Um 6 Uhr sind wir losgezogen, zuerst zum Wassercache und dann 400 Höhenmeter hinauf auf den Spinner Peak. Um 10 Uhr sind wir auf dem Gipfel, ca. 2000 m.ü.M, bis dahin ziehen wir zweimal unsere Ponchos an und 30 Minuten später wieder ab, langsam aber sicher nervt dieses Wetter.
Es geht runter und danach wieder rauf, Poncho an und wieder ab. Der Wind ist sehr kalt, wir behalten die Handschuhe und Kappe plus Buff (Kopfschal) an. Als es mal ein wenig Sonne hat essen wir, richtig viel, das hebt unsere Stimmung. Nach dem Essen geht’s gleich weiter mit dem Regen. Andy sagt: «Jetzt reicht es mir, ich ziehe den Poncho nicht mehr an».
Der Weg geht auf einer Hochebene Richtung Walker-Pass. Da fängt es doch tatsächlich an zu schneien; Schneesturm wäre zutreffender. Ich frage Andy: «Willst du den Poncho?», er: «Gib her den Sch…!» Wir lachen, langsam sind wir richtig fertig, kaputt. Wir wollen jetzt nur noch hinunter, in der Hoffnung, dass es unten besser ist.
Beim Pass hat es einen Campground, da stellen wir das Zelt auf. Mir ist richtig kalt. Halb acht ist es, Andy macht Kaffee und ich wärme mich im Zelt auf. Das ist herrlich, Andy gibt eine solche Wärme ab, dass ich schnell einschlafen kann. Er wäre ein super Heizstrahler, er verbrennt ja auch genug. Schluss bei km 1048 (Meile 648), gelaufen sind wir 43 km, 24 Meilen.
Ich habe richtig gut geschlafen, Andy etwas weniger, denn er hat ein nicht vorhandenes Insekt im Zelt gejagt, und das kann dauern. Um sechs gehen wir gleich los, super es ist klarer Himmel. Wir laufen im Wald, immer am Bach entlang vorwärts.
Irgendwann fahren drei Pick-ups in den Wald, sie müssen viele Hunde dabei haben, du hörst die Hunde, lange und laut. Wir kriegen ein flaues Gefühl, hoffentlich kommen die nicht zu uns. Wir laufen bis um acht und frühstücken dann wieder einmal Haferflocken, das gibt Energie.
Es wird immer karger, unglaublich diese Weite, in dieser Landschaft (Weldon, Kelso Valley) kommst du dir verloren vor, Hügel an Hügel, soweit du sehen kannst. Das ist ein Anblick, den du nicht so schnell vergisst, sehr beeindruckend. Vereinzelt hat es auch Kühe in kleinen Herden, wie die in dieser Landschaft Wasser finden ist uns ein Rätsel.
Natürlich sind auch hier die Halbwilden unterwegs: Wahnsinnige, auf allem was Räder hat. Plötzlich schiesst ein Töff oder Off-Road-Fahrzeug den Hang hinauf oder runter, mit gewaltigem Lärm. Dieses Tal ist so riesig, nach einer Weile hörst du sie nicht mehr, siehst nur noch die Staubwolke, ewig noch.
Den ganzen Nachmittag ist eine fette Wolke über uns, darin donnert es die ganze Zeit. Wir sind bis zum Feierabend trocken geblieben, mit Glück. Schluss bei km 1005 (Meile 624), gelaufen sind wir 34 km (22 Meilen).
Um 7 Uhr kriechen wir bei Sonnenschein aus dem Zelt und trinken zuerst einen Kaffee. Es hat zwar Wolken, ist aber warm, und kein Regen, das muss man geniessen. Wir gehen so um acht los, nach einem Kilometer kommt eine Wasserstelle, eine Wasserleitung in einen Trog, sehr frisch. Es wird die nächsten 24 Kilometer kein Wasser mehr geben, wir nehmen 4,5 Liter mit.
Zuerst geht es durch eine kahle Gegend, und danach durch Farmland (Sageland) immer im Hang oben. Die Farm, durch die wir heute laufen, umfasst die ganze Strecke und noch mehr. Hier sieht man, dass es genügend geregnet hat in letzter Zeit, es hat Gras im Wald, alles blüht und viele Vögel schwirren umher. Es hat überall mal Kühe, die im Wald grasen.
Über den ganzen Tag treffen wir genau mal ein Hiker-Pärchen an, und eben Kühe. Mit diesen zwei Hikern reden wir nicht. Jedesmal, wenn wir sie sehen, haben sie Streit, wegen des Essens, er isst zu viel und sie hat es genau auf die Strecke eingeteilt. Ich sage zu Andy: «Sie müsste mal eine Woche mit dir unterwegs sein». Heute haben wir unseren Gummibärchen- und den Trail-Mix-Bestand (Nüsse und getrocknete Früchte) schon halbiert. Andy isst während dem Laufen, richtiger Vielfrass. Bei uns ist es zum Glück noch nie zum Streit gekommen, wenn wir merken, dass es knapp wird, laufen wir halt mehr.
Es war heute superschön zum laufen, mit einigen Wolken und immer wieder genialen Aussichten. Wir machen etwa eine Meile nach der Wasserquelle (Robin Bird Spring) Feierabend, schlagen gleich neben dem Weg das Zelt auf. Schluss bei km 971 (Meile 603), gelaufen sind wir 34 km, also 21 Meilen.
Es regnet auch heute und nicht wenig. Wir gehen um 8 Uhr in die Bäckerei, die ist einfach super, feine Sachen zum essen und immer Leute im Café zum reden. Wir setzen uns an einen Tisch und kommen gleich mit einer Frau ins Gespräch, die in Kanada lebt und hier in Kalifornien zum wandern ist, wegen dem guten Wetter, das finden wir lustig! Als wir ihr erzählen, dass wir heute zurück auf den Weg gehen, organisiert sie uns gleich einen Fahrer, der uns zum PCT fährt – der Tag beginnt ja gut. Nach dem Kaffee fährt uns dann ein älterer Herr zum Weg beim Highway 58, es sind etwa 14 Meilen dahin, er freut sich die Hiker zu fahren, das ist für ihn Abwechslung.
Ich zeige Andy Spuren von einem Bär, ziemlich frische Spuren, der hatte in dem Dreck aber auch Mühe. Wir reden die ganze Zeit über den Bär, der wird sicher verschwinden, hoffentlich… So viel Esswaren wie wir mitgenommen haben, das würde sich lohnen für ihn. Ich habe 1 Kilo Gummibärchen, 900 gr. Käse und 1 Kilo Getreideriegel dabei.
Wir ziehen unsere Regenponchos an und ziehen los. Das Wetter bessert sich etwas als wir den Hang hochsteigen, aber oben haben wir Null Sicht. «Sieht aus wie in Schottland in den Highlands, nur mehr Nebel», sage ich zu Andy, wir müssen lachen. Der Boden ist so schmierig, die Schuhe sind richtig schwer, ein Wunder, dass wir überhaupt vorwärts kommen.
Wir sind bis halb sieben gelaufen, teilweise durch Wald und nochmals an einer kleineren Windfarm vorbei, dann weiter den Hang hinunter in Schleifen. Der Regen kam dann auch wieder, so stellen wir das Zelt bei Trail-km 937 (Meile 582), wir sind 26 km (16 Meilen) gelaufen.
Montag 20. Mai: Dieses Motel «Santa Fe» ist genial, es funktioniert einfach alles. Wir liegen im Bett, es ist wunderbar warm, und trinken Kaffee – eine Kaffeemaschine, die sogar funktioniert. Der Besitzer dieses Motels ist überhaupt ein sehr anständiger Kerl, gestern hat er einem Obdachlosen Essen und ein Zimmer gegeben, natürlich gratis.
In der Bäckerei treffen wir Yves (den Schweizer) und viele andere, auch die Truppe Tschüss füdlibüss, junge Amerikaner, sehr nette Jungs, denen wir Schweizerdeutsch beibringen. Wir haben sie seit etwa zwei Wochen nicht mehr gesehen, gibt natürlich eine herzliche Umarmung, auch sie werden weiter Richtung High Sierra gehen. Das Wetter ist so furchtbar, dass wir den ganzen Nachmittag mit den anderen Hikern in der Bäckerei bleiben. Am Abend gehen Andy und ich noch in eine Sport-Bar und schauen Baseball, eine junge, sehr begeisterte Frau versucht uns das Spiel zu erklären, aber diese Regeln verstehen wir nie im Leben.
Di, 21 Mai: Das Regenwetter ist anscheinend ein Rekord hier, alles andere als die Norm. Aber in Kanada ist es noch viel schlimmer, überhaupt scheint das Wetter verrückt zu spielen, auch in Deutschland und der Schweiz. Wir kommen spät in die Bäckerei um hier etwas mit den anderen Hikern und sonstigen Gästen zu reden. Als der Regen nachlässt gehen wir durch die Einkaufsmeile, sie ist sehr gepflegt, mit vielen kleinen Läden und Restaurants. Leider ist das Museum geschlossen, wäre über die Geschichte der Eisenbahn. So verbringen wir den Nachmittag mit Almud, Trailname «See you again», sie wird für eine Woche irgendwohin fliegen. Nach dem Essen gehen wir ins Motel zurück, es hat natürlich wieder angefangen zu regnen.
Mi, 22. Mai: Immer noch schlechtes Wetter, so sitzen wir bis zwei Uhr mit Monika, einer deutschen, und Patrizia, einer Schweizer Hikerin, in der Bäckerei. Sie werden auch Richtung Kennedy Meadows weitergehen, dadurch haben wir viel Gesprächsstoff. Viele Hiker gehen jetzt ab vom Weg oder überspringen die High Sierra. Man kann von hier ohne Probleme mit dem Bus wegkommen oder jemanden finden, der einem gegen Bezahlung irgendwohin fährt. Um den Trail ist ein richtig gehendes Business entstanden, finden wir schade. Diesen Service lassen wir aus.
Wir stellen uns lieber an die Strasse und machen Autostopp, oder warten einfach, das finden wir spannender, ist ein Teil des Abenteuers und nicht planbar. Dadurch erfahren wir immer spannende Sachen wie diese vom Tehachapi Loop: es gibt hier eine über einen Kilometer lange Eisenbahnschleife, um den steilen Anstieg der Tehachapi Mountains zu überwinden. Lange Güterzüge überqueren sich dadurch selbst. Die Bergstrecke überwindet auf 45 Kilometern 1000 Höhenmeter und war die erste Eisenbahnverbindung zwischen San Francisco, Los Angeles und Lancaster. Den Nachmittag verbringen wir mit essen und dann einkaufen für die nächsten sieben Tage.
Es hat die ganze Nacht geregnet, unser Zelt hält dicht, aber schlafen konnten wir nur zwischen dem Güterverkehr, so alle 1 1/2 Stunden fuhr ein Zug durch. Wir packen das Zelt zusammen und gehen über den Flughafen, dabei schauen wir uns die kleinen Sportflugzeuge an, eine Chessna ist auch darunter.
Im Dorf essen wir in einer deutschen Bäckerei unser Frühstück. Hier hat es viele Hiker, alle überlegen und diskutieren gerade, was sie machen sollen. Das Wetter wird nicht besser in den nächsten sieben Tagen und in der High Sierra ist auch viel Neuschnee gefallen. Es geht hektisch zu und her, jeder hat eine Lösung, wie er den Hike bis zur kanadischen Grenze machen will.
Wir suchen im Internet nach Informationen zur Schneemenge. Auch in Oregon und Washington liegt Schnee, das liegt zwar teilweise tiefer, ist aber auch nördlicher. Für uns ist klar, dass der Schnee in der High Sierra am schnellsten schmilzt, wegen der Höhe und der Sonneneinstrahlung. Nach längerem Stöbern, haben wir eine ganz einfache Lösung: Wir bleiben hier, sicher für vier Tage. Danach werden wir sehr gemütlich Richtung Kennedy Meadow weitergehen. Die Wege bis zum Kearsarge Pass kennen wir vom 2017. Also, der Plan steht für uns.
Wir suchen uns ein Motel und buchen es bis am Donnerstag. Es ist so mieses Wetter, dass wir gleich im Zimmer bleiben und schlafen gehen.
Also mit dem Schlafen war das so eine Sache: Das Bett hat seine besten Zeiten schon lange hinter sich, du rollst einfach in die Mitte. Und die Geräusche, die es im Zimmer gab: Heizung, Kühlschrank,Wasserleitungen, man könnte meinen der Raum lebt. Dazu kam der Plastik auf dem Dach und auf der Mulde vor der Türe, bei dem Wind hier, war es ziemlich laut.
Um 10 Uhr gehen wir ins Dorf um zu frühstücken. Danach zu Starbucks, um alles zu bestellen, was wir in den High Sierra brauchen wie neue Schuhe, spezielle Fusscreme und sonstige Kleinigkeiten. Das braucht viel Zeit, die Geschäfte liegen halt sehr weit auseinander, du läufst schnell mal zehn Kilometer bis du alles hast. Es wird später Nachmittags bis wir fertig sind. Dazwischen haben wir viele Gespräche mit irgendwelchen Leuten, die nützen wir so oft es geht, man bekommt dadurch gute Infos und unser Englisch wird immer besser.
Am Abend gehen wir Richtung Zeltplatz, der ausserhalb liegt, eine Frau hält an und fährt uns. Sie erzählt uns, dass sie drei Jobs hat, sie arbeitet für ein Kinderhilfswerk und hat zuhause sechs Kinder, nicht alle eigene. Wir staunen, sie kommt ganz alleine ohne Unterstützung für sieben Leute auf, macht es ohne zu jammern. Andy will ihr etwas geben, das lehnt sie ab, es genüge ihr uns zu helfen.
Der Zeltplatz ist auf dem örtlichen Flughafen, ein sehr schöner Platz, aber etwas laut, dahinter geht das Bahngeleise durch und die Züge brauchen ihr Horn intensiv. Wir stellen das Zelt auf und gehen mit «Seht Rogen» (Trailname) zurück ins Dorf zum essen. Unglaublich, der Redhouse BBQ-Laden ist so voller hungriger Leute, ganz bestimmt nichts für Vegetarier, die Portionen sind monströs. Wir sind müde und gehen danach schlafen.
In der Nacht hat es stark gewindet und auch geregnet. Als wir aus dem Zelt kriechen ist draussen alles gefroren. Ist schon etwas extrem für California, hier sollte es doch sonnig sein. Wir ziehen alles an, was warm gibt und gehen schnell los, gegen 7 Uhr.
Auch heute windet es wie verrückt und der Weg geht immer oben in der Höhe, unten im Tal wäre es gemütlicher, dort ist aber ein privates Grundstück. Es wäre schon verlockend da hinunterzusteigen, im 2017 ist ein Schweizer hinunter gegangen, aber das ist beim Besitzer des Grundstücks nicht so gut angekommen. In den grossen Windfarmen zu gehen ist nicht so spannend, wir sind sehr froh als es vorbei ist. Bis jetzt haben wir unseren Humor behalten, es wäre aber nicht schlecht, wenn wieder mal die Sonne schiene.
Am Nachmittag erreichen wir Tehachapi. Ein Farmer fährt uns direkt zum Mc Donald’s, sehr netter Typ. Dort essen wir was, es ist herrlich endlich warm und trocken. Nachher gehen wir etwas einkaufen. Als wir aus dem Einkaufscenter kommen, fragt uns ein Pärchen, ob sie uns fahren sollen, nehmen wir dankend an. Wir haben ein Motel gebucht, so ziemlich das letzte, das noch verfügbar war. Als wir das Motel sehen, müssen wir lachen, das ganze Dach ist notbedürftig mit Plastik abgedeckt. Die Zwei meinen: «Ist besser als ein Zelt», wir meinen: «Mal sehen, unser Zelt ist dicht». Wir umarmen uns zum Abschied, ist uns peinlich, wir stinken dermassen, scheint ihnen aber nichts auszumachen.
Als Erstes duschen wir und waschen die Kleider, dann gehen wir gleich ins Bett, aber mit Schlafen wird nichts. Der Dachdecker ist eingetroffen, über unserem Zimmer ist die Abdeckung zerrissen und die Baumulde, in die er die kaputten Teile wirft, steht direkt vor unserer Tür. In der Nacht hat dann die Heizung eingesetzt, sie knallte richtiggehend. Ich glaube, dieses Motel hat generell eine Renovierung nötig. Wir sind bei Trail-Kilometer 911 km oder PCT-Meile 566.
Wir stehen wieder um halb fünf auf, es ist stark bewölkt, aber bis jetzt trocken. Es geht alles geradeaus, 13 Kilometer bis zur Windfarm. Hier leben doch einige Leute, sehr verstreut, meistens in Wohnwagen oder einfachen Hütten. Viele Kühe mit Kälbern auf der Weide, so weit man sehen kann und noch weiter. Der Weidezaun ist überall defekt, darum laufen die Kühe auch auf dem Weg.
In der Windfarm ist es schrecklich laut und sehr windig. Das Wetter verschlechtert sich, ich überlege, ob wir den Regenponcho anziehen sollen. Wir bleiben kurz stehen, Andy ist für den Poncho, in dem Moment fängt es an zu regnen, als ob die Schleusen über uns geöffnet werden. Mit einem Regenponcho in einer Windfarm, das ist eine blöde Idee. Schon ohne Poncho ist es streng, der Wind drückt und zieht an dir, aber mit Poncho ist das dann doch ein Erlebnis erster Güte. Die Kühe haben jetzt vor unserem Regenponcho Angst und flüchten. Als wir endlich aus der Windfarm heraus sind, suchen wir uns einen Platz und müssen uns erholen. Es war so laut wie auf einem Flughafen bei der Anflugschneise. Es hat inzwischen aufgehört zu regnen.
Um 11 Uhr erreichen wir den Tylerhorse Canyon, danach geht es hinauf, um bald darauf wieder in den nächsten, den Gamble Spring Canyon, hinunter zu steigen und dann nur hinauf, bis zu einer Trail-Magic zuoberst, leider war es zu windig, um zu bleiben.
Den ganzen Tag haben wir wechselhaftes Wetter, alle Farben am Himmel von Blau, Grau, Weiss, fast Schwarz und die Wolken ziehen so schnell, das habe ich noch nie gesehen. Die Hügel sind nur noch mit kleinen Büschen, Blumen und Gräsern bewachsen. Es wäre hier normal brutal heiss, jetzt ist es windig und kalt, braucht viel Kraft beim Laufen.
Der Tag hat uns geschlaucht, aber die Sicht auf die Mojave ist super, etwas anderes als alles nur blau. Es kommt nochmals eine Windfarm, wäre nur noch 9 Kilometer, aber es ziehen immer dunklere Wolken auf. Wir haben keine Energie mehr, um nochmals durch eine Windfarm zu laufen, so stellen wir das Zelt. Schluss bei km 886 (Meile 550), gelaufen sind wir 38 km oder 23 Meilen.
Um 4:30 Uhr am Morgen stehen wir auf und gehen mit Stirnlampe den Hang hinunter, es ist kalt und auch bewölkt, wir laufen zügig. Die aufsteigende Sonne färbt alles herbstlich ein, sieht schon recht schön aus mit dem Wald. Unten geht’s Richtung Highway 138, alles über Hügel in Schlaufen, wir laufen vom Zeltplatz bis Hiker Town (23 Kilometer) in einem Stück durch.
Hiker Town ist eine nachgebaute Westernstadt, die Holzhäuschen kann man mieten, hat ein Bett drin, viel mehr passt da nicht rein. Wir legen uns auf unsere Matten draussen. Bob, der Besitzer, zeigt mir die Dusche, ein Zelt. Ich bin heute ein wenig der Bünzli, habe keine Lust auf sowas. Es ist mir einfach zu schmuddelig und dafür will ich auch nichts bezahlen. Für aufs WC habe ich mich bewaffnet, was hier alles kreucht und fleucht, erschlägst du lieber.
Andy möchte weitergehen, weil es ja bewölkt ist, mir ist’s recht, ich laufe die Strecke gerne tagsüber. Gewöhnlich macht man hier einen Nacht-Hike, durch die Mojave Wüste und dann durch die Windfarm, weil’s am Tag zu heiss ist. Es geht zuerst entlang dem Kanal California Aqueduct und dann über Los Angeles Aqueduct (Wasser in Pipeline), wir laufen 3 Kilometer geradeaus auf dem Wasserrohr. Es wird immer bewölkter, regnet zum Glück nicht, wir laufen bis halb acht noch Richtung Windfarm.
Nach dem Essen sitzt Andy vor dem Zelt, eigentlich wollte er den Sack mit den Esswaren versorgen. Stattdessen isst er und isst, Käse, Chips, Nüsse, eins ums andere wird vernichtet, es ist der Wahnsinn. Er geniesst den Abend, ganz Andy, essen etwas träumen, so zufrieden mit sich selbst und der Welt. Ich sage nichts, wir müssen dann halt etwas schneller in der nächsten Ortschaft sein. Schluss bei km 848 (Meile 527), wir sind 37 Kilometer oder 23 Meilen gelaufen.