Tag 116, 23. Aug., Meile 2271

Um halb sechs läutet der Wecker, Andy hat keine Lust aufzustehen, ihm ist’s zu kalt draussen. Zweimal noch zehn Minuten, dann gehe ich aus dem Zelt, es ist wirklich kalt und alles nass vom Tau.

Am Morgen verläuft der Weg 30 km im Wald hinunter, dann mehr oder weniger flach bis zum nächsten Anstieg, dem Cispus Pass, auf 1972 Höhe. Aber vorher gibt’s noch Trail-Magic: ein Mann ist mitten in den Wald gefahren, um die Hiker mit Apple-Pie und allem Möglichen zu bewirten. Super, wir nehmen jede Kalorie, die es zusätzlich gibt.

Der Weg zum Pass hoch wird immer schöner und die Weitsicht oben ist wunderschön. Diese Wilderness Yakima Reservate gehören zum Schöneren, was wir bis jetzt auf dem PCT gesehen haben. All die Farben von dem Gestein, über grün, gelb, rötlich und überall kleine Bächlein durch die immer noch blühenden Wiesen. Andy nimmt noch Wasser bei einem kleinen Wasserfall. Bei der nächsten flachen Stelle wird das Zelt gestellt.

Gestern hat uns eine Rangerin kontrolliert und gesagt wir hätten die Formulare beim Eintritt in eine Wildernes ausfüllen sollen. Es hat manchmal einen Kasten, in die man den Zettel mit den Angaben (Name, Datum des Eintritts, welchen Trail usw.) einwerfen kann. Heute wollten wir das machen, aber es hatte leider keine leeren Formulare mehr, nur noch Papierfetzen, die Nager waren schneller als der Ranger. Es muss trotzdem naiv sein, wer annimmt, dass ihn jemand sucht oder findet in dieser Weite. Ein Notfallsender wäre hier wahrscheinlich die beste Option.

Schluss bei km 3654 oder Meile 2271, gelaufen sind wir 46 km (29 Meilen).

Tag 115, 22. August, Meile 2242

Ausgeschlafen bis acht. Gestern hat es stark geregnet und heute ist aber schönstes Wetter. Andy kommt mit einem Kaffee, den gibt’s im Store für die Hiker umsonst, soviel man will. Die Hiker-Box ist ebenfalls im Store, nicht nur Hiker tun Esswaren und alles Mögliche rein, Anwohner ebenfalls. Ist sehr grosszügig vom Ladenbesitzer, er könnte sicher mehr verkaufen ohne die Box.

Eine Frau im Laden macht Riesen-Sandwiches frisch, wir essen gleich hier. Mit einem davon hast du mehr als genug gefrühstückt. Das Fleisch ist sicher 2 cm dick, sowie die Butter oben und unten, dazu noch Käse und Salat, ohne Übertreibung. Sie meint, Hiker brauchen viel Fett, lacht dazu, sie hat sowas von recht. Wir nehmen vier Stück davon. Eigentlich war eins für am Nachmittag gedacht, Andy verdrückt gleich zwei davon.

Um 11 Uhr fahren wir mit einem Trail-Angel uns anderen Hiker zurück zum PCT. Man glaubt nicht, wie viele Hiker mit Rucksack in ein Fahrzeug passen.

Zuerst gehen wir etwa zehn Kilometer durch etwa zehn Jahre alten Waldbrand. Danach haben wir eine sehr schöne Sicht auf den Mt Adams. Wir laufen hinauf zum Fuss des Vulkans, der Gletscher ist recht imposant. Dort machen wir Pause mit Tee-Time und noch einer Hikerin. Eigentlich hätte ich genug Hunger für mein Sandwich, aber Andy bekommt natürlich die Hälfte davon. Das war klar für ihn, er kann ja nichts dafür, dass er gleich zwei aufs Mal gegessen hat.

Der Weg geht durch eine Berglandschaft mit Bächlein und Wiesen zwischen Tannenwäldern – fast wie in der Schweiz. Vom Gletscher fliesst einen Fluss mit ziemlich starker Strömung. Wir sehen eine Brücke mit mehreren kleinen Stämmen darüber. Tee-Time hat auf uns gewartet und steht auf der breiten Stelle der Brücke an der Seite, um uns zu helfen. Andy geht voraus hinüber, ohne Probleme. Ich gehe gleich nach Andy rüber, ich gehe sofort nach, bleibe dabei ziemlich ruhig, denn wenn Tea-Time bereit steht, kann ich nicht weggespült werden. Tea-Time wäre mir mit Sicherheit gleich hinterher gesprungen, der lässt niemanden absaufen, da bin ich mir sicher.

Nach der Querung gehen wir zu einer Wiese und geniessen den Abend. Als die Sonne weg ist, wird es recht frisch.

Schluss bei km 3608 oder Meile 2242, gelaufen sind wir 24 km (15 Meilen).

Tag 114, 21. Aug., Trout Lake

Wir schlafen bis sieben, denn es gibt heute noch Frühstück hier bei Eisaxt. Sie haben bereits wieder das Feuer entfacht und gekocht. Unglaublich die Leute, es gibt Fleisch, Rösti, Eier, Früchte, Kuchen, Getränke und Bier. Alkohol ist in den USA nicht billig, und dann die Medikamente… einfach zum mitnehmen. Irgendwie verstehen wir es immer noch nicht, die machen es einfach, für nichts. Das Kochen für Hiker können wir noch nachvollziehen, aber in diesem Ausmass mit allem Drum und Dran, ist ziemlich krass. Wir bedanken uns nach dem Essen, das mit etwas geben haben wir schon lange aufgegeben.

Wieder geht’s 24 Kilometer durch den Wald bis zur Strasse, die nach Trout Lake geht. Das Wetter ist für heute Nachmittag sehr schlecht vorausgesagt und dieses Dorf gilt als extrem Hiker-freundlich. 

Wir laufen keine fünf Minuten auf der Strasse, da hält schon ein Auto. Es ist der Store-Inhaber, der uns wie ein Rennfahrer die steile Strasse hinunter ins Dorf fährt. Dort kann man hinter dem Store zelten, für fünf Dollar, genial. Das Dorf ist ursprünglich von Schweizern gegründet, Glarner waren hierher gezogen. Ein Trail-Angel spielt uns auf dem Handy seine Lieblingsmusik vor: Jodeln und Handörgeln.

Alles kleine Farmer im Tal, Organic (Bio), die Huckleberry (Heidelbeeren) sind hier ein Markenzeichen, werden zu allem Möglichen verarbeitet. Das Wasser haben sie vom Mount St. Helens Vulkan mit den Gletschern. Zuwenig Wasser ist für sie daher kein Problem. Mount St. Helens ist ein aktiver Vulkan (letzte Eruption im 2008). Er ist 2539 m hoch und gehört auch zur Kaskadenkette, dem vulkanischem Gebirgszug entlang der Westküste Nordamerikas.

Wir stellen unser Zelt im falschen Campingplatz auf, nach dem Essen im Burgerladen merken wir’s, die Hiker zelten gleich hinter dem Store. Also zügeln wir unsere Behausung. Das Zelten hier ist lustig, wir müssen zehn Minuten quer durchs Dorf laufen um zu duschen, die Wäsche können wir einfach im Laden machen, Internet ist auf der Veranda beim Store. Wir haben gute Gespräche mit Trail-Angels, so freundliche Leute hier, einfach toll. 

Schluss bei km 3584 oder Meile 2227, gelaufen sind wir 24 km oder 15 Meilen.

Tag 113, 20. August, Meile 2212

Wir gehen um halb sechs ohne Frühstück los. In 16 km hat es Picknicktische, wir wollen an einem Tisch frühstücken. Langsam aber sicher haben wir einen Knall, an einem Tisch zu sitzen ist für uns ein Grund mit dem Frühstück zu warten.

Auch heute geht der Weg durch den urwaldartigen Wald. Wir sehen überall Pilze, auch sehr grosse, teilweise mit Durchmessern bis zu 30 cm. Ich bin froh, dass sich Andy nicht mit Pilzen auskennt. Bei den Beeren wollte er irgendwelche essen, die er nicht kannte. Alles was essbar aussieht ist nicht sicher vor ihm, er macht mich in der Beziehung wahnsinnig.

Unglaublich, wir kommen bei dem Picknickplatz an und… Trail-Magic. Ein Cowboy und sein Sohn machen Pancakes, frischen Kaffee und vieles mehr für die Hiker. Wir bekommen ein kleines Tischlein und zwei Stühle, essen und reden. Was will man mehr. Die kennen uns: «Ihr seit die mit dem Schuh, den ihr in der High Sierra im Fluss verloren habt.» Markus, unser Mithiker in der High Sierra, hat uns ziemlich bekannt gemacht. Der Ruf eilt uns voraus, es sind alle nett zu uns, unser Tempo auf dem Trail gilt als schnell.

Etwa um 11 Uhr gehen wir weiter, wir treffen noch Nelsons Joseph, Trailname „Dock“, ihn kennen wir vom Anfang. Er hatte leider Probleme mit den Füssen, darum haben wir gedacht, er sei weg vom Trail. Dock ist ein lieber, freundlicher Typ, seine positive Einstellung zum Leben finde ich sehr toll. Solche Leute würdest du am liebsten in dein Leben mitnehmen.

Der Nachmittag geht gleich weiter wie die letzten Tage wandern: Hinauf und hinunter im Wald. Andy ist etwas schneller geworden, aber immer vorsichtig. Dadurch habe ich null Probleme mit dem zusätzlichen Gewicht mitzukommen. Nur mein Rucksack beschwert sich, er quietscht bei jeden Schritt.

Um 19:30 Uhr laufen wir in die nächste Trail-Magic: Eisaxt (Trailname) hat mit seiner Truppe hier fast ein Restaurant aufgebaut. Wir essen zwei Teller Spaghetti mit Sauce, trinken Bier dazu und kriegen zum Dessert noch Kuchen. Nachdem Andy das Zelt gestellt hat setzen wir uns zu den anderen ans Feuer.
Washington ist bis jetzt einfach genial. Die Hiker sind überall freundliche Menschen –und das ist mehr als untertrieben. 
Schluss bei km 3560 oder Meile 2212, gelaufen sind wir 44 km oder 27 Meilen.

Anmerkung:
Heute haben wir von Markus das Foto beim Monument an der kanadischen Grenze erhalten. Wir gratulieren dir zu deiner super Leistung Sputnik!

Tag 112, 19. Aug., Meile 2185

Um 5:30 Uhr stehen wir auf, es zieht dicker Nebel über unseren Zeltplatz. Alles ist nass, man könnte meinen, es regnet. Mit den Wolken haben wir dafür einen schönen Sonnenaufgang.

Gegen acht verzieht sich der Nebel, wir haben blauen Himmel, kein Wölkchen. Geniales Wetter den ganzen Tag durch und der Weg ist fast den ganzen Tag im Wald. 400 Meter hinunter, 400 m hinauf, 700 m hinunter. Dann flach über kleinere und grössere Bäche und Strassen. Dazwischen gibt’s eine schöne Trail-Magic: eine Familie, die für hungrige Hiker Hackfleisch mit Peperoni und Zwiebeln gekocht hat. Das Hackfleisch legen sie zwischen Brötchen, fast wie ein Burger, nur feiner. Andy isst gleich zwei Brötchen mit einer riesigen Portion Hackfleisch, er hat extrem Hunger. Die Leute sind sehr erfreut, dass ihre Trail-Magic so gut ankommt bei den Hikern. Von jedem Hiker wollen sie einfach ein Bild, das genügt ihnen. 

Am Abend müssen wir nochmals 600 Meter hoch, Washington ist schon strenger als Oregon. Der Anfang sei noch gar nichts, zur Mitte werde es noch extremer mit dem Rauf und Runter. Es ist meistens im Wald, ohne grosse Sicht, vielen Hiker stinkt es. Dass es solche Strecken gibt, über Tage hinweg fast das Gleiche, war uns klar. Aber Umfahren geht für uns gar nicht. Entweder der ganze PCT oder gar nicht, so ehrgeizig sind wir schon. Uns gefällt es, Andy ist jetzt extrem vorsichtig mit seinem Fuss und er liebt es im Wald zu wandern. Das Tempo ist easy für mich und ich kann einfach meinen Gedanken nachhängen. Diese Ruhe in den Wäldern ist sehr entspannend, über so lange Zeit tut es einem wirklich gut. Manchmal ist es fast wie Urwald so dicht bewachsen, wirklich sehr schön.

Es ist schon halb acht als wir Feierabend machen, der Zeltplatz ist mitten im Wald, wir fühlen uns einfach gut heute. Andys Fuss macht bis jetzt super mit, darüber sind wir sehr froh.
Schluss bei km 3516 oder Meile 2185, gelaufen sind wir 41 km (26 Meilen).

Tag 111, 18. August, Meile 2159

Wir schlafen bis acht, gestern war die halbe Nacht Party auf dem Zeltplatz, irgendwann konnten wir ein wenig schlafen, wirklich fit sind wir nicht. Wir packen alles in unsere Rucksäcke, ich nehme mehr Gewicht und Andy ist froh darüber, er will den PCT unbedingt fertig laufen und darum akzeptiert er’s.

Wir gehen noch in ein kleines Café, essen etwas und nutzen das Internet. So wird es 11 Uhr bis wir Richtung Bridge of The Godsgehen, bei schönstem Wetter. Der PCT führt über die 566 m lange Brücke, bis Kanada sind es noch 495 Meilen. Wir sind super überdreht vor Glück, jetzt über diese Brücke zu gehen und drüben in Washington weiter zu wandern, ist sehr toll für uns. 

Danach geht es von 58 m.ü.M auf 1000 m hoch durch Laubwald, mit Farn fast so gross wie wir. Es ist herrlich angenehm zu laufen und schön mit dem Sonnenlicht, das durchs Laub scheint. Andy geht sein Tempo vorne und ich watschle hinter her. Er isst alles, was es an Beeren neben dem Weg hat. Darum komme ich selbst mit diesem schweren Rucksack locker nach. Wenn es aber in diesem Tempo weiter geht, werden wir länger haben für Washington, er nervt mit dem Beeren pflücken.

Der Nachmittag geht durch ein ziemlich grosses Holzabbaugebiet, ist nicht schön mit all den Pisten für die Fahrzeuge. Oben haben wir eine unglaubliche Weitsicht über die Wälder, leider halt mit den kahlen gerodeten Flächen dazwischen. Wasser muss ich bei einem Bach holen, der weg vom Weg ist. Es geht steil hinunter, ohne Büsche und Bäume wäre ich auf dem Hosenboden nach unten gerutscht, so hatte ich etwas um mich daran festzuhalten. Alles was rutschig ist, erledige ich zur Zeit. Meine Füsse und Knie sind kräftig und voll belastbar nach dieser langen Zeit.

Heute machen wir um 18:30 Uhr Feierabend, wir holen den Schlaf von letzter Nacht nach.
Schluss bei km 3475 oder Meile 2159, gelaufen sind wir 24 km oder 15 Meilen.

17. August, Cascade Locks, fertig Oregon

Der Zeltplatz ist wirklich sehr lässig, es sind Hiker aus der ganzen Welt hier und einige, die wir kennen. Wir machen zwar einen Blog und sind online, aber anscheinend ist das nicht der neuste Stand der Kommunikation. Es kennen uns mehr Hiker als wir gedacht haben, auch über Facebook (oder Instagram usw.) als «Mountain Lion, das alte Ehepaar aus der Schweiz», lieb gemeint, nicht abschätzig. Ist uns auch aufgefallen, dass es in unserem Alter kaum mehr Tru-Hiker-Paare gibt, wir kennen jedenfalls kein anderes, Sektion-Hiker noch eher. Oft werden wir auch gefragt, ob alles noch gut sei. Das ist ja nett, aber es macht einem klar, dass wir vielleicht mit unseren Grenzen spielen. Was soll’s, wir geniessen es und die jungen Leute haben Freude an uns.
Also bis auf einen, den überholen wir ständig, der hat ein grosses Problem mit uns Alten. Er regt sich köstlich auf: „Die zwei sind unglaublich, ich renne und renne und am Abend kommen die zwei und schlendern vorbei. Oder am anderen Morgen. Die sind sicher schon in Rente». Ein anderer sagt: «Nein, die sind nicht so alt», das hört der nicht, er ist einfach genervt ab uns. Wir sind halt einfach konstant, stehen früh auf und laufen bis in den Abend. So müssen wir nicht rennen, machen aber doch Kilometer um Kilometer. Auch hier brechen wieder einige den PCT ab, haben keine Lust mehr oder gesundheitliche Probleme oder wegen dem Wetter, das ist natürlich auch ein Grund.

Den ganzen Tag verbringen wir mit Schwatzen und erledigen einige Sachen. Am Abend gehen wir noch ins Restaurant, wo eine Hiker-Party stattfindet. Für uns nicht zu lange, morgen geht’s weiter in Washington. Wir werden sehen, wie es geht mit Andys Fuss.

Ives hat gestern noch Salben geholt für sein Knie, er hat gleich zwei gekauft und eine für Andy mitgebracht. Die ist super, sie basiert auf Hanf (einfach ohne THC), wir haben Ives von unserer gegeben und ihm hilft es.

Das mit dem Gewicht mach‘ ich jetzt einfach, ich trage so viel ich kann von Andy. Andy ist nicht begeistert und sagt es, aber ich werde es ignorieren. 

Tag 110, 16. August, Meile 2144

Die Nacht war ziemlich windig und es regnet, wir ziehen den Regenponcho schon im Zelt an. Ich nehme wieder viel Gewicht von Andy, das haben wir gestern so abgemacht, das ist sicher besser für seinen Fuss.
Der Regen hört langsam auf, dann ist es nur noch dicker Nebel und windig. Der letzte Abschnitt von Oregon ist echt ziemlich hässlich: verbrannter Wald (Feuer im 2017) bis zum Dorf Cascade Locks. Und der Weg ist oft in schlechtem Zustand.

Wir laufen die letzten 41 Kilometer mit einer Pause durch bis zur Brücke Bridge of the Gods, die über den Columbia River geht und Oregon mit Washington verbindet. Um vier Uhr am Nachmittag kommen wir bei der Brücke an. Wir sind happy, die Brücke ist wieder ein Ziel mehr, das wir erreicht haben. Ein Pärchen gratuliert uns zum Oregon-Abschluss und hat noch Pizza für uns, die wir gleich verputzen, super lecker.

Jetzt geht’s zu den «Hiker days» hier in Cascade Locks. Die PCT-Association organisiert sie (jedes Jahr) und es gibt jede Menge Trail-Angels, die dich bewirten und einfach verwöhnen vom Feinsten. Das zweitägige Outdoor-Festival ist eine Riesenveranstaltung, mit Messe rund ums Hiking und Zeltplatz auf der hübschen Thunder Island. So viele bekannte Gesichter zu sehen ist unglaublich schön.

Wir stellen unser Zelt nicht wirklich an der besten Stelle auf, hinten spritzen Sprinkler bis zu unserem Zelt. Das merken wir dann erst in der Nacht, die anderen auf dem Platz lachen uns aus. Wir müssen unser Zelt etwas verschieben, sehr peinlich, dass gerade hier so ein Lapsus passiert. Gefühlt jeder hat es gesehen. 

Wir schlendern noch durch die Messe und gehen danach ins Restaurant zum essen. Schluss bei km 3451 oder Meile 2144, gelaufen sind wir 41 km oder 25 Meilen.

Tag 109, 15. August, Meile 2119

Um 7 Uhr gehen wir hinunter ins Hauptgebäude der Lodge, dort gibt es Kaffee und das gehört zum Frühstück. Bis das Restaurant öffnet schauen wir uns das Gebäude und die Gemälde an, alles ist sehr stillvoll eingerichtet. Der Film «Shining» mit Jack Nicholson wurde 1980 hier gedreht (Autor Stephen King), ist aber nicht so unser Filmgeschmack.

Das Frühstück kostet 19 $ und ist der Wahnsinn, es gibt einfach alles, wir essen bis wir fast platzen. Der Saal ist voll, es hat sehr viele Hiker und nur vereinzelt Hotelgäste. Die Angestellten kümmern sich rührend um die Hiker. 

Es wird 10:30 bis wir zurück auf den PCT gehen, ziemlich überessen. Bei schönem blauen Himmel ziehen wir los, Tea-time läuft ein Stück mit uns bis er warmgelaufen ist, dann zieht er vorne weg. Der Weg ist super, angenehmer Waldboden, keine Steine nichts, und geht in langen Schlaufen abwärts.

Ich gehe vorne und Andy hinten, da rutscht er aus, verknackst sich seinen Problemfuss. Er setzt sich hin, unglaublich so ein Pech immer derselbe Fuss und das hier im einfachsten Gelände. Wir prüfen, ob er noch auftreten kann, scheint soweit zu funktionieren.

Nach etwas Warten geht’s ihm besser, der Knöchel ist leider etwas angeschwollen. Ich übernehme soviel ich kann von seinem Gewicht. Er zickt etwas, das sei nicht nötig, ich ignoriere ihn und er zickt weiter. Ich wäre genauso, wenn es mir passiert wäre, darum sage ich nichts, er wird sich schon beruhigen. So gehen wir vorsichtig weiter, im Laufe des Tages findet es dann Andy auch gut, dass er weniger Gewicht tragen muss. Bei jedem Wasser kühlt er den Fuss eine Weile und bis zum Abend wird es zum Glück besser.

Der Zeltplatz ist fast zuoberst, das Wetter ist windig und kalt geworden. Wir stellen unser Zelt zwischen die anderen Zelte. In den letzten Tagen sind es immer mehr Hiker geworden, die meisten gehen ans Hikertreffen, das vor Washington ist. Danach werden sich alle wieder auf dem PCT verteilen, sonst wären es zu viele Leute auf dem Trail für uns.
Schluss bei km 3410 oder Meile 2119, gelaufen sind wir 39 km oder 25 Meilen.

Tag 108, 14. August, Timberline Lodge

Um sechs laufen wir los durch den Wald. Wir kommen an eine Strasse, dort stehen einige Hiker mit ihren Handys. Super, hier ist Empfang und zwar richtig guter, auch wir nutzen dies, um im Internet zu surfen. 
Danach laufen wir weiter, in diesen Wäldern soll es Big Foot geben (die legendären dunkel behaarten Riesen, von den Indianern auch «Sasquatch» genannt). Wir haben keinen gesehen. 

Der Trail geht dann über die Passtrasse Barlow Pass und dort gibt es super Trail-Magic: Zwei Frauen machen Burger für die Hiker mit allem Möglichen dazu. Es ist übrigens nicht die letzte für heute, nach zwei Stunden gibt’s auf einem anderen Parkplatz Sodas und Früchte von einem Hiker-verbundenen Ehepaar. 

Der Tag wird kontinuierlich noch besser. Es geht Richtung Mount Hood, mit 3425 m ist er der höchste Berg in Oregon. Ein imposanter Berg, an seinen Hängen gibt’s zwölf Gletscher, diese bedecken etwa 80 % der Fläche des Bergkegels. Die amerikanischen Ureinwohner nannten ihn «Wy’east».

Wir gehen bis zur Timberline Lodge und stellen das Zelt oberhalb des Hotelgebäudes zwischen die Bäume, dies ist ein offizieller PCT-Zeltplatz. Diese Lodge ist der absolute Wahnsinn, einen solchen Holzbau haben wir noch nie gesehen: Die Ausmasse der Balken und Säulen sind wuchtig und doch ist das Ganze sehr schön und harmonisch. All die kunstvollen Schnitzereien, Gemälde und Eisenbeschläge; schlicht und einfach Handwerkskunst vom Besten. 1937 wurde die Lodge von US-Präsident Roosevelt eingeweiht und 1977 wurde sie zum National Historic Landmark erklärt (nationale historische Sehenswürdigkeit).

Hier verbringen wir den ganzen Abend, alle Hiker hängen im Hauptteil des Gebäudes herum, die Atmosphäre ist toll. Niemand stört sich an den Hikern, im Gegenteil, eher spürt man die Bewunderung.
Der Hiker «Tea-time», Erich Ruhlmann, zeigt uns seine Filme, die er gemacht hat. Wir sind begeistert er macht so coole Videos von seinen Reisen: www.polarsteps.com/EricRuhlmann
Es wird spät bis wir zum Zelt gehen, nur etwa fünf Minuten. 

Schluss bei km 3371 oder Meile 2094, heute sind wir 34 km (21 Meilen) gelaufen. 

Teatime, alias Eric Ruhlmann