Tag 8, 19. April, Meile 114

Heute bin ich die, die unbedingt aufstehen will, um Viertel vor fünf, der Wecker ist auf 5 Uhr gestellt. Auch ich kann meine Schlafgewohnheiten umstellen, Andy ist etwas irritiert. Ich möchte so schnell wie möglich zum Eagles Rock, das ist eine riesige Steinformation, die aussieht wie ein Adler, es sind nur 12 Meilen.

Zuerst geht der Weg in Schlaufen durch hohes Gebüsche bis wir an eine riesige Grasebene kommen, auf der Rinder oder Kühe weiden. Kühe auf der Weide sind nicht so mein Ding, ich gebe meine Führung an Andy ab und mache ein Foto. Andy lacht mich aus: «Toll, hat es ja zuhause keine.» Ich: «Sicher nicht so grosse.» Ist ja klar, bei den vielen Burgern, die hier gegessen werden. Beim Eagles Rock fotografiert uns ein anderer Hiker, wir Schweizer müssen natürlich zum Kopf hoch klettern.

Danach geht es nur etwa drei Meilen bis zu Warner Springs, ich bin so überdreht, dass es für Andy lange Meilen werden. Lange Zeit laufen wir einem Bach entlang, ich rede irgendwas oder singe. Andy sagt: «Rosa kannst du nicht mal einfach das Tal geniessen und still sein?» «Könnte ich schon, aber dann wird es dir langweilig», ich war dann mal ruhig. Bis wir auf zwei komischen Typen treffen mit einer so 70 cm langen Machete, der andere noch mit einer Art Baseballschläger. Ich sage zu Andy: «Soll ich ihnen mal zeigen, was ein Messer ist, meines passt in die Hosentasche.» Andy antwortet, das könne ich dann aber selber ausbaden. Ich glaube, mein Mann hat Hunger. Wir spekulieren noch, was die zwei mit dem Riesending vorhaben.

Schon um 10 sind wir beim Warner Springs Camping, surfen etwas im Internet und durchsuchen die Hiker-Box. In Hiker-Boxen legen andere Hiker allerlei Sachen oder Lebensmittel hinein, die sie nicht (mehr) brauchen (bzw. kann man selber reintun). Wir duschen und waschen unsere Kleider, natürlich alles von Hand. Die Dusche ist einfach: man nimmt ein Eimer voll Wasser mit in den Verschlag und duscht damit. Hemmungen darf man keine haben, man teilt einfach alles mit den Leuten, die vor den Duschen stehen oder mit dem Nachbarn. Apropos teilen: Yves hat Blasen (Männerblasen), wir bieten ihm von unserer Creme an und ich sage: «Ich sage dir erst nachher, wofür sie eigentlich ist» (für wunde Velofahrergesässe). Nach einem heissen Wandertag damit die Füsse einzureiben, beruhigt die wunden Stellen super und duftet herrlich.

Gegen 4 Uhr gehen wir wieder auf den Weg, denn es geht wieder in die Höhe. Schon um 7 Uhr haben wir genug vom Laufen, campen bei einem Bach und machen Feierabend. Mein rechtes Fussgelenk ist noch ganz wenig geschwollen, aber schmerzt eigentlich kaum mehr. Beim Schreiben kühle ich meine Füsse. Wir sehen so viele hinkende Hiker, dass wir vielleicht etwas überreagieren. Hier müssen wir auf die Poison Oak (Gifteiche) aufpassen und nicht in Berührung kommen, diese Büsche, sogar noch die abgefallenen Blätter, verursachen starke Hautirritationen. Wir sind bei Meile 114 (Km 184) und sehr früh schlafen gegangen.

Tag 6, 17. April, Meile 80, San Felipe Hills

Wir schlafen bis 8 Uhr, es ist herrlich, ein sehr sauberes Hotelzimmer mit einem super Bett. Nach vier Nächten im Zelt ist das sehr erholsam, draussen ist stahlblauer Himmel. Heute werden wir erst gegen Abend wieder auf den Weg gehen, so können sich unsere Beine und Füsse etwas erholen. Der Autofahrer von gestern war ja auch mal auf dem PCT unterwegs gewesen, er ist immer auf dem Laufenden über den Trail, gibt gerne seine Infos weiter an Hiker. Er hat uns ziemlich genau die Schneeverhältnisse in der High Sierra geschildert und gesagt, es habe viel Schnee dort. Uns ist es wichtig, dass sich unsere Füsse und die Muskeln richtig erholen, wir sind ja auch nicht mehr die Jüngsten, aber wir sind auch lieber vorsichtig. So eine Überlastung der Gelenke oder auch der Bänder ist kein Spass.

Also frühstücken wir sehr gemütlich und reden lange mit Marlen, Mareike, Jannis und Marcel, alle aus Deutschland. Dann gehen wir noch das Dörfchen erkunden, richtig nett hier, wie in einem Westenfilm. In einem Laden bekommen alle PCT-Hiker etwas zu trinken, Andy möchte ein Foto mit der Dame machen. In einem anderen Geschäft bekommen alle Hiker gratis einen Mom’s Applepie mit Glacé, dort gehen wir natürlich auch vorbei. Danach hängen wir noch ein wenig im Hostel (Julian Lodge) auf der Veranda ab.

So gegen 16 Uhr geht es wieder los, zuerst mit Autostopp zurück zum Weg. Unser Fahrer lebt hier und ist von California enttäuscht, er findet, die Regierung gäbe seinem Staat an Mexiko ab. Und dass viele Menschen hier auf der Strasse oder in einem Trailer leben. In San Diego haben wir selber einen Parkplatz gesehen, wo Leute in Autos geschlafen haben. Er hat uns noch erzählt, dass es in der Gegend früher viele Goldminen gegeben hat und jetzt noch vereinzelt hat. Sein Auto war schlecht beieinander und ziemlich laut, so dass es schwierig war dem Gespräch zu folgen. Lustig war, dass alle Teile, die halten mussten, mit Silicon-Baukleber befestigt waren, sogar der Außenspiegel. Mit einem solchen Fahrzeug in der Schweiz zur Fahrzeugkontrolle, das wäre mal was. Als Schweizer staunst du oft, in welchem Zustand teilweise die Wagen sind. Der Fahrstil ist auch sehr sportlich, ich schwitze meistens mehr beim Autofahren als beim Wandern. Andy gibt dem Fahrer 10 $ für die Fahrt, er wünscht uns alles Gute und wir ihm auch.

Bei der Scissors Crossing gehen wir zur Brücke, dort ist Wasser für die Hiker deponiert. Jeder von uns trinkt einen Liter und wir nehmen noch 7 Liter mit. Dann geht’s den Hang hinauf, in die San Felipe Hills. Die Kakteen fangen an zu blühen, drum sind wir wieder einmal mehr am Schauen und Fotos machen als am Wandern. Wir staunen über die vielen Schmetterlinge, zwei Raupen müssen auch als Motiv herhalten. Ich glaube langsam, wir haben zuviel Sonne abbekommen. Ab morgen werden wir konsequenter vorwärts laufen und weniger diskutieren. Sonst wird das nichts mit der kanadischen Grenze.

Als wir fast oben sind entdecken wir unseren Platz, wo wir im 2017 an unserem Hochzeitstag gezeltet haben. Natürlich haben wir nochmals dort gezeltet, soll mal einer sagen, wir seien nicht romantisch. Ist für uns schon recht speziell, hier nochmals zu sein. Wir sind sehr dankbar und glücklich, dies nochmals zu erleben. Feierabend bei Trail-km 127,77 oder Meile 80.

Tag 5, 16. April, Julian

Der Wecker klingelt um 4 Uhr, abmarschiert sind wir gegen halb fünf. Rosa findet, dass ich ihr eine halbe Stunde Schlaf gestohlen habe. Wir ziehen trotzdem los und stapfen gemächlich den Hang hoch. Heute ist der Himmel ziemlich bedeckt und die Temperatur kühler als sonst. Es ist aber auch noch früh am Morgen und sehr windig. Wir schiessen immer wieder Fotos von der gewaltigen Stimmung mit den Wolken und der aufsteigender Sonne.

Danach kommen wir in eine trockenere Gegend, mit vermehrt Kakteen. Plötzlich sehe ich ein sehr schönes, spezielles Exemplar, das muss ich sofort Annerös mitteilen: «Hey Rosa schau, da ist ein stark verwirrter Kaktus.» Sie schaut mich nur verdutzt an, es dauert bis sie mein Wortspiel durchschaut und merkt, dass ich ’stark verzweigter Kaktus‘ meine. Wir lachen uns fast schlapp, Rosa sagt: «Du bist ein wenig crazy.»

Der Trail zieht sich in langen Schlaufen ewig im Hang dahin, nicht so angenehm zum Laufen wegen dem vielen Geröll im Weg. Ewig auch, weil wir alles bestaunen und fotografieren müssen. Wie gewohnt lässt Rosa fast keine Möglichkeit aus, ihre Zehen zu ramponieren, ich frag mich, wieso sie nicht besser auf den Weg schaut. Wenn’s in dem Tempo weitergeht, ist es nach Kanada 🇨🇦 eine sehr lange Reise. Wir gehen den Hang langsam hinunter und dann quer durch ein Tal zur Scissors Crossing (Highway-Kreuzung). Dort machen wir Autostopp ins Dorf Julian. Der Fahrer hat den PCT im Jahr 2014 gehikt, mit dem Trailnamen «Professor». Er erklärt uns noch, was wir wo in Julian finden, sehr netter Mann.

Um 12 sind wir bei einem Hostel und ich möchte möglichst schnell ein Zimmer mit Internetzugang, um alle Infos zum Trail zu bekommen. Rosa will nur eins – duschen. Zu meinem Leidwesen dürfen wir erst um 3 Uhr das Zimmer beziehen. Das werden drei lange Stunden, Rosa nervt, sie jammert, so geht es sicher schneller. Als wir endlich auf dem Zimmer sind, duscht Rosa und dann schläft sie, es geht ihr also gut. Ich nutze die Gelegenheit und schreibe den Blog, sie wird staunen. Ich brauche ewig dafür, bei Rosa geht das viel schneller mit dem Schreiben. Als sie wach wird, gehen wir essen. Das Hostel ist zwar etwas teuer, dafür sauber und mit Dusche und WC im Zimmer.
Jetzt mal Anmerkung von Rosa: Mein Mann, der Verrückte, rennt los mit den Worten: «Oh, oh, schau, der erste blühende Kaktus!», kniet vor ihn hin und hält seine Hände schützend darum. Ich frage: «Darf ich von deinem persönlichen Kaktus 🌵 trotzdem ein Foto machen?»

Tag 3, 14. April, Mount Laguna

(Ja, gestern war natürlich Tag 2, und dies ist der richtige Text). Um 5:45 Uhr laufen wir los mit Stirnlampen. Die Sonne kommt allmählich über den Bergkamm, Andy muss natürlich fotografieren, ich gehe langsam weiter (Sonnenaufgang, das kann dauern). Seit gestern schmerzt mich am rechten Bein die Wadenmuskulatur, ich muss ein Schmerzmittel nehmen. Vor dem Start habe ich den Muskel mit einer schmerzlindernden Creme eingerieben.

Es wird bald heiss, kein Wölkchen zu sehen am Himmel. Es geht jetzt Richtung Mount Laguna, stetig leicht bergauf auf einem breitem Weg, zum Glück alles im Gebüsch. Als wir in einen Lärchenwald kommen, duftet es betörend nach Nadelwald. Mit diesem Duft sollte mal jemand ein Parfum entwicklen. Meine Wade schmerzt immer mehr, dass ich mich entschliesse, die Tabletten aus USA einzuschmeißen, nach etwa 30 Minuten wirken sie. Ich frage Andy zum etwa fünften Mal, wann wir endlich bei Mount Laguna sind. Er ist leicht genervt und gibt eine patzige Antwort. Ich frage ihn, ob er auch von meinen Pillen will, ist auch nicht gut, wahrscheinlich hat er Hunger.

Um 11:30 sind wir endlich in Mount Laguna und gehen gleich etwas Essen, Eier mit Speck und Kartoffeln. Andy möchte wie immer etwas von meiner Portion, ich erinnere mich an gestern als er beide Snickers gegessen hat. Nachher gehen wir in den Store, um Wasser und Gummibärchen zu kaufen. Andy bezahlt und der Typ gibt 5 Dollar zuwenig zurück. Jetzt klappt Andys Englisch super, er verlangt seine fünf Dollar Rückgeld und bekommt sie auch. (Anmerkung Andy: Meine Frau das Huhn, hat wieder ihre Sonnenbrille im Restaurant vergessen. Ich – also Andy –laufe 10 Minuten zurück um sie zu holen, inzwischen merkt Rosa, dass sie die Brille auf dem Fensterrahmen beim Store liegen gelassen hat. Als ich zurück bin, sagt sie es mir. Ich schüttle nur den Kopf.)

Wir laufen weiter, hinaus aus dem Dorf und machen im Wald eine längere Pause. Nach etwa 1,5 Stunden kommen wir an eine unbeschreibliche Aussicht über die ganze Wüste, die Anza-Borrego Desert. Wir schiessen Bilder und filmen es, sowas zu sehen ist unbezahlbar.

Anza-Borrego Desert

Yves, der Schweizer vom ersten Tag und zwei andere Hiker kommen, wir machen noch ein Gruppen-Selfie. Danach gehen alle wieder weiter. Wir treffen noch auf Sabrina und Normen aus Deutschland, die in der Schweiz leben, sie sind schon fünf Tage auf dem Trail.

Wir peilen noch die nächste Wasserstelle an, bei 78,3 Trail-km ist dann 18:30 h, wir haben genug für heute. Nicht zu lange gehen ist sicher auch besser, ich spüre die Wade zwar nicht mehr, mit diesen Schmerzmitteln könnte man einen Elefanten betäuben. Andy kocht wieder einmal China-Nudeln und verwendet diese kleinen Gewürzbänder. Danke auch Anna, Reto, Claudio, ist jetzt unser Glücksbringer und hängt immer am Rucksack! (Sie haben sie uns an der Abschiedsparty geschenkt)

Tag 1, 12. April, Meile 0, Southern Terminus PCT

Unser Fahrer Ramon kommt pünktlich mit einem klasse Wagen. Andy nützt die Fahrt um englisch zu reden, er wird immer besser. Auf der Fahrt können wir uns richtig entspannen bei toller Musik. Heute regnet es sogar. Zumindest nennen sie es hier Regen, es ist leicht bewölkt und mit Fantasie nass. Von Campo müssen wir zum Start-Monument gehen. Nach etwa 2 km kommen uns Ben und Rofe entgegen, wir reden ein wenig mit ihnen, sie sind nice guys, das erste Mal auf dem Trail.

Beim Monument hat es Section-hiker und Through-hiker und ein Trailangel-Ehepaar. Wir hören zu, was es zu beachten gilt: möglichst weit weg von der Grenze zu wandern, wegen den Illegalen, die nachts über die Grenze kommen und so das Übliche, was in der Natur zu respektieren ist, aufzupassen wegen den Schlangen und vor den Poodle-dog-Büschen, die heftige Hautirritationen auslösen. Dann schreiben wir uns ins Startbuch ein. Jetzt noch das obligatorische Startfoto. Ein anderer Hiker macht diese und amüsiert sich ab uns, Andy und ich heben fast ab vor guter Laune. Noch unseren Fotografen umarmen und dann ab auf den Weg.

Es ist extrem grün und die Blumen blühen, hier hat es in letzter Zeit viel geregnet. Als wir Pause machen kommt Yves, ein Schweizer aus Freiburg, bei uns vorbei, er macht auch den ganzen Trail. Wir erzählen ihm von unserem ersten Versuch im 2017 und dass wir einen Blog haben. Er checkt dies auf seinem Handy und möchte sich beim Blog anmelden. Ich sage, es koste 5 Franken, da schaut er ziemlich blöde aus der Wäsche. Nachher geht er weiter mit zwei deutschen Hikern. Das Wetter ist sehr angenehm, leicht bewölkt und nicht zu heiss. Wir laufen durch Hauser Wilderness, unglaublich wie alles im Wachstum ist.

Irgendwann haben wir im Hang einen Mann schreien gehört. Als wir zu ihm kamen, lag er auf dem Boden. Er habe sein Gleichgewicht verloren. Wir hatten nicht vor, ihm zu helfen, der hätte lieber vorher etwas Gewicht verloren. Wir wussten auch nicht wie, wir fragten uns, wie der überhaupt hierher gekommen ist. Etwa gegen 16:30 Uhr machten wir Schluss. Unser Plan ist, die Meilen langsam von Tag zu Tag zu steigern.

Hier im Hauser Creek, Trail-km 20,7, zelten viele Hiker. Es gibt viele Leute zum reden, alle sind natürlich voll motiviert. Als wir essen, fängt es an zu regnen. Das Zelt aufstellen geht superschnell, dann blase ich die Matten auf und Andy schläft gleich ein. Ich schreibe am Blog, das ist etwas schwierig, wenn jemand daneben gerade sägt als müsste er einen Wald fällen. (Andy vorher: «Schreib, das Wetter war super angenehm zum wandern. Rosa war die letzten Tage so anstrengend, dass ich am Nachmittag gleich eingeschlafen bin.») 😍😍

10. April, Vorbereitungen

Um 6 Uhr begonnen mit dem Blog, denn das Textschreiben braucht doch ziemlich Zeit. Macht uns aber Spass und wir reisen vielleicht bewusster als sonst. Beim Frühstück hatten wir Livemusik, ein junger Mann spielte sehr schön am Klavier. (Leider können wir keine Filme in den Blog stellen). Slavi kam dazu und wir redeten ziemlich lang mit ihr. 

Zu Fuss sind wir etwa 40 Minuten bis zum «Big5»(Outdoorladen) gelaufen. Unterwegs sahen wir viele schöne Häuser und chice Villen mit grossen Gärten, sieht teuer aus. Im Big 5 kauften wir die Gasflasche (nach), dann zwei leichte Messer, ein Erste-Hilfe-Set (gegen Bisse oder Stiche) und noch zwei Wasserfilter. Natürlich habe ich mich mit Klebeband eingedeckt, damit kann man gut Blasen abkleben, man lernt dazu. Im 2017 hatte ich auf dem PCT 700 Meilen lang Blasen. Übermorgen am 12. April geht’s los mit dem Trail.

Danach sind wir in den «Burger King» etwas essen gegangen. Es ist nicht schön da, es hat viele Obdachlose und auch Drogen- oder alkoholabhängige Menschen. Übrigens, die Schulen in Amerika sehen aus wie Gefängnisse, die Sicherheit scheint ein Thema zu sein. Auf dem Rückweg zum Hostel haben wir uns verlaufen. Ich habe Andy ein wenig genervt und ihm auf Englisch meine Unterstützung angeboten: «I think you have the way lost and maybe you will the right way, then believe we have five or ten minutes». Ich fand’s lustig, Andy schmunzelte und schüttelte den Kopf. Als ich fertig war mit meinem Gequatsche standen wir vor dem Hostel. 

Später sind wir noch einmal rausgegangen und auf einem Parkplatz auf ein tolles Feuerwehrauto gestossen. Die Feuerwehrleute liessen Andy ans Steuer, ich hatte sie einfach gefragt, ob er sich reinsetzen darf (Andy: «Nein, nein, das kannst du nicht machen!»). Für heute habe ich Andy genug strapaziert. 

Fürs Nachtessen holen wir uns eine Pizza und essen sie gemütlich beim Sitzplatz von unserem Hostel. Im Hostel ist heute Karaoke-Abend, das lassen wir uns nicht entgehen. Sehr tolle Stimmung, der Pianospieler vom Morgen ist sehr musikalisch. Wir probieren möglichst mitzusingen, mehr oder weniger. Andy w… Er kann ein Lied auswählen und darf zum Singen auch sitzen bleiben. Der Arme, singen ist nicht seine Stärke, aber wir anderen unterstützen ihn. Slavi, die Gute, ist clever, sie fragt einfach, wer ihr das Lied singt. Ein anderer Gast sang Shaggy’s «Boombastic», wir lachten uns kaputt, seine Gestik dazu war toll.

Dieses Hostel, übrigens es ist das «San Diego Point Loma Hostel», ist so ein Non-Profit-Projekt, achtet sehr auf den ökologischen Fussabdruck und den Respekt für alle Menschen und Kulturen. Wirklich ein toller Ort zum verweilen, können wir nur empfehlen.

Rosa mit Musiker ohne Wein

9. April, Exploring San Diego

Heute sind wir schon seit 5 Uhr wach, logisch. Wir gehen raus, um die Gegend zu erkunden. Es ist sehr schönes Wetter und warm. Bei einer Tankstelle holen wir uns Kaffee und gehen zu Fuss Richtung Strand. Andys Fuss geht es zum Glück gut. Gestern hätten wir gedacht, dass es schlimmer wird mit dem Fuss.
Die Strassen sind sehr breit, es hat viel Grün und wahnsinnig viele Vögel in den Bäumen. Grüne Papageien, die lustige Töne von sich geben. Wir kehren nach etwa zwei Stunden zurück ins Hostel, um zu frühstücken. Dieses Hostel ist einfach genial, sehr familiär mit einer grossen Küche mit riesigem Kühlschrank für die Gäste. Man beschriftet einfach seine persönlichen Esswaren und die Sachen zum teilen legt man in ein spezielles Fach, wo jeder nimmt oder reinlegt was er möchte, das funktioniert gut. Alles ist gepflegt und sauber. Die sanitären Anlagen werden geteilt und für den Strand gibt es verschiedene Sachen zur freien Verfügung.

Wir gehen zum Strand, das wären etwa 30 Minuten zu Fuss, mit einem Standup-Paddel geht es etwas länger. Wir schieben das Riesenteil zum Strand, aber leider sind die Wellen zu heftig, um es zu benutzen. So gehen wir nur ein wenig baden bis ein Lifeguard kommt und uns sagt, dass wir hier nicht baden dürfen, der Badestrand sei weiter vorne. Mist, denn mit dem riesigem Brett gehen wir nicht dorthin. Andy schiebt dann das Riesenteil wieder zum Hostel zurück.


Dort werden wir gleich mal von einer Schweizerin angesprochen. Slavi (aus Winterthur) war drei Monate in Hawaii. Es sei dort extrem teuer, drei- bis viermal teuerer als in der Schweiz, wenn man gesund leben möchte, sich nicht nur von Fastfood ernähren wolle. Und auch die Übernachtungen. Es ist immer interessant von Anderen ihre Reiseberichte zu hören.
Wir reden mit jedem, den wir treffen, dadurch kommen wir langsam ins Englisch. Andy probiert alle Wörter einzusetzen, die er kennt. Bei mir geht es meistens mit dem unterhalten, nur eine ältere Dame scheint mich zu ignorieren, bei ihr gebe ich auf.

Wir feiern unseren Hochzeitstag mit Gegrilltem und einer Flasche Rotwein. Im Hostel ist Alkoholkonsum nur von 4:30 bis 10:30 p.m. (nachmittags) erlaubt und man darf ihn auch nicht in der Küche oder im Zimmer aufbewahren. Regeln gibts hier, komisch. Tom, ein pensionierter Ingenieur aus Seattle, setzt sich zu uns beim Essen. Auf dem Handy zeigt er uns, wo er lebt und seine selbstgebaute Aussensauna. Jetzt ist Andy in seinem Element und ich google «Küng Sauna&Spa», die Firma in der Andy angestellt ist. Tom schaut sich diese Saunas genau an und ist beeindruckt. Leider trinkt er keinen Wein, wir müssen jemanden finden, der uns hilft die Flasche zu leeren. Als Tom gegangen ist kommt Slavi mit ihrem Fisch zum grillieren, sie wird uns dabei helfen. Lustig, sie ist nicht weit von Andy, in Heiden AR aufgewachsen, er in Hemberg SG.

Slavi ist eine sehr aufgeschlossene, nette junge Frau. Der Abend wurde sehr unterhaltsam und sie hat uns dann gesagt, dass die ältere Dame taubstumm ist, das erklärt einiges. Irgendwann sind wir dann recht erschöpft ins Bett.

Wieso noch mal den ganzen Weg?

Ja wieso, das haben wir uns auch gefragt, ist nicht ganz einfach zu beantworten. Es ist so, was angefangen aber nicht beendet ist, fühlt sich nicht gemacht an. Für uns ist drum klar, wir müssen einfach den ganzen PCT machen. Der Sinn liegt auch darin, diese 4200 km zu schaffen und möglichst viel auf dem Weg zu sein. Man trifft immer wieder die Hiker an, mit denen man gestartet ist, man kennt sich mit der Zeit und weiss meistens wer vor oder hinter einem ist. Das gibt mit der Zeit eine Verbindung untereinander. Unterwegs ist es gut, wenn man andere trifft, um sich auszutauschen. Im 2017 war das so in der Desert, danach hat sich wegen den Schneeverhältnissen in der High Sierra alles aufgeteilt.
So, jetzt habe ich genügend gerechtfertigt, warum wir nochmals am Anfang des Trails starten und den ganzen Weg machen. Eigentlich ist es so, dass wir ziemlich stur sind oder vielleicht auch ehrgeizig, das ist der entscheidende Grund. Andy findet, wir sind nicht stur sondern beharrlich, das sei positiver.

Am 28. März hat Andy offiziell mit seinen Ferien begonnen, genau elf Tage bevor wir nach San Diego fliegen. Unser Sohn kann es sogar auf die Minute genau sagen, er hat auf dem Handy den Countdown eingestellt. Das könnten wir persönlich nehmen, aber es stört uns nicht, wir gehen ja weg und er bleibt. In diesen Tagen muss noch viel erledigt werden. Wir haben eine Liste gemacht, die Punkt für Punkt abgearbeitet wird. Auto auslösen, Arztbesuch, Wohnung aufräumen, noch kleinere Sanierungsarbeiten am Gebäude und etwas Umgebungsarbeiten wie Bäume schneiden, Weiden parat machen. Für die Reise ist alles erledigt, aber sicher ist noch etwas vergessen gegangen. Am Samstag ist noch eine kleine Abschiedsparty, auf die freuen wir uns besonders. Am Montag, 8. April 2019 geht unser Flug, dann beginnt zum zweiten Mal unser «Abenteuer PCT».

An dieser Stelle möchten wir uns recht herzlich bei allen bedanken, die uns bei diesem Unterfangen unterstützen. Allen voran danken wir unseren Kindern mit Anhang für das Verständnis und ihre Geduld mit uns; auch Sven, der uns die Anmeldung und Permits organisiert hat; der Firma Küng Sauna & Spa, die es Andy wieder ermöglicht hat eine lange Auszeit von der Arbeit zu nehmen; und Regula und René Obi, ohne sie wäre dieser Blog nicht so oder gar nicht. Wir danken auch allen, die sich auf unserem Blog mehr oder weniger freiwillig angemeldet haben. Andy ist auch dabei sehr ehrgeizig bei der Sache!

Wir hoffen, dass wir euch mit den neuen PCT-Reiseberichten ein wenig unterhalten können. Unser Ziel ist diesmal, auch möglichst viele Infos zur Reise geben zu können.
Liebe Grüsse Rosa und Andy

PCT-Vorbereitungen 2019

Wir haben im 2017 den PCT zum Teil gewandert (etwa drei Monate) bis Andy den Fuss übertreten hat. Daher haben wir schon Erfahrung, was es an Vorbereitungen braucht.

Bewilligungen

Bewilligung PCT Langstrecken-Wanderung (Thru-hiker permit), über die PCT-Website.

Fire Permit: ein Kocher oder Lagerfeuer braucht eine Bewilligung in den USA, auch über die PCT-Site.

Bewilligung Grenzübertritt USA – Kanada

B2 Visa (ist bei uns noch gültig)

Vollmachten ausstellen: Bank, Post, Tiere (auf unsere Tochter und Sohn)

Körperlich

Viel laufen, wir haben mehrtägige Wandertouren mit dem Material unternommen, das wir auf dem PCT verwenden. Ist wichtig, um zu testen, was sich bewährt hat. Einmal im Monat einen 50 km Marsch.

Bänder stärken mit Dehnungsübungen, das Gleichgewicht verbessern. Die Füsse trainieren, ganz einfach möglichst viel Barfuss laufen. Die Fusssohlen werden so härter, auch die Gelenke beweglicher, hoffentlich gibt es so weniger Blasen. Wir erhoffen uns dadurch, die Schönheit des Weges noch mehr geniessen zu können. Je fitter man ist, desto mehr Meilen schafft man täglich. Dadurch kann man sich ab und zu mehr Zeit nehmen, um an einem Ort länger zu bleiben.

Einige Spezialkurse mit Bergführer wie man sich im Schnee verhält, haben wir im 2017 absolviert.

Material:

Verbessern und reduzieren. Bei der Packliste haben wir die von 2017 angepasst, ist dadurch im 2019 erheblich weniger geworden (vgl. Packliste 2017 und 2019). Allgemein werden wir viel weniger Sachen und Gewicht mitnehmen:

eine neues, leichteres Zelt (3-Saison statt 4-Saison)

Rosa: eine neue Daunenjacke und ein kleinerer und leichterer Rucksack, der auch wasserdicht ist

Andy: neue und leichtere Trekkinghosen und neue Schuhe von Alta, die sollten mehr Halt geben.

Beide: neue Wanderstöcke ohne Dreh-, sondern mit Klemmverschluss. Die Schrauben waren sehr langwierig beim Verstellen.

Aus unserer Sicht sind das Wichtigste gute Englischkenntnisse.

Rosa: intensives Englisch mit Babbel.

Geld für unterwegs

CHF 400 pro Woche für zwei Personen, CHF 1600 Fr. im Monat sollte reichen, wenn alles normal verläuft. Dieser Betrag erlaubt natürlich nicht immer ein Hotel zu buchen, wenn man in einem Dorf ist.

Das Beste zum Schluss:

Wir haben uns gewichtsmässig eine körpereigene Reserve zugelegt. Im 2017 hatten wir in der Wüste so viel abgenommen, dass es mühsam geworden ist. Wir mussten in jedem Dorf einfach möglichst viele Kalorien reinstopfen. Rosa hat jetzt 9 Kilo, Andy 10 Kilo zu viel, damit sollten wir ein wenig Reserve haben.

Packliste 2019 (pdf)