Tag 107, 13. August

Um 6 Uhr gehen wir los, es geht gleich in den Wald, ziemlich dichter Wald. Wir laufen, plötzlich rennt etwas Grosses mit Fell durchs Gebüsch auf uns zu. Wir sind erleichtert, als wir erkennen, dass es nur der Schäferhund eines Hikers ist. Der bellt uns zwar an und ist von uns nicht begeistert, aber von dem lassen wir uns nicht beeindrucken. Es wäre was anderes, wenn es der Coyote von gestern gewesen wäre.

Als wir Pause machen, laufen viele Hiker vorbei, alle sind zügig am Vorwärtsgehen. Die meisten haben jetzt einen klaren Zeitplan, wann sie in Kanada sein müssen, oder wollen nun einfach fertigwerden mit dem PCT.

Wir laufen bis zum See Timothy Lake, alles im Wald. Bei einer Quelle nehmen wir noch Wasser für den Abend mit. Das hat richtig gut getan, mal einen ganzen Tag durch intakten Wald zu gehen, super. Wir fühlen uns sehr wohl, die Luft ist kühl und der Wald riecht herrlich. Hier scheint alles im Gleichgewicht zu sein. 

Dieses wochenlange Wandern durch die Waldbrandgebiete hinterlässt schon ein ungutes Gefühl. Man fragt sich, wieso so viel Fläche, und anscheinend nehmen die Brände zu. Man darf gar nicht zu stark über die Auswirkungen auf die Zukunft nachdenken. Wir werden für unseren Teil noch mehr darauf achten, unseren Konsum so klein wie möglich zu halten. Die Veränderungen nur wahrzunehmen nützt noch nichts, erst bei sich was ändern bringt etwas.

Hier ein Schläfchen machen wäre jetzt genial, aber das verkneifen wir uns, auch wir wollen Mitte September an der Grenze zu Kanada sein. Nicht weil wir müssen, sondern weil wir denken, dass wir irgendwann genug von der Lauferei haben. Diese Strecken jeden Tag ohne Motivation zurückzulegen, stellen wir uns als extrem schwierig vor. 

Am Abend kocht Andy leckeren Reis und wir sind rundum happy mit diesem super Wandertag.
Schluss bei Km 3337 oder Meile 2073, gelaufen sind wir 48 km oder 29 Meilen.

Tag 106, 12. August, Meile 2043

Um sechs gehen wir los. Das Zelt war nass beim Einpacken, wir frieren an die Hände. Das Klima scheint zu wechseln von Sommer zu Herbst und wir wandern ja ständig nördlich, am Morgen wird es nun meist feucht sein. Der Himmel ist heute klar, wir laufen bis zu einem Fluss und dort machen wir Frühstück. Das Zelt legen wir aus zum Trocknen, das ist erste Mal seit wir auf dem Weg sind. Gestern waren wir einfach zu faul, um unser Zelt sauber zu stellen. Es steht ja von alleine, aber wenn es feucht und neblig ist, drückt das Aussenzelt ans Innenzelt und alles wird nass. 

Auch heute ist viel Waldbrandgebiet und dann wieder sehr schöne Berglandschaft mit super Weitsicht. Als wir mal am Weg sitzen kommen fünf Sheriffs in voller Montur vorbei. Wir fragen uns, was die hier machen. Wieder unterwegs sehen wir einen Trupp Sträflinge, die an einem Weg arbeiten, jetzt ist klar wieso diese Sheriffs. Hoffe nur, dass die keinen vermissen. 

Der Trail steigt 800 Meter in die Höhe, nicht gerade flach. Oben ist die Weitsicht super: auf der einen Seite den Mount Jeffersonund auf der anderen sehen wir bis zur Grenze von Oregon mit dem Berg Mount Hood. Beim Abwärtslaufen treffen wir wieder auf Trail-Magic, ein Mann brät mitten im Wald, Pancakes für die Hiker, super Typ.

Als wir satt sind, geht’s weiter immer wieder an Seen vorbei und alles ziemlich grün. Plötzlich läuft ein Coyote vor mir über den Weg. Ich bleibe stehen und der legt sich hin. Andy macht Fotos, das stört ihn kein bisschen. Erst als Andy zu nahe kommt, steht er auf, um sich nach kurzer Zeit wieder hinzulegen.

Beim Camp Olallie Lake Resort holen wir uns etwas zum Essen und stellen das Zelt auf. All-Inund Yves sind auch hier, wir essen zusammen und dann ab ins Zelt.
Schluss bei km 3289 oder Meile 2043, gelaufen sind wir 36 km (23 Meilen).

Tag 105, 11. August, Meile 2021

Heute wollen wir zurück auf den PCT. Das Wetter hier ist sehr schön, weiter in der Höhe  wird es aber wahrscheinlich noch nicht so sein. Wir gehen im Motel zum Frühstück, es gibt nichts Grosses: Kaffee, Orangensaft, Toast, Konfitüre, Äpfel und Süssgebäck, wir bedienen uns. Als wir essen kommen Yves und Indy, sie wollen ebenfalls zurück auf den Weg.

Beim Empfang hat ein Trail-Angel seine Telefonnummer aufgehängt, Yves organisiert einen für uns vier. Das ist ziemlich extrem mit diesen Trail-Angels, die würden fast alles machen für Hiker, hier in Sisters sind zehn Trail Angels. Um 10 Uhr sind wir wieder auf dem Weg. Das Wetter auf 2000 Metern Höhe ist nicht freundlich, sehr nebelig, windig und es ist kalt beim Laufen. Am Morgen geht der Weg durch Waldbrandgebiet, der Brand war aber schon vor länger Zeit. Sieht sehr speziell aus mit den Blumen und Seelein zwischen den kahlen Stämmen, die noch stehen.

Gegen Abend wird es richtig lässig, die Landschaft wird grüner, der Nebel verzieht sich teilweise und wir haben Sicht in die Täler. Nur der Berg Mt Jefferson versteckt sich weiterhin hinter den Wolken. Mount Jefferson ist mit 3199 m der zweithöchste Berg in Oregon. Er ist ein inaktiver Stratovulkan, stark zerklüftet und hat mehrere Gletscher.

Yves und Indy finden einen guten Zeltplatz mit Sicht auf den Berg, wir machen noch ein wenig Spass (-Fotos) mit ihnen und danach laufen Andy und ich bis um 19 Uhr noch weiter. Unser Zeltplatz ist am Fuss des Mount Jefferson, aber der Gipfel bleibt hartnäckig hinter den Wolken. Leider, denn wir hätten den gerne noch ein wenig studiert. Auch wenn wir keine dieser Klettertouren machen, so könnten wir doch ein bisschen träumen wie man da hinauf kommen würde (ist ja auch ein kleines Abenteuer).
Schluss bei km 3253 oder Meile 2021, gelaufen sind wir 33 km (20 Meilen).

Tag 103, 8. August, Meile 1997, durch die Obsidian Limited Area

Mit den ersten Sonnenstrahlen gleich hier gefrühstückt, einfach genial ohne Moskitos.
Wir kommen in die Obsidian Limited Entry Area mit dem Wasserfall, der über die schwarzen Obsidiansteine rauscht. Das Wasser ist das frischeste, best schmeckendste des ganzen Trails bis jetzt. Der Weg ist über Lavaströme, wir hätten uns das nie so fortgestellt.
Obsidian ist ein vulkanisches Gesteinsglas, es entsteht, wenn heisse Lava auf kaltes Wasser trifft und diese kieselsäurehaltige Schmelze schlagartig erstarrt. Es ist härter als Glas und die Indianer brauchten es als Speerspitzen.

Mit kleinen Unterbrechungen laufen wir viele Kilometer weit über Lavagestein. Ab und zu sieht man runde bewachsene Flächen, die die Lava umflossen hat, ansonsten ist es eine sehr karge Landschaft.
Danach weiter über den Highway 242, bis zum Big Lake Youth Camp haben wir das nahende Unwetter im Rücken, das eigentlich erst auf den Freitag angesagt war.

Um 18 Uhr kommen wir ziemlich fertig beim Camp an. Bei der Registrierung erklärt uns eine Frau, das hier alles auf Spendenbasis ist: Essen, Zeltplatz im Wald gleich neben dem Camp, Dusche, genial. Die Wäsche ist in einem Bungalow, der mit Spendengeldern von Hikern für Hiker gebaut wurde.

Zuerst gehen wir gleich zum Nachtessen, dort treffen wir Ives (ihn treffen wir jetzt anscheinend öfters) und Moni und Patrizia, die mit uns einen Teil der High Sierra gelaufen sind. Die Zwei hätten wir nicht erwartet, hier zu sehen. Es sind auch andere Hiker hier, das nahende Schlechtwetter veranlasst viele Hiker weg vom PCT zu gehen.

Für uns ist klar, dass wir bald weiter nach Sisters gehen, das Camp liegt ja nicht viel tiefer als der Trail. Der Zeltplatz scheint uns nicht geeignet, wir haben keine Lust bei Sturm zwischen den verbrannten Stämmen zu schlafen. Für heute stellen wir unser Zelt hier auf, aber morgen wollen wir weiter zum Highway und in Sisters ein oder zwei Tage das schlechte Wetter aussitzen und hoffen, dass es keine neuen Feuer gibt.

Schluss bei km 3214 oder Meile 1997. Gelaufen sind wir 53 km (33 Meilen)

Tag 102, 7. August, Meile 1964

Zuerst stinkt es uns, aus dem Zelt zu gehen, denn draussen hören wir die Mücken. So ziehen wir erst um halb sieben los. In 17 Kilometern gibt es ein Resort, das Elk Lake Resort (and Marina) ist etwa zwei Kilometer weg vom PCT. Um 10 Uhr sind wir dort, schon völlig entnervt von den Mücken, an den Stellen, an denen du schwitzt, stechen die Moskitos einfach durch den Stoff.

Vor dem Restaurant sind einige Leute sauer, denn eigentlich sollte es bis 11 Uhr Frühstück geben, heute aber nicht. Wir gehen hinein und die Angestellte sagt uns, sie haben heute um 9 Uhr mit Frühstück Schluss gemacht und um 11 Uhr gebe es Mittagessen. Das ist jetzt halt so, wir setzen uns hin und warten. Ich mache so lange weiter mit Cola (vom Kiosk), mein Magen beruhigt sich langsam. Die Angestellten machen sich keinen Stress, gegen 11:15 Uhr haben sie dann Lust uns zu bedienen. Heute habe ich wieder Appetit und Andy hat extrem Appetit, darum bestellen wir zwei Burger mit Pommes. Andy isst den Rest von mir, denn ich möchte es nicht gleich übertreiben mit essen. 

Der Elk Lake ist voll mit Allerlei, was Menschen auf und im Wasser benützen: Boote, Kanus, schwimmende Gummitiere… Die Leute hier haben ein Material am Start, man versteht, dass sie grosse Autos brauchen.

Heute wird es später bis wir weitergehen, denn die Aussicht auf neue Insektenstiche ist nicht verlockend. Aber im Laufe des Nachmittags werden dann die Mücken weniger und damit steigt unsere Motivation. Wir kommen den drei Vulkanen Three Sisters immer näher, die Landschaft verändert sich wieder. Morgen wird es sicher spannend werden, etwas Neues.

Wir übernachten beim See und der Vulkan ist gleich dahinter, ein krasser Szenenwechsel zu den letzten Tagen.

Schluss bei km 3161 oder Meile 1964, gelaufen sind wir 40 km oder 24,5 Meilen

Tag 101, 6. August, Meile 1940

Um sechs sind wir los und bis um zehn durchgelaufen, auch heute immer wieder Seen im Wald. Es ist kühl und leicht bewölkt, der Weg geht etwa 200- 300 Meter hinauf und wieder hinunter, so haben wir bis zur Pause schon 17 Kilometer zurückgelegt. Man kann entspannt reden beim Laufen oder einfach etwas Träumen. Hier hat es zum Glück weniger Moskitos, ist auch mal nett.

Danach geht’s am Charlton Lake vorbei. Es kommen ständig solche Seen, ist wirklich toll, mal zwischendurch ein Bad, das erfrischt uns und es geht gleich besser mit Laufen. Nach dem Mittag geht der Weg durch eine grosse Fläche Sturmholz, im Hintergrund sieht man die Three Sisters Mountain, (3159 m), vom Gebirge der Kaskadenkette. 

Diese Wilderness ist fast wie ein Dschungel, (leider wieder mit sehr vielen Moskitos) bis um 20 Uhr darin hintereinander hergestampft. Wegen den Moskitos gilt es möglichst raus aus dem Wald mit all den feuchten Flächen. 

Seit gestern spielt mein Magen verrückt, ich trinke fast nur noch Cola, esse fast nichts, zum Glück bessert es langsam. Andy ist gereizt, bei ihm haben sich die Stiche entzündet. Als ich etwas aus seinem Rucksack will, sagt er «Nein, das ist zuunterst, müsste alles rausnehmen» das stinkt ihm. Jetzt nervt er, ich brauche eine Pause von ihm. Ich muss jetzt mal ein Stück alleine laufen, sag’s ihm und was macht er? Er kommt mit.

Manchmal kann man ihn einfach nicht ernst nehmen, er läuft und redet und redet,  irgendwann muss ich einfach lachen. Er hat sich später für sein Verhalten entschuldigt und es ist vergessen. Man kommt halt zwischen durch an seine Grenzen und alles nervt.

Schluss bei Meile 1940, wir sind 32 Meilen gelaufen.

Tag 100, 5. August, Meile 1908

Das Zelt ist nass vom Morgentau, es ist ziemlich frisch heute. Wir laufen den ganzen Morgen nur mit kleinen Pausen durch, immer wieder mal an kleinen Mücken-Biotopen vorbei. Wir wollen möglichst früh bei einem Campingplatz sein mit Restaurant und Lebensmittelladen. Da soll es feine Burger mit Pommes geben.

Hiker kommen uns entgegen, sie laufen ohne ein Wort an uns vorbei. Wir fragen uns, weswegen die so schlecht drauf sind. Die Antwort gibt uns dann eine Hikerin: Das Restaurant auf dem Campingplatz hat zwei Tage geschlossen. Sie hat sich seit drei Tagen darauf gefreut und ist wie wir früh raus, um schnell dort zu sein. Unsere Laune wechselt von ‚super gut’ zu ‚mässig gut’. Der Laden aber habe geöffnet, sagt sie noch, unsere Laune steigt wieder, dort werden wir sicher etwas Leckeres finden.
Das Essen auf dem Trail ist immer ein Thema: du isst eigentlich möglichst viel Kalorien, aber das ist meistens zu wenig, für das, was du brauchen würdest. 

So gehen wir weiter, heute ist das Wetter wieder strahlend blauer Himmel, der Weg ist im Wald und angenehm kühl. Der Campingplatz Spring ist am Crescent Lake. Wir gehen gleich in den Laden und holen uns Chips, Cola und SPAM (Dosen-Fleischkäse), also etwa das Gleiche, was wir unterwegs essen. 

Nach zwei Stunden Pause gehen wir zurück auf den PCT, die meisten Hiker bleiben zum feiern. Zuviel Rumhängen wollen wir nicht, da das Wetter auf Freitag schlechter wird. Bis dahin sollten wir längst in Sister sein. Hier ist es derart trocken, dass ein Blitzeinschlag reichen würde, um ein Feuer auszulösen, anscheinend sind Blitze hier eh eine grosse Sorge. Oft sehen wir Bäume, die vom Blitz getroffen worden sind, ist schon erschreckend.
Wir werden jetzt das Wetter regelmässig nachschauen und immer im Voraus eine Möglichkeit suchen, um vom Berg zu kommen. Diese Naturgewalten hier (Sturm, Blitzschlag, Feuer) sind etwas anderes als in der Schweiz. Und man hat natürlich auch viel länger, bis man wieder irgendwo ist, um neue Informationen zu erhalten oder einfach an einer Strasse zu gelangen, um ins nächste Dorf zu kommen.

Schluss bei Km 3071 oder Meile 1908, gelaufen sind wir 48 km oder 30 Meilen.

Tag 99, 4. August, Meile 1878

Vor 6 Uhr laufen wir los und frühstücken später beim idyllischen Diamond Lake mit Rundumsicht auf Wald, Seen und Berge. Es ist Sonntagmorgen und unser Frühstück ist Haferflocken mit Konfitüre und Swiss Milk (sowas wie heisse Schokolade). Wir dürfen nicht ans sonntägliche Frühstück zuhause denken, sonst schmeissen wir die Flocken gleich den Hang runter. 
Eine Truppe junge Amerikaner kommt vorbei und wir reden mit ihnen, nette Jungs und Mädels. Ich frage, ob sie den 9300 Fuss (2830 m.ü.M.) hohen Mt. Thielsen erklettern, sie lachen und bejahen es. Der Weg geht am Miller Lake vorbei, ein See inmitten von Wald. 

Wir laufen hinauf zum höchsten Punkt in Oregon am PCT, er ist 7560 Fuss (2300 m.ü.M) hoch. Den erreichen wir etwa um 11 Uhr. Ist jetzt nicht so berauschend, ein Holzpflock mit einem Schild und gut ist. Wir setzen uns in den Schatten und feiern mit einem Schokolade-Riegel.
Heute werden wir noch über die 3000-km-Marke laufen, danach sind es nur noch 1260 Kilometer bis Canada. Natürlich diskutieren wir dies, Andy ist immer noch ein wenig nervös, dass etwas dazwischen kommt und wir es nicht schaffen bis zur kanadischen Grenze. Ich sage: «Wenn wir jetzt einfach dran bleiben, wird es schon klappen.» Es ist sowieso besser, vorwärts zu machen, man weiss ja nie, wie schnell der Schnee kommt in Washington. 

Danach geht der Trail wieder in einem Wald hinunter, auch hier hat es viele alte Bäume, die oft mit Moos behangen sind. Wie ein Märchenwald, meint Andy. Muss ich jetzt nicht verstehen, was er meint, seine Wortspiele sind mir manchmal zu anstrengend. 

Das Wetter war heute mal nicht die ganze Zeit blauer Himmel sondern es hat für kurze Zeit geregnet und leicht gehagelt.

Um drei Uhr machen wir Mittag bei einer Quelle, jetzt ist es ziemlich bewölkt. Bis in den Abend laufen wir weiter mit Regenponcho, mal wegen Regen oder Hagel und danach wegen den Moskitos. Der Gewitterwolken-Himmel ist unbezahlbar, es war richtig was los da oben, krachendes Donnerrollen, und einige Wolken leuchteten richtiggehend, wunderschön. 

Um acht Uhr geben wir auf. Weil alles feucht ist, wirst du verrückt mit diesen stechwütigen, blutsaugenden Ungeheuren.

Schluss bei 3023 Km oder 1878 Meile, gelaufen sind wir 49 km oder 30 Meilen.

Tag 98, 3. August, Meile 1848, Crater Lake

Wie üblich vor Sonnenaufgang losgegangen, denn der Crater Lake wird sicher sehr viel Touristen haben. Es geht hoch durch Wald, an der Abzweigung zum Lake ist eine Warntafel wegen den Berglöwen. Andy meint, an uns hätte er zuwenig, wir wären auch nicht mehr schön durchzogen.

Oben am Kraterrand haben wir einen extrem schönen Blick auf den See. Wenn man in die Weite schaut, sieht es trocken aus, braune Steppen und verdorrte Bäume. Wir suchen uns einen Platz mit guter Sicht auf den See und frühstücken genial schön. Der Vulkan ist in sich zusammengefallen, und der Krater hat sich mit Wasser gefüllt. Der Kratersee ist dunkelblau, da nur Schnee und Regen ihn füllen, ist er frei von Schwebeteilchen, die blauen Anteilchen werden reflektiert, die übrigen dagegen absorbiert. 

Bis zum Mittag laufen wir zum Wassercache, unterwegs gibt’s keine Möglichkeit für Wasser. Dort kochen wir und trinken viel, auf den nächsten 20 km gibt’s kein Wasser. 

Nach dem Crater Lake kommen wir in eine ganz andere Landschaft, sie ist sehr weit mit sanften Hügeln, teilweise extrem trocken, nicht wirklich schön finden wir. Hier wollen wir nur Kilometer machen. Zweimal hat es ein Wassercache, so kommt man gut durch diesen trockenen Abschnitt.

Am Abend geht’s in Winema National Forest, hier sollte es alle paar Kilometer Wasser haben. Diese Moskitos hier sind wie japanische Kampfflieger auf Pearl Harbor, wenn du aufs WC gehst, die Hosen runter lässt, hörst du sie im Sturzflug auf dein Gesäss losschiessen. Andy meint, du musst einfach schneller sein als die Viecher. In Oregon wird einfach nicht rumgetrödelt, diese Strecke werden wir für unsere Verhältnisse schnell durchlaufen.
Schluss bei km 2974 oder Meile 1848, gelaufen sind wir 48 km (29 Meilen)

Tag 97, 2. August, Meile 1819

Wir gehen zeitig raus aus dem Zelt, in der Früh ist es frisch, aber die Mücken scheinen dann nicht so angriffslustig zu sein. Um 5 Uhr gehen wir los. Auch in Oregon gibt es Waldbrände, wir laufen ca. 10 km nur durch Waldbrandgebiet.

Um 10 Uhr geht es in den Crater Lake Nationalpark hinein. Hier ist der Wald sehr schön durchmischt mit diesen riesigen Redwood-Tannen. Beim Hwy 62 kommen zwei Kilometer Road-walk, das ist der Killer für die Füsse, die reklamieren sofort bei der Belastung.

Um 13 Uhr sind wir schon beim Park-Campingplatz Mazama, so schnell hätten wir nicht gedacht, dass wir hier sind. Die Vorfreude auf eine Pizza hat uns beschleunigt. Langsam aber sicher wird bei uns der Gewichtsverlust ein Thema, das Essen wird immer wichtiger. Nicht angenehm, wenn du isst und isst, aber deine Reserven (Fettpolster) werden kleiner und kleiner – echt. Der Camping hat ein Restaurant, einen Laden, eine Laundry und Duschen. Natürlich gehen wir zuerst essen. Beim Essen treffen wir wieder Yves, er wird heute weitergehen, er hat vor, in Oregon ziemlich durchzulaufen wegen seinem gebuchten Flug.

Nach dem Essen gehen wir zum Laden, um einzukaufen für die nächsten sieben Tage. Eigentlich wollten wir weitergehen zu einem Camping Richtung Crater Lake, dieser ist nicht auf dem PCT. Er ist gesperrt, wieso wissen wir nicht. Wir fragen bei der Parkaufsicht nach, welche Campingplätze auf dem Seitentrail für PCT-Hiker erlaubt sind. Auf dem Trail zum Lake hätte es noch einen Campingplatz, aber leider darf man jetzt nicht übernachten auf dem Trail. Sie haben dort Mountain Lion (Berglöwen)- «Aktivitäten», was das genau heisst, behält er für sich.

Also bleiben wir hier für die Nacht, super, nochmals dick essen. Der Park hat extra Plätze für die Hiker, hier sind sicher über 20 Zelte, viele Hiker, die von Norden nach Süden laufen oder Sektion-Hiker. Thru-Hiker hat es fast keine, die sind weitergezogen bevor es gesperrt wurde. Man kann auch Streckenabschnitte weglassen oder umfahren, was natürlich bei Bedingungen wie in diesem Jahr – wegen dem vielen Schnee, Flussüberquerungen oder den Waldbränden oder einfach weil einem etwas nicht gefällt – auch gemacht wird.

Wir hoffen, dass es in der Nacht nicht allzu laut wird. Den Schlaf braucht man, sonst hat man Mühe, anderntags die Leistung zu bringen. Einer kommt und fragt uns, ob wir auch noch Bier besorgen für die Party. Wenn der dieselbe Strecke gelaufen wäre, hätte er sicher einen anderen Fokus. Wir machen dann die Wäsche, duschen und mit dem Pizza essen wird’s 21 Uhr. Unser Zelt steht etwas abseits, mit anderen, die zum Glück auch schlafen.

Schluss bei km 2926 (Meile 1819), gelaufen sind wir 30 km oder 19 Meilen.