CDT 9, 8. – 12. Mai, Grants – Cuba

Mount Taylor

So ein Glück, dass wir auf den Weg gegangen sind, obwohl Starkwindwarnung angesagt war für zwei Tage. Wir gingen aus Grants heraus, etwa 7 km alles auf Asphalt und direkt an einem Gefängnis vorbei. Es beeindruckt, denn hier ist nur schon der Aussenbereich angsteinflössend, dagegen sind unsere (Schweizer) Gefängnisse eher Spielgruppen.

Wir bestiegen den Mount Taylor, es ging auf 3446 m.ü.M., bei Starkwind, dass Andy mich festhielt beim letzten Stück zum Gipfel. Wir kämpften gegen den Wind und kamen gegen fünf Uhr am Abend an, ziemlich glücklich, dass wir‘s geschafft hatten. Beim Aufstieg sahen wir im Tal unten mehrere Sandstürme wüten, dort war’s noch schlimmer.

Ein Hiker übernachtete doch tatsächlich oben auf dem Gipfel, etwas geschützt hinter Bäumen. Wir stiegen möglichst weit ab. Dies brachte aber nicht soviel, denn der Wind war auch hier heftig. Unseren Zeltplatz wählten wir möglichst in einer Senke, direkt hinter einer sehr dicken Tanne, die kräftig und gesund aussah. In dieser Nacht hatten wir beide kaum geschlafen, da es nicht so gemütlich war. Ein anderer Hiker, der mitten im Wald geschlafen hatte, sagte zu uns, er hätte einfach aufs Beste gehofft und das Schlimmste verdrängt.

Wir waren so müde, dass es uns nicht störte, dass es am zweiten Tag laufen auf Schotterstraßen war. Leider immer noch bei nervigen Wind, aber wir mussten vorwärts laufen, denn die Wasserstellen waren distanzmässig weit auseinander. Dieses Jahr sei sehr trocken und im Winter hätten sie fast keinen Schnee gehabt. Dazu kam, dass schon im 2021 (Juli, August, September) der Regen schwach ausgefallen war.

Das Wasser war bis anhin auch meistens unser Grund für die Entscheidung der Wegwahl. Irgendwann ging’s einfach mit dem Gewicht nicht mehr, für 50 km Wasser tragen ging noch. War echt nervig bis jetzt, wir mussten immer einschätzen wie viel Wasser wir brauchen und einteilen auf die Distanz. Du schwitzt das meiste raus, es gab Tage, wo es mit einmal Wasserlassen erledigt war. Aus den Viehtränken Wasser zu nehmen, ging auch nicht immer, oder wir wollten es nicht.

Die nächsten zwei Tage waren unglaublich schön und anstrengend. Wir liefen durch eine wunderschöne Canyon-Landschaft (Canyon de Aroxo) durchs ausgetrocknete Flussbett des Rio Puerco. ((war da noch See = Laguna Cuates??)). Es war unglaublich heiss, Andy war fix und fertig am zweiten Tag, er hatte richtig gelitten, dafür ging’s mir super. Das ist unser grösster Vorteil: wenn es einem von uns beiden schlecht geht, motiviert der andere.

Wir sind echt angekommen auf dem CDT Trail. Wir machen in der Regel mehr km als notwendig und haben Spass dabei.Diese Landschaft war der absolute Wahnsinn. Du steigst 700 Höhenmeter in die Ebene runter und umrundest den Cabezon Peak in zwei Tagen. Mit Aussichten in eine endlose Weite. Den zweiten Tag rauf, runter, rauf, runter, 21 km weit bis zu einer Wasserquelle in einem kleinen Tal. Es war sehr heiss, wir kamen erst um 4 Uhr am Nachmittag beim Wasser an. Nach einer Pause liefen wir noch weiter, wir wollten bis Cuba.

Cabezon Peak

Der letzte Anstieg, nochmals 150 m auf die Mesa Portales, übertraf alles. Hier kam uns wieder die Aussage vom Hiker in den Sinn („das Beste hoffen und das andere verdrängen“). Der Trail ging zwischen den Felsblöcken hoch, die vorher über uns gewesen waren, wir stiegen im Zickzack hoch, der Hang war sehr steil. Ich hatte geschwitzt vor Angst und Anstrengung. In der Schweiz wäre ein solcher Weg sicher gesperrt, Unglaublich, die Amis.

Oben war es einfach genial, der Weg verlief der Canyon-Abbruchkante entlang, es ging teilweise senkrecht in die Tiefe!

Am dritten Tag waren wir schon um acht in Cuba, einem kleinen Dorf auf 2100 m.ü.M. Es hat eine Strasse mitten durch, links und rechts Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants, Motels, nicht viel mehr.

Wir mussten noch vom Zeltplatz bis zum Hwy 197 und danach noch etwa 4 km laufen ((warum, um im Dorf zu essen??)). 3 km davon hat uns ein Pärchen mitfahren lassen hinten auf dem Pick-up direkt ins Dorf.

CDT 8, 3. – 6. Mai, Toaster House – Grants

Wir verliessen das Toaster House am 3. Eigentlich wollten wir frühstücken im Restaurant, daraus wurde nichts. Es war geschlossen, also liessen wir‘s mit Essen. Waren schon lustige Zustände hier in Pie Town.

Der Tag wurde einer zum Verzweifeln. Wir mussten 50 km auf Schotterstrasse geradeaus wandern, von Morgens um neun bis abends um neun – geradeaus! Es gab wenigstens eine Trail Magic, etwa nach 20 km bei einer Range. Wir konnten Wasser auffüllen und es hatte Bananen und Äpfel in einer Box.

Wir sahen den ganzen Tag einen einzigen Hiker, dafür etliche Trucks. Die rasten an uns vorbei, so dass wir ziemlich viel Sand abbekamen.

Die Nacht war die kälteste, die wir bis dahin erlebt hatten auf dem CDT. Am nächsten Morgen war alles gefroren.

Der nächste Tag war Asphalt laufen angesagt, auf dem Hyw 117. Zum Glück nahm uns eine Autofahrerin etwa 10 km mit. Sie setzte uns bei einer Ausweichstelle (La Ventana) ab. Hier begann eine Super Strecke, durch eine Schlucht mit steilen Felswänden aus Kalkgestein. Eigentlich ging der CDT hier alles auf dem Hwy Richtung Grants. Bei der Hitze auf Asphalt laufen ist nicht unsere Stärke, also entschieden wir uns, die Alternative zu nehmen und über das Lavafeld zu stolpern.

Es war spannend, denn wir mussten rauf- und runtersteigen und über Spalten springen, also unsere Trittsicherheit wurde trainiert. Wir brauchten den ganzen Nachmittag dafür. Sogar Andy, der normalerweise eine Ausdauer hat wie ein Pferd, musste Pausen machen. Wir hofften beim Hyw 53 etwas Wasser zu finden, doch leider war das nicht der Fall.

Am nächsten Morgen liefen wir in einem schönen Tal. Nach 9 km laufen sollte eine Wasserstelle kommen. Leider auch Fehlanzeige, der Tank war leer. Wir hatten nur noch einen halben Liter Wasser für 25 km. Viel hatten wir ja nicht getrunken, aber den Tag zuvor schon und leider ordentlich geschwitzt bei der Hitze.

Leerer Wassertank

Wir überlegten umzukehren, um am Highway Autostop zu machen, um nach Grants zu kommen. Doch das Tal gefiel uns und wir liefen los in der Hoffnung, dass es bei der nächsten Windmühle Wasser hat.

Bei solchen Entscheidungen, die wir in der Vergangenheit getroffen hatten, hatten wir meistens Glück. Der Weg war ja auch total einfach zu laufen und so machten wir ordentlich Tempo. Unser Schutzengel liess uns auch diesmal nicht im Stich. Auf unserem Weg lag eine Flasche Wasser, die ein anderer Hiker verloren hatte. Viele laufen ja mit Musik und dann hörst du es nicht, wenn etwas rausfällt.

Also konnten wir genügend trinken und dann kam noch eine Kuhtränke mit super Wasser.

Auf dieser Strecke zu laufen amüsierte uns, weil es eine Schotterstrasse war mit zerschossenen Schildern und Wegweisern. Aber wirklich jedes Schild war durchlöchert. Man fragt sich dann doch ein wenig, wie abgefahren die drauf sind, du fährst mit einem Truck und schiesst auf alles, was ein Ziel ergibt.

Beim Ausgang der Schlucht kamen solche Wahnsinnige mit Trucks die Piste raufgeschossen und danach warst du in einer Staubwolke.

Wir erreichten Grants etwa um 15 p.m., am Freitagnachmittag und gingen sofort in den ersten Getränkeladen, um eiskalte Getränke zu kaufen, es war herrlich.

Wir mussten noch 3 km laufen bis zum Hiker Hostel. Schön war diese Strecke nicht wirklich, gehört zur historischen, berühmten Route 66. Alles, was nicht direkt bei der Hauptstrasse liegt, wirkt ziemlich verwahrlost.

Unser Hostel war fast voll besetzt. Wir bekamen noch zwei Betten in einem 4-Bettzimmer. Im Zimmer war gleichzeitig die Waschmaschine, und so war immer was los.

Ein Hiker kochte für alle Frühstück am Samstagmorgen. Als er das Gas aufmachte, gab es einen Knall und die kleine Hütte wurde ordentlich durchgeschüttelt.

Wir hängten mehr oder weniger den ganzen Samstag in diesem Hostel rum. Nur zum Essen oder Sachen besorgen bewegten wir uns, herrlich entspannend.

CDT 6 – 28. und 29. April

Die Nacht war extrem kalt und wir wollten möglichst früh beim Laden sein, um Essen zu kaufen. Also oben Daunenjacke, Mütze und Handschuhe und unten Shorts, weil wir immer wieder den Gila River queren.

Als wir früh am Morgen beim Laden ankamen war er noch geschlossen. Wir setzten uns an die Sonne und tauten unsere Füsse auf. Ich hatte einen Riesen Hunger unsere Essensäcke waren restlos leer.

Um 10 Uhr ist die Besitzerin gekommen, extra für uns Hiker, so lieb. Im Laden gibt’s sogar eine Hiker Box. Andy kaufte trotzdem Essen ein, obwohl es gar nicht nötig gewesen wäre. Wir gaben hier aber gerne Geld aus, weil es nicht selbstverständlich ist, was diese nette Familie alles macht für uns Hiker: auch Baderäume, WC und Hiker Box im Laden. Viele Hiker senden sich Esswaren voraus, in der Regel viel zu viel.

Ich schaue mir jeweils die Hiker an und da ist immer einer dabei, der Essen für eine ganze Expeditionscrew verschickt. Andere meinen, sie würden bei dieser Anstrengung Unmengen essen, aber dann essen sie bei dieser Hitze nicht so viel.

Im Laden selbst sind die Portionen so klein, dass es für Andy nie reichen würde, du müsstest 20 Säckchen Nüsse kaufen. So hatte ich mit etwas Warten ein Kilo Nüsse, ein Kilo Haferflocken mit Beeren und Nüssen drin. Aber das Beste war der Getränkezusatz von Traves, wenn du dies ins Wasser gibst, fliegst du über den Weg, super!

Die nächsten zwei Tage waren sehr schön und eindrucksvoll. Wir liefen durch die Gilaschlucht, links und rechts steile Felswände, wunderschön. Den ersten Abend haben wir bei einer heissen Quelle übernachtet. Hier ist kein Mensch und wir badeten bis es dunkel wurde.

Ich weiss nicht, wieviele Male wir diesen River gequert haben in diesen zwei Tagen, sicher über 100 mal. Mehrere Male sind wir über Staudämme von Bibern gelaufen.

Biberdamm mit gefälltem Baum

Ein Biber hatte zwischen Felsen den Weg restlos unter Wasser gesetzt. Deswegen mussten wir über die Felsen klettern, was mit den schweren Rucksäcken nicht einfach war. Den Abstieg von den Felsen machte Andy im Stil von Spiderman zwischen Felswand und einem Baum. Ich wartete oben, um ihm dann die Rücksäcke runter zu lassen. Ich selbst kletterte an der Wand hinunter und Andy half mir das letzte Stück von unten.

Wir mussten doch recht lachen nach dieser Aktion: von hinten kam eine Spur dem Fels entlang.

CDT 5 – 25. -28. April

Frühmorgens vor dem Sonnenaufgang standen wir auf und wanderten zurück Richtung Campingplatz. Wir hatten überlegt, ob es so einfach wäre wie letztes Mal eine Mitfahrgelegenheit zu bekommen. Der Weg war absolut einfach zu laufen, wir kamen schnell voran. Drei nette Damen waren mit ihren riesigen Pick-ups im Wald am Brennholz sägen.

Nachdem wir etwas mit ihnen geredet hatten, boten sie uns eine Mitfahrgelegenheit an, wenn wir helfen das Brennholz zu sägen und aufzuladen.

Wir dachten, dass es schnell gehen würde, aber es war dann eher ein härterer Job. Laufen wäre definitiv nicht so anstrengend gewesen. Dafür war der Rest des Tages super. Als die Pick-ups beladen waren, ging’s zu Wendy Rudick Shaul. Dort gab es ein Bierchen und etwas zu essen. Trawes, ein anderer Hiker, war auch noch mit dabei. Der war schlauer, nicht mitarbeiten, aber mitfahren. Die Ladys brachten uns dann nach Silver City zurück. Die grösste Hitzezeit haben wir damit verbracht in einem Restaurant zu essen, essen und essen. Leider mussten wir auch auf der Strasse zurück auf den Trail, wir sind bis in den Abend gewandert.

Die nächsten Tage waren super, wir hatten eigentlich mit drei Tagen gerechnet bis zu Doc Campbell‘s Post. Andy hatte sich beim Essen überhaupt nicht im Griff. Ich probierte, die Lebensmittel ein wenig einzuteilen, mit dem Resultat, dass er einfach bei meinen Snacks mitass.

Zum Schluss hatten wir am Morgen nur noch einen Riegel. Er biss rein, ich stand vor ihm und dachte, er gebe mir die Hälfte, konnte aber nur zusehen, wie er den ganzen Riegel verschlang. Ein schlechtes Gewissen hatte er deswegen nicht.

Der Weg und die Landschaft waren zum Glück sehr interessant. Zuerst ging es ganz gemütlich durch den Wald, immer im Schatten und danach über eine Hochebene mit Aussicht in eine Schlucht, überall diese rissigen Steintürme und unendlich Weiten. Am Abend nach einem steilen Anstieg fanden wir einen super Zeltplatz und genossen einen wunderschönen Sonnenuntergang.

Am nächsten Morgen folgte ein Abstieg zum Gila Fluss. Im Tal war’s so heiss, dass man froh war, immer wieder durchs Wasser zu stapfen, um den Fluss zu queren.

Eine eigenartige Landschaft, ein Fluss, viele Bäume, aber trotzdem alles trocken und Verwesungsgeruch lag in der Luft. Auch Skelette und einzelne Knochen lagen herum.

Direkt neben dem Weg lag ein Schädel samt Gebiss, wir nehmen an von einem Berglöwen (Mountain Lion). Hier wollten wir nicht zelten, also machten wir ordentlich Tempo.

Wir wanderten weiter bis in die Nacht und stellten das Zelt direkt neben dem Weg

CDT 4 – 22.- 24. April

Freitag bis Sonntag machten wir Pause in Silver City

Den Namen hat die Stadt von der riesigen Silbermine, die vor der Stadt ist. Wir übernachteten im Stadtteil Downtown in einem super Hotel mit Frühstück. Freitagabend war Hiker-Party mit Livemusik und wir genossen den Abend. Ich konnte leider nur sitzen. Ein junger Hiker wollte mit mir tanzen, aber ich hatte definitiv keine Lust mit meinen Füssen. Er solle doch mit Andy tanzen, er lachte nur, Andy wollte auch nicht.

Auch hier treffen wir auf Hiker vom PCT vom 2019, alles junge Leute. Die dachten wahrscheinlich nicht, uns nochmals auf einem Langstreckentrail anzutreffen. Wir blieben nicht zu lange an der Party, weil es draussen war.

Das Wetter war unfreundlich kalt und extrem windig, zum Glück hatten wir unsere Kleider fürs kalte Wetter dabei. Auf dem CDT Trail sind nicht wahnsinnig viele Leute unterwegs, wir schätzen dieses Jahr ungefähr so 700 Leute, ist aber wirklich nur eine Einschätzung von uns.

Am Samstag gingen wir noch beim Event vorbei. Aussteller von Outdoor-Artikeln haben in einem Park ihre Produkte aufgebaut. Auch hier treffen wir vereinzelt Hiker an, aber total überschaubar, nicht zu vergleichen mit den Traildays vom PCT.

Wir gingen immer wieder etwas essen. Riesige Portionen gibt’s hier in Amerika und ich staune wie viel die Leute hier essen. Nie würden wir zuhause solche Mengen an Lebensmittel in uns reinstopfen. Wir bemerken, dass unser Essverhalten extremer wird. Immer wieder haben wir Hunger. Seit wir auf dem Weg sind nehmen wir Gewicht ab.

Den Samstagabend verbrachten wir mit Pirat und Dan, zwei Hikern aus England. Ein Trailangel war mit am Tisch. Sie macht immer wieder mal Trail Magic, bietet Getränke und Sitzgelegenheiten beim Trail, so unglaublich nett für nichts. Sie lebt im Bus und fährt einfach am Trail entlang und überrascht Hiker.

Sonntagmorgen assen wir noch Frühstück und dann ging’s ab auf den Trail.

Unser Plan war von Silver City retour zu wandern, also wieder Richtung México, da die Strecke gar nicht gesperrt war, wie uns gesagt wurde, und wir möchten ja den ganzen Trail machen.

Wir liefen zuerst auf dem Highway, es war schrecklich heiss und hart für die Füsse. Die Idee war, dass uns jemand mitnimmt und wir nicht die ganzen 24 Kilometer auf dem Asphalt laufen. Als wir uns eigentlich schon damit abgefunden hatten, dass wir 24 km Asphalt laufen müssen, nahm uns dann noch ein super lieber Mann mit.

Danach war der Weg schön, viele Baume, tolle Landschaft und so liefen wir bis die Sonne unterging.

Das Einzige was uns nicht so gefallen hat war die Balgerei. Wir Schweizer gehen am Sonntag auf einen Spaziergang oder sonstiges, hier ist das ganz was anderes, hier geht man zum Schiessen. Es klöpfte und ballert neben dem Weg was ging, grosskalibrige und kleinkalibrige Waffen dem Ton nach. Muss ihnen, glaube ich, richtig Spass gemacht haben.

CDT 3 – 19. – 22. April

Dienstag gegen Abend liefen wir aus der Stadt Lordsburg mit ca. 3000 Einwohnern. Die Gebäude sind teilweise in einem baufälligem Zustand. Der CDT verlief hier 4 km neben dem Highway 90 entlang, Riesen Sattelschlepper mit Kupfer beladen donnerten an uns vorbei. Der Rest vom Abend ging’s über eine 20 km grosse Ebene, zum Glück war es bewölkt.

Meine Füsse schwollen richtig an von der Wärme, die vom Boden abstrahlt. Ich bin so froh, dass meine Schuhe so viel zu gross sind. Teilweise binden wir die Schuhe so locker, dass sie eher Sandalen sind als Schuhe, das gibt den Füssen mehr Platz.

Nach 16 km entschieden wir, Feierabend zu machen, etwas früher als geplant. Ein beachtlicher Bulle steht etwas oberhalb des Weges, an ihm vorbei laufen wollten wir nicht unbedingt.

Die nächsten zwei Tage hatten wir besser im Griff als die erste Etappe. Wir standen vor Sonnenaufgang auf und machten öfters Pause, und von 12 Uhr bis 15 Uhr legten wir uns unter einen Baum. So ging’s sogar mit den Blasen zu laufen.

Von 1440 m.ü.M. ging’s in die Höhe auf den Burro Peak, 2445 m.ü.M. Am Donnerstag waren wir auf dem Burro Peak, leider ohne Rundumsicht. Teilweise wanderten wir durch grünem Wald mit super Sicht ins Tal, sehr angenehm mal Grün zu haben, das über unsere Köpfe ragte. Den Rest des Weges bis Silver City sei wegen kontrolliertem Feuer gesperrt, wurde uns gesagt. Also gingen wir auf einem Seitentrail zu einem Campingplatz, Burro Mountain Homestead, ein riesiges Gelände.

Mit dem Wasser mussten wir vorsichtig sein. Es gab über längere Strecken keine Wasserdepots. Mal konnte man Wasser aus einer Kuhtränke nehmen, mal hatte es eine Quelle, die mehr oder weniger floss.

Donnerstagmittag und -nacht verbrachten wir auf dem Campingplatz. Die Leute hier sind unglaublich freundlich. CDT-Hiker müssen nichts berappen für Zeltplatz, Dusche, Shampoo, einen Raum mit Mikrowelle… alles einfach zum Benutzen. Freitagmorgen entschieden wir zu warten bis der schlimmere Fuss von mir soweit abgeheilt ist, dass schmerzfreies Laufen möglich ist.

Wir lagen unter einem Baum, etwas frustriert, weil in der nächsten Stadt der Event (Trail Days) begonnen hat und wir nicht dabei sein konnten. Ein älteres Ehepaar kam und sagte, sie werden uns nach Silver City fahren, na, da sagen wir natürlich gerne Ja! Freude herrscht😎

CDT 1 – 13. – 17. April 2022

Endlich wieder am Hiken CDT

Um sechs Uhr früh gingen wir mit 10 anderen Hiker zu einem Parkplatz.Wir standen und warteten bis es losging. Es kam ein Hiker auf uns zu. Wir glaubten es nicht, er rief „Mountain and Lione!“ Wir hatten richtig Freude ein bekannten Hiker vom PCT zu sehen.

Die Fahrt dauerte 3 1/2 Stunden. Der letzte Teil war Wüstenpiste und jeder Offrouder hätte seine Freude gehabt. Uns hingegen wurde bewusst, wo wir durchlaufen auf dem CDT in New México. Ob dies eine gute Idee ist? Gut geschüttelt kamen wir an dem CDT Monument „Crazy Cook“ an der Grenze zu Mexiko an. Selbstverständlich auch hier zwei Stunden später als abgemacht, „Sorry guys for that “.

Alle waren sehr guter Laune, hier an der Grenze . Die, die den ersten through -hike machen erkennt man meistens an den Kleidern und der Gepäckgrösse.

Es wird sehr heiss in dieser Gegend deshalb sollte man nicht zu viel Gewicht auf dem Rücken tragen . Auch keinen Sonnenbrand einfangen, war unser Ziel.

Mit 3 Liter Wasser und 4 Kilo Essen für 5 Tage hatte ich 14 Kilo. Andy hatte 4 Kilo Essen und 5 Liter Wasser etwa 17 Kilo auf dem Rücken.

Wir liefen 2 Stunden später los als geplant um 11 Uhr für 22km bis zum ersten Wasser in der Hitze. So waren wir froh genügend Wasser dabei zu haben.

Die Sektion Grenze bis Lordsburg 135 km waren KNALLHART !🥵Heiss, windig aber atemberaubend Landschaft, brutal die Trockenheit immer wieder mal Skelette auf und neben unserem Weg.

Wir kamen an unsere Grenzen, Körperlich auch Mental. Am zweiten Tag schrieen wir uns wegen einer Kleinigkeit an schon fast lächerlich. War aber auch unglaublich befreiend richtig Dampf ablassen mitten im nirgendwo. Wir mussten uns eingestehen, dass wir überfordert waren. Also war unser Plan: Andy nimmt alles Lockerer und ich nehme es mit der nötigen Ernsthaftigkeit. Mal schauen ob das klappt. Wir liefen viel früh Morgens oder spät Abends und auch am Tag haben wir jeden Schatten genutzt.

Die Beschilderung des Weges fanden wir bis jetzt sehr gut und auch die Wasser Depots super.

Wir waren im Vergleich zu anderen Hikern doch in einem relativ guten Zustand. Lustig für uns war am Starttag beim Monument hatte es ein Hiker Typ Outdoor im Blut alles im Griff, schreibt die Namen in ein Büchlein, von den Hikern. Für uns hatte er nur einen abwerteten Blick übrig. Immer am Mittag beim Wasser sahen wir ihn wieder. Einmal sass er breitspurig im Depot vom Wasser und wir kamen nicht dazu. Er zu uns:(you hav fun of Trail?) Habt ihr Spass auf dem Weg. Was für ein Kasper!

Am vierten Tag nach 100 km war er dann Handzahm als wir ihn nach einer Pause im Schatten überholten meinte er erschrocken:(where are you from new?) wo kommt ihr denn her? Ich antworte: Aus dem Schatten wir machten eine grosse Pause (out of the shadows we took a long break ) Ein bisschen gemein unser Outdoor Mann sah jetzt doch ziemlich fertig aus. In Lordsburg kamen wir am Sonntag Morgen um 10 Uhr an.

10. bis 12. April – Phoenix

Diese drei Tage waren wir vom Pech verfolgt, egal was wir machten, es endete im Chaos.

Restliche Sachen, wie Bärensäcke-Messer, mussten wir etwa 20 km von unserem Hotel weg noch einkaufen. Der Taxifahrer liess uns eine Stunde warten, um uns dann irgendwo hinzufahren, aber nicht, wo wir hin wollten. Er sagte, wir sollten doch suchen, wir hätten mehr Zeit als er. Unglaublich! Daraufhin hatten wir mit ihm diskutiert, mit dem Resultat, dass er uns nicht aussteigen lassen wollte. Als er dann endlich zur Vernunft kam, kassierte er noch viel zu viel ab und wir mussten den Rest zum Geschäft laufen. Nach dem Einkaufen warteten wir über zwei Stunden erfolgslos auf das nächste Taxi.

Schlussendlich sind wir mit Uber zurückgefahren. Am Abend schlenderten wir gleich zu Fuss in die Stadt. Natürlich ging’s weiter im selben Stil. Als wir zum Essen in ein Restaurant gingen, war Warten angesagt, weil der Koch überlastet sei. Er brauchte ein Stunde Entlastung, also warteten wir.

Der nächste Tag war etwa gleich wie der erste in Phoenix. Nichts klappte auf Anhieb, wir liefen kreuz und quer durch die Stadt bis wir alles eingekauft hatten.

Die Stadt selber ist extrem ruhig, es hatte nicht viel Verkehr und kaum Leute unterwegs. Beim Retourweg wurden wir noch beschimpft, weil wir in einer Siedlung unterwegs waren, in der ‚Weissbrötchen‘ nicht hingehören. Unnötig zu erwähnen, dass dort unser Motel war. Als ‚Weissbrötchen‘ wurden wir schon beim Einchecken bezeichnet, wir nahmen’s mit Humor. Unsere Pechsträhne zog sich hartnäckig durch.

Der 12. April übertraf die zwei Tage um Meilen. In Lordsburg waren wir um 500 Dollar ärmer, nur weil wir den Greyhound-Bus um ein paar Minuten verpasst hatten und der nächste natürlich keine freie Plätze mehr hatte. Ein Fahrer zockte uns natürlich wieder sehr gekonnt ab: Für die Fahrt nach Lordsburg war er viereinhalb Stunden sehr gemütlich unterwegs. Wir hatten resigniert und schauten die Landschaft an: Unglaublich flach und überall hatte es Sandstürme, teilweise war es wie eine Wand aus Sand.

In Lordsburg schien unsere Pechsträhne eine Ende zu nehmen. Vom Einkaufen zurück bekamen wir unsere erste spontane Mitfahrgelegenheit. Es war derart stürmisch, dass ich froh war, noch nicht auf dem Weg zu sein.

Abendstimmung vom Motel

Andy war fix und fertig. Mein Lieblingssatz „Es könnte noch schlimmer sein“ brauchte ich nie in diesen Tagen. Er wäre ziemlich sicher explodiert.

Anreise CDT

9. April 2022

Alle wollten uns fahren, doch wir entschieden uns fürs Taxi, denn um drei in der Nacht, wäre das ein wenig gemein gewesen, dieses Angebot anzunehmen.

Der Flug mit der Swiss nach Frankfurt dauerte 45 Minuten. Danach warteten wir sechs Stunden auf den Anschlussflug.

früh morgens um halb sechs

Dieser war mit der Condor nach Seattle, in 10 Stunden.

Schnee in Deutschland

Beim Einchecken passierte das Übliche mit Andy. Er war so nervös bei der Gepäckkontrolle, dass ich natürlich auch aufs Genauste kontrolliert wurde. Obwohl ich so getan habe, als kenne ich ihn nicht. War aber auch doof, wir im gleichen Outfit. Abstand halten, alles nützte nichts, die Security schauten und zack! war ich im Séparée. Andy hatte das kleine Werkzeug-Tool so gut versorgt, dass selbst die Grenzkontrolle es erst fand, als alles ausgeräumt war. Andy half und sucht mit. Zum Glück war das in Frankfurt und nicht in den USA! Als er ruhiger war, erklärte ich ihm freundlich, dass er den Grenzbeamten nicht helfen sollte. Dafür bekam ich dann auch eine Antwort. Dann erinnerte er mich, dass ich wieder einmal den Hochzeitstag vergessen hatte (9. April, vor 30 Jahren). Eigentlich nicht, dachte ich, dank der Zeitverschiebung (9 Stunden!) 🤪 So fing unsere Reise richtig entspannt an.

In Seattle mussten wir nochmals eine Grenzkontrolle passieren. Jetzt wurde das Victorinox-Tool konfisziert. Ich probierte es mit Erklärungen, wofür wir es brauchen. Erfolglos, wir sahen einfach zu gefährlich aus. Nach vier Stunden und zwei Bier ging’s weiter. Flugzeit drei Stunden und um Mitternacht waren wir in Phoenix im Motel.

Alle drei Flüge waren pünktlich, so hatten wir immer genügend Zeit dazwischen und der letzte Flug über die Rocky Mountains war wunderschön.