dem
Rücksitz sitzen, fragen wir ihn, ob wir ein Foto machen dürfen. Natürlich dürften
wir. Also, schnell ein Selfie machen, das werden wir nach Hause schicken, wird
sicher für Diskussionen sorgen.
Nach dem Essen sind wir wieder richtig gut drauf. Zurück müssen wir gehen,
aber es ist nicht weit zum Campground. Hier hat es viele Hiker und ich bin
nicht die Einzige mit Blasen an den Füssen oder anderen Blessuren. Einige geben
auf oder nehmen sich eine Auszeit vom Trail. Wir wollen jetzt warm duschen,
dafür muss man etwas bezahlen und bekommt ein Badetuch. Die Duschen sind einfache
Bretterabteile hinter dem Haus. Wasser in die Eimer und damit duschen, so geht
das hier. In der Dusche sitzt auf dem Ablauf eine fette Kröte, die unter das
Haus verschwindet. Auf der Mauer sitzt etwas wie ein Salamander, nur grösser,
der bleibt erst noch. Andy ruft, es komme ein Hase. Auch der verschwindet unters
Haus. Solange keine Schlange kommt, ist mir das egal. Wir waschen unsere
Kleider. Gleich nebenan kann man die Kleider aufhängen, die sind in einer
Stunde sicher trocken.
Noch nach Hause telefonieren, das tut richtig gut, wieder einmal „Schwitzerdütsch“
reden und hören, wie es zuhause geht. Dann tauschen wir uns mit einigen Hikern
aus und verschicken die Fotos an Freunde. Auf unser Selfie kommt prompt die
Reaktion, was wir jetzt wieder angestellt hätten.
Hier wird anscheinend noch eine richtige Party steigen, für uns ist das
nichts. Es wird recht viel gekifft und Alkohol getrunken. Wir laufen weiter in
den Abend bis wir zu einem Platz mit Bach kamen. Zelt aufstellen und dann
gleich ins Bett.