Tag 31, 14. Mai, Meile 504

Um 5 Uhr stehen wir auf und gehen gleich los, denn nach der Strasse, der Lake Hughes Road, geht es den Hang hoch, den wollen wir machen bevor es zu heiss ist.

Der Wasser Cache nach der Strasse ist wie befürchtet leer. Macht nichts, in der Mitte des Hanges hat es noch ein kleines Rinnsal. Als wir dort angekommen trinken wir wie Kamele, je zwei Liter, es wird den ganzen Tag nicht viel Wasser haben. Sieben Liter Wasser nehmen wir noch mit, das muss reichen. Als wir den Hang geschafft haben, ist es schon sehr heiss, zum Glück hat es so kleine grüne Oasen, in einer solchen Oase frühstücken wir, wunderschön.

Danach geht der Weg am Hang nach ansteigend weiter. Wir haben heute noch niemanden gesehen, nur mal Kojoten gehört, sonst nichts. Man merkt bereits, dass wir Richtung Mohavi Desert laufen, der Wind ist sehr warm. Ich sage zu Andy: «Jetzt um die Ecke und dann siehst du die Terrasse vom Bergrestaurant.»
Er: «Ich bestelle mir einen Kübel Panache.»
«Ich auch und so ein Metzgerkotelett!»
Andy: «Mit Tomaten-Mozzarella-Salat und Pommes.»
Ich: «Und zum Dessert Meringue mit Glacé und Rahm, hast du auch Lust?»
Er: «Wollen wir nicht lieber einen schön gekühlten Weisswein nehmen?»
Wir kommen richtig in Fahrt, beschreiben jedes Detail unseres Menüs, das Servicepersonal ist auch anwesend, ist sehr unterhaltsam und lustig, es hört uns ja niemand. Andy sagt: «Spürst du die frische Brise vom See?», ich: «Spinnst du, wir sind in den Bergen!»
Wir bleiben stehen und trinken etwas Wasser mit einer Magnesium-Brausetablette, Andy: «Schmeckt super».

Um 12 ist es so heiss, dass wir uns bis um 3 Uhr unter einem Busch legen. Danach steigt es weiter an bis zum Wassertank (Red Rock). Es stinkt aus dem Loch und wir haben noch zwei Liter, so nehmen wir hier kein Wasser mit. Wir laufen noch ein wenig und nehmen dann aus einer Regenwasser-Zisterne zwei Liter. Während ich das Zelt aufstelle kocht Andy das Wasser ab.
Schluss bei Km 811 (Meile 504), heute sind wir 30 km (19 Meilen) weit gekommen.

Tag 30, 13. Mai, Meile 485

Raus aus dem Zelt um fünf, um halb sechs gehen wir los. Ich bin ein wenig genervt, am Morgen ist Andy im Zelt wie ein Elefant im Porzellanladen. Jedesmal wenn er die Daunenjacke anzieht, schwingt er sie über den Kopf, heute war Münz oder ein Akku in der Tasche und traf mich am Kopf.
Wenn ich dann etwas sage, tut’s ihm leid, aber am nächsten Morgen ist es dasselbe. Er fragt: «Ist was?» Ich: «Nein» (und dann kommt’s!), er sagt: «Heute hab‘ ich aber aufgepasst beim Anziehen.» Ich: «Ja, ich hab’s gespürt!» und musste lachen. Er sagte dann, er ziehe sich von jetzt an draussen an. Ok, hilft aber noch nichts beim Schlafen, da nimmt er auch die ganze Fläche ein, als sei sie nur für ihn. Ich weiss ja, dass er’s nicht extra macht, aber es nervt manchmal schon.

Der Weg ist voll entspannt zum Laufen, nicht zu steil runter und rauf auch nicht. Den ganzen Morgen links und rechts mannshohe Büsche, so geht’s im Hang Richtung Casa de Luna. Bis Mittag laufen wir alleine, treffen insgesamt nur sechs Hiker.

An der Strasse machen wir Autostop zur Tankstelle um etwas zu essen und warten dort bis die grösste Hitze vorüber ist. Einige Hiker suchen eine andere Hikerin, wir sagen ihnen, wo wir sie zuletzt gesehen haben. Ein Einheimischer erklärt in allem Ernst, dass sie von Ausserirdischen mitgenommen worden ist, ja klar doch. Wir sollten sehen, dass wir die Hawaihemden bekommen, wegen den Ausserirdischen, anscheinend sind die Hemden ein Schutz. Andy meint: «Uns nehmen die nicht mit, dein Gequatsche halten sie nicht aus.»
Vier Kilometer entfernt vom Trail ist die Casa de Luna, auf dem sehr speziellen Hippie-Zeltplatz waren wir im 2017, ein esoterisch abgefahrener Ort, mit Aura und seltsamen Regeln, alle Hiker müssen hier mit Hawaihemden rumlaufen. (PS: könnt ihr in unserem Blog vom «PCT 2017», Tag 26 nachlesen, bzw. einfach im Suchfeld «Casa de Luna» eingeben).
Ein Hiker erklärt uns, dass der ganze Ort unter einem Regenbogen sei und darum alles so entspannt sei. Ist mir auch aufgefallen, der Kassierer gibt mir auf 20 Dollar nur 5 Dollar Retourgeld, das für ein Pack Gummibärchen. Er ist aber so langsam, dass ich mir die 15 $ wieder schnappe und ihm dann 3 $ gebe.

Wir haben keine Lust schon Feierabend zu machen und beschliessen wieder auf den Weg zu gehen. Also stellen wir uns für Autostop an die Strasse, es nimmt uns ein Zimmermann mit, ein lustiger Kerl, den Ganghebel hat er mit einer Klemmzange ersetzt. Es sagt dazu stolz: American Ingenieur!

Er lädt uns beim PCT aus, der Weg geht dann den Hang hoch, ist ziemlich anstrengend. Auf dem Hügel gehen wir alles am Hang entlang vorwärts. Die Landschaft (Green Valley) wird langsam kahler, zum Campen laufen wir noch eine ganze Weile hinunter.
Um acht Uhr machen wir Schluss, bei Trail-Km 781 (Meile 485) – heute 35 km (21 Meilen) gemacht.

Tag 29, 12. Mai, Meile 464

Wir schlafen mal bis 7, einige Hiker sind im Aufbruch, andere bleiben noch eine Nacht. Es hat so viele Hiker hier, dass man maximal zwei Nächte bleiben kann. Uns geht es ja gut, darum werden wir am späten Nachmittag zurück auf den Trail gehen. Fürs Frühstück können wir hinten auf einen Pick-up steigen, unglaublich, was alles in und auf diesem Wagen Platz hat. Nachher sind wir so ähnlich wieder zurückgebracht worden.

Den heutigen Tag haben wir genutzt, um unsere Sachen zu überdenken, die wir dabei haben. Dann haben wir die Mikro-spikes, warme Handschuhe, meine langen Hosen und einen Pullover (etwa 2 kg) in ein Paket gepackt, um sie nach Kennedy Meadows zu verschicken. Das ist der Beginn der High Sierra, dort werden wir die Sachen wieder brauchen. Wir nehmen lieber mal frische Esswaren mit wie Äpfel, Bananen, Peperoni oder Salami – lecker, aber schwer.

Hier im Hiker Heaven hat es einen Raucherplatz, nur dort ist rauchen erlaubt, hingegen Hasch darf man auf dem ganzen Areal rauchen. Ich hinterfrage solche Sachen nicht, verstehen muss man das nicht.

Gegen Nachmittag haben wir alles erledigt und gehen zurück auf den PCT. Es geht durch das Dorf und durch viele, teilweise sehr schöne, grosse Grundstücke meistens mit Pferden. Im Tal Green Valley kommen uns Mexikaner auf Pferden entgegen, richtige Gauchos auf coolen Westernpferden. Auch zwei Kinder sitzen in den Sätteln, Westensättel haben vorne dieses Horn, an dem haben sie sich festgehalten. Grosser Hut, Cowboystiefel und gut ist’s, die Pferde laufen einfach den anderen nach. Also diese Pferde, die hätten wir gerne geritten, richtige kraftprotzende Tiere, die nur Galopp oder Trab kennen, Schritt scheint kein Thema zu sein.

Wir müssen leider zu Fuss weiter, es ist jetzt etwa 16 Uhr und immer noch recht heiss, so kämpfen wir uns den Hang hoch. Oben angekommen hat es grüne, fette Wiesen. Wir gehen noch weiter bei schönstem Sonnenuntergang mit Sicht auf den Stausee Bouquet Reservoir.
Feierabend um halb acht bei 746 km (464 Meilen) des PCT, heute sind wir 10 km (6 Meilen) gewandert.

Tag 28, 11. Mai, Hiker Heaven

Es ist nass, es hat in der Nacht geregnet. Wir gehen in den Aufenthaltsraum vom Campingplatz, dort hat es Kaffee. Wir helfen schnell beim Saubermachen, so gibt es schneller Frühstück. Der Besitzer des Campingplatzes (KOA RV Park) ist recht freundlich, organisiert das Frühstück für die Hiker: Pancakes, Eier, Speck mit Würstchen, Kaffee und Orangensaft für 5 Dollar pro Person.

Nach dem Essen ist das Zelt trocken, wir packen ein und gehen weiter. Als ich zwei Pferde und einen richtigen Cowboy sehe, frage ich ihn, ob wir die Pferde mal haben dürfen. Andy wie üblich: «Das kannst du nicht machen!» Und wie ich das kann. Der Cowboy ist für einen Film hier, er doubelt einen schwarzen Schauspieler, das findet er sehr lustig, wir hingegen finden seine Gummistiefel lustig. Solche Begegnungen neben dem Weg finde ich immer spannend, Andy wird dann ein wenig hektisch: «Nein lass das Rosa, ich hasse das» und so. Da höre ich in der Regel nicht hin, sondern mache es einfach.

Danach gehen wir weiter, heute ist es warm und wiedermal Schlangen-Tag, drei Stück innerhalb von 14 Kilometern, wir geben das Fotografieren auf. Es geht mal hinauf in mannshohem Gras, dann hinunter zur Interstate 14, in einem Tunnel unter derselben durch, direkt ins Tal Vasquez Rocks Park vor Agua Dulce. In der felsigen Gegend hier werden viele Movies gedreht.

Um 2 Uhr sind wir in Agua Dulce und holen uns zuerst Essen für die nächsten vier Tage. Nachher gehen wir in den Hiker Heaven, dort gibt es viele Zelte und alles, was man braucht. Jeff und Donna, Privatpersonen, die ihr Grundstück seit Jahren den Hikern zur Verfügung stellen, unglaublich. Das Ganze ist sehr durchdacht: Zeltplatz, Duschen, WC, WLAN, die Wäsche wird gemacht und es gibt einen Postservice. Überall gibt es Listen, du setzt einfach deinen Namen drauf und es klappt. Das erstaunt mich immer wieder, so viele unterschiedliche Leute und bis jetzt hat es keine Probleme gegeben.

Den Abend verbringen wir auf der Terrasse, hören Musik und reden mit den anderen Hikern.
Schluss bei km 731 (Meile 454), wir sind 14 km oder 9 Meilen weiter.
Anmerkung von Andy: Wenn Rosa so viel laufen würde wie sie rumalbert, wären wir schon in der High Sierra.

Tag 27, 10. Mai, Meile 444

Wir stehen früh auf, weil es heute regnen soll. Viertel nach 5 laufen wir los, es ist so nebelig, dass wir gleich unsere Regenponcho anziehen. Ich gehe an die Spitze, Andy hat seit gestern Abend ein wenig den Durchhänger. Dieses Wetter ist aber auch mühsam, eigentlich wäre es hier recht spektakulär mit Sicht auf den Santa Clara River. Ich mache ein bisschen auf Tempo, sehen tun wir ja nur den Weg und grau.

Nach etwa einer Stunde sind wir auf dem höchsten Punkt vom heutigen Tagesmarsch angelangt, dem Mount Gleason (1990 m). Andy will ein Gipfel-Selfie, wird natürlich gemacht.

Es wird nur noch schlimmer, es fängt an zu regnen und dann noch zu hageln. Eigentlich haben wir das Gefühl, warm zu haben, trotzdem entscheiden wir uns, noch eine Schicht mehr anzuziehen. Dabei merken wir erst, dass wir ziemlich steife Finger haben. Ist schon krass, beim Laufen merkst du nicht, dass du unterkühlt bist.

Wir laufen so bis 12 Uhr durch und spüren, wie die Wärme im ganzen Körper zurück kommt. Es ist sehr grün und auch hier blüht alles. Zwischendurch gibt der Nebel die Sicht frei, man muss sich aber beeilen beim Fotografieren, sonst ist es wieder zu.
Etwa 13 Kilometer vor dem Campingplatz wird das Wetter besser, wir ziehen den Poncho, das Cape, Handschuhe und Pullover aus. Jetzt gibt es doch noch Bilder von dieser Gegend. Andy und ich reden den ganzen Weg bis unten, das lenkt uns ab, uns brennen die Muskeln und die Füsse sind schon den ganzen Tag nass, die spüren wir leider auch.

Auf dem Campingplatz sind wir um 15 Uhr 30, Hiker dürfen hier verbilligt zelten. Im Aufenthaltsraum wärmen wir uns zuerst eine Fertigpizza auf, danach duschen wir und nehmen noch ein Glacé.

Also dieser Tag war kein Spass finden wir, aber es ist für uns ein gutes Gefühl, die Situation gemeistert zu haben.
Schluss bei Trail-km 715 (Meile 444), heute sind wir 38 km gelaufen, also 23 Meilen.

Tag 26, 9. Mai, Meile 421

Um 6 gehen wir los, wir spüren die Füsse von gestern, sie tun ein wenig weh. Mal die ersten 10 Kilometer laufen wir nicht zu schnell. Das Wetter ist super, leicht bewölkt. Es steigt nur leicht auf und ab, der Weg schlängelt sich, wir träumen etwas vor uns hin.

Auf einmal fliegt ein grösserer Vögel direkt vor mir aus dem Gebüsch. Ich erschrecke derart, dass ich bei der Flucht nach hinten fast Andy flach mache (was ja an Wucht etwas braucht). Er lacht mich aus, ich sage: «Und wenn es etwas Gefährliches gewesen wäre?», er «Dann bleibst du stehen wie ein Fels in der Brandung», ich bin dann halt ein schneller Fels. 

Bei einem Bächlein füllen wir Wasser auf (auf dieser Strecke ist das Wasser nie sicher). Weiter gehen wir durch Sträucher und kleineres Gebüsch, es wimmelt von Schmetterlingen und Insekten. Gegen Mittag müssen wir einen Hang hochsteigen, eine Tafel warnt uns vor allem, was hier alles passieren kann: Von Bäumen erschlagen oder Steinen überrollt werden, warnt auch vor all den gefährlichen Tieren, die hier leben, und ausserdem ist es ein Waldbrandgebiet. Das sieht man schon von Weitem, Rauch steigt auf und es riecht nach verbranntem Holz. Das ist meist vom Forst-Service gemacht, entweder für die Samen der Bäume oder um eine Schneise freizulegen.

In diesem Hang treffen wir zweimal auf eine Schlange auf dem Weg. Bei der zweiten nehme ich mich zusammen, ich kann ja nicht jedesmal in Andy hineinrennen. Als wir richtig Pass (Angeles Forest Highway) hinunter gehen, wird es neblig, die Sicht ist gleich null.

Bei der Feuerwehr nehmen wir Wasser, gehen aber gleich weiter, es ist uns zu kalt, um hier zu kochen. Dieses Wetter ist nicht üblich für die Gegend, es hat andere Hiker hier, die nicht so recht wissen, was sie machen sollen. Hier Trübsal zu blasen nützt nichts, das Wetter bleibt wie es ist. So gehen wir auf der anderen Seite wieder aufwärts, um einen Zeltplatz zu finden. Schade, ohne Nebel hätte es super Aussichten. Schluss um 7 Uhr, wir kochen uns Bohnen mit Reis und Thunfisch, lecker.
Schluss bei km 677 (Meile 421), heute 36 km oder 22 Meilen gelaufen

Tag 25, 8. Mai, Meile 399

Ich wache auf als die Sonne ins Zelt scheint, Andy ist schon draussen und hat einen Kaffee gemacht, ja so kann der Tag beginnen. Ich singe vor mich hin und ziehe mich an. Los gehen wir um halb sieben, wir sind müde von der Nacht. Es hat stark gewindet, wir sind aufgewacht und in der Nacht aufgestanden, um den Himmel zu betrachten, eine wunderschön klare Sternennacht. Aber wir wissen jetzt, dass unser Zelt auch bei starkem Wind stehen bleibt, super Sache.

Es geht auf dem Bergkamm im Schnee vorwärts, auf der Los Angeles-Seite ist das Tal im Nebel, auf der Lancester-Seite im Dunst. Es geht zwar nicht schnell vorwärts, ist aber im Vergleich zum 2017 total einfach, wir haben Spuren und nie diese Schneemenge, auch Abrutschen mit dem Schnee ist unwahrscheinlich. Als wir aus dem Schnee heraus sind, geniessen wir eine Pause auf einem Baumstamm, richtig gemütlich.

Bei Little Jimmy Spring ist eine Quelle mit frischem Wasser, es ist 11 Uhr, kurz danach kommt der Little Jimmy Campground. Dort essen wir mit Chris Brown, Trailname «Seth Rogen». Er ist am 11. April gestartet, für ihn ist auf dem Trail gut Schlafen und Essen das Wichtigste und er hat viel Esswaren dabei, sogar Gemüse, Wurst und eine Bratpfanne. Er ist total von der Schweiz fasziniert und findet unser Sozialwesen so gut. Hier in den USA hätten sie nichts, das mache ihm Angst. Mal jemand, der Obama gut gefunden hat, wir sind erstaunt.

Am Nachmittag laufen wir auf dem Highway 2, weil der PCT wegen seltenen Fröschen gesperrt ist. Auf dem Asphalt zu wandern ist der Horror, unsere Füsse werden richtig heiss und fangen an zu brennen🔥. Nur ganz selten fährt ein Auto oder Töff an uns vorbei und uns ist ein wenig langweilig, so eintönig auf der Strasse zu laufen. Wir machen dann mit den Tannzapfen Schiessübungen, unsere Stöcke sind hoffentlich robust genug. Am Abend sind wir froh, dass wir einen coolen Platz zum Übernachten finden.

Schluss gemacht um halb sieben Feierabend gemacht, bei km 641 oder Meile 399.

Tag 24, 7. Mai, Mount Baden-Powell

Wir liegen bis 8 Uhr im Bett, es ist zweimal so gross wie unser Zelt. Dieses Häuschen ist einfach genial, es hat ein eigenes Badezimmer, Kaffeemaschine, Kühlschrank, sogar eine Feuerstelle und einen Fernseher, wobei den braucht es eigentlich nicht. Wir müssen einkaufen für fünf Tage und frühstücken, das Übliche halt. Im Restaurant, in dem wir essen, ist alles Ostern-dekoriert. Die Decke hängt voller Eier und Tiere, die sind mit einer Schnur mit der Eingangstüre verbunden. Wir lachen uns fast kaputt, jedesmal wenn die Türe aufgeht kommen die ganzen Eier und Hühner von der Decke herunter und beim Zugehen, gehen sie wieder hinauf.

Dann schnell alles ein- resp. umpacken, wir haben jetzt grosse Routine darin, so geht es schnell. Alle unnötigen Verpackungen nehmen wir immer weg und füllen alles in wiederverschliessbare Säckchen ab. Danach stellen wir uns mit dem Daumen draussen an die Strasse. Es geht nicht lange und wir können mit einer Frau mitfahren. So sind wir zügig beim Weg, verabschieden uns und wandern gleich los, alles durch den Wald bis zum Parkplatz beim Aufstieg zum Baden-Powell Peak.

Wir überlegen nicht lange, es ist 13:50 Uhr, hier zu schlafen ist keine Option. Es interessiert uns auch, wie es mit dem Schnee ist, auch Andy ist einverstanden hinauf zu gehen, also los. Zuerst geht es super, wir kommen gut vorwärts, etwa eine Stunde laufen wir im Schnee. Andy überholt mich, er scheint mit dem Gehen im Schnee kein Problem mehr zu haben. Um 17:10 Uhr sind wir auf dem Gipfel, das hat richtig gut geklappt mit dem Aufstieg.

Mount Baden-Powell ist 2’867 m.ü.M, die Aussicht ist besser als gestern, nur unten ist es dick bewölkt. Wir steigen noch etwas ab und machen Feierabend um sechs, bei Km 609 (Meile 378), wir sind heute 15 km oder 9 Meilen gelaufen.

Tag 23, 6.Mai, Wrightwood

Schon um 5 Uhr laufen wir los, es geht heute 1700 Höhenmeter hoch, und natürlich müssen wir auch wieder einige runter.🤗
Wir steigen bei sehr viel Nebel den Hang hoch, nach drei Stunden machen wir Pause. Es ist super Wanderwetter finden wir, die anderen Hiker sind voll im Stress, sie wollen wegen des Wetters schnell nach Wrightwood. Wir trinken Kaffee und essen gemütlich, lustige Leute diese Amis, es wird schon nicht so schlimm werden.

Wir gehen weiter im Nebel, wollen erst Pause machen, wenn wir am höchsten Punkt angelangt sind 😍. Es wird immer kälter, wir laufen im Wald, der Nebel ist jetzt richtig nass. Ist ja wie im tiefsten Herbst in den Schweizer Bergen. Gegen 1 Uhr sind wir zuoberst, wir hätten sicher gute Aussichten, wenn nicht alles grau wäre.

Dann laufen wir wieder abwärts, jetzt wird’s noch besser, es schneit und ist richtig kalt. Wir treffen auf zwei andere Hiker, die unter einer Blache sitzen und Kaffee trinken, ich sage: «Was ist das für ein Wetter hier in California, schlimmer als bei uns zuhause!»

Warm angezogen laufen wir noch ein paar Stunden über einen Seitentrail bis nach Wrightwood, wo wir um halb vier ankommen, gerade rechtzeitig. Super Häuschen gemietet, ziemlich das letzte hier in diesem wunderschönen Städtchen. Als wir duschen, fängt es an zu Hageln und zu Donnern und danach setzt der Regen ein.

Wrightwood ist ein toller Ort, die Häuser sind einfach in den Wald gebaut, hier stehen die Bäume in der Strasse. Ich sage: «Ist wie in Indien wahrscheinlich mit den Kühen», Andy lacht und… Es gibt hier ein Mexican Restaurant, ein gutes und auch günstiges, da schlagen wir uns die Bäuche voll.

Wir hatten heute richtig Glück, dass wir den Berg verlassen haben, unsere Entscheidung war richtig, zur Belohnung trinken wir einen Margarita. Und nachher irgendwas mit Bananen, das hingegen war keine gute Entscheidung, wie wir mit der Zeit merkten.
Wir sind jetzt bei Km 585, also 362 Meilen des Trails gelaufen. Heute plus 26 km, plus 5 km Seitentrail.

Tag 22, 5. Mai, Meile 347

Wir stehen um halb fünf auf, weil in 21 km kommt ein McDonald’s, also nichts wie los. Ach ja, und der Cajon Pass, der ist natürlich auch super. Er bildet die Grenze zwischen den San Bernardino Mountains im Süden und den San Gabriel Mountains im Norden. Im Jahr 1989 geschah hier ein schweres Zugunglück mit der Southern Pacific Railroad, ein Film wurde mal darüber gedreht.

Der Trail geht aufwärts in die Mountains, links und rechts Büsche, richtig dicht, so weit man sehen kann. Als die Sonne aufsteigt wird das Pfeifen und Zwitschern der Vögel immer lauter. Wie ein Konzert, musst einfach nur hinhören und schon hörst du eine Melodie. Oben sind wir schnell, dann geht’s wieder hinunter ins nächste Tal, hier kommt zum Vogelgesang noch das Hornen der Züge dazu. Es zieht immer mehr Nebel auf, drückt ihn richtig über die Hügelkämme hinüber ins sehr grüne Tal, sieht gut aus.

Es ist unglaublich, denke ich, wir laufen für Hamburger in der Früh los, gehen 21 Kilometer weit dafür, ich sage: «Wie doof sind wir eigentlich?» Andy ist dies jetzt egal, er habe Lust auf Burger.
Wir kommen in die Sand Little Horsethief Canyons (Pferdedieb-Täler), mit dem Nebel und von Weitem das Zughorn, einfach geniale Stimmung, Wildwest. Ich bin fasziniert von der Atmosphäre, schaue dem Treiben zu, die Passstrasse, die Güterzüge, wie laut es hier ist. Andy hat glaub nur Hunger.

Gegen 11 Uhr sind wir im Mc Donald’s, stellen das Gepäck zu den Hikern, die schon hier sind und essen: Zuerst einen Breakfast-Deal, dann Burger mit Pommes und zuletzt noch ein Soft-Ice, dazu trinke ich einen Liter, und Andy anderthalb Liter Coke.

So um die 3 Uhr gehen wir weiter, aber nach drei Kilometern legen wir uns unter einen Busch, uns tut der Bauch weh, die Möglichkeit besteht, dass wir ein wenig zu viel gegessen haben. Als wir weitergehen, kommt wieder ein mega-langer Güterzug, er hat drei Loks und 92 Waggons, er kämpft sich die Steigung hoch. Wir fragen uns, wie viel Gewicht sich hier vorwärts bewegt.

Wir laufen dann bis zum Wassercache, der ist leider leer. Das haben wir halbwegs vermutet, jetzt ist es gut, dass wir so viel Wasser (9 Liter) mitgenommen haben. Die anderen Hiker zelten hier. Einer gibt uns noch einen Tipp, wo es etwas weiter einen guten Platz hat.
Schluss bei km 559 (Meile 347), heute sind wir 30 km (19 Meilen) weit gekommen.