TAG 29, 4. Mai, Tylerhorse Canyon, Meile 542

Um 4 Uhr aufgestanden und gleich losgelaufen. Wir wollen möglichst weit kommen, solange es noch nicht zu heiss ist. Wir gehen durch eine Rinderfarm. Es stinkt, aber ist recht unheimlich, weil man die Tiere hört, aber nicht sieht.

Um 8 Uhr, bei der Stelle, wo man Wasser aus der Leitung des Aquädukts lassen kann, machen wir eine Pause. Weiter ziehen wir durch die Windfarmen, immer leicht hinauf bis wir in einen Hang laufen. In diesem Moment sehen wir auf der Gegenseite einen Mountain Lion (Berglöwen) über den Kamm gehen. Wir erschrecken, ist schliesslich kein Hund. Er schaut zu uns und verschwindet sogleich hinter dem Bergkamm. Gehört haben wir schon viel von diesen Berglöwen, aber wir hätten nicht gedacht, jemals so ein Tier in natura zu sehen.

Ab da gehen wir mit einem flauen Gefühl im Magen weiter. Trotzdem denke ich nicht, dass wir noch einmal einen so nah zu Gesicht bekommen. Es ist so heiss, dass wir nur bis zum Fluss laufen. Dort machen wir eine Pause, um die grösste Hitze zu überbrücken. 

Alle Hiker suchen Schatten unter einem grossen Baum, um der Hitze zu entfliehen. Wir gesellen uns dazu und schlafen ein wenig. Nach etwa drei Stunden halten wir es für besser nun weiter zu gehen, ansonsten sind wir vom Rauch der anderen Hiker «stoned». Es wird stark gekifft und für uns ist das nichts. Der Vorteil ist einzig, dass ich meine Blasen nicht mehr spüre, ohne Schmerzmittel. Darum gehen wir weiter trotz der Hitze. Der Nachmittag ist streng, denn es geht zudem hinauf und hinunter. Es ist der pure Wahnsinn, als ob du langsam gegart wirst. Die Sonne brennt und kaum Schatten. Gegen Abend kommen wir zu einem Platz, der wieder einmal Trail Magic hat. Nach der Pause suchten wir schnell einen einen guten Zeltplatz und sind total KO schlafen gegangen.

TAG 28, 3. Mai 28, in der Wüste, Meile 510

Morgens um halb fünf in der Früh aufgestanden, Andy schiesst Fotos vom Sonnenaufgang. Andy liebt Sonnenaufgänge, ich packe derweil ein, weil wenn Andy diese zu fotografieren beginnt, kann das dauern. Seit wir zwei uns kennen (über 30 Jahre), werden Sonnenaufgänge und Untergänge einfach fotografiert von ihm. Früher hat er mich ständig für Sonnenaufgänge geweckt, bis ich ihm auf einer Australienreise mal gesagt habe, er soll mich erst holen, wenn die Sonne oben ist. Das kam dann bei ihm nicht so gut an, dafür bei den Kindern. In der Ferne sehen wir Lichter einer Stadt, aber sind uns nicht sicher, von welcher Stadt.

Der Plan für den heutigen Tag ist bis Hikertown zu laufen. Also gleich los ohne Frühstück, ein Riegel tut es auch. Wir treffen nach einer Weile auf die «Red Dogs», die zwei scheinen es heute nicht eilig zu haben, normal sind sie schneller unterwegs. Nach einem Schwatz mit ihnen gehen wir weiter. Die Landschaft ist immer etwa die gleiche, kleinere Hügel, trocken und der Weg zieht sich in ewigen Schlaufen dahin. 

Wir laufen einen Hang hinunter und treffen auf einen Pick-up. Der Fahrer des Fahrzeugs fängt gleich an, Fleisch- und Käseplatten und alles Mögliche aus dem Fahrzeug zu räumen und unter den Baum zu stellen. Wir können es kaum glauben, das ist ja wie Apero in der Wüste! Krass, ist doch recht übertrieben für Hiker und wird sicherlich recht teuer gewesen sein. Er will, dass wir uns hinsetzen und essen, was wir ja gerne machen. Es gesellen sich nach einer Weile die zwei Deutschen und die «Red Dogs» dazu. Da wird uns klar, wieso dieses fürstliche Essen. Der Red Dog-Mann war früher Richter gewesen und sie haben auf dem ganzen Trail 62 fahrende Versorgungsposten. 

Das ist Hiken 1. Klasse und wir dürfen mitessen, nicht schlecht. Er seinerseits ist recht zielstrebig. Natürlich weiss er bestens Bescheid über die Schneeverhältnisse in der High Sierra. Er hört, wir sind Schweizer, Schweizer gleich Schnee, ist ja klar. Er beschliesst kurzerhand, dass wir die richtigen Partner seien, mit denen er über die High Sierra gehen will. Er macht gleich Nägel mit Köpfen, Start sei in zehn Tagen in Kennedy Meadows. 

Wir geniessen das Essen und gehen weiter. Zwar ein nettes Paar, aber bei ihm merkt man, dass er sich gewohnt ist Entscheidungen allein zu treffen. Wir sind es auch gewohnt, Entscheidungen selber zu treffen. Wie und mit wem wir durch die High Sierra gehen werden, werden wir in Kennedy Meadows entscheiden. Das deutsche Paar möchte mit den Red Dogs in die High Sierra, aber 10 Tage ist ein sportliches Ziel bis Kennedy Meadows und ihr Bein sieht noch recht geschwollen aus. Da bin ich mit meinen Blasen schon besser dran. Wir gehen weiter. 

Etwa um 12 Uhr sind wir in der Hikertown. Hikertown ist ein Grundstück gleich neben dem Weg. Es hat hier mehrere Gebäude wie in einer Westernstadt. Die meisten Hiker machen hier einen Zero Day bevor es weitergeht. Der Besitzer des Grundstücks unterstützt die Hiker. Ein sehr netter Kerl, wir dürfen sogar sein Auto ausleihen, um in die Ortschaft zufahren um einen Burger zu essen. Hier duschen wir und warten bis zum Abend, um in der Nacht zu wandern. Um 19 brechen Andy und meine Wenigkeit auf. Zuerst an einem Wasserkanal entlang und über das LA Wasseraquädukt. Auf der Röhre gehen wir ca. drei Meilen schnurgerade weiter. Dann wandern wir durch die Mojave-Wüste bis morgens um 1 Uhr. Dann endlich Matte raus, aufblasen und drei Stunden schlafen. Wir haben einen wunderschön klaren Himmel mit vielen Sternen, eine herrliche Nacht.

TAG 27, 2. Mai, Meile 500, Hurra, ein 1/5 des Weges!

Aufgestanden um 5 Uhr, wir möchten schnellstmöglich aus der Wüste herauskommen, deshalb machen wir so viele Meilen wie möglich an einem Tag. In diesem Gelände ist es gut machbar, die Steigungen sind nicht streng und unsere Kondition mittlerweile richtig gut. 

Wir kommen durch ein Wald mit riesigen Tannzapfen auf dem Boden. Andy will unbedingt ein Foto mit einem Zapfen auf seinem Kopf. Manchmal frage ich mich, ob uns dieser Weg so «kopfmässig» wirklich weiterbringt, ich finde diese Aktion recht kindisch. Ausserdem war da kürzlich ein Schild auf dem stand «Verboten zu Zelten», «Nicht ab dem Weg gehen» etc. Es hat keinen Sinn, Andy dies zu sagen, er will das Foto, also machen, keine Zeit verlieren. Ich glaub es einfach nicht, natürlich will er ein Bild ohne den Zapfen zu halten! Das dauert ewig bis er den Zapfen auf seinem Kopf hat, und ich im rechten Moment abdrücke. Endlich klappt es, wir können weitergehen. Es gibt schon Situationen, da sind wir nicht gleicher Meinung. 

Heute schaffen wir die Mile 500, das ist 1/5 des Weges. Das heisst also, nochmals viermal so viel bis zur Grenze zu Kanada. Nach 200 Meilen sind wir aus der Wüste und kommen in die High Sierra hinein. 

Wir wandern den ganzen Nachmittag bis es recht schnell dunkel wird, bis zu einer Wasserzisterne. Mit der Stirnlampe noch Wasser zu filtern ist nicht gut, da schwimmt auch allerlei auf dem Wasser. Es schmeckt recht scheusslich. Wir trinken nur schnell einen Kaffee und lassen das mit dem Essen, es macht uns nicht an, mit diesem Wasser zu kochen. Also schnell rein ins Zelt und schlafen. Irgendein Tier heult nicht weit von uns.  

TAG 26, 1.Mai, Green Valley, Meile 478

Um 5 Uhr tagwach, die anderen schlafen noch. Alles leise zusammenpacken, um niemanden zu wecken. Zur dieser Zeit ist noch niemand unterwegs auf den Strassen. 

Im Tal hat es eine schön gelegene, riesige Farm, da hat es Wasser. Wir nehmen ziemlich viel mit und füllen unseren eigenen «Tank» wie Kamele. Das machen wir immer bei Frischwasser, soviel wie möglich trinken.

Im Green Valley ist alles Grün, man bewässert, sonst wäre wahrscheinlich alles verdorrt. Wir wandern jetzt meistens auf Sand und kommen super vorwärts. Wir treffen ein deutsches Paar, das gestern auch im Hiker Heaven gewesen war, aber schon weiter ziehen wollte. Die Frau hat am Schienbein eine Überlastung, ihr Knochen ist angeschwollen und deshalb sind sie gestern doch nicht weitergelaufen. Wir frühstücken zusammen bevor’s weiter geht. Zuerst raus aus dem Dorf. Sie sind viel schneller als wir, drum laufen wir alleine weiter. 

An diesem Tag treffen wir nur einen Hiker, sein Trail Name ist «Pirat», selbsterklärend. Er sieht aus wie Johny Depp aus dem Film «Fluch der Karibik». Er läuft mit Schirm, aber mit einer kurzen Hose und ist richtig schnell unterwegs. Wir lassen uns nicht anstecken. Es darf einem nichts ausmachen, wenn andere schneller sind. Immer sein Tempo beibehalten, und einfach so lange, wie es für einem gut ist. 

Es ist unglaublich trocken und richtig streng, aber wir wollen bis zur Green Valley Ranger Station gehen, dort hat es Wasser. Als wir zur Strasse kommen, steht schon eine Frau mit ihrem Auto bereit, um uns zu den Andersons, den legendären Trail Angels, ins «Casa de Luna» zu bringen.

«Hippie Daycare» steht auf einer bunt bemalten Tafel, ein sehr spezieller Ort.  Zur Begrüssung wurde man richtig fest («fest» ist Frau Anderson im wahrsten Sinne des Wortes) umarmt, ich hatte dabei Angst um Andy, er sah aus wie ein Zwerg, der verschlungen wird. Als erstes mussten wir Hawaiihemden anziehen wegen der Aura. Ich wollte das nicht wirklich, aber die Aussicht auf das Essen, auf Tacos mit Salat, überzeugte mich. Für Andy war es kein Problem, schliesslich mussten ja alle mit dieser Bekleidung rumlaufen. Für Essen würde er eh alles machen. Dann erklärte uns Terrie, Frau Anderson, die Regeln, die hier gelten: Zuerst Hände waschen, zweitens nicht aus der Reihe gehen, drittens nicht mit dem Teller über die Töpfe, und so weiter… Und sie drohte Strafen an. Wer gegen eine Regel verstösst, wird bestraft. 

Das Essen wurde in der Garage in einem riesigen Topf ohne Deckel gelagert, und ohne Kühlung. Jetzt waren wir sehr froh über unsere resistenten Mägen. Einmal bin ich mit dem Teller über den Rand des Topfes gekommen und habe gleich eine Latte über den Hintern gezogen bekommen. Der Abend war sehr speziell, nichts für mich, aber Andy fand es lustig. Ich war froh, dass uns niemand kannte und so sah. Es wurde viel geraucht – nicht Zigaretten – und viel getrunken. Wir haben ziemlich gut geschlafen.

TAG 25, 30. April, Agua Dulce, Hiker Heaven, Meile 453

Um 7 Uhr aufgestanden, dann erst mal geduscht und danach gefrühstückt. Als wir loslaufen sind die meisten noch am Schlafen. Wir stapfen los, es ist schon recht warm. Zuerst hinauf auf den Hügel, wo es nur sehr hohes Gras hat, sonst eigentlich nichts anderes. Oben angekommen erblicken wir den Highway im Tal, wieder eine unglaubliche Weitsicht. Wir setzen uns hin und betrachten die Gegend. Hier könnte ich mir nicht vorstellen zu leben, es ist alles unglaublich trocken und die Sonne brennt erbarmungslos vom Himmel.

Eine junge Frau kommt denn Hang hinauf und fragt uns, ob alles in Ordnung sei mit uns. Wir sagen dass wir die Aussicht geniessen, das scheint sie nicht so ganz zu verstehen. Danach rennt sie doch tatsächlich den Hang runter. Jeder wie er will oder mag. Einige Hiker machen aus dem Trail einen richtigen Wettkampf.

Unten im Tal geht der Trail unter dem Highway durch, danach kommt man gleich ins Tal, in dem schon einige Filme gedreht wurden. Recht imponierend, es hat auch sehr viele Leute hier.

So gegen 14 Uhr treffen wir in Agua Dulce ein und gehen gleich was essen im Restaurant. Wir werden von den anderen Gästen ein wenig abschätzig angesehen. Aber daran gewöhnt man sich auch, ist ja auch verständlich, da wir recht verschwitzt sind. Wir setzen uns ganz an den Rand der Veranda. In diesem Ort kennt man ja die Hiker.

Wir werden von einem älteren Herr mit einem kleinen Buggy zum Hiker Heaven gefahren, er fragt mich ob ich fahren möchte. Er dachte wahrscheinlich, ich hätte Angst, was man mir wohl ansah. Ehrlich gesagt, wäre es mir lieber selber zu fahren. Ich muss ihm ja nicht sagen, dass ich so ziemlich alles fahren kann was Räder hat.

Der Hiker Heaven ist auf einem privaten Grundstück, dort stellt man sein Zelt einfach in den Garten. Es hat alles, was man braucht.

Am Abend wird grilliert, untereinander diskutiert, Fotos gezeigt und auch genug getrunken. Natürlich kommt der Deutsche auch wieder, aber diesmal werden wir nicht mit einem Kommentar zu unserem Alter eingedeckt. Gut für uns, dass er damit beschäftigt ist, die anderen Hiker wegen dem Umfahren der Strecke anzumachen. Er ist wirklich ehrgeizig. Jeder wie er will, es muss für einem selber stimmen. Wir werden vielleicht auch mal etwas auslassen, wenn wir einen Grund haben, den PCT zu verlassen. Uns fällt auf, dass man auf dem Weg immer etwa die gleichen Gesichter sieht. Irgendwann verkriechen sich alle in ihren Zelte und es wird geschnarcht, was das Zeug hält.

TAG 24, 29. April, Meile 445

Schon um 4 Uhr 30 mit der Stirnlampe losgewandert, denn heute ist etwas Spezielles, nicht wie sonst. Ha, ha, ha! Der Streckenabschnitt «Desert 700 Meilen» hat die meisten Höhenmeter pro Tag im Durchschnitt.

Der Weg ist heute geöffnet worden. Es geht wacker runter und dann wieder rauf. Die Gegend wird immer karger und der Wind bläst einem heftig Sand ins Gesicht. Wir müssen uns ein Tuch übers Gesicht wickeln, so ist es weniger unangenehm.

Der Trail geht wieder hinunter ins Tal. Leider sind hier alle Bäume vom Waldbrand gezeichnet. Eigentlich ist meistens nur etwas schwarzer Stamm übrig. Mit diesem starken Wind ist es sehr ungemütlich, aber wir müssen den Weg hinunter. Eine Pause werden wir hier sicher nicht machen.

Wir hätten ja die ganze Strecke umfahren können, aber wir wollten möglichst viel laufen (nicht ständig Auto fahren) so viel wie möglich auf dem Weg sein. Das haben wir jetzt davon. Wir laufen weit auseinander, so geht es. Bis ins Tal und dann weiter bis zum Campground. Dort hat es richtig viele Hiker. Wir gehen gleich in den Shop und kaufen uns für den Abend Spaghetti mit Tomaten und Käse und eine Packung Glace.

Juhu, wir haben einen Platz mit Tisch! Wir schmeissen alles einfach hin, es ist uns egal. Zuerst kommt jetzt das Glace. Eine Packung Glace ist für uns eine Kleinigkeit. Ich staune immer wieder über die Menge, die wir verdrücken seit wir auf dem Weg wandern. Es hat allerlei Leute auf dem Campground, die wir schon länger nicht mehr gesehen haben, «Sweet Carolina» ist auch da. Er wird morgen im Hiker Heaven grillieren. Ein sehr geselliger Typ, richtig fit und strahlt eine Lebensfreude aus, einfach genial. 

Ein Hiker kommt mit meiner Kappe, die es mir vor längerer Zeit vom Kopf gewindet hat. Sehr nett von ihm, sie für mich mitzunehmen. Wir sind mal ein kleines Stück mit ihm gelaufen, und daher wusste er, wem die Kappe gehört. Werde ihm nachher noch ein Bier bringen, um mich zu bedanken. Dann haben wir am Abend feine Spaghetti gekocht. Die anderen wollen morgen ein Uber mieten, um zum Hiker Heaven zu fahren, aber wir werden das Stück gehen. Auf dieser Strecke gibt’s nämlich ein Tal, das als Filmkulisse bekannt ist. Das lassen wir uns nicht entgehen. Unsere Begeisterung fürs Autofahren in Amerika hält sich bekanntlich in Grenzen. Laufen ist mehr unser Ding.

TAG 23, 28. April, Meile 420

Tagwach um 5 Uhr. Zuerst alles hinunter ins Tal und dort bei einem Bach frühstücken. Am Morgen, wenn der Wind bläst, ist es recht frisch und so wandern wir mal erst etwa drei Stunden. Frühstück ist angenehmer, wenn die Sonne einem wärmt. Wir finden ein super Platz um zu frühstücken. Bis jetzt haben wir noch keine Menschenseele gesehen.

In diesem Tal ist es richtig angenehm den ganzen Tag zu laufen. Es ist nicht zu heiss und hat immer wieder Wasser, perfekt.

Wir essen etwas Kleines zwischendurch, kochen werden wir erst am Abend. Unser Essen wird langsam knapp, daher gibt es nur am Abend etwas Richtiges. Wir freuen uns schon drauf, dann werfen wir alles in einen Topf – ein etwas spezielles Diner – aber mit genug Hunger schmeckt es bestimmt.

Wir müssen heute noch viele Meilen machen, dann erreichen wir morgen einen bedienten Campground, dort können wir hoffentlich wieder gut einkaufen.

TAG 22, 27. April, Meilen 397

Wir liefen etwa um 7 Uhr los, erst mal alles abwärts bis zu einer Strasse. Dabei kamen uns noch vereinzelte Tageswanderer entgegen, die auf den Berg wollen trotz des Schnees. 

Bei der Strasse gab es einen Parkplatz und Tische und eine Info war aufgehängt. Der Teil des PCT sei geschlossen. Wir mussten ab da etwa 8 Meilen auf der Strasse laufen, welche für Fahrzeuge immer noch geschlossen war, wegen dem Schnee. Auf dem Teer zu laufen war hart für unsere Füsse, besonders für meine.

Nach den acht Meilen kamen wir an einen PCT-Marker. Ab da konnten wir wieder auf den PCT gehen. Nach einer Weile erreichten wir einen Bach und machten dort Pause. Wir kochten uns etwas und wuschen unsere Socken. Ich musste wieder meine Blasen abkleben. Irgendwann gewöhnst du dich an alles, auch an solche Begleiter.

Danach gehen wir weiter, bis wir wieder aus diesem sehr schönen Tal herauskommen. Wir laufen noch bis wir einen guten Zeltplatz finden. Wieder einmal einen richtig genialen Zeltplatz gefunden, mit Sicht auf den morgigen Weg. In diesem Tal (siehe oben auf dem Bild) werden wir morgen alles nach vorne wandern.

Dann das Zelt aufgestellt und vor dem zu Bett gehen noch ein Kaffee getrunken.

TAG 21, 26. April, Mount Baden-Powell, Meile 377

Nach einer ausgiebigen Dusche begeben wir uns ins Restaurant und frühstücken für 16 Dollar insgesamt (nicht pro Person). Kaffee wird einfach nachgeschenkt, super für Andy. Die Kellnerin hat sich wahrscheinlich gewundert, Andy ist allseits bekannt für seinen enormen Kaffeekonsum. Nachher gleich zum Supermarkt, um unseren Proviant nicht nur aufzufüllen sondern ihm etwas mehr Abwechslung zu geben. Das Angebot war riesig, es gab mal was anderes als die ständigen China-Nudeln, Kartoffelpürees und Haferflocken. Snickers, Mars oder sonstiges für Zwischendurch ist überall etwa das Gleiche.

Zurück im Hostel haben wir noch mit den anderen Hiker gesprochen, sie werden die nächsten Meilen umfahren. Dieser Winter ist der schneereichste in Kalifornien seit es Messungen gibt, also seit 150 Jahren. Es gibt mehrere Schneefelder, die nicht wegschmelzen. Wir beschliessen, uns die Sache mal anzuschauen. Falls nötig werden wir halt umkehren und allenfalls die Strecke auch umfahren.

Um 12 Uhr sind wir bereit. Die Besitzerin des Hostels fährt uns zum Weg hoch und wir gehen gleich los. Bis anhin hat es keinen Schnee. Wir wollen zwar auf den Gipfel von Mount Baden-Powell wandern, dort wird’s sicher Schnee haben, aber zuerst müssen wir noch etwa zwei Stunden laufen bis wir beim Berg sind.

Der Berg hatte es in sich. 3 bis 4 Stunden ging’s nur hinauf, auf dem letzten Stück dann mit richtig viel Schnee. Wir entschieden uns, einfach im Schnee gerade aufzusteigen, wo es noch eine Spur hatte. Trotzdem nahmen wir zur Sicherheit das GPS zur Hilfe, das uns zeigte, dass der Gipfel etwas schräg oberhalb von uns war.

Dann, nach einer sehr anstrengenden Stunde etwa, standen wir auf dem Gipfel. Wenigstens war die Belohnung riesig. Der Abstieg durch den Schnee war auch mühsam und anschliessend mussten wir noch bis zu einem Zeltplatz laufen.

Wieder auf dem Weg setzten wir uns hin und machten uns über eine Packung Donuts her. Die mussten jetzt daran glauben. Dann kam ein Hiker, doch noch einer, der auch auf dem Gipfel war. Er bedankte sich für die Spur, der er gefolgt sei. Zusammen assen wir nochmals einen Donut und er erzählte, er gehe den PCT schon zum zweiten Mal. Der Schnee sei dieses Jahr schon aussergewöhnlich. Dann zog er weiter. Wir sind langsamer als er, er wird lange vor uns beim Camping eintreffen.

Gegen 18 Uhr erreichten wir den Zeltplatz. Es hatte Feuerstellen und Tische, ein richtig toller Platz. Wir kochten und redeten mit anderen Hikern und erfuhren, dass sich noch ein anderes Ehepaar hier aufhalte, wie auch Maik, den wir auch auf dem Weg getroffen hatten. Die anderen erzählten, dass viele Hiker diese Strecke umfahren würden. Wir waren froh, dies nicht gemacht zu haben. Trotz den Strapazen, die wir auf uns genommen hatten, war die Aussicht auf dem Gipfel einmalig schön gewesen.

TAG 20, 25. April, Wrightwood, Meile 360

Um halb sechs Uhr aufgestanden, aber wir waren noch müde. In der Nacht hatte es sehr stark gewindet, war kein guter Zeltplatz gewesen. Wir sind froh, dass wir heute an eine Ortschaft kommen werden, nach Wrightwood. Dort wollen wir übernachten und den Proviant auffüllen. Wir ziehen also los, es geht ständig bergauf und bergab. Ist aber nicht so streng, oder unsere Kondition ist besser geworden.                   

Wiedermal oben, beim Abzweiger zu Wrightwood stehen einfach Bierdosen im Wald. Uns wäre zwar am Morgen etwas anderes als Alkohol lieber. Naja, auf dem Weg hört man auf wählerisch zu sein, du nimmst, was es gibt. Wir hockten uns auf den Boden: Prost! Wir geniessen die unverhoffte Pause, trinken einfach ein Bier und reden irgendwelches Zeugs.

Dann kommt ein Hiker vorbei. Er ist frustriert, denn in der Nacht hatte es sein Tarpzelt fort gewindet und jetzt muss er schauen, ob es in Wrightwood etwas Ähnliches gibt. Nach einer Weile zieht er weiter und wir müssten dann auch mal hinunter. Der Weg ist recht steil und geht eine gefühlte Ewigkeit hinunter.

Als wir endlich im Dorf ankommen, mieten wir in einem Hostel ein ganz kleines Häuschen für uns. Es ist ein nettes Dörfchen mit einem Supermarkt, vielen Restaurants und anderen Hikern.

Natürlich gehen wir wieder schnellstmöglich in ein Restaurant, gleich unterhalb unseres Hostels hat es ein kleines. Es ist super, es gibt riesige Portionen zu einem günstigen Preis. Nicht zu vergleichen mit denen in der Schweiz.

Zwei wirklich sehr dreckige Hiker treten ein. Das finde ich schade, schliesslich kann man sogar beim Park duschen. Die Bedienung ist nicht begeistert und teilt den Hikern mit, dass sie damit nicht einverstanden sind. Andy ist froh, dass wir einigermassen sauber aussehen. Nachdem wir noch das Dörfchen besichtigt haben, gehen wir zurück ins Häuschen und werfen uns gleich ins Bett. Wir hoffen auf eine ruhigere Nacht als die letzte.