TAG 15, 20. April, Meile 263

Als wir am Morgen noch im Bett lagen, gab es plötzlich einen Knall und es wackelte alles. Wir stürmten raus auf die Veranda, aber uns war nicht klar, woher das kam. Wir frühstücken drum erst mal vorne im Dorf.

Kaum waren wir auf den Weg fragte uns ein älterer Herr, ob er uns  zum Parkplatz fahren kann, der gleich neben dem Weg ist, was wir selbstverständlich mit «Ja» beantworteten.

Dieser Tag ging es recht gut mit Trampen. Morgens sind wir immer in der Höhe gelaufen mit schöner Aussicht auf Big Bear Lake. Es kam uns noch ein Paar entgegen, das in dieser Gegend wohnt, die uns fragten ob, wir das Erdbeben heute Morgen auch gespürt hätten. Also doch!

Hier verlaufen ja diese zwei Platten die pazifische Platte und die nordamerikanisch Platte, das nennt sich die San-Andreas-Verwerfung. Wir sind denn ganzen Tag nur mit kleineren Pausen gelaufen. Nach einem Zero Day ist man wieder sehr motiviert zum Laufen. Übernachtung im Zelt.

Zero Day, 19. April, Big Bear City

Richtig lange geschlafen, nach dem Duschen sind wir ins Dorf gelaufen, um ausgiebig zu frühstücken.

Wir werden immer wieder erstaunt gefragt, ob wir den PCT hiken. Für die Amerikaner ist es schwer verständlich, dass wir als Schweizer nach Amerika kommen, um zu hiken. Wir probieren es gar nicht zu erklären, das wäre zu schwierig mit unseren Englischkenntnissen. Nach dem Essen schlenderten wir zurück ins Hostel, um noch schnell die Kleider zu waschen und überlegten, wie viel Proviant es für die nächsten Tage braucht. Auch wollen wir einen leichteren Wasserfilter kaufen und unseren werden wir in der Hiker-Box deponieren, er ist einfach zu schwer und das ewige Wasserpumpen ist viel zu mühsam.

Mit Autostopp ins nächst gelegen Einkaufscenter gekommen. In Big Bear City hat es richtig gute Einkaufsmöglichkeiten. Es ist ja ein Skigebiet, im Winter wird es hier richtig viele Leute haben. Als wir auf der Strasse zum nächsten Geschäft liefen, kam der junge deutsche Hiker auf uns zu, er war völlig perplex uns hier zu sehen. Natürlich musste er wieder auf unserem Alter herumreiten, jetzt nervt es aber wirklich. Er meinte, wenn er so alt wie wir sei, fände er es super, wenn er noch so fit sei wie wir, unsere Kinder könnten stolz sein. Ich dachte, mir werde es gleich schlecht und Andy war auch ziemlich genervt. Also wirklich «warm» werden wir nicht mit ihm. Wir sind bei weitem nicht die Einzigen mit 50 Jahren, es hat nämlich noch weitere Leute in unserem Alter auf dem Trail.

Nachdem wir noch Besorgungen erledigt haben, fuhren wir mit dem Bus wieder zurück ins Hostel. Bus fahren ist wie eine Stadtrundfahrt, du siehst die ganze Gegend für zwei Dollar – gar nicht schlecht. Meist ist da auch jemand, der dir alles über die Gegend erzählt, die Leute sind recht offen.

Im Hostel alles vorbereitet für den morgigen Tag und schnell noch nach Hause telefonieren, auch mal den Eltern. Es ist erstaunlich wie alle sich über ein Telefonat freuen, wahrscheinlich fürchten sie, wir würden hier in Amerika bleiben. Für uns geht hier die Zeit schnell vorbei – jeden Tag ist etwas los. Das ist für uns einfacher als für sie. Vielleicht machen sie sich auch Sorgen, wieso auch? Wir sind ja recht vernünftig, finden wir. Was wohl unsere Tochter und unser Sohn dazu sagen würden? Naja, ist ja auch schön, wenn sich jemand um dich sorgt. Auf der Veranda noch etwas getrunken und mit den Leuten vom Hostel geredet. In unserem Zimmer war vor drei Tagen schon ein Schweizer, Trailname «Medical». Hoffentlich werden wir ihn einmal auf dem Weg treffen. Er sei eher gemütlich unterwegs, sagen sie.

TAG 14, 18. April, Meile 240

Früh am Morgen aufgestanden und ohne Frühstück losgelaufen. Den Kaffee haben wir am Vorabend schon gekocht. So können wir unterwegs kalten Kaffee trinken, denn immer nur Wasser verleidet uns, Kaffee bringt etwas Abwechslung.

Nach etwa sechs Stunden Marsch gehen uns das Wasser und der Kaffee aus. An der Stelle, wo der Wasserrapport angibt, es sollte Wasser haben, ist alles leer. Nicht gut, wir hoffen, dass wir noch Wasser finden. Das wenige Wasser muss sonst reichen bis zur nächsten Wasserstelle.

Wir wandern und stossen plötzlich im Wald auf eine alte Polstergruppe und einen Container, eine sehr grosse Hiker-Box. Ich traktiere die Polstergruppe erst mal prophylaktisch mit dem Stock, man weiss ja nie, welche Tiere darin hausen. Spring nichts raus, aber Vorsicht ist besser als Nachsicht.

Wir setzen uns aufs Sofa und trinken jede Menge Sodas und hauen Chips und Oreo-Kekse in uns rein. Wasser hatte es leider nicht in der Box. Nach einer längeren Pause müssen wir weiter.

So gegen 17 Uhr kommen wir an einen Parkplatz. Ein Mann mit Auto ist da und wir fragen ihn, ob er uns vielleicht nach Big Bear City fahren würde. Er war gleich einverstanden und wusste ein gutes Hostel, in dem Hiker willkommen sind. Hiker sind das nicht immer, weil sie dreckig sind, oft stinken und die Kleider im Zimmer waschen.

Der Mann lebt in seinem Auto, hinten hat er einfach eine Matratze reingelegt, das Auto war seine Wohnung. Es war aber kein Wohnmobil nur ein Jeep. Er brachte uns zum Hostel und wir versuchten erfolglos ihm etwas für die Fahrt zu zahlen.

Das Hostel gab uns das Waschbären-Zimmer, die Deko waren Waschbärenbilder. 18 Waschbärbilder in einem Raum, das ist sehr speziell, aber herzig. Dafür stand auf der Veranda eine komplette Grillausrüstung mit allem Drum und Dran zum grillieren. Wir zogen gleich los, um uns im Village ein Riesenstück Fleisch, Bier und Gemüse zu holen – heute gibt’s Barbecue. Das wäre super gewesen, aber als wir das Gas aufdrehen wollten, war da keine Flasche. Dann haben wir das Fleisch mit unserem Benzinkocher gebraten, hat auch funktioniert, sah aber bestimmt komisch aus. Wir tranken noch gemütlich ein Bier auf der Veranda und gingen dann ins Bett. Leider übernachtete neben uns eine Familie mit Baby, man hörte einfach alles. Privatsphäre gleich null.

TAG 13, 17. April, Meile 227

Tagwach um 5 Uhr, das wären wir uns ja mittlerweile gewohnt, aber wir haben nicht so gut geschlafen. In der Nacht windete es heftig und irgendwann spät sind noch Hiker vorbeigegangen.

Der Weg ist viel durch den Wald, aber schlecht und ein ständiges Auf und Ab. Einmal verlieren wir den Weg, weil er abgerutscht ist, und müssen durchs Dickicht gehen, was uns gar nicht gefällt. Mit dem GPS finden wir den Weg wieder und da sehen wir auf dem Weg vor uns eine Schlange, die wir noch nicht kennen. Wir filmen und fotografieren sie, damit wir nachfragen können. Nicht viel weiter treffen wir noch auf eine schöne Klapperschlange. Ich finde, für heute reicht es jetzt mit Schlangen.

Während einer Pause kam ein Hiker vorbei, «Sweet Carolian» war sein Trailname. Er sagte, jene Schlange wäre überhaupt nicht gefährlich, er hätte sie in den Rucksack getan. Wofür auch immer, wollte ich gar nicht wissen.

Dann gingen wir noch weiter bis wir durch ein Waldbrandgebiet kamen, der San Bernardino-Nationalpark sah nicht schön aus. Im Tal unten ist es recht feucht und es hat stehendes Wasser auf dem Waldboden, also schnell da noch etwas kochen und essen. Hier können wir auch zelten, denn zwischen den Bäumen hat es genug Platz.

Am späten Abend treffen wir noch drei Hiker, eine Schwester und ihr Bruder mit dessen Tochter, die auch zum Zelten bleiben. Sie werden nur einen Teil des PCT-Trails gehen, es sei zu anstrengend für sie. Alle drei haben einen riesigen Rucksack dabei. Mit diesem Gewicht hätten wir schon lange aufgegeben, unsere Füsse schmerzen schon mit weniger Gewicht auf dem Rücken. Am anderen Morgen laufen wir langsam los bis alles ein wenig warmgelaufen ist. Die Blasen an meinen Füssen sind mal besser und wieder schlechter, aber ich habe langsam das Gefühl die gehen nicht weg. Andy hat immer noch keine Blasen, er sagt „Für was brauche ich Blasen, die tun doch nur weh.“

TAG 12, 16. April, Meile 210

Erst etwa um 6 Uhr aufgestanden. Die 14 Stunden Marsch vom gestrigen Tag hatten uns geschafft und die Füsse schmerzen. Heute laufen wir quer durch ein trockenes Tal, kein Wölkchen am Himmel. Bei der Interstate 10 gibt es eine Hiker-Box unter der Brücke, hier hat es Riegel, Früchte, Getränke und natürlich Wasser. Da machen wir eine grössere Pause, essen, trinken und füllen noch unsere Wasserbehälter auf.

Circa um 10 Uhr kommen wir aus dem Schatten der Brücke hervor und ziehen weiter. Es ist schon recht heiss, aber zum Glück nicht wirklich anstrengend. Der erste Windpark kommt und danach geht der Weg wieder auf den Berg, richtig streng hinauf. Oben angekommen setzen wir uns erst einmal hin und gucken ins karge Tal hinunter und natürlich wo unser Weg weiter geht. Wir müssen jetzt wieder runter und dann lange im Tal nach vorne. Wir sehen von Weitem einen Fluss im Talboden. Schnell nach unten, um zu baden und eine ausgiebige Pause machen.

So gegen 16 Uhr laufen wir wieder los, immer leicht ansteigend bis in den Abend. Als es anfängt zu dämmern stellen wir mit einiger Mühe das Zelt auf. Der Wind hier oben bläst so stark, dass wir die Heringe mit Steinen beschweren, damit es hält. Normalerweise gehen wir eher runter vom Bergkamm zum zelten. Wir gehen gleich ins Zelt um zu schlafen.

TAG 11, 15. April, Mount San Jacinto, Meile 200

Wieder stehen wir um 5 Uhr auf und frühstücken zuerst. Wir überholen in der Frühe die anderen Hiker, die noch am Schlafen sind. Nach einer Weile den Hang hinunter, können wir erkennen, wo der Weg über die Fläche zum nächsten Tal führt. Von hier aus können wir die Autos sehen, die im Tal unterwegs sind, sie wirken extrem klein. Doch der Trail schlängelt sich unendlich im Hang hin und her und wir verlieren nur sehr langsam an Höhe.

Um 8 Uhr schätzte Andy, dass wir um 10 Uhr unten sein werden. Ich dachte, so lange werden wir nicht brauchen. Um 10 Uhr dachten wir, wir werden noch verrückt, aber spätestens um 12 Uhr sind wir unten. Um 12 Uhr fand ich, dass es sich jetzt nicht lohne etwas zu essen, weil wir sicher in spätestens zwei Stunden unten sein werden und dort wird es auch Wasser haben, um zu kochen. Wir liefen dann den ganzen Nachmittag weiter am Hang hin und her. Unten angekommen sind wir um 19:30 Uhr, der pure Wahnsinn.

An einer Stelle dachten wir, wir könnten einfach gerade hinunter durch Gras und Gebüsche gehen, das etwa kniehoch war. Das liessen wir aber schnell bleiben. Andy ging voraus, ich war etwa 1 Meter dahinter. Als er um einen Stein bog, war da nämlich eine Klapperschlange zuhause. Ein recht schöne, aber die war nicht gut drauf. Die Schlange bäumte sich auf und klapperte wie wild. So erschrocken bin ich noch nie, da merkt man seinen Herzschlag noch eine Weile und ist froh, dass nichts passiert ist. Wir konnten grad noch so an ihr vorbei. Wir hätten gerne ein Foto gemacht, aber wegen ihrer miesen Laune hat es Andy bleiben lassen.

Lieber keine Abkürzung, jetzt wieder immer schön dem Weg nach. Unsere Füsse schmerzen, die Nerven lagen blank und wir mussten das eine und andere Mal Dampf ablassen. Am Abend kamen auch die anderen Hiker an, alle waren völlig fertig. Die einen gingen ins nächste Dorf und Sebastian telefonierte seiner Frau, er hatte genug vom hiken. Wir waren so fertig, dass wir gleich beim Wasser übernachten.

TAG 10, 14. April, Meile 170, erster Schnee

Am Morgen sind wir noch einmal duschen, und dann ins Dorf richtig fein frühstücken gegangen. Ab jetzt können wir wieder auf dem Trail gehen. Das heutige Ziel ist der Gipfel von Mount San Jacinto, auf 3’302 Meter Höhe. Das Wetter ist sonnig, der Weg mehrheitlich im Nadelwald.

Der Summit Trail steigt ziemlich an und wir stossen auf ersten Schnee. Wir finden es toll,  endlich Schnee zu haben. Sebastian, ein Hiker aus New York, aber aufgewachsen in Deutschland, machte Fotos von uns. Es geht immer steiler bergauf, und da hat’s richtig viel Schnee. Zum Glück haben wir die Mikro-Spikes gekauft, denn die Steigung ist recht streng. Sebastian hat keine dabei. Er bleibt zurück und überlegt sich, ob er umkehren soll.

Wir kämpfen uns weiter und überholen sogar jemand. Ein Ehepaar aus Malta, die rutschen arg auf dem Schnee. Nur mit Trail-Schuhen ist das kein Vergnügen. Mit den Mikro-Spikes geht es besser, obwohl sie weniger griffig sind als Steigeisen. Wir fragen uns, ob wir den Gipfel schaffen. Zum Glück haben wir ein GPS, denn der Weg ist jetzt komplett unter dem Schnee. Wir müssen ihn ständig suchen, aber so geht es einigermassen. Mit dem Gipfel aber wird’s nichts. Es wird natürlich etwas später bis wir einen guten Platz gefunden haben zum Übernachten. Wir sind auf dem Weg, der vom Berg runter geht, ringsum geht’s steil bergab, wir sind glücklich über den Platz.

Als wir uns eingerichtet haben kommt Sebastian mit einem anderen Hiker vorbei. Der Platz ist leider sehr klein, sonst hätten wir hier alle zusammen zelten können. Sebastian meinte lakonisch „Swiss First“ und wir lachten. Dieser Spruch ist bei den Hikern gut angekommen. Wir hoffen, dass das Paar aus Malta auch noch vorbeikommt. Erst als wir schon im Zelt sind kommen sie erschöpft und genervt bei uns vorbei. Ohne Navi muss man einfach den Spuren folgen, aber man weiss nicht, welches die richtige Spur ist. Sie suchen sich auch schnell einen Platz und wir gehen endgültig schlafen. Mit unseren Schlafsäcken frieren wir nicht.

TAG 9, 13. April, Idyllwild, Meile 152

Am Morgen sind wir früh aufgestanden, haben schnell einen Kaffee getrunken und sind losgezogen. Heute werden wir bis Idyllwild gehen. An diesem Weg liegt das Paradise Cafe, aber bis dahin wird es noch dauern.

Neben Büschen hat es immer mehr Kakteen, verschiedene und grosse Arten. Um 14 Uhr sind wir beim Café Paradise angekommen, es hatte richtig viele Leute, auch einige Hiker. Wir bestellten einen riesigen Burger und tranken Coke bis zum Abwinken. Zum Glück sassen wir mit zwei anderen Hikern zusammen, die schlugen auch ordentlich zu.

Wir erfahren, dass die Strecke nach Idyllwild wegen Waldbrand geschlossen ist. Entweder man geht zu Fuss auf der Strasse weiter oder – vielleicht haben wir Glück – und es nimmt uns jemand mit. Auf der Strasse zu gehen ist für uns keine Option. Das ist zu gefährlich und wäre auch für die Füsse nicht gut. Es ist ein erheblicher Unterschied, ob man auf Asphalt oder Sandboden läuft.

Wir konnten mit zwei anderen Hikern in einen geschlossenen Pickup steigen, hinten auf die Ladebrücke. Der Fahrer hatte einen fürchterlichen Fahrstil und ist wirklich gefahren wie ein Verrückter. Also Autofahren ist echt gefährlicher als hiken. Die anderen zwei wollten dann in ein Hotel, wir auf den örtlichen Zeltplatz.

Beim Aussteigen kam gleich ein Ranger zu uns. Er war nicht begeistert, als er sah mit wem wir ankamen. Der Fahrer war wohl dem Ranger bekannt. Wir waren auch schlecht drauf, nach dem üppigen Essen war diese Fahrt nicht das Wahre für unseren Magen. Ab jetzt werden wir beim Autostopp zuerst genauer hinschauen und nicht gleich einsteigen, egal wie nett wir gefragt werden, ob wir eine Mitfahrgelegenheit brauchen.

Der Campground hat alles was man braucht: eine geniale WC-Anlage mit warmer Dusche, Waschmaschine zum Kleider waschen und einkaufen kann man im Dörfchen. Schnell unser Zelt aufstellen und dann richtig lange duschen. Das ist das Beste nach mehreren Tagen wandern: eine warme Dusche.

Frisch geduscht gehen wir noch ins Dörfchen, wo es ein Geschäft für Outdoor hat. Nichts wie los, mal schauen, ob wir neue Trail-Schuhe finden. Im Outdoor-Laden wurden wir sehr gut beraten. Der Verkäufer wusste genau, welche Trail-Schuhe ich brauche und hat uns gleich noch Mikro-Spikes verkauft. Das sind eine Art Gummiketten, die man über die Sohlen streift. Damit ist es einfacher auf hartem Schnee zu gehen, der angeblich noch nicht weggetaut ist.

Dann essen wir noch etwas und telefonieren wieder nach Hause. Auf dem Campingplatz sitzen wir noch mit anderen Hikern zusammen und trinken etwas Wein mit ihnen. Irgendwann sind alle schlafen gegangen.

TAG 8, 12. April, Warner Springs, Meile 118

Tagwach um 5 Uhr. Wegen der drohenden Hitze sind wir gleich mit der Stirnlampe losgelaufen. Zuerst ging’s immer hinauf, San Felipe Hills, zum Glück nicht zu steil. Oben dann eine super Landschaft mit riesigen Steinen. Es sieht aus wie in einem Westernfilm. Jetzt noch ein Cowboy auf einem Mustang, das wäre perfekt.

Wir machten uns das Frühstück und sogen die Landschaft in uns auf. Den ganzen Tag haben wir niemanden gesehen. Hier scheint auch nichts zu sein, alles einfach eine riesige Weite. Eine sehr trockene Gegend und es war richtig heiss. Wieder einmal entdecken wir eine Schlange gleich neben dem Weg. Man erschrickt jedes Mal, wenn es rasselt neben dem Weg. Etwa um 18 Uhr haben wir Feierabend gemacht und unser Lager aufgebaut.

TAG 7, 11. April, Eagle Rock, Meile 100

Tagwach wieder um 5 Uhr. Heute sind wir nicht so motiviert aufgestanden, der gestrige Tag beschäftigt uns schon noch. Wir glauben nicht mehr so recht, dass es möglich ist diese Strecke zu meistern. Schlechte Stimmung, so wandern wir heute recht schweigsam hintereinander her bis zur Steinformation Eagle Rock.

Andy will weiterlaufen. Wir haben dann ein wenig diskutiert, dann läuft er einfach weiter. Das ist mir jetzt egal, ich biege ab zu den Felsen, die aussehen wie ein Adler. Nach einer Weile kommt auch Andy, er ist etwas sauer, weil ich einfach weglaufen bin. Darauf sage ich, er soll mal schauen was wir verpasst hätten. Als er den Adler sieht, ist er begeistert und alles wieder Ok.

Wir lassen unsere schlechte Laune hinter uns, wollen schnell zum Campground Warner Springs. Dort soll es eine warme Dusche haben, das ist genug Motivation. Wir gehen über eine riesige Wiese, dann geht es in ein Tal hinunter, immer am Bach entlang bis Warner Springs.

Bei der Strasse zum Campground steht ein Polizist mit seinem schwarzen fetten Fahrzeug auf dem Parkplatz. Er fragt uns, ob wir nach vorne ins Restaurant oder auf die Post müssen. Der Polizist war an Freundlichkeit nicht zu übertreffen. Die Rucksäcke deponieren wir beim Camping-Empfang und lassen uns gerne zum Essen fahren. Als wir auf dem Rücksitz sitzen, fragen wir ihn, ob wir ein Foto machen dürfen. Natürlich dürften wir. Also, schnell ein Selfie machen, das werden wir nach Hause schicken, wird sicher für Diskussionen sorgen.

Nach dem Essen sind wir wieder richtig gut drauf. Zurück müssen wir gehen, aber es ist nicht weit zum Campground. Hier hat es viele Hiker und ich bin nicht die Einzige mit Blasen an den Füssen oder anderen Blessuren. Einige geben auf oder nehmen sich eine Auszeit vom Trail. Wir wollen jetzt warm duschen, dafür muss man etwas bezahlen und bekommt ein Badetuch. Die Duschen sind einfache Bretterabteile hinter dem Haus. Wasser in die Eimer und damit duschen, so geht das hier. In der Dusche sitzt auf dem Ablauf eine fette Kröte, die unter das Haus verschwindet. Auf der Mauer sitzt etwas wie ein Salamander, nur grösser, der bleibt erst noch. Andy ruft, es komme ein Hase. Auch der verschwindet unters Haus. Solange keine Schlange kommt, ist mir das egal. Wir waschen unsere Kleider. Gleich nebenan kann man die Kleider aufhängen, die sind in einer Stunde sicher trocken.

Noch nach Hause telefonieren, das tut richtig gut, wieder einmal „Schwitzerdütsch“ reden und hören, wie es zuhause geht. Dann tauschen wir uns mit einigen Hikern aus und verschicken die Fotos an Freunde. Auf unser Selfie kommt prompt die Reaktion, was wir jetzt wieder angestellt hätten.

Hier wird anscheinend noch eine richtige Party steigen, für uns ist das nichts. Es wird recht viel gekifft und Alkohol getrunken. Wir laufen weiter in den Abend bis wir zu einem Platz mit Bach kamen. Zelt aufstellen und dann gleich ins Bett.