TAG 10, 14. April, Meile 170, erster Schnee

Am Morgen sind wir noch einmal duschen, und dann ins Dorf richtig fein frühstücken gegangen. Ab jetzt können wir wieder auf dem Trail gehen. Das heutige Ziel ist der Gipfel von Mount San Jacinto, auf 3’302 Meter Höhe. Das Wetter ist sonnig, der Weg mehrheitlich im Nadelwald.

Der Summit Trail steigt ziemlich an und wir stossen auf ersten Schnee. Wir finden es toll,  endlich Schnee zu haben. Sebastian, ein Hiker aus New York, aber aufgewachsen in Deutschland, machte Fotos von uns. Es geht immer steiler bergauf, und da hat’s richtig viel Schnee. Zum Glück haben wir die Mikro-Spikes gekauft, denn die Steigung ist recht streng. Sebastian hat keine dabei. Er bleibt zurück und überlegt sich, ob er umkehren soll.

Wir kämpfen uns weiter und überholen sogar jemand. Ein Ehepaar aus Malta, die rutschen arg auf dem Schnee. Nur mit Trail-Schuhen ist das kein Vergnügen. Mit den Mikro-Spikes geht es besser, obwohl sie weniger griffig sind als Steigeisen. Wir fragen uns, ob wir den Gipfel schaffen. Zum Glück haben wir ein GPS, denn der Weg ist jetzt komplett unter dem Schnee. Wir müssen ihn ständig suchen, aber so geht es einigermassen. Mit dem Gipfel aber wird’s nichts. Es wird natürlich etwas später bis wir einen guten Platz gefunden haben zum Übernachten. Wir sind auf dem Weg, der vom Berg runter geht, ringsum geht’s steil bergab, wir sind glücklich über den Platz.

Als wir uns eingerichtet haben kommt Sebastian mit einem anderen Hiker vorbei. Der Platz ist leider sehr klein, sonst hätten wir hier alle zusammen zelten können. Sebastian meinte lakonisch „Swiss First“ und wir lachten. Dieser Spruch ist bei den Hikern gut angekommen. Wir hoffen, dass das Paar aus Malta auch noch vorbeikommt. Erst als wir schon im Zelt sind kommen sie erschöpft und genervt bei uns vorbei. Ohne Navi muss man einfach den Spuren folgen, aber man weiss nicht, welches die richtige Spur ist. Sie suchen sich auch schnell einen Platz und wir gehen endgültig schlafen. Mit unseren Schlafsäcken frieren wir nicht.

TAG 9, 13. April, Idyllwild, Meile 152

Am Morgen sind wir früh aufgestanden, haben schnell einen Kaffee getrunken und sind losgezogen. Heute werden wir bis Idyllwild gehen. An diesem Weg liegt das Paradise Cafe, aber bis dahin wird es noch dauern.

Neben Büschen hat es immer mehr Kakteen, verschiedene und grosse Arten. Um 14 Uhr sind wir beim Café Paradise angekommen, es hatte richtig viele Leute, auch einige Hiker. Wir bestellten einen riesigen Burger und tranken Coke bis zum Abwinken. Zum Glück sassen wir mit zwei anderen Hikern zusammen, die schlugen auch ordentlich zu.

Wir erfahren, dass die Strecke nach Idyllwild wegen Waldbrand geschlossen ist. Entweder man geht zu Fuss auf der Strasse weiter oder – vielleicht haben wir Glück – und es nimmt uns jemand mit. Auf der Strasse zu gehen ist für uns keine Option. Das ist zu gefährlich und wäre auch für die Füsse nicht gut. Es ist ein erheblicher Unterschied, ob man auf Asphalt oder Sandboden läuft.

Wir konnten mit zwei anderen Hikern in einen geschlossenen Pickup steigen, hinten auf die Ladebrücke. Der Fahrer hatte einen fürchterlichen Fahrstil und ist wirklich gefahren wie ein Verrückter. Also Autofahren ist echt gefährlicher als hiken. Die anderen zwei wollten dann in ein Hotel, wir auf den örtlichen Zeltplatz.

Beim Aussteigen kam gleich ein Ranger zu uns. Er war nicht begeistert, als er sah mit wem wir ankamen. Der Fahrer war wohl dem Ranger bekannt. Wir waren auch schlecht drauf, nach dem üppigen Essen war diese Fahrt nicht das Wahre für unseren Magen. Ab jetzt werden wir beim Autostopp zuerst genauer hinschauen und nicht gleich einsteigen, egal wie nett wir gefragt werden, ob wir eine Mitfahrgelegenheit brauchen.

Der Campground hat alles was man braucht: eine geniale WC-Anlage mit warmer Dusche, Waschmaschine zum Kleider waschen und einkaufen kann man im Dörfchen. Schnell unser Zelt aufstellen und dann richtig lange duschen. Das ist das Beste nach mehreren Tagen wandern: eine warme Dusche.

Frisch geduscht gehen wir noch ins Dörfchen, wo es ein Geschäft für Outdoor hat. Nichts wie los, mal schauen, ob wir neue Trail-Schuhe finden. Im Outdoor-Laden wurden wir sehr gut beraten. Der Verkäufer wusste genau, welche Trail-Schuhe ich brauche und hat uns gleich noch Mikro-Spikes verkauft. Das sind eine Art Gummiketten, die man über die Sohlen streift. Damit ist es einfacher auf hartem Schnee zu gehen, der angeblich noch nicht weggetaut ist.

Dann essen wir noch etwas und telefonieren wieder nach Hause. Auf dem Campingplatz sitzen wir noch mit anderen Hikern zusammen und trinken etwas Wein mit ihnen. Irgendwann sind alle schlafen gegangen.

TAG 8, 12. April, Warner Springs, Meile 118

Tagwach um 5 Uhr. Wegen der drohenden Hitze sind wir gleich mit der Stirnlampe losgelaufen. Zuerst ging’s immer hinauf, San Felipe Hills, zum Glück nicht zu steil. Oben dann eine super Landschaft mit riesigen Steinen. Es sieht aus wie in einem Westernfilm. Jetzt noch ein Cowboy auf einem Mustang, das wäre perfekt.

Wir machten uns das Frühstück und sogen die Landschaft in uns auf. Den ganzen Tag haben wir niemanden gesehen. Hier scheint auch nichts zu sein, alles einfach eine riesige Weite. Eine sehr trockene Gegend und es war richtig heiss. Wieder einmal entdecken wir eine Schlange gleich neben dem Weg. Man erschrickt jedes Mal, wenn es rasselt neben dem Weg. Etwa um 18 Uhr haben wir Feierabend gemacht und unser Lager aufgebaut.

TAG 7, 11. April, Eagle Rock, Meile 100

Tagwach wieder um 5 Uhr. Heute sind wir nicht so motiviert aufgestanden, der gestrige Tag beschäftigt uns schon noch. Wir glauben nicht mehr so recht, dass es möglich ist diese Strecke zu meistern. Schlechte Stimmung, so wandern wir heute recht schweigsam hintereinander her bis zur Steinformation Eagle Rock.

Andy will weiterlaufen. Wir haben dann ein wenig diskutiert, dann läuft er einfach weiter. Das ist mir jetzt egal, ich biege ab zu den Felsen, die aussehen wie ein Adler. Nach einer Weile kommt auch Andy, er ist etwas sauer, weil ich einfach weglaufen bin. Darauf sage ich, er soll mal schauen was wir verpasst hätten. Als er den Adler sieht, ist er begeistert und alles wieder Ok.

Wir lassen unsere schlechte Laune hinter uns, wollen schnell zum Campground Warner Springs. Dort soll es eine warme Dusche haben, das ist genug Motivation. Wir gehen über eine riesige Wiese, dann geht es in ein Tal hinunter, immer am Bach entlang bis Warner Springs.

Bei der Strasse zum Campground steht ein Polizist mit seinem schwarzen fetten Fahrzeug auf dem Parkplatz. Er fragt uns, ob wir nach vorne ins Restaurant oder auf die Post müssen. Der Polizist war an Freundlichkeit nicht zu übertreffen. Die Rucksäcke deponieren wir beim Camping-Empfang und lassen uns gerne zum Essen fahren. Als wir auf dem Rücksitz sitzen, fragen wir ihn, ob wir ein Foto machen dürfen. Natürlich dürften wir. Also, schnell ein Selfie machen, das werden wir nach Hause schicken, wird sicher für Diskussionen sorgen.

Nach dem Essen sind wir wieder richtig gut drauf. Zurück müssen wir gehen, aber es ist nicht weit zum Campground. Hier hat es viele Hiker und ich bin nicht die Einzige mit Blasen an den Füssen oder anderen Blessuren. Einige geben auf oder nehmen sich eine Auszeit vom Trail. Wir wollen jetzt warm duschen, dafür muss man etwas bezahlen und bekommt ein Badetuch. Die Duschen sind einfache Bretterabteile hinter dem Haus. Wasser in die Eimer und damit duschen, so geht das hier. In der Dusche sitzt auf dem Ablauf eine fette Kröte, die unter das Haus verschwindet. Auf der Mauer sitzt etwas wie ein Salamander, nur grösser, der bleibt erst noch. Andy ruft, es komme ein Hase. Auch der verschwindet unters Haus. Solange keine Schlange kommt, ist mir das egal. Wir waschen unsere Kleider. Gleich nebenan kann man die Kleider aufhängen, die sind in einer Stunde sicher trocken.

Noch nach Hause telefonieren, das tut richtig gut, wieder einmal „Schwitzerdütsch“ reden und hören, wie es zuhause geht. Dann tauschen wir uns mit einigen Hikern aus und verschicken die Fotos an Freunde. Auf unser Selfie kommt prompt die Reaktion, was wir jetzt wieder angestellt hätten.

Hier wird anscheinend noch eine richtige Party steigen, für uns ist das nichts. Es wird recht viel gekifft und Alkohol getrunken. Wir laufen weiter in den Abend bis wir zu einem Platz mit Bach kamen. Zelt aufstellen und dann gleich ins Bett.

TAG 6, 10. April, Meile 90

Tagwach um 5 Uhr. Wir ziehen sofort los, denn es wird heute sicher sehr heiss. Wir laufen immer zwei bis drei Stunden und machen dazwischen etwas längere Pausen. Wir müssen noch die Steigung machen, aber das ist zum Glück ring gegangen. Mit diesen Füssen war es kein Vergnügen mehr, die Beine machen so auch nicht gut mit. Ich hoffe, es kommt besser.

Um 16 Uhr kamen wir beim Campground an. Andy musste jetzt alles machen, mir war es hundeelend. Andy ist super geduldig, er sagt: «Wir gehen einfach so wie es für dich geht. Du sagst, wenn du eine Pause brauchst und dann parken wir.“ Dadurch war für mich jeglicher Druck weg, und langsam geht es mir wieder besser. Vielleicht war mir auch wegen dem süsslichen Rauch, der sich jetzt auf dem Campground verteilte, so schlecht. Hiker scheinen gerne etwas zu rauchen.

Zero Day, 9. April, 25. Hochzeitstag

Diesen Morgen schlafen wir aus und frühstücken besonders gemütlich. Wir hatten in Julian recht feine Sachen gekauft für diesen Tag: eine Papaya, etwas Käse, Salami, Nüsse und frisches Gemüse. Hier nehmen wir uns die Zeit die letzten fünf Tage zu besprechen und die Blasen an meinen Füssen zu versorgen. Der Zehennagel vom grossen Zeh ist jetzt endgültig weg.

Uns war klar, dass wir zu viel Gewicht haben. Also, ein tiefes Loch graben und alles rein was nichts bringt: Reserve T-Shirts, Trainerhosen, Schal, Sonnenhut, Kamm und Schreibmaterial und so weiter. Möchte nicht wissen, wie viele solche Löcher es auf diesem Weg gibt. Den Rest vom Tag verbringen wir sehr gemütlich mit essen, reden und lachen. Nur die Füsse schmerzen. An so einem aussergewöhnlichen Ort, in dieser wunderschönen Landschaft den Hochzeitstag zu verbringen, ist ein Geschenk für uns.

Am Abend schaffte ich es mir meinen kleinen Zeh noch komplett zu ruinieren. Beim ins Zelt gehen, rammte ich den Zeh in den Stein, den Andy auf den Hering gelegt hatte. Hier war es nicht windig, deshalb habe ich nicht mit Steinen gerechnet und leider auch nicht aufgepasst. Bis dahin hatte der Zeh eine Blase, aber jetzt konnte Andy die Haut im vorderen Teil samt Nagel wegnehmen. Es schmerzte recht. Andy meinte, wieso ich nicht auf den Stein geachtet habe und ich meinte, wieso er überhaupt einen draufgelegt habe. Dann kugelten wir  uns vor Lachen. Ideal ist dieser Zeh ohne Nagel jetzt nicht gerade. Andy nimmt solange bis ich neue Schuhe habe möglichst viel von meinem Gewicht. Rechts trage ich nun meinen Schuh und links nehme ich den von Andy, denn er hat zwei Paar dabei. Ansonsten, eigentlich ein super Tag.

TAG 5, 8. April, Julian, Meile 77

Tagwach um 7 Uhr. Wir wollen heute bis zur Ortschaft Julian gehen um dort am 9. April unseren 25. Hochzeitstag zu feiern. Wir wandern bis zum Highway und machen dort Autostopp. Das war ein sehr lustiges Erlebnis. Ein Kombi hält an und deutet, nichts wie rein in den Wagen. Der Mann sieht recht unfreundlich aus und die Frau sagt kein Wort. Im Auto hat es jede Menge Werkzeug, eine Axt, Motorsägen und Gewehre. Sie sind wahrscheinlich Farmer.

Er trank Bier beim Fahren; eine schräge Situation. Irgendwann fragte er, was wir in Julian wollen. Ich zeigte ihm meine Schuhe und da war das Eis gebrochen. Sie zeigten uns alles in der kleinen Westernstadt, jedes Geschäft, das es gab. John und Berta waren extrem hilfsbereit und super-freundlich. Sie fuhren uns direkt vor ein Geschäft, das allerlei Waren für Hiker verkaufte und vor dem eine Hiker- Box stand. Dann verabschiedeten wir uns von dem Paar. Das Geschäft führte dann nur Arbeitsschuhe, ich muss also weiter mit diesen Schuhen. 

Leider fanden wir in Julian keine Möglichkeit zum Übernachten – alles belegt, schade! Die kleine Westernstadt scheint sehr beliebt. Wir wollen bevor wir wieder auf den Weg gehen, vorher noch in einem Restaurant etwas essen. Beim Eingang fingen sie uns gleich ab und verfrachteten uns in den hinteren Teil. Ok, gerade gepflegt sahen wir nicht aus. Wir assen und tranken sehr viel, es war sehr lecker. Viel Coke, nach so viel Wasser kann man nicht genug davon trinken.

Back on the way. Um Autostopp zu machen mussten wir erst einen guten Ort finden. Ein Auto hielt an und der Fahrer erklärte uns, wo es besser sei und meistens die Hiker und Tramper stehen. Wir wechselten den Standort, da klappt es. Ein Uber-Fahrer nahm uns mit, aber wollte für die Fahrt nichts nehmen. Er deckte uns sogar noch mit Energydrinks ein. Bis jetzt läuft es wirklich gut.

Vom Highway geht es direkt unter eine Brücke mit «Trail Magic». Trail Angels haben hier jede Menge Essen, Wasser und auch Süssgetränke deponiert. Wir reden noch ein wenig mit einem Ehepaar, deren Trailname «Red Dog» ist. Trailnamen bekommt man von anderen Hikern. Eigentlich kennt man sich unterwegs besser mit den Trailnamen. Die Red Dogs sind etwa gleich alt wie wir und auch als Ehepaar miteinander unterwegs.

Wir planen noch ein ziemliches Stück den Hang hinaufzulaufen und uns einen schönen Platz zu suchen. Morgen wird unser erster „Zero Day” sein, also Null Meilen laufen.

Mitten im Hang hat es ein kleines Tal nach hinten, das gut windgeschützt ist. Zweimal um die Kurve kann kein Wind nach hinten pfeifen. Links und rechts geht’s steil hinauf, alles mit blühenden Kakteen gesäumt – perfekt für unseren Zero Day.

Als wir uns eingerichtet hatten, kam eine Gruppe amerikanischer Hiker, die meinten, wir hätten ihren Platz gestohlen. Andy sagte: „Swiss First“. Die Amerikaner sahen zuerst recht geschockt aus, aber dann haben alle gelacht. Nach einer Pause zogen sie dann weiter und wir gingen irgendwann schlafen.

TAG 4, 7. April, Meile 60

Tagwach wieder um 6 Uhr. Heute werden wir öfters Pausen machen müssen. Die Blasen sind so gut es geht abgeklebt, vom grossen Zeh ist der Nagel Blut unterlaufen. Meine Schuhe schneiden wir vorne bei den Zehen mit dem Taschenmesser auf. Naja besser, aber ich bräuchte grössere Schuhe.

Wir wandern los in dieser rauen, aber schönen Landschaft. Es scheint, als wären wir alleine auf dem Trail, wir treffen nichts und niemanden. Wir finden wieder einen guten Platz mit Aussicht und im Windschatten eines Busches zum Übernachten.

TAG 3, 6. April, Mount Laguna, Meile 42

Als wir so um 5 Uhr aufstehen sind die Zwei schon weg. Wir haben es nicht so eilig und ich die ersten Blasen. Andy natürlich keine. Drum ist mir recht, nicht zu ehrgeizig zu sein, die Blasen sind kein Spass.

Dieser Tag ist sensationell, die Aussichten sind überwältigend. Wir steigen etwa auf 2000 m  hoch, haben da eine 360-Grad-Rundumsicht. Unter uns sehen wir jetzt die gebirgige Wüste, wir fotografieren wie blöd. Wir kommen der Desert mit dem langen Namen (Anza-Borrego) immer näher.

Bei der Strasse zur Ortschaft Mount Laguna sind wir in die falsche Richtung gelaufen. Der Ladenbesitzer des Outdoor Shops hat uns aufgegabelt und gleich mitgenommen – praktisch. Super, da können wir einige Kleinigkeiten kaufen und die Hiker-Box durchstöbern. Eine Hiker-Box ist eine Kiste, in welche Hiker nicht benötigte Sachen reinlegen, beziehungsweise rausnehmen können. Es erstaunt uns, vor dem Laden eine Hiker-Box zu sehen. Wir nehmen ziemlich viel Essen raus.

Andy wollte im Shop neue Unterhosen kaufen. Als ich den Verkäufer frage, wo diese sind, fragt er zurück, ob wir schon in der Hiker-Box nachgeschaut hätten. Das war jetzt ein Scherz, oder? Wir sind uns nicht ganz sicher und Andy kauft sich neue und auch noch Socken. Im nahen Restaurant (ca. 10 Minuten vom Outdoor Shop) essen wir noch etwas und machen uns um 12 Uhr auf den Weg zurück zum Trail. Diese Landschaft ist für uns sehr spannend, mit nirgends in der Schweiz zu vergleichen. Kaum finden wir einen schönen Platz, beenden wir diesen herrlichen Tag. Meine Füsse schmerzen und hier möchten wir es geniessen.

TAG 2, 5. April, Morena, Meile 22

Tagwach um 6 Uhr. Wir haben recht gut geschlafen, packen gleich alles zusammen und laufen ohne Frühstück los. Es sind fünf Meilen bis zum Campground, aber der Weg geht wieder rauf. Auf der Höhe haben wir eine super Aussicht auf einen See. Das finden wir ideal für unser Frühstück: Haferflocken, Süssigkeiten und natürlich Kaffee.

Weiter geht’s. Am Wegrand staunen wir über die vielen Blumen und Büsche. So nahe an der Desert hatten wir uns die Landschaft karger vorgestellt.

Den Campground erreichen wir etwa um halb zehn. Einer der Hiker sagt uns, dass man bei den Toiletten Wasser filtern könne. Bei den Lavabos sind schon einige Hiker am Wasser filtern. Es gäbe leider keine andere Möglichkeit, da roch es grässlich. Fürs Filtern brauchen wir sehr lange, alles Wasser muss durchgepumpt werden. Als wir den Filter gekauft haben, sah das viel relaxter aus. So viele Liter am Tag sind dann etwas anderes.

Der Weg schlängelt sich mehr oder weniger im flachen Gelände dahin. Wir werden wieder einmal überholt. Wir mühen uns zuerst mit Englisch ab und der junge Mann gibt uns auf Deutsch Antwort. Vielleicht sollten wir in Zukunft besser zuerst fragen, wo er lebt. Er sagte, dass er uns bewundere, dass wir in unserem Alter dieses Abenteuer wagen. Er war uns gleich sympathisch, das mit dem Alter hatten wir auch oft zuhause gehört.

Gegen Mittag haben wir eine tolle Überraschung: ein Trail Angel. Trail Angel sind Leute, die den Hikers helfen. Dieser hatte sogar Starbucks für uns, Melone, Chips, Süssigkeiten, Cola, etc. Jan, unser erster Trail Angel macht das einfach für die Hiker, in seiner Freizeit so zum Spass. Er will auf gar keinen Fall etwas dafür haben. Er sagt, wir werden so in drei, vier Tagen noch auf einen Trail Angel-Frau treffen, die es mehr gebrauchen könne, wir sollten ihr doch etwas geben. Jan findet die Schweiz ein wunderbares Land, wir bedanken uns bei ihm.

Hier ist auch noch der junge Deutsche von vorhin, grad kurz vor Abmarsch als wir eintreffen. Er scheint erstaunt, dass wir ankommen und fragt nach, wie alt wir genau seien. Jetzt kann er es kaum mehr fassen, dass wir in unserem  Alter so was machen. Mal schauen, wie oft wir ihn noch treffen, er scheint recht ehrgeizig zu sein.

Als wir wieder auf dem Weg sind, diskutieren wir über die Situation. Ist doch einfach genial, du wanderst im Nirgendwo und plötzlich steht einer mit seinem Pickup voller Essen, Leckereien und Wasser da und bewirtet dich, sogar kostenlos.

Der Tag ist einfach genial und vergeht recht schnell. Laufen, Pause, essen, laufen, Fotos machen und die Landschaft geniessen. Für die Übernachtung sind wir bis an einen Bach gewandert. Dort sind bereits zwei Hiker, den ersten kennen wir vom Start, der andere ist wieder der junge Deutsche. Er sagt natürlich wieder was zu unserem Alter, da müssen wir jetzt durch. Egal, ist sonst ein netter Typ.

Zwischen den Bäumen bauen wir schnell das Zelt auf, daneben fliesst ein kleiner Bach. Beim Essen reden wir mit den anderen über den Trail, ihre Pläne und Erlebnisse. Man will so viel wie möglich erfahren. Aber für uns ist die Verständigung schwierig, wir können beide nicht so gut Englisch. Mit Händen und Füssen hilft, mit etwas Fantasie und kombinieren wird’s langsam besser. Wir gehen wieder sehr früh schlafen, um 20:30 Uhr.