16. Juni, Mammoth Lakes

Um 6 Uhr ziehen wir los. In der Nacht ist die Temperatur runter gegangen. Mir ist es recht, zügig hinunter zu gehen, die Schlechtwetterfront scheint zu kommen. Wir freuen uns auf gutes Essen, auf duschen und ein Bett. Wir brauchen auch eine Pause, mir tut das linke Bein weh, das ich im Fluss an einem Stein angeschlagen habe, Andy ist der Fuss angeschwollen. Dann wollen wir in aller Ruhe den Film der unglücklichen Querung anschauen, den Markus aufgenommen hat, und das weitere Vorgehen besprechen.

Bis zum Parkplatz sind es noch sechs Meilen, Andy muss für seinen Fuss eine Schmerztablette nehmen. Ich laufe vor ihm, damit falls der Schnee nicht hält, ich die Rolle (postholing) mache und nicht er. Es geht durch den Wald im Schnee, alles den Spuren nach. Heute begegnen uns viele Hiker.

Vom Parkplatz müssen wir noch 4,5 Meilen auf der Teerstrasse bis zu Mammoth Lakes laufen. Auf den letzten zwei Meilen kommt uns Moni entgegen mit Trailmagic, super lieb von ihr. Wir laufen bis zu einem Restaurant, um ausgiebig zu essen. Danach will ich nur noch ins Hotel.

Nach einem Nickerchen müssen wir für neue Schuhen für mich schauen. Mit dem Bus fahren wir zum Sportgeschäft. Als ich mit den zwei verschiedenen Schuhe hineinkomme, schauen sie, dann sagt ein Angestellter: «die Schweizerin, die einen Schuh im Fluss verloren hat». Er findet das eine super Story, und uns nur toll, wir verstehen das nicht ganz, aber werden genial beraten. Für Andy verabreden wir auf den nächsten Tag, dann wird jemand, seinen Fuss anschauen, der viel davon verstehen soll.

Zurück im Hotel geht es gleich weiter. Daniel, der mir die Schuhe ausgeliehen hat, ist auch im Dorf angekommen. So treffen wir uns im Restaurant, um ihm die Schuhe zurückzugeben. Wir essen zusammen, und haben einen netten Abend. Am Nachbartisch isst ein Pärchen Käse-Fondue. Ich kann nicht glauben, was die alles ins Fondue rühren, am liebsten würde ich’s ihnen wegnehmen, einfach gruslig.

Heute sind wir total müde, ich schlafe schon im Bus ein, gehen im Hotel gleich ins Bett.
Wir sind 10 Meilen vom Trail ins Dorf gelaufen.

Tag 55, 15. Juni, Silver Pass

Die Nacht war nicht besonders erholsam, wir haben beide nicht so gut geschlafen. Mir ist klar geworden, dass ich gestern einfach vor der Querung hätte meine Bedenken mitteilen müssen statt einfach zu hoffen, dass es gut geht, nur weil es schon x-mal gut gegangen ist. Andy und ich wollen in Zukunft mehr Zeit aufwenden, um solche Flussquerungen sicherer zu machen und wenn nötig, sie sogar zu umlaufen oder Alternativen zu nehmen. Markus und Patricia sehen es auch so.

Um 5 Uhr laufen wir los. Heute sollten nur kleinere Bäche, bzw. zwei mit Brücken kommen, das sollte gut machbar sein. Trotzdem kostet mich das Loslaufen zuerst Überwindung, geht aber nicht anders, wenn ich zu Mammoth Lakes kommen will. Also stapfe ich los und mit der Zeit überwiegt die Freude hier zu sein und ich geniesse jeden Augenblick. Es hat hier immer wieder Hiker unterwegs, alleine und in Gruppen. Als wir auf dem Silver Pass sind, ist es einfach traumhaft, Andy macht Kaffee und super Bilder.

Danach geht es hinunter, alles durch Schnee und Wald, es hat viele Spuren, teilweise ist der Schnee auf dem Weg schon weggeschmolzen. Andy geht voraus, plötzlich bricht der Schnee ein, er macht einen Abflug nach vorne. Der linke Fuss schlägt auf, es sieht schmerzhaft aus. Ich helfe ihm auf und sage: «Das ist, glaube ich, nicht unser Streckenabschnitt».

Ab nun geht Markus voraus, bis zu einem Zeltplatz, der ist super, hat sogar Internet. Markus reserviert für die nächsten zwei Nächte ein Apartment. Andy und ich sind ziemlich fertig, die letzten Tage waren einfach zu viel für uns, auch zu viel Höhenmeter. 180 Kilometer in neun Tagen bis hierher, mit einer Nacht und einem halben Tag Pause im Schnee unterwegs, dazu die Höhe und die schwierige Strecke (zusätzlich bei Schneeschmelze). In der Zeit bei diesen Verhältnissen diese Strecke zu meistern, ist nicht ohne.
Andy und ich beschliessen, mehr auf unser Tempo zu achten und mehr Pausen einzulegen, wir sind ja keine 20 mehr.
Übernachtung bei PCT-km 1454 (Meile 904) nach 34 km also 21 Meilen.

Tag 54, 14. Juni, Meile 883

Wir schlafen bis 8 Uhr, freuen uns aufs Frühstück. Die Menükarten bieten verschiedene Frühstück-Varianten an, super, aber leider gibt’s keine Kartoffeln, der Kaffee ist auch leer, also wirklich im Griff haben sie’s hier nicht. Der Tag fängt ja gut an. Andy ohne Kaffee, das ist nicht wirklich lustig, er ist richtig genervt. Ich auch, sollte ja nicht so schwer sein, Kartoffeln oder was ähnliches zu organisieren. Die letzten Tage waren sehr streng für uns, eigentlich haben wir uns auf einen ruhigen Tag eingestellt mit viel essen.

Nach dem Frühstück geht es im gleichen Stil weiter. Abgemacht war, dass wir um halb fünf mit dem Fährboot auf dem Stausee Lake Thomas A Edison zurück zum Weg fahren. Als wir die Tickets lösen, sagen sie uns, dass die Fähre schon um halb drei fahre. Schlussendlich sollen wir um ein Uhr beim Boot sein. Das nervt uns, aber die Überfahrt war dafür sehr schön. Der Wasserpegel ist tief, in einem Monat sei der See voll vom des Schmelzwasser.

So um 16 Uhr laufen wir auf dem PCT weiter und haben natürlich gleich wieder nasse Füsse. Der Weg geht zum Silver Pass, immer den Hang hoch durchs Cascade Valley, wir überqueren einige Bäche, mal kleinere und grössere. Patrizia fragt, warum wir jetzt nicht hier campieren. Ich vermute, Andy möchte hoch bis zur Schneegrenze, weil wir dann in der Früh im harten Schnee gehen können.

Wir treffen auf einen Wasserfall, der über den Weg geht. Das Wasser rauscht in einem Tempo über den Weg, man sieht den Boden nicht. Die Anderen gehen ohne grössere Probleme darüber, ich bin die letzte zum queren. Ich habe kein gutes Gefühl dabei und bleibe stehen, um zu schauen, ob Andy es realisiert, dass ich vielleicht Hilfe brauche (der Wasserfall macht einen gewaltigen Lärm, dass wir uns nicht hören). Andy ist wie immer schon bereit und deutet mir, wo es am besten geht. Als ich fast drüben bin, drückt mich die Flut weg, spült mich ein Stück mit, ich klammere mich am nächsten Stein fest. Unmöglich, mich selber zu befreien. Andy ist sofort zur Stelle und zieht mich aus dem eiskalten Wasser, Markus kommt ihm zu Hilfe. Nachher fehlt mir ein Schuh, ein Stock ist verbogen, ich bin völlig durchnässt und durchfroren, bin einfach mit dem Schrecken davon gekommen. Auch die anderen hat die Situation ziemlich erschreckt.

Wir suchen uns einen schneefreien Platz – finden nach einer Weile ein trockenes Plätzchen – um zu überlegen, was wir jetzt machen sollen. Ich ziehe alles aus, um mich trocken anzuziehen, mit Andys Kleidern und den Regenhosen wird es mir langsam wieder warm. Aber mir fehlt ja ein Schuh. Wir überlegen, woraus wir einen Schuh basteln können. Mit einem Stück von einer Matte und viel Klebeband, könnte es gehen, aber wird etwas dauern.

So fangen wir an, unsere Zelte aufzustellen. Es kommen weitere Hiker den Hang hoch, einer hat doch tatsächlich Schuhe am Rucksack befestigt, wir erzählen ihm was mir passiert ist und er gibt mir die Schuhe. Was für ein Glück, ich umarme ihn, so erleichtert bin ich.

Dieser Tag war nicht der beste auf dem PCT, aber wenn du sowas machst, bringt es Risiko mit. Darum bin ich so dankbar, dass Andy immer für mich da ist, wenn ich ihn brauche.
Ende bei km 1420 (Meile 883), heute sind 13 km oder 8.5 Meilen weit gekommen.

Tag 53, 13. Juni, VVR

Tag verfasst von den Mithikern Patrizia und Markus:
Nach rund sechs Tagen seit der letzten Stadt war dieser Tag geprägt von Gelüsten und Fantasien nach feinem Essen. Das Gesprächsthema Nr. 1 ist Essen, es wird heiss diskutiert, was man in der nächsten Stadt so alles essen könnte.

Nach einer erholsamen Nacht starteten wir um 5 Uhr Richtung Selden Pass. Um diese Zeit ist der Schnee noch angenehm hart und die Landschaft ist wiederum einmalig. Plötzlich bleibt Andy stehen, als er ein Wildhuhn entdeckt, es verwandelt sich sofort in unseren Fantasien in ein feines Poulet im Körbchen, in Chicken Nuggets etc. Leider blieb es Fantasie.
Nach einem vierstündigen Aufstieg geniessen wir unter strahlend blauem Himmel endlich unser Frühstück auf dem Pass.

Beim Abstieg sind wir alle gespannt auf die nächste Flussquerung, den Bear Creek, da diese als sehr anspruchsvoll beschrieben wurde. Beim Fluss bestätigt es sich, dass es sich hierbei um ein wildes Gewässer handelt. Wir suchen nach einer passenden Stelle, um den Fluss sicher zu queren. Der unerschrockene Andy stürzte sich wie immer als Erster in die kalten Fluten. Als ihm das Wasser jedoch bis zum Hals steht, kehrt er wieder an unser Ufer zurück. An einer neuen Stelle wagt sich Markus als erstes an die Querung, er schafft es. Andy und Markus deponieren den Rucksack auf der anderen Flussseite. Mit einer 4er-Menschenkette kämpfen wir uns sicher durch die Fluten.
Durchnässt und durchfroren erreichen wir das andere Ufer, wo uns ein Hiker aus dem Land der Schnecken- und Froschschenkel-Liebhaber mitteilte, dass rund 200 m weiter oben eine Brücke («sär is ä briiiidsch») vorhanden sei. Auf einen Stein trockneten wir unsere Kleider und wärmten uns wieder auf.

Die Pause darf aber nicht zu lange dauern, wenn wir heute noch das Vermillion Valley Resort (VVR) erreichen wollen. So geht es mit ständig nassen Füssen weiter. 15 Kilometer vor dem Ziel übernimmt Rosa die Führung. Von Gelüsten und Hunger getrieben treibt sie die Gruppe in hohem Tempo voran, denn das Abendessen in VVR ruft. Die ganze Gruppe gerät ausser Atem, sogar Andy kommt kaum noch hinterher. In VVR bestellen wir sofort das Essen. Leider waren die Portionen so klein, dass wir anschliessend noch unseren Kocher anschmeissen mussten, um satt zu werden.
Einigermassen satt und müde kriechen wir bald ins Zelt und schlafen nach einem strengen Tag wie Murmeltiere.
Wir sind heute 16.4 PCT Meilen (26.4 km), zusätzlich 8 Meilen Off-Trail (13 km) zum VVR gelaufen.

Tag 52, 12. Juni, Meile 858

Das war nicht unsere beste Nacht. Wir schlafen auf dem Boden des Häuschens, um elf Uhr hör ich draussen Schritte im Schnee. Dann geht die Türe auf und die Silhouette eines Mannes mit Eisaxt steht in der Türe. Er sieht uns, dreht ab und geht wieder nach draussen, war schon ein bisschen unheimlich im ersten Moment.
Zacharias ist PCT-Hiker und unserer Spur gefolgt, er ist nur später als wir gestartet.
Jetzt erst bemerken wir, wie es in der Hütte stinkt. Es brennt dermassen in den Augen, dass Andy und ich Cowboycamping machen gleich neben der Hütte. Es ist zum Glück nicht zu kalt und der Himmel ist voller Sterne.

Muir Pass Hut

Um halb sechs stehen wir auf, leider ist der Himmel zugezogen, nichts mit Sonnenaufgang fotografieren. Der Abstieg vom Muir Pass ist über eine Hochebene mit fünf Seen. Danach steigen wir im Wald hinab, alles im Schnee, der immer weicher wird. Zacharias läuft bis zum Fluss mit uns. Super, er ist professioneller Fotograf und macht Bilder von uns, die wir dann später bekommen.

Unten müssen wir den Fluss Evolution Creek queren, mitten durchs ziemlich tiefe, reissende Wasser, ist nicht ganz einfach. Nach dem Queren machen wir auf einem Stein Pause, um alles zu trocknen.

Der Nachmittag war sehr imposant immer am Fluss S Fork San Joaquín River entlang zum nächsten Pass (Selden Pass, 3326 m). Unglaublich, wie sich diese Menge von Wasser mit einer Geschwindigkeit und Wucht durch die Schlucht stürzt. Das Rauschen ist gewaltig laut. Am Nachmittag können wir auf schneefreiem Weg wandern, herrlich, das geht viel einfacher. Ausser Zacharias sehen wir keinen einzigen Hiker.

Andy schmerzt ein Fuss, er sagt nichts und läuft einfach weiter. Ich beschliesse, dass wir Feierabend machen. Wir müssen noch Wasser fürs Kochen holen, dafür gehen wir an den Fluss hinunter, Andy bleibt oben sitzen. Es dauert etwas länger bis wir wieder bei ihm sind, dafür hat er Besuch von einer Deer-Dame.
Schluss bei km 1381 (Meile 858), wir sind 32 km (20 Meilen) gelaufen.

Anmerkung Markus:
Die Flussquerung vom Evolution Creek war wirklich nicht ohne. Nach 2/3 der Querung stiessen wir auf eine tiefere Rinne. Wir blieben stehen, die Beine wurden immer kälter, nur Rosa stürzte sich mutig in die Fluten. Das Wasser reichte ihr je nach Ausführung vom Bauchnabel bis zum Hals. Jedenfalls wurde geklärt, dass Rosas Rucksack absolut wasserdicht ist – mit Ausnahme der Seitentaschen, wo die Merinopullover verstaut waren.


Tag 51, 11. Juni, Muir Pass, Meile 835

Um 6 Uhr starten wir, für einmal ist der Weg zu sehen, aber meistens ist er unter Wasser. Überall läuft Wasser den Hang hinunter. Keiner von uns will schon am Morgen früh nasse Füsse. Andy denkt, er sei ein Seiltänzer und will über den Bach über einen schmalen Ast und dazu noch mit Eis überzogen. Andy rutscht aus und landet mit beiden Füssen im eiskalten Wasser. Wir lachen ihn aus, so ein Angeber, daneben hätte es einen breiten Baumstamm gehabt.

Wir laufen am Fluss Palisaden Creek entlang Richtung Muir Pass, immer ansteigend, links und rechts beeindruckende Berge. Heute sehen wir viele Wildtiere und hören mehrmals Bären. Wir überlegen uns, was man Feines aus so einem Tier machen könnte, jedem Vegetarier würden die Haare zu Berge stehen. Markus würde es mit den Stöcken von vier Seiten einkreisen, den Rest darf ich nicht beschreiben. Klar ist, wir müssen wiedermal etwas Feines zu essen haben, bei der nächsten Gelegenheit wir wollen grillieren.

Den ganzen Tag über sehen wir keine anderen Hiker in dieser atemberaubenden Berglandschaft, es ist unbeschreiblich schön. Andy stampft wie ein Roboter durch die riesigen Schneefelder, egal, ob es steil wird, einfach Schritt um Schritt. Wir hinter ihm, etwas angeschlagen. Ich habe zu kämpfen in dieser Höhe. Patrizia sorgt für Unterhaltung, aber nur bis Andy stehenbleibt.

Um 4 Uhr kommen wir beim Steinhäuschen auf dem Muir Pass (3648 m ü. M.) an, hier wird heute übernachtet. Der Sonnenuntergang ist unbeschreiblich schön, du siehst einfach diese Wahnsinnsweite mit absolut nichts im Licht der untergehenden Sonne. Um so etwas zu sehen, leben wir. Wir sind alle nur glücklich, miteinander hier zu sein.

Abendstimmung mit Muir Hütte

Schluss bei km 1 349,5 (Meile 835), gelaufen sind wir 25 km oder 15 Meilen.

Tag 50, 10. Juni, Pinchot Pass und Mather Pass

Um halb fünf gehen wir weiter, im Schnee wieder zum Pinchot Pass 🤗 auf 3750 m.ü.M. hoch. Der Schnee ist für mich sehr streng und die Luft wird dünner, mir ist klar, dass ich es in diesem Tempo nicht schaffe. Ohne Schnee komme ich gut mit, aber leider sind diese Wegstecken selten geworden.

Nach einer Stunde laufen bin ich fix und fertig, für Andy ist das ein Spaziergang. Ich verstehe nicht, wieso er diesen Teil des Trails nicht mit jemandem läuft, der die gleiche Kondition hat. Dann sage ich ihm bestimmt, dass ich jetzt etwas anderes mache, er solle doch weiter gehen. Für ihn kommt das nicht in Frage, er sagt, er komme mit. Es hat kein Sinn, mit ihm zu diskutieren, darum versuche ich schneller zu werden. Das wird sehr anstrengend, bis wir auf dem Pinchot Pass sind ist 9 Uhr.

Auf dem Pass haben wir eine geniale Bergsicht über zwei Täler, aber es ist zu kalt, um eine Pause zu einzulegen. Wieder hinunter ist jetzt relativ einfach, wir steigen in einer gefrorenen Spur hinab. Nach einer Pause geht es weiter auf den nächsten Pass, den Mather Pass 🤗 auf 3532 m, zuerst müssen wir über riesige Schneefelder bis zum Fuss. Dann sieht es heikler aus, wir müssen zuerst fast senkrecht im Schnee hochsteigen und teilweise über Steinfelder klettern bis wir im oberen Teil queren können zum Passübergang. Es kommen noch andere Hiker hinauf. †Oben machen wir eine grosse Pause, etwa eine Stunde.

Der Abstieg nachher im weichen Schnee ist relativ einfach, riesige Strecken rutschen wir auf dem Hosenboden hinunter. Im Tal unten ist eine geniale wilde Landschaft mit Fluss und Felsen.

Mit spuren hatte es Andy heute wirklich streng und den Tritten, die er für uns gemacht hat. Einmal ist er mit dem Fuss in einem Loch steckengeblieben, ich musste ihm aus dieser Lage helfen. Wir haben viel zu viele Höhenmeter und zu viel Strecke im Schnee zurückgelegt, Patrizia kam ziemlich an den Anschlag, ich natürlich auch.

Schluss bei km 1324,5 (Meile 823), wir sind 33,5 km (20,5 Meilen) im Schnee und viele Höhenmeter gelaufen.

Tag 49, 9. Juni, Meile 802,5

Heute Nacht hatten wir richtig kalt. Wir haben alles angezogen, ich sogar die Regenhose und trotzdem war mir noch kalt. Die Schuhe sind auch im Zelt gefroren, müssen halt an den Füssen wieder auftauen. Wir kriechen sehr früh aus dem Zelt, Viertel nach Vier.

Patrizia brauchte Hilfe von Markus, ihre Heringe sind an die Steine angefroren. So nach 5 Uhr ziehen wir los und steigen hoch zum Glen Pass (11’980 ft oder 3’642 m.ü.M). Der Schnee ist gefroren, der Aufstieg ist sehr steil und streng.

Oben angekommen sehen wir ins nächste Tal mit vielen kleinen Seen, die zugefroren sind, das ist sind sehr schön. Der Abstieg im schrägen Hang nach unten ist nicht ganz ‚ohne‘, besser nicht ausrutschen hier. Wir laufen bis 12 Uhr durch das Tal, hier müssen wir immer wieder mal ein kleinen Fluss queren. Überall hat es Wasser, die Sonne bringt den Schnee zum Schmelzen.

Bei der Woods Creek Bridge, einer Hängebrücke, machen wir die grosse Pause. Wir legen unsere Schlafsäcke und das Zelt in die Sonne, dass beides trocknet.

Am Nachmittag laufen wir noch halb Richtung Pinchot Pass hoch. Der Woods Creek (eigentlich ein kleiner Fluss), der daneben hinunter fliesst, hat eine imposante Wassermenge. Zweimal müssen wir ein zufliessendes Gewässer queren, was gar nicht so einfach ist, wir müssen zuerst eine Stelle finden, wo es machbar ist. Man muss dann gut aufpassen, dass man nicht hineinfällt, denn bei dieser Menge Wasser und der hohen Fliessgeschwindigkeit wäre es nicht ungefährlich.

Heute machen wir früh Feierabend und stellen die Zelte am Rande eines Waldes mit Sicht in das Tal. Es ist auch mal schön, den Abend bei Sonne zu geniessen. Solche Momente in der Natur sind unbezahlbar. Das ist unsere Hauptmotivation diesen Weg zu gehen, die Zeit, die wir an wunderschönen Plätzen verbringen.

Wir kochen auf einem grossen Stein. Markus möchte einen Schwingbesen für seine Schokoladecrème, ich sage:«Möchtest du den mit Akku? Den habe ich im Rucksack.» Wir haben immer viel zu lachen.
Schluss bei km 1291 (Meile 802,5), gelaufen sind wir 20,5 km, also 13 Meilen.

Tag 48, 8. Juni, unterhalb Glen Pass

Wir stehen um 6 Uhr auf, gehen frühstücken und stellen uns dann für Autostopp an die Strasse. Aber es hält etwa zwei Stunden kein Auto, endlich nimmt uns ein Mann in einem uralten Saab mit bis Big Pine.

Irgendwie ist der Wurm drin, dort bei einer Tankstelle stehen wir ebenfalls zwei Stunden bis uns eine Frau mitnimmt. Sie hat einen Campingbus, wir setzen uns aufs Bett, Markus legt sich gleich rein. Mit unserem Gepäck und ihren eigenen Sachen ist der Bus mehr als voll. Sie lässt uns in Independent bei der Passstrasse raus. Dort nützt dann alles nichts, schliesslich fährt uns ein Inder hoch, dem wir 40 Dollar geben müssen. Er lässt uns nur hinten auf die Ladebrücke einsteigen, die Fahrt ist sehr rasant, nichts für schwache Nerven.

Bei der Park Lodge sind wir erst um eins. Danach wird es eine richtige Schinderei zum Kearsage Pass hoch mit dem Gewicht im Rucksack. Andy macht zweimal einen Stopp, auch er kommt richtig ins Schnaufen, kein Wunder, denn er stapft voraus, wir hinterher. Oben machen wir nochmals eine Pause, Andy hat Bauchweh. Markus meint: «Kann es daran liegen, dass er eine ganzen Sack Chips gegessen hat (Salz&Essig-Chips)?» Ich: «Nein, sicher nicht wegen ein wenig Chips.» Es ist für uns amüsant, Andy findet es weniger lustig.

Nachher geht er mit viel Tempo den Pass runter, das ist mir viel zu schnell mit dem schweren Rucksack, das sag ich dann auch. Andy möchte nicht, dass ich alleine hinten laufe, denn ich bin wahrscheinlich die Einzige, die sich auf dem PCT verlaufen würde. Ich sehe immer etwas, das interessanter ist als weiterlaufen und schon ist’s passiert. Andy läuft jetzt langsamer, damit ich nicht mehr so ausser Atem komme.
In dem weichen Schnee ist es anstrengend, eine echte Kraxlerei.

Es wird 19:30 Uhr bis wir, etwa eine Meile unterhalb dem Glen Pass, die Zelte im Schnee aufstellen.
Km 1271, 2 km auf dem PCT und 15 km zum Trail.

6. und 7. Juni, Zero Days in Bishop

6. Juni: Wir fahren von Independence mit dem Bus nach Bishop, die Felder links und rechts von der Strasse sind sehr grün. Die Häuser und die Gegend vor Bishop sehen teilweise verwahrlost aus, einfach alles in die Landschaft gestellt, was man nicht mehr braucht: Autos, Baumaterial, Haushaltsgeräte ect.

Der Busfahrer fährt uns zum Mc Donald’s, der ist gleich neben unserem Motel, das wirklich sehr schön ist. Zuerst essen wir in einer holländischen Bäckerei, ich hätte den ganzen Tag hier verbracht, immer wieder etwas essen wäre super. Andy ist nicht der gleichen Meinung, also wird nichts mit faulenzen. Wir gehen in die Wäscherei und machen die Wäsche und die Blogbeiträge fertig.

Es wird Abend bis wir fertig sind, die anderen drei warten beim Motel auf uns um gemeinsam essen zu gehen. Danach gehen wir noch in eine Bar, hier ist für einen Donnerstagabend recht Betrieb in der Bar und es wird etwas später. Leider treffen wir jedoch keine anderen Hiker, schade.

7. Juni: Heute ist wie jedesmal einkaufen für die nächsten sieben Tage auf dem Programm. Der Topf und die Gaspatronen müssen noch ersetzt werden, so vergeht der Tag schnell.
Bishop ist eine sehr gepflegte und hübsche Stadt, mit vielen Restaurants und allerlei Geschäften. Scheint sehr belebt zu sein, überall sieht man, dass die Häuser in Schuss gehalten werden. Andy und ich schlendern gerne durch die Häuser und schauen wie die Leute so wohnen.

Am Abend gehen wir superfein chinesisch essen, ich glaube heute habe ich sicher viel mehr als 6000 Kalorien gegessen. Ich probiere an den Zero Days möglichst viel zu essen und zu trinken, auf dem Weg haben wir eigentlich immer Hunger.

Morgen gehen wir wieder über den gleichen Seitentrail zurück auf den PCT.
Leider kommt Monika die nächsten sieben Tagen nicht mit. Sie hat keine Lust, immer durch den Schnee zu stapfen und nasse Füsse zu haben, schade, werde sie vermissen. In einer Woche schliesst sie sich wieder unserem Hike an.