TAG 53, 3. Juni, Meile 1550, Schüsse im Wald

Um 5 Uhr aufgestanden und bei traumhafter Aussicht was essen. Wir hatten zum Glück keinen Bärenbesuch in der Nacht. Der Weg geht in ein Tal hinunter und unten angekommen geht es weiter durch einen Fluss. Natürlich haben wir jetzt schon alles nass. 

Nicht weit von uns wird geschossen, zum ersten Mal! Wir fühlen uns nicht mehr wohl in diesem Wald. Einfach weg von hier. Uns ist mulmig zumute, soviel wir wissen, ist gerade keine Jagdsaison. Wenn hier jemand im Wald rumballert, dann hätten wir lieber eine Warnweste dabei. Wir laufen schneller, was unsere Beine hergegeben bis spät in den Nachmittag hinein. 

Am Abend sehen wir eine Schlange, die uns heftig anklappert. Sie ist oberhalb des Weges, knapp zwei Meter entfernt von uns, etwa einen Meter lang und armdick. Ich bin müde und reagiere etwas genervt. Ich sage zu Andy, dass es mich nervt, denn ich erschrecke jedes Mal, wenn ich dieses Klappern höre. Diese Schlange ist aber ein wirklich schönes Exemplar, grasgrün und sehr schön gemustert. Sie wäre ein Foto wert, doch sie scheint fotoscheu zu sein und schlängelt sich weg. Ich sage zu Andy, dass wir den Stock brauchen könnten, um sie zu überzeugen anständig zu posieren. Er ist wieder mal nicht gleicher Meinung und zeigt mir nur den Vogel. 

Wir finden für unseren Geschmack hatten wir in den letzten zwei Tagen genug Action und stellen unser Zelt auf den nächsten geeigneten Platz.

TAG 52, 2. Juni, Meile 1540, Aug in Aug mit dem Bär

Um 5 Uhr aufgestanden und frisch und mutig die Querung in Angriff genommen. Am Morgen ist der Schnee noch gefroren, ansonsten brichst du durch, die Schneedecke hält unser Gewicht (meistens). Dank den Mikrospikes ist es machbar. Einfach nicht ausrutschen, jeden Schritt konzentriert setzen, irgendwann ist man auf der anderen Seite.

Die Querungen sind ziemlich lange. Ohne Schnee könnten wir beim Laufen eine richtig tolle Aussicht geniessen. Aber bei den Wegverhältnissen guckst du eigentlich nur auf deine Füsse. Um die Gegend anzuschauen, musst du stillstehen. Wir haben eine gefühlte Ewigkeit für die Querung. Nach überstandener Querung frühstücken wir. Es ist hier wunderschön. Diese Stille ist einfach beeindruckend, man empfindet diese Einsamkeit aber nicht als beängstigend. Schwierig zu erklären, einfach ein Gefühl des Nichtsmüssens, einfach des Seins in diesem Moment. 

Bis zum Mittag wanderten wir weiter im Schnee. Als es dann bergab geht, sind wir froh endlich wieder auf schneefreiem Weg zu hiken. In der absoluten Ruhe kochen wir, essen und halten ein Nickerchen. Keine Menschenseele kommt vorbei. Nachher laufen wir weiter bis in den Abend hinein. Plötzlich sehen wir oberhalb des Weges einen Bär (Schwarzbär). Er schaut uns eine Weile an und wir ihn. Andy macht mit dem Handy ein Foto. Danach läuft der Bär einfach weg, wir mussten nicht einmal unsere Trillerpfeifen benützen. Wahrscheinlich hat ihn unser Gestank vertrieben. 

So, für diesen Tag hatten wir genug Aufregung, erst diese Querung, dann ein Bär, der nicht erschrocken weggerannt ist, sondern uns in aller Ruhe gemustert hat. Die anderen Bären sind immer gleich im Wald verschwunden, das fanden wir angenehmer. Wir möchten eigentlich Feierabend machen, aber der Aufstieg vor uns ist sehr steil. Wenn der Schnee gefroren ist, kommen wir nur sehr schlecht rauf. Jetzt können wir noch richtige Tritte hinein hauen und einfacher aufsteigen.

Bis wir oben ankommen ist es halb neun und wir stellen das Zelt einfach im Weg auf. Heute sucht Andy einen dicken Ast aus, um den Kanister weit weg vom Stamm aufzuhängen. Nicht dass sich der Bär unseren Vorrat holt. 

TAG 51, 1. Juni, Shasta, Meile 1507

Wir frühstücken noch mit Sara und Jekov und gehen erst um 8 Uhr los. Sie werden den Weg erst später weitergehen. Saras Fuss ist geschwollen und sie hat starke Schmerzen. Jekov wird vielleicht weitergehen, oder auf Sara warten. Sara ist eine attraktive junge Frau, aber ihr Mithiker ist für meinen Geschmack etwas zu engagiert. Ich habe kein gutes Gefühl dabei und äussere Sara meine Bedenken. Sie ist selbst etwas unsicher in der Sache. Mal schauen, wenn wir sie wiedersehen, ob sie alleine ist oder mit Jekov. Wir werden weitergehen, aber ist nicht immer einfach die Leute sich selbst zu überlassen.

Ein Hiker überholt uns als wir wieder auf dem PCT sind. Der Weg geht heute steil den Berg hinauf. Nach zwei Stunden kommt uns der Hiker von vorher wieder entgegen. Er sagt, es habe zu viel Schnee für ihn, er werde zurückgehen und wisse noch nicht, ob er weiterlaufen werde auf dem PCT. Es ist etwas frustrierend immer wieder zu hören, dass Hiker entweder Strecken umfahren oder aufgeben. 

Nach einer Stunde kommt wirklich Schnee. Die Füsse werden im Schnee bald nass und den Weg mit dem GPS zu navigieren, ist etwas mühsam. Wir sind in der Bergwelt angekommen. Spuren sind momentan keine mehr vorhanden. Anscheinend sind wir die Ersten, die hier durchlaufen.

Am Abend sind wir ganz allein zuoberst auf dem Berg. Wir sollten queren, doch es ist sehr rutschig und der Hang ist steil abfallend zu einem See. Wir entscheiden uns, hier zu übernachten und morgen früh die Querung in Angriff zu nehmen. Keiner von uns hat Lust, mit dem matschigen Schnee in den See zu rutschen. 

Zelt aufstellen, danach noch ein Feuer entzünden und die Schuhe trocknen für morgen. Mit den Socken machen wir es so: im Schlafsack unter den Pulli, direkt auf den Bauch. Etwas grusig, aber es funktioniert, sie trocknen. Andy will meine Socken nicht mittrocknen, für ihn endet hier die Bereitschaft einander zu helfen. 

Zero Day, 31. Mai, Mount Shasta City, Meile 1507

Wir haben ausgeschlafen und sind danach mit Sara und Jekov nach Mount Shasta City gefahren. Ein Trail Angel hat uns dorthin gefahren. 

Mount Shasta City ist ein richtiges Hippiedörfchen. Alles voller Organic-Läden (Bio), Kristallen, allerlei Souvenirläden mit handgemachten Sachen, viele Coffeeshops und Restaurants. Die rund 3’000 Menschen leben spirituell und ziehen sich an wie in den 68ern. Sehr freundliche und gutgelaunte Leute.

Essen einkaufen ist aber sehr teuer. Alles ist Bio und aus nachhaltiger Produktion. Das ist gesund, aber ist uns ziemlich egal, uns sind zur Zeit vorallem die Kalorien wichtig. Ein möglichst leichtes, kleines Packmass und richtig viele Kalorien, so kaufen wir ein auf dem Weg. Wir beschliessen, das meiste bei der Tankstelle einzukaufen, ist billiger und dort sind auch unsere Snickers und Süssigkeiten erhältlich. 

Unsere Schuhe sind völlig durchgelatscht. Im Outdoor-Geschäft kaufen wir beide neue Schuhe. Auch Einlagen für die Schuhe sind super, damit geht`s etwas bequemer. 

Wir gehen in einen Café mit Internet, um nachzugucken, was inzwischen so an WhatsApps und  E-Mails reingekommen ist. Fabian, unser Sohn, hat uns ein E-Mail geschrieben, indem er uns zuerst zurechtweist. Wir sollten uns regelmässig melden, auch wüssten sie gerne, wo wir gerade unterwegs seien und ob es uns gut gehe. Kurz und bündig! Dann noch, dass er uns liebt. Uns war gar nicht so bewusst, dass wir schon länger nicht mehr nach Hause telefoniert hatten. Die Zeit läuft einfach unheimlich schnell. Jeden Tag hat man was vor, ist immer wieder an einem neuen Ort, sieht alles neue Leute. Es ist der Wahnsinn und man verliert das Zeitgefühl.

Zuerst haben wir unsere Tochter angerufen. Jasmin scheint nicht so verärgert zu sein wie Fabian. Sie freut sich sehr über unser Telefon und sagt uns aus dem Nichts heraus, dass sie uns liebt. Danach noch mit dem Sohn telefonieren. Fabian ist weniger geschmeidig und erklärt uns, dass er es wirklich ernst meint. Wir verstehen ihn und werden uns bessern. 

Als wir aufgelegt haben, meinen wir, die beiden hätten jetzt die Rollen vertauscht. Wir lachen – so viel zum «werden uns bessern». Andy und ich sind trotzdem erstaunt. Wir vermissen unsere Kinder auch sehr, aber hatten damit nicht gerechnet. Es hatte mal eine Zeit gegeben, da wollte ich den Trail schmeissen, einfach zuviel Heimweh, doch das verging dann mit der Zeit. Wir fanden es auch unangebracht, unsere Kinder sind schliesslich erwachsen und da sollte man loslassen. 

Am Abend hat uns der Trail Angel wieder zum Campingplatz zurückgebracht. Es war schon später, nur nochmals schnell duschen und ab ins Zelt und schlafen.

TAG 49, 30. Mai, Castella, Meile 1507

Wir sind um 5 Uhr aufgestanden und gleich los. Wir haben nur noch drei Snickers und etwas Haferflocken zu essen. Auf eine Trail Magic zu hoffen, ist hier nicht sinnvoll. Seit wir aus der Wüste sind, haben wir nur noch selten eine Trail Magic angetroffen. 

Bis zum Abend sollten wir in Castella sein und dort hat es ja wieder Möglichkeiten einzukaufen. Der Weg nach Castella zieht sich unglaublich in die Länge. Wir haben das Gefühl, wir laufen ohne Unterbruch und kommen einfach nicht an. 

Den ganzen Tag treffen wir keinen einzigen Menschen, also unterhalten wir uns gegenseitig. Wir geben jetzt den Tieren eigene Namen. So ist die Klapperschlange ein Mustang, die grüne Mojaveschlange ist der Jaguar, ein Bär nennen wir Lastwagen und so weiter. Das unterhält uns den ganzen Tag hindurch und wir müssen immer wieder lachen.

Es ist manchmal schwer zu fassen, was man sich so alles ausdenkt, wenn man stundenlang miteinander einfach nur so vorwärts läuft. Als Andy mal furzt sage ich: «Geht es noch?! Ich laufe hinter dir.» Daraufhin meint er, das sei nicht er gewesen, sondern der Delphin. Ich verstehe es nicht. Er seien Delphine im Wald, die furzen, nicht er. Wir lachen uns fast zu Tode.

Wir müssen noch unter einem Highway durchkommen und dann nochmals etwa sechs Meilen hoch im Wald. Als wir beim Zeltplatz ankommen, ist es 16 Uhr. Der Zeltplatz ist für Hiker billiger und es hat eine warme Dusche, genial. Holz kann man auch kaufen für den Grillplatz. Erstmal geniessen wir die Dusche und dann wollen wir schnellstmöglich ins Dörfchen. Vorher noch schnell das Zelt stellen. 

Wir gehen los, um zu schauen, was es hier gibt und wie’s aussieht. Castella hat genau mal eine Tankstelle. Als Dorf würde ich das nicht bezeichnen. In der Tankstelle macht uns die Dame an der Kasse je ein leckeres Sandwich, das wir gleich wegessen. 

Dann kaufen wir uns noch ein riesiges Stück Fleisch für den Grill, eine Superportion Chips und eine Flasche Rotwein. Und jetzt wird Andys Geburtstag nachgefeiert! 

Beim Zeltplatz haben wir eine nette Überraschung, Sara und Jekov sind hier. Wenn wir das vorher gewusst hätten! Jekov hat den Grill schon eingeheizt und wir grillieren zusammen. Das war sehr schön, auch wieder einmal mit anderen Menschen Schweizerdeutsch zu reden. 

TAG 48, 29. Mai, Meile 1489, 50 Jahre Andy

Tagwache um 5 Uhr und zuerst Andy gratuliert zum Geburtstag. Mit einem Kuss und einer Umarmung. Natürlich bekommt er meine heutige Ration Süssigkeiten. Wenn der Schnee noch gefroren ist, kommen wir schneller vom Berg. Drum sind wir ohne zu frühstücken gestartet. 

Als wir im Tal unten sind, wird es richtig mühsam, da der Weg nicht frei ist. Wir müssen uns durchs Dickicht kämpfen. Gegen Mittag kommen wir zu einem Parkplatz. Dort treffen wir auf Sara aus der Schweiz. Jetzt wissen wir, wer die Zwei vor uns sind. Sara hat leider nach dieser Strecke grosse Probleme mit dem Fuss und  nimmt sich eine Auszeit vom Trail.

Wir wissen, dass dieses Jahr sehr viele Hiker aufgeben werden oder müssen. Es ist einfach ein extremes Jahr mit dem vielen Schnee. Deswegen sehen wir sehr wenige Hiker auf dem Weg. Es verteilt sich auch, denn in diesem Jahr sucht jeder eine andere Lösung, um den Trail zu gehen. 

Nach einer Pause gehen wir weiter. Uns ist klar, dass wir heute Castella nicht erreichen werden, um Andys Geburtstag zu feiern. Deshalb suchen wir uns einen richtig guten Platz zum Übernachten und essen ziemlich alles, was wir dabei haben. Ist nicht gerade ein schickes Diner, aber muss jetzt reichen zum Feiern. Für den 50. Geburtstag nicht so toll, aber Andy meint, er fände es gut so. Er hätte nie gedacht, dass er mit 50 Jahren auf so einem Weg ist.

So haben wir noch lange über unser Leben gesprochen. Auf dem Weg haben wir immer wieder richtig gute Gespräche. Untereinander, oder auch mit Leuten, die wir auf oder neben dem Trail treffen. 1000 Meilen schon! So viel Zeit zu haben, finden wir sehr bereichernd. 

TAG 47, 28. Mai, Spuren im Schnee

Der Trail ist wieder immer im Schnee. Hang rauf und runter, sehr streng, aber es war richtig schön. Die meiste Zeit laufen wir zwei Spuren im Schnee nach. Vor Kurzem sind auf dem Weg zwei Hiker durchgelaufen. Die zwei haben uns einen guten Weg gespurt, so ist es einfacher. 

Immer steil rauf und hinunter. Hinunter war manchmal super, wir stellten uns an den Hang und rutschten einfach im Schnee runter, wie beim Skifahren. Das macht Spass. Für uns ist der Schnee kein grosses Problem. An gewissen Stellen muss man einfach konzentriert sein und gut aufpassen.

Natürlich hat man mit der Zeit nasse Füsse. Am Nachmittag wird der Schnee ganz weich und nass. 

Wir gehen schneller, wollen viele Meilen machen. Morgen hat Andy Geburtstag und wir wollen zu einer kleinen Ortschaft kommen, um dort etwas zu feiern. Am Abend bauten wir das Zelt im Schnee auf. Zum Schlafen haben wir einfach alles angezogen, was wir dabei haben. 

TAG 46, 27. Mai, Burney Wasserfall, Meile 1422

Hier in Nordkalifornien hat es viel Nadelwald, wir kommen relativ schnell zum Wasserfall. Dieser sieht sehr speziell aus, denn neben dem Wasserfall kommt überall auch Wasser aus der Felswand. Ganz viele kleinere Wasserfälle. 

Eigentlich wollten wir beim Burney-Wasserfall etwas essen, aber wir finden es zu früh und so gehen wir weiter. Der restliche Tag ist der Wanderweg richtig mühsam. Es geht meistens durchs Dickicht, der Weg ist nicht wirklich frei geschnitten. Hier sind sicher nicht viele Hiker durch gelaufen. Gegen Abend geht es auf einen Berg hinauf.

Als wir einen Zeltplatz gefunden und uns eingerichtet haben, sind wir so platt, dass wir gleich schlafen gehen.

TAG 45, 26. Mai, Meilen 1397, Lavastrom Tal

Als wir am Morgen loslaufen hat es viele Mücken. Wir wollen heute bis zur Guest Ranch gehen, dort etwas essen und dann weiter bis zum Burney Wasserfall.

Wir laufen auf einer ebenen Fläche, immer mit Blick ins Tal, wo wir einen ausgetrockneten Lavastrom sehen. Nun ist wieder eine ganz andere Landschaft. Es geht über eine riesige Wiese, die  wahrscheinlich Weideland ist. Die ist so weit, hier muss man die  Tiere mit einem Fahrzeug oder zu Pferd zusammen treiben. 

Etwa gegen 14 Uhr sind wir bei der Ranch und werden super verwöhnt. Es gibt Teigwaren mit Salat. Als wir gerade gehen wollen, kommen Fred und Jenni an. Sie bleiben über Nacht hier, wir plaudern mit ihnen noch eine Weile, gehen aber weiter auf dem Weg.

Nach etwa zwei Stunden Marsch hat es an einem Feldweg einen Tisch mit Esswaren, Wasser und Früchten drauf. Wir nehmen etwas mit für den Abend. 

Es ist 19 Uhr als wir bei einem Campingplatz mit Feuerstellen, Tischen und Bärenboxen ankommen. Die Bärenbox ist für das Essen und Material gedacht, zum Schutz gegen die Bären.  Es ist noch ein anderer Hiker auf dem Platz, aber er ist nicht sehr gesprächig. Wir wechseln nur paar Worte mit ihm, machen ein Feuer und setzen uns davor.

TAG 44, 25. Mai, Meile 1390, Gespräch im Wald

Nachdem wir noch mit Fred und Jenni gefrühstückt haben, sind wir dann zu zweit weitergewandert. Bei einer Tankstelle haben wir noch das Benzin in unseren Kocher aufgefüllt und eine Packung Icecream gegessen. 

Wir gehen ganz zufrieden, der Weg geht hinauf zu einem Aussichtspunkt. Von dort sieht man über das ganze Tal. Vor Jahren gab es einen riesigen Waldbrand, der nun wieder aufgeforstet wird. Wir gehen weiter, immer oberhalb dieses Valleys. 

Im Wald sitzt ein älterer Herr in einem Klappstuhl vor seinem Zelt und liest. Wir reden ziemlich lange mit ihm. Für ihn ist die Zeit im Wald eine Art Auszeit. Er sagt, hier könne sich sein Geist erholen. Er ist nicht mit der Führung seines Landes einverstanden. 

Irgendwann erzählten wir ihm den Präsidentenwitz. So gut finde ich den Witz eigentlich nicht und der Witz kommt nicht immer gut an. Amerika sei das einzige Land, das von einem Präsidenten regiert wird, der eine tote Katze auf dem Kopf hat. Der alte Mann erholt sich fast nicht mehr vor Lachen. Wir müssen dann auch noch ein Selfie machen mit ihm, das er seiner Familie zeigen kann.

Er findet natürlich die Schweiz super, auch unser politisches System. Wir stimmen ihm zu. Zum Abschied umarmen wir uns und wünschen einander nur das Beste. In der Schweiz würden wir nie eine wildfremde Person umarmen, hier in den Staaten passiert uns das immer wieder. 

Am Abend laufe ich ein Stück voraus, Andy ist etwa 15 Minuten hinter mir. Zwischendurch hängst du deinen Gedanken nach und die Beine laufen einfach selbständig. Dabei bin ich fast auf eine Klapperschlange getreten, die lag quer über dem Weg. Wahrscheinlich ist sie tot. Ich schupse sie mit dem Stock mal etwas. Nein, die ist definitiv nicht tot. Aber vom Weg will sie auch nicht. Daher warte ich lieber auf Andy, um ihn zu warnen. 

Wir sind weit gelaufen, noch bis zu einem Wassertank. Zuerst sehen wir nur einen total gelöcherten Tank. Mist, dort wird es kein Wasser haben. Doch weiter hinten stand ein neuer.Wir bauten das Zelt gleich neben dem Wassertank auf, so konnten wir bequem Kaffee trinken und kochen. Bis wir ins Zelt gingen ist kein weiterer Hiker mehr aufgetaucht.